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ADVENTMÄRKTE Wie es sich gehört, haben die Weihnachtsmärkte lange vor dem ersten Advent aufgesperrt. Der "Falter" hat die acht wichtigsten Punsch- und Kitschbudenansammlungen besucht und getestet. THOMAS PRLIC, CHRISTOPHER WURMDOBLER (E-Mail: wurmdobler@falter.at) (Text) und HERIBERT CORN (Fotos) |
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Menschenmassen, Gedrängle und Geschubse: Die Adventsaison ist eröffnet.
Jedes Jahr schlagen mehr Weihnachtsmärkte ihre Holzbuden auf und machen
ganz Wien zu Hütteldorf. Dabei sind die Unterschiede zwischen den
einzelnen Marktgebieten, was Angebot und Nachfrage betrifft, mitunter
recht groß - von Bauernspezialitäten über Fernostkitsch bis zur
Punschabfüllerei, von brauchbar über ärmlich bis erbärmlich. Aber
irgendwie kommt wahrscheinlich jeder Stadtmensch auf seine Kosten. Es
sei denn, er hasst Weihnachten und alles, was dazugehört. Der Falter hat
die acht größten, wichtigsten oder zumindest neuesten Weihnachtsmärkte
besucht und hinsichtlich Gemütlichkeit, Kitschanhäufung, Gedränge,
Angebot und Anzahl der angetrunkenen Besucher ("Promille") getestet. Altwiener Christkindlmarkt 1., Freyung, tgl. 9-20 Uhr (bis 23.12.). Schon vor dem Eingangstor zum Altwiener Christkindlmarkt auf der Freyung wird klar, was die Leute zwischen Lebkuchenherzen und Christbaumramsch wirklich suchen: heißen Alkohol. "Punsch" steht auf großen Lettern über dem ersten Stand - mit Abstand die meisten Leute sind hier anzutreffen. Auch der Glühmoststand (sonst eine Seltenheit) erfreut sich regen Zulaufs. Dabei hat der eher kleine Markt auch sonst ein paar exotischere Leckereien zu bieten. Bei "Klaudia" gibts kalte und warme Apfelspezialitäten vom Bratapfel bis zum Apfelpunsch. Der "Staberl-Express" hat nichts mit dem gleichnamigen Ex-Krone-Kolumnisten gemein, sondern auf Staberln aufgespießte Früchte mit Schokoguss im Angebot. Und "Erni" verkauft hauptsächlich Hochprozentiges in seiner "Schnaps- und Glühweinhütte". Nicht ganz klar ist, warum der Christkindlmarkt ein "Altwiener" sein soll. Aus Kärnten, Matzen, und Mariazell kommen die dargebotenen Waren, beim oberösterreichischen Heimatwerk gibts Heiligen-Hinterglasmalereien und am Niederösterreich-Stand einfach "Information". Besonders empfehlenswert ist die "Waldviertler Naturkost": Hier ist leckeres Holzofenbrot, Kletzenbrot, Speck und Tiroler Bergkäse zu haben. Tirol liegt nicht im Waldviertel? Macht nichts: Auch die besseren Wiener kommen ja seit jeher aus den Bundesländern. Auf der Freyung gibt es den Beweis dafür. Fazit: netter, kleiner Weihnachtsmarkt mit vielen (alkoholischen) Spezialitäten, die alles sind, nur nicht alt-wienerisch. Wegen Uninähe ideal für Studierende. Gemütlichkeit: ddd Kitschfaktor: ddd Gedränge: ddd Angebot: dddd Promille: dddd Wiener Christkindlmarkt 1., Rathauspl., tgl. 9-21, am 24.12. 9-17 Uhr (bis 24.12.). Der bei Wien-Touristen verständlicher-, Stadtbewohnern jedoch unverständlicherweise beliebteste und größte Weihnachtsmarkt wird alljährlich vor dem Rathaus aufgebaut. Genau genommen ist es ein Weihnachtssupermarkt. Denn die Buden sind hier nicht nur riesig, sondern größtenteils auch von kaltem, ungemütlichem Neonlicht beleuchtet. Angeboten werden neben "Kulinarischem" (vor allem Punsch, der schon von weitem zu riechen ist) viele Scheußlichkeiten aus Glas, Kunststoff oder Holz. Besonders beliebt sind die roten Weihnachtsmannmützen mit blinkenden Lichtern: Schon gesehen ab öS 49,?/F 3,56! Wirklich schön (und praktisch) für Kinderbesitzer ist das Angebot an Vergnügen und Beschäftigung im angrenzenden Rathauspark. Dort können Ponys geritten, die Figuren aus "Confetti TV" besucht und Tom Turbos Fahrrad bestaunt werden. Und in der Volkshalle im Rathaus wird mit den Kleinen gebastelt und gebacken - Christkindlwerkstatt heißt das Angebot. Ansonsten ist der Wiener Christkindlmarkt am Rathausplatz eher nur etwas für X-Mas-Freaks. Denn: je später der Abend, desto voller der Markt. Und auch die Gäste. Doch die entleeren sich mitunter auch wieder mitten im Getümmel. Fazit: Der Mega-Super-Weihnachtsmarkt. Wer Rummel liebt und Menschen mit blinkenden Weihnachtsmannmützen komisch findet, kann hier Spaß haben. Großes Angebot für Kinder. Gemütlichkeit: d Kitschfaktor: dd Gedränge: ddddd Angebot: dd Promille: dddd Adventmarkt vor der Karlskirche 4., Resselpark, tgl. 10?20 Uhr (30.11. bis 23.12.). Ob dahinter Schlamperei oder Methode steckt? Der Markt vor der Karlskirche ist jedenfalls der einzige Adventmarkt der Stadt, der sich an den Kalender hält und wirklich erst am ersten Adventsonntag aufsperrt. Brav. Allerdings wird durch die Tatsache, dass im Resselpark zu Redaktionsschluss noch eine Baustelle herrschte, das Testen ein wenig erschwert. Da der Markt aber schon seit ein paar Jahren stattfindet, kann auf Erfahrungswerte gebaut werden. Also: tolle Location, umgeben von großen Bäumen, und mit der Kirche im Nacken kommen bei richtiger Witterung (Schneefall) sogar bei Realitätsverweigerern Weihnachtsgefühle auf. Letztes Jahr gabs bei den Punschständen Ölfässer mit Feuer zu wärmen, was dem Ganzen so eine Art "Blade Runner"-Touch verpasste. Das Angebot ist sehr bäuerlich (Essen) beziehunsgsweise kunsthandwerklich, das künstlerische Rahmenprogramm erstreckt sich von Turmbläserei über Jazz bis Gospel und Swing. Interessantes Publikum, das sich vor allem aus Funkhaus-Menschen und TU-Studierenden rekrutiert. Fazit: Adventmarkt etwas abseits der üblichen Trampelpfade. Tolles Ambiente und Rahmenprogramm. Echter Stimmungsmacher. Gemütlichkeit: dddd Kitschfaktor: ddddd Gedränge: ddd Angebot: dddd Promille: dd Weihnachtsmarkt am Spittelberg 7., Spittelberg, Mo-Fr 14-20, Sa u. So 10-20, Gastronomie bis 20.30 Uhr (bis 23.12.). Der "Alternative" unter den Wiener Weihnachtsmärkten hat es nicht leicht: Die Stammgäste maulen darüber, dass die Standln in den romantischen Gassen zwischen den Biedermeierhäusern heillos überlaufen sind. Und das einst für den Spittelberg so typische Kunsthandwerk gehört mittlerweile auch woanders zum Weihnachtsmarkt-Standardprogramm. Trotzdem ist dieser Christkindlmarkt immer noch einer der nettesten, und zwar deshalb: Die Vielfalt an Waren ist riesig, nicht nur Kerzenspezialisten und Ethno-Shops buhlen um Kundschaft. Dazwischen gibts auch echte Schmankerlstände, wo beispielsweise Vorarlberger "Räßkäs" (der stinkige für die Spätzle) und andere Spezialitäten verkostet werden können. Die Stimmung stimmt einfach: Die kleinen Gässchen sind idyllisch, aber nicht allzu penetrant dekoriert. Und seinen Punsch muss man ja auch nicht an den Ständen trinken, wo die meisten (der mehrheitlich jungen) Leute zu finden sind - ganz abgesehen davon ist er dort erfahrungsgemäß auch nicht am besten. Gerade an den unteren Spittelberg-Ausläufern Richtung Burggasse gibt es ein paar Stände, die weniger frequentiert und genau aus diesem Grunde empfehlenswert sind. Etwas unnötig: die freitägliche "Taxi Orange 1"-Autogrammstunde. Wozu wird (laut Veranstaltern) denn jeder Stand einer genauen Qualitätsprüfung unterzogen? Aber soll sein: Die Aktion dient schließlich auch einem guten Zweck - da lassen sich Max, Magenta und Kollegen einmal die Woche ertragen. Fazit: trotz teils hohem Lärmpegel und Drängelfaktor immer noch einer der nettesten Weihnachtsmärkte der Stadt. Gemütlichkeit: ddd Kitschfaktor: dddd Gedränge: ddddd Angebot: ddddd Promille: dddd "Winterzauber"-Weihnachtsmarkt 8., Jodok-Fink-Pl., Mo-Fr 12-22, Sa u. So 10-22, am 24.12. 10-16 Uhr (bis 24.12.). Auweia! Zum ersten Mal findet heuer auch in der Josefstadt ein Weihnachtsmarkt statt. Als Ort haben sich die Macher den wohl nettesten Platz des Bezirks ausgewählt - den vor der Kirche Maria Treu. Im Sommer gibts hier beliebte Draußensitzerei mit südlichem Flair. Im Sommer! Im Winter ist der Platz ungemütlich und zugig. Aber für einen "Winterzauber" brauchts mehr als acht Buden in Mobilklogröße, die locker über den doch recht großen Platz verteilt wurden. Da helfen auch "Frankie goes to Hollywood" nicht, deren "Power of Love" aus schwachen Lautsprecherboxen jammert. Der Markt wirkt extrem verloren. In zwei der acht Buden gibt es warmes Hochprozentiges, sonst werden Kunst und Kunsthandwerk angeboten. Ein paar Jahre früher (vor AKH und Spittelberg) und mit 30 Standln mehr hätte mit dieser Location der Josefstädter "Winterzauber" der Renner im Advent werden können. Schade. Fazit: jüngster und leider auch fehlgeplantester Weihnachtsmarkt der Stadt. Schöne Location, aber acht (!) Buden wirken fehl am Platz. Im wahrsten Sinne. Gemütlichkeit: d Kitschfaktor: ddd Gedränge: d Angebot: ddd Promille: d Adventmarkt im Unicampus 9., Altes AKH, Alser Str. 4, tgl. 13-22, am 24.12. 11-15 Uhr (bis 24.12.). Draußen stauen sich die Autos im Feierabendverkehr, im Innenhof des alten AKH drängeln sich die Menschen vorbei an Punschständen, Ethno-Ausstattung und sonstigem Esoterikkitsch. Der Adventmarkt im Unicampus im alten AKH ist trotzdem eine echte Stimmungskanone. Weshalb? Weil alter Baumbestand, extra aufgestellte Tannen, Holzzäune und womöglich sogar echter Schnee für Weihnachtsgefühle sorgen. Tagsüber sind viele Studierende anzutreffen, gegen Abend kommen auch Bürohengste und -stuten aus den umliegenden Firmen auf einen (oder eher mehr) Becher Punsch. Es gibt sogar eine Art "Food-Court", einen Platz mit Fressständen. Gekocht werden nationale und internationale Gerichte. Aber die meisten kommen wahrscheinlich doch nur zum Trinken. Schön, vor allem für Kinder, ist auch die "Lebende Krippe", etwas abseits vom Marktgeschehen. Wobei natürlich zu bemeckern ist, dass lediglich die Tiere von echten Tieren dargestellt werden. Die heilige Familie ist aus Holz geschnitzt. Wäre aber auch ein Scheißjob, den ganzen Tag Maria oder Josef geben zu müssen. Bei der Krippen-Liveshow startet übrigens auch die Schlittenfahrt: Ein armes echtes Rentier muss Kinder durchs Gelände ziehen. Fazit: stimmungsvoller, aber zu bestimmten Zeiten recht überlaufener Weihnachtsmarkt. Essen und (vor allem) Trinken scheint hier einen großen Stellenwert zu haben. Gemütlichkeit: dddd Kitschfaktor: ddddd Gedränge: ddddd Angebot: ddd Promille: dddd Meidlinger Christkindlmarkt 12., Meidlinger Platzl, tgl. 9-20, am 24.12. 9-17 Uhr (bis 24.12.). Dort, wo sich die Meidlinger Hauptstraße an ihrem unteren Ende in zwei Teile spaltet, befindet sich das Meidlinger Platzl. Normalerweise gefährden auf den Stufen, die das Platzl umranden, Skateboarder die Achillessehnen einkaufender Passanten. Zur Vorweihnachtszeit gibt es hier auch einen Christkindlmarkt - zumindest dem Namen nach. Besonders weihnachtlich gehts hier nämlich nicht zu. Dafür sorgt einerseits das völlig unpassende Ringelspiel, das im Zentrum der neun um den Platz angeordneten Hütten steht. Immerhin ist der zuständige Herr so freundlich und lässt sein blinkendes Karussell auch dann laufen, wenn sich nur ein Kind für ein paar schnelle Runden interessiert. So gibt es wenigstens keine Wartezeiten. Aber auch die Marktstände selber lassen nur wenig Weihnachtsidylle aufkommen: Zwei Punschstände versorgen die frierenden Passanten mit warmen Getränken - dazu wird Langos und Leberkäse gespeist. Das ist genauso wenig stilvoll wie die Weltraumgemälde und Wüstenbilder, die einen Stand weiter feilgeboten werden. Auch Handycover haben auf einem Weihnachtsmarkt wenig verloren. Immerhin gibts mit einem Christbaumschmuckverkäufer, einem Tuchhändler und einem Süßigkeitenstandl auch stimmungsvolleres Angebot. Nebenan quetscht ein Straßenmusikant ein paar Volkslieder aus seiner Ziehharmonika. Zur allgemeinen Stimmung mag das passen - besonders weihnachtlich ist es jedenfalls nicht. Fazit: leicht kurioser Minimarkt, auf dem Weihnachten mit einem Kirtag verwechselt wird. Gemütlichkeit: d Kitschfaktor: ddd Gedränge: d Angebot: dd Promille: ddd Kultur- und Weihnachtsmarkt 13., Schloss Schönbrunn, Mo-Fr 12-20.30, Sa u. So 10-16, am 24.12. 10-16 Uhr (bis 24.12.). Romantik, Idylle mit der richtigen Beleuchtung und einer Portion Schnee: Weihnachtskitsch wie von der Postkarte. Die Kulisse des Schlosses Schönbrunn bietet ideale Voraussetzungen, um dort einen Riesenchristbaum hinzupflanzen und rundherum Stände aufzustellen. Als ob das noch nicht genug wäre, sorgen auf einer Bühne regelmäßig Chöre, Volkstanzgruppen und Bläserensembles für das Rahmenprogramm. Den Leuten gefällts: An fast jedem der 56 Stände herrscht reges Gedränge, der Platz vor dem Schloss ist aber so groß, dass ausreichend Luft zum Atmen und fröhlichen Punschen bleibt. Das schon fast unübersichtliche Angebot reicht von Waren aus der Töpferei oder Seidenmanufaktur bis zum Krippenfigurenschnitzer. Wer sich gar nicht mehr zurechtfindet, kann bei einem Infostand nachfragen, wo welcher Stand (oder sein Kind verblieben) ist. Auch gastronomisch hat der Kultur- und Weihnachtsmarkt einiges zu bieten: Von Käsespätzle bis zum Kaiserschmarrn reicht die Palette warmer Speisen. Das Publikum ist bunt gemischt, erstaunlich viele Eltern mit Kinderwägen und dazugehörigem Nachwuchs waren am Eröffnungstag zu sehen. Fragt sich, was der Nachwuchs macht, während sich die Eltern den Bauch vollschlagen. Aber vermutlich kann nicht nur ein guter Glühwein sehr unterhaltsam sein, sondern auch eine gehörige Portion Weihnachtskitsch. Fazit: All-inclusive-Christkindlmarkt vor fast unecht-idyllischer Kulisse. Für Touristen, Gourmets und die ganze Familie. Gemütlichkeit: dddd Kitschfaktor: ddddd Gedränge: ddd Angebot: ddddd Promille: ddd |
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November 2001 © FALTER
E-Mail: wienzeit@falter.at