Wiens Uniformen werden immer vielfältiger; kein Wunder bei den vielen neugegründeten Diensten der Stadt. Wohnpartner, Linienservice, die Verstärkung für den Putztrupp in der U-Bahn und die ebenfalls für Reinlichkeit zuständigen Waste Watcher, nur um ein paar Beispiele zu nennen.
Warum aber macht man sich die Mühe, für tausende Euro Kleidung anfertigen zu lassen, damit später alle gleich aussehen?
Uniformen gibt es schon seit der Antike in vielen Teilen der Welt. Ihren Ursprung haben sie im Militär. Die zusammengehörenden Einheiten sollten erkennbar sein, um die Wahrscheinlichkeit, Verbündete anzugreifen, zu verringern. Die einheitliche Kleidung der Soldaten stärkte zusätzlich den Korpsgeist – das Gefühl, einer Gruppe, oder in anderen Fällen einem Staat, anzugehören.
Dieser Gedanke führte in immer mehr Bereichen dazu, dass Uniformen getragen wurden, wie bei den Mitgliedern von Hilfsdiensten oder der Polizei. Und auch bei anderen nichtmilitärischen Gruppen steht die Zusammengehörigkeit im Vordergrund.
Eine tropische Uniformvielfalt herrscht mittlerweile in Wien. Die Mitarbeiter der Wiener Linien bekommen ab Ende August neue Dienstkleidung. Belastbar, atmungsaktiv, wetterfest und mit vielen Taschen ausgestattet sollte die neue Tracht sein. 300 Entwürfe der Modeschule Michelbeuern hat es gebraucht, bis sie für 3500 der mehr als 8000 Bediensteten ausgewählt waren. Kirschrot und Taubenblau, zehnteilig und 400 Euro das Set. Über einen Web-Shop können sich die Mitarbeiter selbst ihren Stil auswählen: elegant mit Hemd und Sakko oder sportlich mit Poloshirt und Jacke. Das derzeitige Design aus dem Jahr 1996 wird allerdings noch „ausgetragen“.
Zusätzlich zur neuen Kleidung haben die Wiener Linien jüngst neue Abteilungen auf die Beine gestellt. So zum Beispiel den Linienservice, der oft mit der U-Bahn-Aufsicht verwechselt wird, da beide Dienste die gleichen neongelben Westen mit Silberstreifen tragen. Unterscheiden kann man sie nur von hinten – anhand der Aufschriften. Manchmal erkennt man einen Mitarbeiter des Linienservice auch an der blauen Baseballkappe, die aber nicht verpflichtend getragen werden muss. Seit 2004 gibt es bei den Verkehrsbetrieben keine Vorschriften mehr in Bezug auf die Kopfbedeckung. Bei den neuen Uniformen sind gar keine Kappen mehr vorgesehen. Kopftücher und Turbane sind erlaubt.
Das berühmteste, weil gefürchtetste Accessoire, die schwarze Kappe der Kontrolleure, wird schon lange (seit 1994) nicht mehr getragen. Sie wurde durch etwas noch Fieseres ersetzt: die Tarnkappe. Schwarzkappler sind heutzutage nicht mehr zu erkennen, weil sie in zivil auftreten und damit extrem gut getarnt sind.
Besonders ausgefallen sind die Uniformen der Angestellten der Stadt Wien. Spitzenreiter sind die Waste Watcher. Wer hier hauptberuflich angestellt ist, hat nichts zu lachen: Man trägt graue Hosen, riesige, dunkelblaue Parkas über weißen Hemden oder Blusen plus schwarze Krawatte und blaues Kapperl. Mutig.
Stadtgärtner tragen ihrem Beruf entsprechend grüne Overalls mit roten Streifen und damit eine der schönsten Uniformen in Wien.
Sehr speziell in Schale geworfen hatte man die Helfer der Volksbefragung im Februar 2010. Sie mussten beige Mäntel im Trenchcoatstil tragen – inklusive eingekreistem, rotem X am Saum.
Bei der MA 48 trägt man orange Schutzkleidung gegen den Schmutz der Wiener Straßen. Das einfachste Erkennungsmerkmal gehört den etwa 100 Mann und Frau starken Wohnpartnern, die seit Anfang 2010 rund um das Thema Wohnen informieren. Um als Wohnpartner erkannt zu werden, brauchen sie nichts anderes als die praktische Umhängetasche mit Logo und Name vorne drauf. Der Rest ist zivil.
Nebenher bietet die Stadt Wien einen bunten Zoo an Warnwesten. Vom Blau der Ordnungsberater, die in den Gemeindebauten für die Einhaltung der Hausordnung zuständig sind, über das Orange der Night Watcher, ebenfalls im Gemeindebau tätig, bis zum Türkis der Fair-Play-Teams – zuständig für Konfliktlösung im öffentlichen Raum – leuchtet das Angebot in allen Farben.
Feuerwehrleute tragen keine Uniform, sondern eine speziell genormte und mit 100 Gütesiegeln bestempelte Schutzkleidung. Sogar die blauen Hosen und Hemden der Feuerwache, die im Rathaus nach dem Rechten sieht, sind Schutzkleidung der Stufe eins, damit bei eventuellen Bränden gleich gehandelt werden kann.
Die Mitarbeiter der Wiener Berufsrettung tragen rote Jacken und Hosen, zusammen mit blauen Polohemden. An weißen Hosen erkennt man die Notärzte.
Bei der Polizei sind mittlerweile die dunkelblauen Uniformen mit ihren Trägern im Einsatz. Zwei Unterfraktionen haben sich aber einen speziellen Eintrag in diese Liste verdient. Die sogenannten Blau- und Weißkappler, zu erkennen an der entsprechenden Kopfbedeckung. Wobei Erstere für Kurzparkzonen und Zweitere für den ruhenden Verkehr zuständig sind. Beide unterstehen der Bundespolizei und sind bei der MA-67-Parkraumüberwachung angestellt. Einige MA-67-Mitarbeiter hatten vergangene Woche plötzlich mit allergischen Reaktionen an Waden und Schienbeinen zu kämpfen. Unter Verdacht stehen neuangeschaffte Uniformhosen. Ob die Hosen Schuld an Rötungen und Juckreiz der Betroffenen sind, ist vorerst unklar. Die Ermittlungen des Amtsarztes dauern an. Es gilt die Unschuldsvermutung.