Tier der Woche: Sommerplagen II

Zeichnung: Bernd Püribauer

Das kalte Frühjahr und die dauerhaften Regenfälle der letzten Woche lassen die Presseaussendung mit dem bemüht alarmierenden Titel „Auch heuer wieder starkes Wespenjahr erwartet!“ nicht besonders aktuell wirken. Hat da ein Praktikant eine Meldung vom letzten Jahr irrtümlich versendet? ORF On übernahm jedenfalls den Text und führte als Quelle für diese Prognose anonyme „Experten“ an. Insektenfreunde wollen da natürlich sofort mehr wissen, und wir kratzen an der PR-Oberfläche. Als Aussender firmiert eine „Initiative Insektengift“, hinter der wiederum die ALK-Abelló Allergie-Service GesmbH steht. Daher werden in der Aussendung auch die Gefahren eines Wespenstichs in gebotener Dramatik beschrieben, die von „Schwindelgefühl und Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen, Schluck- und Sprechbeschwerden“ bis zu „lebensbedrohlichen Atemstörungen sowie völligem Zusammenbruch des Kreislaufs“ reichen. Wird die Menschheit da noch überleben?

Doch es gibt Hilfe! Entweder man vermeidet den Kontakt mit Insekten, indem man auf „Distanz zu Blüten, überreifen Früchten und Fallobst“ geht, „möglichst auf Picknicks verzichtet, tagsüber Fenster von Auto und Haus geschlossen und den Körper so weit wie möglich bedeckt hält“. Oder man will doch noch sein Leben zurück, dann hilft ein abschwellendes Histaminikum, ein das Immunsystem dämpfendes Kortisonpräparat und – als unentbehrlichstes Notfallmedikament – die Adrenalin-Fertigspritze. Diese wird nicht wie bei Uma Thurman im Film „Pulp Fiction“ direkt ins Herz gebohrt, sondern deren Inhalt wird ganz dezent durch die Kleidung in den Muskel gespritzt.

Was, das passt Ihnen auch nicht? Wie wäre es dann mit einer Immuntherapie, bei der „Insektengift in reinster Form“ bis zu fünf Jahre lang verabreicht wird, um langfristigen Schutz zu gewährleisten? Danke Pharmaindustrie! Unverständlich, wie Menschen früher ohne diese medizinisch-chemischen Segnungen im Garten zu sitzen wagten.

Ich empfehle hingegen das „starke Wespenjahr“ dazu zu nutzen, um der jüngsten Empfehlung der Uno-Welternährungsorganisation Folge zu leisten: Demnach sollen künftig auch in den westlichen Industrienationen als Alternative zu Säugetierfleisch verstärkt Insekten auf dem Speiseplan zu finden sein.

Artikel kommentieren

Bitte geben Sie Ihren vollständigen Vor- und Nachnamen, sowie eine gültige E-mail-Adresse ein. Wir behalten uns vor, Kommentare mit unvollständigen Angaben oder unangemessenem Inhalt nicht zu veröffentlichen. Die geteilten Kommentare müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen, die inhaltliche Verantwortung trägt ausschließlich der Verfasser des jeweiligen Kommentares.

(wird nicht veröffentlicht)


*