
Wir sind Schallmauer! Diesen einen von insgesamt fünf Rekorden hat unser Held Felix Baumgartner letztes Wochenende für Österreich ersprungen. Der sechste Rekord – für den größten Medienhype – wurde aber von Guinness noch nicht anerkannt.
Nur die Dramaturgie der Videoübertragung war ein bisschen flau: der kleine, weiße Punkt vor graublauem Hintergrund hatte Charme und Auflösung von Pong, dem ersten Videospiel aus dem Jahr 1972. Vermutlich können heutzutage bereits Kinder im Vorschuljahr solche Animationen erzeugen. Also nicht überrascht sein, falls krude Verschwörungstheorien wie bei der Mondlandung auftauchen, die behaupten, das wäre nur im Studio gedreht worden.
Wenn Lebewesen lebendig angeblich die Schallgeschwindigkeit überschreiten, dann ist eine gewisse Skepsis durchaus angebracht. 1927 publizierte der Insektenforscher Charles H.T. Townsend, dass die amerikanische Hirschbremse (Cephenomyia pratti) mit einer Geschwindigkeit von bis zu 400 Yards pro Sekunde fliegen könne. Umgerechnet entspräche das 1317 km/h. Die New York Times und auch das „Guinness Book of World Records“ übernahmen diese Angabe, der Townsends „visuelle Schätzungen“ zugrunde lagen.
Elf Jahre später widerlegte Irving Langmuir, Nobelpreisträger für Chemie, diese These mit guten Argumenten: Um diese Geschwindigkeit zu erreichen, müsste eine 0,3 Gramm schwere Fliege in jeder Sekunde mehr als das 1,5-Fache ihres Körpergewichts fressen. Außerdem müsste ein Schallknall zu hören sein, bereits ab 102 km/h wäre die Fliege für das Auge unsichtbar und vor allem: Eine Kollision mit einer überschallschnellen Fliege hätte den gleichen Effekt wie der Treffer einer Pistolenkugel. Obwohl es niemals Todesfälle durch zu schnell fliegende Insekten gab und trotz weiterer Publikationen, die diesen Fehler bereits in den 1940er- und 1950er-Jahren aufdeckten, hält sich dieser Mythos bis heute. In fast allen Webforen mit Einträgen zu Rekorden in der Tierwelt findet sich nach wie vor die Hirschbremse. Tatsächlich liegt ihre Fluggeschwindigkeit „nur“ bei 80 Stundenkilometern.
Der Physiker Rainer Müller hat in seinem Buch über Mechanik vorgerechnet, dass ein Mensch im freien Fall nicht mehr als ca. 225 km/h erreicht. Felix Baumgartner hat das nun gemäß dem urösterreichischen Prinzip „Erst probier’s, dann studier’s“ widerlegt. F