Es ist wohl das kreativste Polit-Entertainment des Landes: Die Schauspieler Pia Hierzegger und Michael Ostrowski diskutieren in „Demokratie. Die Show“ mit Gästen gesellschaftspolitische Themen, schieben den Opa ins Heim ab und lassen Burschenschafter ein Lied „für Uwe“ singen. In den Weihnachtsferien zeigt Puls4 die zwei letzten Sendungen der ersten Staffel. Der Falter sprach mit den beiden über stillende Männer, fast nackte Politiker und Interviews, die besser sind als jene von ORF-Anchor Armin Wolf.
Falter: Frau Hierzegger, Herr Ostrowski, zum ersten Mal gibt es dieses Jahr „Demokratie. Die Show“ als Weihnachts- und Silvesterspecial. Zu Weihnachten lautet der Titel der Sendung „Politik und Promille“.
Pia Hierzegger: Wir haben uns gedacht, Saufen passt zu Weihnachten. Da tun es alle.
Auch Sie auf der Bühne?
Michael Ostrowski: Nicht nur zu Weihnachten. Manchmal trinke ich Wasser, manchmal Wein oder Bier. In unserer EU-Sendung waren die Gössnitzer Förderbauern zu Gast, da hatten wir echt guten Schnaps.
Hierzegger: Aber zu wenig. Ich habe nichts bekommen.
Ostrowski: Weil wir den auch an unsere Zuschauer im Studio austeilen. Deswegen sind die immer so gut drauf. Nicht wegen uns.
Hierzegger: Aber ich kann eh nur zuschauen, wenn die in der Sendung saufen. Ich werde nämlich leider vom Alkohol so müd. Ist echt fad.
Wie entstehen Ihre Sendungen?
Hierzegger: Fix ist nur, das die Fernsehsendungen 45 Minuten lang sind und wir zwei Showblöcke und zwei Gäste haben. Wenn das Thema feststeht, schreibt jeder aus dem Redaktionsteam einen Vorschlag für einen Sendungsablauf. Aus diesen Konzepten nehmen wir uns die besten Teile raus. In der Sendung sprechen wir nur die Abläufe und die Ankündigung der Gäste ab. Alles andere improvisieren wir.
„Demokratie. Die Show“ gibt es seit 2008. Damals aber nur als Theaterstück, das wie eine Show inszeniert war. Was ist schwieriger: Theater oder Fernsehen?
Ostrowksi: Diese Verknappung von zweieinhalb Stunden auf 45 Minuten finde ich am schwierigsten. Wir überziehen regelmäßig, was der Regie und dem Schnitt furchtbare Probleme bereitet. Da müssen wir manchmal mehr als die Hälfte wegschmeißen, auch wenn es gut ist.
Das Gegenteil, dass Ihnen nichts einfällt, passiert nie?
Ostrowski: Irgendein Blödsinn fällt uns immer ein. Aber es muss auch nicht dauernd etwas passieren. Als Michael Völker, der Innenpolitikchef vom Standard Gast bei uns war, haben wir zuerst sehr viel geredet. Dann haben wir mitten in der Sendung geschwiegen. Das war ein Supergefühl.
So wie Sie überziehen, wird diese Sequenz wohl als erste rausgeschnitten.
Ostrowski: Genau das ist das Problem.
Was auch auffällt, ist der lange Vorlauf. Sie nehmen Ihre Show teilweise Monate vor dem Sendetermin auf.
Hierzegger: Wir wollen auch nie tagesaktuell sein, sondern uns mit großen gesellschaftspolitischen Themen auf eine andere Art auseinandersetzen, als das sonst passiert.
Aber was ist, wenn Sie für Ihre Aufzeichnung einen Politiker interviewen und der tritt vor Ausstrahlung der Sendung zurück? Gibt’s dafür ein Notfallprogramm?
Hierzegger: Nein. Dann tritt er eben zurück. Das schadet der Sendung nicht, wir haben nämlich nie nur ein Thema. In unserer Pilotsendung, die wir im April aufgenommen haben, hatten wir das Thema Korruption, und Studiogast war Harald Schuster, der Anwalt von Ali Mensdorff-Pouilly. Das Thema ist damals in der Luft gelegen, und die Sendung könnten wir jetzt im Dezember genauso gut zeigen.
Ostrowski: Und manche Typen sind echte Dauerbrenner. Ich bin ja immer noch ein bisschen traurig, dass mein Vorschlag für ein Weihnachtsspecial nichts geworden ist. Ich wollte das Musical „The importance of being Ernst Strasser“ machen. Das wäre jetzt a g’mahte Wiesn. Aber das ist sich leider zeitlich nicht ausgegangen.
In jeder Folge gibt es auch ein Telefongespräch mit einem Politiker. Mit welchem Politiker würden Sie besonders gerne telefonieren?
Hierzegger: Mit einem, der sein Telefon auch abhebt. Es ist schon traurig, dass sowohl Bundeskanzler Werner Faymann als auch sämtliche sonstige Minister komischerweise immer genau dann im Flugzeug sitzen und nicht abheben können, wenn wir sie anrufen wollen.
Wieso werden Politiker in der Sendung nur am Telefon interviewt?
Ostrowski: Ich finde ein Politikerinterview am Telefon spannender als im Studio. Das ist ein ganz anderer Rahmen. Wir rufen meist erst später am Abend an, da sitzt der Politiker dann schon alleine zu Hause. Manchmal passieren auch komische Geschichten. In der nächsten Folge habe ich einen Elvis-Anzug an, der vorne offen ist. Da telefoniere ich mit der Grünen-Chefin Eva Glawischnig. Beim Telefonat habe ich mir einfach ein Stoffafferl, das auf unserer Couch stand, an meine Brust genommen und gestillt. Dann frage ich sie, was sie jetzt noch machen wird. Und sie sagt, jetzt geht sie noch ihre Kinder ins Bett bringen. Das ist einfach passiert und wirkte trotzdem inszeniert. Mein lustigstes Erlebnis war ein Telefoninterview mit dem damaligen steirischen KP-Chef Franz Parteder. Ich ruf den am Handy an und sag „Wo sind Sie denn grad?“, und er antwortert: „Ich bin in der Unterhosen daham!“ Ein Politiker in der Unterflack, das hat was! Ich kann zwar nicht so gut recherchierte Interviews machen wie Armin Wolf. Aber ich finde unsere Interviews möglicherweise interessanter, weil sie nicht so erwartbar sind.
Gab es auch einen Politiker, der das Telefon nicht abgehoben hat?
Hierzegger: Einmal hatten wir ein Telefoninterview mit dem früheren ÖVP-Klubchef Andreas Khol ausgemacht. Allerdings
hatten wir schon ziemlich überzogen und waren schon viel zu spät dran. Da hat
uns Khol eine SMS geschickt, dass er jetzt schlafen geht, und war nicht mehr erreichbar.
Apropos Khol: Was sagen Sie als Grazer zum Erfolg der Kommunisten?
Hierzegger: Ich fürchte mich nicht. Die steirischen Kommunisten sind sehr gut darin, verlässlich und bürgernah zu arbeiten, aber leider ohne Visionen. Auch jetzt, mit 20 Prozent, sind sie nicht bereit, etwas Größeres zu machen. Das finde ich schade.
Ostrowski: Zumindest gibt es eine linke Alternative für Protest. Ich möchte die Kommunisten nicht hochloben, aber mir sind 20 Prozent KPÖ lieber als 25 Prozent FPÖ.
Als Inspiration für Ihre Show nennen
Sie den verstorbenen Künstler und Regisseur Christoph Schlingensief. Was gefällt Ihnen an dessen Arbeit?
Hierzegger: Seine Produktionen waren immer überraschend. Er hat auch nie jemanden fertiggemacht. Der ließ nicht andere blöd ausschauen, sondern sah auch blöd aus.
Ostrowski: Das ist auch für unsere Sendung total essenziell. Wenn uns etwas zuwiderlaufen würde, dann zu jemandem gemein zu sein.
Vor kurzem sorgten Ihre Kollegen Grissemann und Stermann für einen kleinen Skandal, weil sie in einem Sketch den schwarzen Fußballstar David Alaba rassistisch beleidigten. Ist Ihnen so etwas schon passiert?
Ostrowski: Ich weiß, dass das nicht gegen den Alaba gemeint war, die wollten ja den Stronach verarschen. Aber mich hat zum Beispiel jemand danach gefragt, ob ich mich schwarz anmalen würde als David Alaba. Und da habe ich nein gesagt, das wäre – in diesem Fall – eher nicht mein Stil.
Wird es im Wahljahr 2013 eine neue Staffel von „Demokratie. Die Show“ geben?
Hierzegger: Wir übernehmen den Sender. Das weiß der Puls4-Geschäftsführer aber noch nicht. Das soll eine Weihnachtsüberraschung werden.
Ostrowski: Wir führen derzeit Gespräche. Wir machen die Show in Graz weiter. Wenn Puls4 mit seinen Kameras vorbeikommt, ist’s schon o.k.
Hierzegger: Sie müssen halt leise sein. Denn ich mag das Klimpern im Hintergrund nicht.
Zum Schluss noch ein Spiel, das Sie immer mit Ihren Studiogästen spielen. Bitte schnell antworten: ORF oder Puls4?
Ostrowski: Das ist echt fies. Darf ich beides sagen?
Nein.
Ostrowski: Dann sag ich ORF …
Hierzegger: … und ich Puls4.
Anarchie oder Kommunismus?
Hierzegger: Anarchie.
Ostrowski: Meinetwegen auch Anarchie.
Blind oder nie mehr Sex?
Ostrowski: Im Moment lieber blind.
Hierzegger: Ich auch. Ich glaub, das ist spannender. F