
Humungus (Foto: Georg Molterer)
„Aua! Da gibt’s ja etwas, das noch härter und noch lustiger ist als alles andere, das ist genau mein Ding“, erinnert sich Gerhard Hradil an seine Gedanken nach dem ersten Wrestling-Training. Zu diesem Zeitpunkt hatte der heute 48-Jährige (bzw. behauptet er seit 23 Jahren, 25 zu sein) bereits Erfahrungen in Kampfsportarten wie Judo, Kung-Fu und Karate.
Als „Humungus“ hat er sich in der Wrestling-Szene weltweit einen Namen gemacht, etwa in Nepal als Bösewicht vor 18.000 Leuten gegen den Lokalmatador gekämpft zu einer Zeit, in der das Publikum gedacht hat, es handle sich um einen „ultrabrutalen“ und „echten“ Kampf. Und daher den K. o. des Lokalmatadors mit rund 5.000 fliegenden Sesseln kommentiert hat.
Und heute? „Denken die Leute, beim Wrestling ist alles nur Show.“ Und die Realität? „Liegt wie immer irgendwo in der Mitte“, so Hradil. Zugeschlagen wird sehr wohl beim Wrestling. Nur eben nicht so, wie es für den Zuschauer aussieht. Schmeißt sich ein Wrestler beim Ellbow-Drop mit dem Ellbogen voran auf den Kehlkopf des Gegners („das wäre tödlich“), trifft er ihn in Wahrheit mit dem Trizeps auf der Brust. Dass das dennoch schmerzhaft ist, leuchtet – bei
einem Kampfgewicht von 115 Kilogramm (Humungus) – auch dem Laien ein.
Hradil selbst steht nur noch selten im Ring. Vielmehr gibt er seine Erfahrung an den Nachwuchs weiter und kümmert sich um die Organisation von Wrestling-Shows in Österreich. Bereits 1998 gründete er gemeinsam mit Kollegen „Romeo“ die Wrestling School Austria, in der derzeit rund zwanzig Nachwuchs-Wrestler lernen, wie man kämpft, ohne dass es so wehtut, wie es aussieht.
Besonders wichtig: die sogenannte Fallschule. Schließlich ist das Ziel, den Gegner zu Boden zu bringen. Und das möglichst glimpflich, da der Kampf sonst schnell vorbei ist. Wer schlussendlich liegen bleibt, steht schon im Vorfeld eines Kampfes fest, der Rest der Show ist größtenteils improvisiert.
Dazu gehört auch die Entscheidung, ob man ein „Guter“ oder ein „Böser“ ist. Diese trifft zwar das Publikum, jedoch als Konsequenz aus dem Auftreten der Wrestler. Als Humungus machte es Hradil dem Publikum nicht allzu schwer: „Ich bin ein bequemer Mensch, warum soll ich 20 komplizierte Griffe machen, wenn ich dir einfach ins Aug’ stechen kann?“ Sympathiewerte gewinnt man dadurch eher nicht.
Aber was muss man mitbringen, um ein Wrestler zu werden? „180 Euro Mitgliedsbeitrag und Sportsachen.“
Und um ein erfolgreicher Wrestler zu werden? „Zehn Euro Trinkgeld für den Trainer.“ Und jetzt ernsthaft? „Kann jeder werden. Bei der Wrestling-Technik ist für jeden Körperbau etwas dabei.“