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Jacke wie Hose
SERIE Teil 3: SHOPPEN Man gönnt sich ja sonst nichts: Der "Falter" gibt in "Proseminar Wien", der Serie für Studierende, Tipps, wo man sein Geld abseits von Monatsmieten und Studiengebühren sinnvoll ausgeben kann - für Mode, Möbel und mehr. Thomas Prlic


Falter 42 Originaltext aus Falter 42/01 vom 16.10.2001

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Die Telefonrechnung bezahlen, Miete berappen, tausend teure und bürokratische Dinge erledigen und gleich eine Nacht im Schlafsack vor dem Institut verbringen: ein toller Anfang. Eigenverantwortung kann aber auch Spaß machen. Die Eltern sind in sicherer Entfernung, niemand redet drein bei der Einrichtung des ersten WG-Zimmers. Und das Geld vom letzten Ferialjob kann endlich in die Entwicklung des eigenen Auftretens investiert werden, ohne dass Muttern eine Frisur einmahnt oder mit spontanen Modetipps daherkommt. In Sachen Ausstattung, nach innen (Wohnung) wie nach außen (Kleidung), bietet Wien eine große Auswahl an Shops für alle Ansprüche.

Besonders in Sachen Mode ist das noch nicht lange so. Zwischen Billigdiskontern und Nobelboutiquen war es bis vor wenigen Jahren nicht einfach, coole und leistbare Stücke zu finden. Einen wichtigen Schritt zur Massensozialisation der Wiener Modemuffel tat im Jahr 1994 der erste H&M. Mittlerweile gibt es 13 Filialen des schwedischen Textilriesen in der Stadt. Wien ist heute voll mit internationalen Modeketten wie New Yorker oder Mango. Auch Zara, der spanische H&M, ist seit letztem Jahr vertreten.
Daneben gibt es zahlreiche heimische Kleinketten, die mit den Moderiesen um Kundschaft buhlen, wie im Fall der Mariahilfer Straße auch an den Menschenmassen mitnaschen oder einfach ein spezifischeres Publikum ansprechen. Bei Rag etwa finden vor allem Skater und HipHopper alles, was Menschen mit tief liegenden Hosen und Turnschuhen so an Markenartikeln benötigen. TWA, das wie die etwas gehobeneren Turek-Läden der gleichnamigen Familie gehört, bietet vorrangig Streetwear und ist gleich mit mehreren Geschäften auf der Mariahilfer Straße präsent. Die teureren unter den jungen Wiener Modeboutiquen expandieren fleißig: Gleich sechs Filialen hat Bernhart, das Geschäft in der Kärntner Straße wurde gerade schick redesignt. Im Erdgeschoß gibts Denim-Marken, im Keller Streetwear, der erste Stock ist trendiger Frauenmode vorbehalten. Daneben gibt es zahlreiche kleine Boutiquen, die mit kreativen Konzepten gegen die massive Konkurrenz ankämpfen.
Die Neubaugasse ist ein gutes Pflaster dafür. Gloom etwa hat nette Shirts und niedliche Pyjamas des Designers Paul Frank, außerdem Leiberl, auf die man selber Sprüche draufkleben und wieder abnehmen kann. Bei Kingfisher sind Asien-Shirts und Drachenhemden zu haben, Shu ist einer der tollsten Schuhläden der Stadt. Die guten Stücke sind zwar nicht ganz billig, beim Saison-Abverkauf gibts das schicke "Shuwerk" aber dann oft für weniger als die Hälfte. Unweit davon, im sechsten Bezirk, hat Jiggy Secondhandjacken und -hosen aus internationalen Armeebeständen, die eher wie Designerstücke als Bundesheer-Uniformen aussehen und auch gar nicht viel kosten. Auch Neugenähtes und Taschen sind hier zu haben.

Fehlt studierenden Fashion-Victims zum neuen Look nur noch der passende Haarschnitt. In Anbetracht der vielen Friseure fällt die richtige Wahl zwischen Reindl-Haarschneider und Nobelcoiffeur nicht leicht. "Be a good girl" liegt cool zwischen allen Kategorien. In dem riesigen Salon können sich nicht nur brave Girls, sondern auch Männer originelle Haarschnitte verpassen lassen, außerdem gibts Schuhe aus Japan, Shirts von "Erfolg" und die legendären "Freitag"-Taschen, die aus Lkw-Planen hergestellt werden. Wem ein Szenefriseur zu teuer ist, kann sich bei der Friseurschule Pivot Point im Freihausviertel die Haare billig von Lehrlingen schneiden lassen.

Die hippsten Klamotten und schicksten Frisuren nützen allerdings wenig, wenn dann kein Geld mehr für die Wohnungseinrichtung übrig ist. Eine nicht nur billige, sondern auch große Auswahl an Gebrauchtmöbeln gibts bei der Caritas, mit etwas Glück lassen sich hier auch richtig schicke Secondhandmöbel finden, Hauszustellung inklusive. Noch größer, allerdings auch etwas teurer ist die Auswahl bei der Glasfabrik in Ottakring. Möbel im Fünfziher- bis Siebzigerjahre-Design sind im Rauminhalt im Freihausviertel zu bewundern. Praktisch für autolose Studierende ist der Ikea-Bus, der von der Oper aus die SCS ansteuert. Schnäppchenjägern sei die Ikea-Fundgrube empfohlen, wo es bisweilen sogar ganz brauchbare Einzelstücke gibt.

Weitere Shoppingtipps gibts in Falters "Best of Vienna". Dort werden noch wesentlich mehr Aspekte rund ums Thema Einkaufen behandelt. Gutes Aussehen ist schließlich nicht alles im Leben - das Studium aber auch nicht.

Be a good girl, 7., Westbahnstr. 5, Di-Fr 10-19, Sa 10-16 Uhr, Tel. 524 47 28.
Bernhart, 1., Kärntner Str. 35, Mo-Fr 10-19, Sa 10-17 Uhr.
Caritas, 5., Mittersteig 10, Mo 9-20, Di-Fr 9-18, Sa 9-12 Uhr.
Glasfabrik, 16., Lorenz-Mandl-G. 25, Di 10-19, Do 14-20, Sa 10-14 Uhr.
Gloom, 7., Neubaug. 75, Mo-Fr 10-18.30, Sa 10-13 (1. Sa bis 17 Uhr).
Ikea SCS, Vösendorf, Mo-Fr 9.30-19.30, Sa 9-17 Uhr.
Jiggy, 6., Gumpendorfer Str. 28, Mo-Fr 12-19, Sa 11-17 Uhr.
Kingfisher, 7., Neubaugasse 59, Mo-Fr 10-19, Sa 10-17 Uhr.
Pivot Point, 4., Schleifmühlgasse 15, Mo-Fr 10-17, Tel. 581 10 64.
Shu, 7., Neubaugasse 34., Mo-Fr 10-18.30, Sa 10-17 Uhr.
Rag, 6., Mariahilfer Str.17, Di-Fr 10.30-18.30, Sa 10-17 Uhr.
Rauminhalt, 4., Schleifmühlgasse 13, Mo-Fr 10-19, Sa 10-16 Uhr.
TWA, 6., Mariahilfer Str. 117, Mo-Fr 9.30-19, Sa 9.30-17 Uhr.

Das Gewinnspiel zur Serie für Studierende "Pro Seminar Wien" findet sich hier. Diesmal gibt es eine Wallpaperwatch zu gewinnen!

Cheap thrills Billigbummel
Noch ein paar günstige Gelegenheiten?
Billiger als bei den Textilmultis sind die Klamotten nur auf Flohmärkten. Besonders beliebt ist der Flohmarkt am Naschmarkt (U4 Kettenbrückengasse, samstags ab 6.30 Uhr). Hier gibts noch wesentlich mehr als nur alte Klamotten. Achtung: Handeln ist erlaubt, auch Marktstandler wissen mittlerweile, was Kultfaktor hat und was Ramsch ist.
Billig einrichten lässt sichs mit der ARGE Nichtsesshaftenhilfe (16., Lorenz-Mandl-G. 31?35, Mo-Fr 8-17 Uhr, Tel. 493 90 49). Die Möbel stammen aus Wohnungsräumungen.
In den SEWA-Märkten (gibts in der ganzen Stadt) und den Zehn-Schilling Shops gibts neben trashigem Ramsch oft auch brauchbares Küchengerät oder Gläser.
McHair (1., Annag. 3, Mo 12-19, Di-Fr 10-19, Sa 10-16 Uhr, Tel. 513 73 02) ist der McDonald's unter den Frisören: Die Preise werden im Minutentakt berechnet, geschnitten wird mit einem speziellen Schneidegerät ("McClipper") und die Minute kostet öS 12,- (EUR 0,87).


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Oktober 2001 © FALTER
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