Vor den Graz-Wahlen bittet der Falter die Parteichefs zum Gespräch, den Anfang macht FP-Chef Mario Eustacchio. Als er im Jahr 2008 Susanne Winter als FP-Stadtrat ablöste, galt der ehemalige Banker als vergleichsweise liberal. Eustacchio, selbst alter Herr in der schlagenden Burschenschaft Stiria, umgibt sich allerdings gern mit Korporierten und hatte kein Problem damit, eine Rede für die Österreichische Landsmannschaft zu halten, die das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als rechtsextrem einstuft. Er würde gern Sozialleistungen einschränken, sagt der Stadtrat im Gespräch, für alle, aber speziell für Ausländer: „Leider geht es nicht, nach dem Gleichheitsgrundsatz, da pfuscht uns die EU hinein.“
Falter: Sie haben gesagt, rechte Recken würden Sie persönlich aus der Partei werfen. Schon viele rausgeworfen?
Mario Eustacchio: Nur eine Person, die über Facebook irgendeinen Schwachsinn über Israel verzapft hat. Wenn sich jemand nicht nach den Regeln der Demokratie verhält, hat er in der FPÖ keinen Platz.
Michael Winter wurde wegen Verhetzung verurteilt. Er ist noch FP-Bezirksobmann von Straßgang.
Eustacchio: Die Gerichte wenden den Verhetzungsparagrafen sehr schnell an. Wenn ich da nachgebe, darf man bald gar nichts mehr sagen.
Winter wollte als Maßnahme gegen „türkisch-muslimische Vergewaltigungen“ Schafe im Park grasen lassen. Ist so jemand für die
FP wirklich tragbar?
Eustacchio: Gerade die Linke ist immer dafür, dass sich die Leute bessern können.
Hat er sich denn gebessert?
Eustacchio: Ich kann es nicht sagen, aber ich habe in diese Richtung nichts mehr von ihm gehört.
Sie selbst hielten bei der Sonnwendfeier des WKR und der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) die Feuerrede. Dafür wurden Sie sogar auf einer Neonazihomepage gelobt.
Eustacchio: In der Feuerrede habe ich gesagt, dass ich mich von dieser Plattform nicht vereinnahmen lasse und unterstelle, wenn das noch einmal passiert, dass sie mir bewusst schaden wollen.
Der Eckart, den die ÖLM publiziert, gedenkt in einer Ausgabe von 2005 etwa eines verurteilten Kriegsverbrechers. Sollte ein Stadtrat für eine solche Organisation sprechen?
Eustacchio: Das ist meine persönliche Entscheidung.
Man hört das Jahr über wenig von Ihnen. Jetzt vor den Wahlen werden wieder Ängste geschürt, da wird zum Beispiel ein Minarett gezeigt, das in Graz so gar nicht geplant ist.
Eustacchio: Es ist ein plakatives Beispiel, ein Minarett ist geplant, auch wenn es architektonisch anders aussieht.
Sie schreiben auch, es boome der Moscheebau. Muss die FPÖ immer Ängste schüren, um Wählerstimmen zu bekommen?
Eustacchio: Die Angst ist berechtigt. Das ist so, wie wenn es irgendwo brennt und jener, der Feuer schreit, ist schuld.
Es ist eher, wie wenn irgendwo ein Lagerfeuer brennt und jemand schreit: Alles brennt! Wovor haben Sie eigentlich Angst?
Eustacchio: Vor dem Zuzug extremer Muslime.
Die bosnischen Muslime, die die Moschee bauen, haben sich von radikalen Strömungen abgegrenzt.
Eustacchio: Sagen kann man vieles.
Sie stellen aber alle, die in eine Moschee gehen, unter Generalverdacht.
Eustacchio: Das tue ich nicht, aber wenn Sie ein radikaler Moslem sind, suchen Sie genau eine solche Möglichkeit. Ich sehe zudem die Gefahr, dass Europa islamisiert wird.
Das ist doch nicht realistisch.
Eustacchio: Das ist sehr realistisch, schauen Sie sich die Vermehrungsraten von den verschiedenen Gruppierungen an. Da sind Menschen mit islamischem Glauben sehr stark im Wachsen. Ich sehe es als Gefahr für unsere westliche Kultur, für die Frauen.
Da entdecken Vertreter Ihrer Partei immer den Feminismus für sich.
Eustacchio: Ich bin eh nicht für den Feminismus, der zipft mich voll an. Dieses ständige Labern, den Frauen geht es so schlecht und jetzt müssen wir alles über einen Kamm scheren, zum Beispiel bei den Aufnahmetests auf der Med-Uni!
Abgesehen von der Med-Uni: Warum sollen Frauen in öffentlichen Ämtern und Führungspositionen nicht auch entsprechend vertreten sein?
Eustacchio: Ich muss die Qualität in den Vordergrund stellen.
Heißt das, Männer sind gescheiter und besetzen deshalb den Großteil der Führungspositionen?
Eustacchio: Nein. Der Ausgleich kommt automatisch.
Automatisch funktioniert es nicht.
Eustacchio: Ich komme aus der Privatwirtschaft, da hat nur die Qualifikation gezählt.
Zum Werbeplakat: Sie schreiben, Bürgermeister Nagl habe uns das Betteln eingebrockt: Ist das nicht unehrlich? Betteln ist verboten.
Eustacchio: Nagl exekutiert es nicht, er ist ein reiner Ankündigungspolitiker. Es muss abgemahnt werden, da und dort auch gestraft.
Das tut die Ordnungswache jetzt schon. Zudem: Welches Problem lösen Sie damit?
Eustacchio: Ich habe als Stadtpolitiker nicht die Aufgabe, mich um Menschen zu kümmern, die aus anderen Ländern herkommen. Diese Länder bekommen genug Geld von der EU und müssen sich selbst um ihre Leute kümmern.
Landesparteichef Gerhard Kurzmann wird oft als farblos kritisiert. Sind Sie der bessere Mann für die Landtagswahlen?
Eustacchio: Mein Mittelpunkt ist Graz, ich will interessante Ressorts dazubekommen.
Schließen Sie aus, dass sie 2015 im Land antreten?
Eustacchio: Ich schließe es eigentlich aus. Es hat mich noch keiner gefragt.
Das klingt nicht ganz überzeugt.
Eustacchio: Strache fragt, wie es bei uns aussieht. Kurzmann ist bis zur Wahl 62 Jahre alt. Die Frage ist legitim. F