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Baden bei Wien
Badeplätze Wer ins Wasser will, hat in der und außerhalb der Stadt jede Menge Möglichkeiten. Der "Falter" hat sich einige weniger bekannte Schwimmbäder und Naturbadeplätze in Wien und Umgebung angesehen. THOMAS PRLIC und CHRISTOPHER WURMDOBLER


Falter 30 Originaltext aus Falter 30/02 vom 24.07.2002

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Keine Frage: Der Sommer ist da, und je heißer es ist, desto größer ist der Wunsch nach Abkühlung. Und desto überfüllter sind ? vor allem am Wochenende - die Bäder und Badestrände. Aber es muss nicht immer Stadionbad oder Gänsehäufel sein. Obwohl natürlich Stadionbad, Gänsehäufel und alle anderen Wiener Bäder, Strandbäder und Badestrände großartig sind. Hier ein paar Tipps für den alternativen Badespaß in der Stadt oder der Umgebung von Wien: zehn Badeorte, die nicht nur schön, > sondern im Idealfall auch noch mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Die Auswahl ist selbstverständlich subjektiv, wer seinen "Geheimtipp" vermisst, sollte sich freuen, dass es bis auf Weiteres ein "Geheimtipp" geblieben ist.


Nostalgie im Waldbad-Pool
Am Fuße des Heubergs gelegen, versteckt sich unter hohen Bäumen das kleine, idyllische Neuwaldegger Bad. Das Privatbad wurde in den Zwanzigerjahren erbaut, zwischen alten Holzkästchen und Umkleidekabinen ist der nostalgisch-verstaubte Charme förmlich riechbar. Auf den Liegewiesen rund um das Schwimmbecken lässt sich auch an gut besuchten Tagen ein ruhiges, schattiges Plätzchen im Gras oder auf einer der Holzpritschen finden. Seit siebzig Jahren ist das Neuwaldegger Bad in Familienbesitz, 1979 übernahm Eva Dolezel das Bad von ihrem Vater und das bis dahin verpachtete Buffet gleich dazu. Seither sorgt die Chefin dafür, dass die Gäste hier nicht nur völlig unhektisch planschen können, sondern auch ausgezeichnet bekocht werden: mit faschiertem Braten, Erdäpfelgulasch und Reisfleisch ? passend zum Ambiente wie bei Oma.
Neuwaldegger Bad, 17., Promenadeg. 58, Tel. 486 24 52, tägl. 9-18.30 Uhr, Endstation Linie 43, 5 Min. Fußweg, Eintritt: E 10,- / E 8,- (ab 12.30 Uhr) / E 5,50 (ab 16 Uhr), Ermäßigung für Studierende.


Ostsee-Flair
Das Kritzendorfer Strombad wurde 1903 errichtet, wie damals wird hier auch heute noch im reißenden Donaustrom gebadet. In den Siebzigerjahren wurde der offizielle Badebetrieb aufgelassen und das Eintrittsgeld abgeschafft. Nur das riesige, hölzerne Eingangstor und die kleinen, mietbaren Badehäuschen daneben zeugen noch von den Zeiten, in denen bis zu 20. 000 Menschen den Badestrand bevölkerten. Unter den Grasbüscheln kommt immer wieder grauer Sand zum Vorschein, und wenn eine kühle Brise weht, kommen hier beinahe Ostseestrandgefühle auf - nur die Badekörbe fehlen. Eine Siedlung teils sehenswerter Pfahlbau-Holzhäuschen umgibt das Areal, unter Kastanienbäumen sitzend, kann man im Donaurestaurant das Treiben auf der Liegewiese verfolgen. Das Schönste aber ist: Vor zwei Jahren hat die Kritzendorfer Badegemeinde erfolgreich ein neues Sportbecken im Strombad verhindert.
Strombad Kritzendorf, S-Bahn 40 bis Kritzendorf, über den Steg beim Bahnhof, dann der Straße, die neben dem Spielplatz rechtwinklig von den Gleisen wegführt, bis zum Strombad folgen; kein Eintritt.


Nackt unter der Burg
Der ruhige, in einer lang gezogenen Bucht endende Donauausläufer unterhalb von Burg Greifenstein gilt als stressfreie, stadtnahe Naturbadealternative zu den überfüllten Wiener Freibädern. Das hat zur Folge, dass die gleich beim örtlichen Bahnhof gelegene Wiese bisweilen von ziemlich vielen Kennern dieses vermeintlichen Geheimtipps bevölkert wird. Allerdings lassen sich hier sehr wohl lauschige Badeplätze finden - und zwar auf der etwas schwerer erreichbaren, gegenüberliegenden Uferseite. Am einfachsten gelangt man dorthin mit der Fähre (E 1,50 bzw. sonntags E 2,-). Vom Gasthaus an der Anlegestelle aus führt eine Forststraße in den Wald hinein, parallel dazu verläuft ein Trampelpfad, an dem sich immer wieder kleine Lichtungen unter den Bäumen am Wasser auftun. In diesen kleinen Nischen kann man dann in aller Ruhe nackerbatzeln, seine Hängematte aufhängen - und ein paar wirklich ruhige Runden im Wasser drehen.
Badeplätze Greifenstein, Anreise: mit der S-Bahn 40 (Haltestelle Greifenstein); kein Eintritt.


Donausee mit Insel
Ein See mit Wiese rundherum, umgeben von einem kleinen Wäldchen. Das Tullner Aubad ist ein hübscher Naturbadeplatz, bei dem zwecks Vergrößerung des Badevergnügens ein wenig künstlich nachgeholfen wurde. Ausgebaute Spazierwege führen rund um die Liegewiese, für die Kids gibts eine 45 Meter lange Wasserrutsche, eine 18-Meter-Breitrutsche und Spielplätze. Außerdem kann man hier Tischtennis und Beachvolleyball spielen, und ein Buffet fehlt natürlich auch nicht. Was man dem Bad ganz und gar nicht anmerkt, ist seine Nähe zur Donau - die fließt nämlich nur wenige Schritte nebenan vorbei. Der Badesee hat übrigens als Hauptattraktion eine kleine Insel mittendrin. Eine Donausee-Insel sozusagen.
Tullner Aubad, tägl. 8.30-20 Uhr, Tel. 02272/686 67, Anreise: S-Bahn 40 bis Bahnhof Tulln, durch die Stadt (Türkenstraße - Langenlebarner Straße - Hafenstraße) Richtung Yachthafen, dort rechts abbiegen und geradeaus weiter bis zum Aubad; Eintritt: E 2,50 / E 1,20 (ab 16 Uhr).


Natur mit Infrastruktur
Kinderplanschbecken, Restaurant, ein Pool mit Rutsche und daneben die leise dahinplätschernde Donau. Das Klosterneuburger Strandbad verbindet Baden im Naturgewässer mit der Infrastruktur eines Freibades - so gibts hier für alle Geschmäcker etwas. Der Badebereich des Strandbads ist durch eine schmale, lang gezogene Insel vom Donaustrom getrennt, von einem Steg aus kann man ins Wasser hüpfen und ganz leicht zum nahe liegenden Ufer gegenüber schwimmen. Die Insel (mit Sandstrand unter den Bäumen) lässt sich auch mit dem Fahrrad erreichen. Praktischerweise erspart man sich so auch den Eintritt ins Bad, nur Jolly-Eis gibts dann halt keines.
Strandbad Klosterneuburg, tägl. 9-20 Uhr, Anreise: S-Bahn-Linie 40 bis Klosterneuburg-Weidling, den Schildern zur Stiftung Essl folgen und dann der Straße entlang weiter bis zum Strandbad (beschildert); Eintritt: E 4,- / E 3,20 (ab 14 Uhr), Ermäßigung für Studierende.


Alles Donau oder was?
Das Projekt, die Donau mit der Oder mittels eines 3000 Kilometer langen Kanals zu verbinden, stammt angeblich bereits aus dem 14. Jahrhundert. Tatsächlich realisiert wurden zwischen 1939 und 1943 nur einige Kilometer Kanalbett in der Lobau und im südwestlichen Teil des Marchfelds. Seit den Sechzigerjahren dient das Gewässer als Badesee, und weil der Donau-Oder-Kanal mitten im Wald liegt und nicht sonderlich bequem zu erreichen ist, ist es hier meist noch sehr idyllisch. Auf der Wiese direkt bei den Stufen ins Wasser ist es egal, ob Badebekleidung getragen wird. Wers noch intimer haben möchte, sucht sich ein Uferplätzchen an dem lang gestreckten Gewässer. Die Wasserqualität ist - zumindest nach dem Fischbestand zu urteilen - ausgezeichnet. Ein bisschen eklig sind vielleicht die Schlingpflanzen an manchen Stellen. Doch da muss man durch.
Donau-Oder-Kanal, Groß-Enzersdorf, Anreise: Bus 26A bis Groß-Enzersdorf. Im Ortszentrum Groß-Enzersdorf Richtung Friedhof/Eskimo-Iglo die Lobaustraße bis zum Parkplatz beim Uferhaus, dann zu Fuß über den Holzsteg circa zwanzig Minuten durch den Wald; kein Eintritt.

Prolls Badeoase
Baden am Stadtrand: Die No Angels plärren aus dem Trichterlautsprecher, der über der Tür des Strandbeisls angebracht ist, im Hintergrund stehen etwas triste Sechzigerjahre-Plattenbauten, im Vordergrund wartet im schönsten Blau ein großer See. Ein paar Jugendliche schwanken unentschlossen zwischen Coolsein und Wasserspaß, irgendwer hat eine Sitzbankgarnitur ins seichte Wasser geworfen. Zwei Arbeiter aus den nahe gelegenen Gartenbetrieben verbringen die Mittagspause unter Wasser. Der Badeteich Hirschstetten gehört sicher nicht zu den allerschönsten Schwimmstätten, aber wer in der Nähe wohnt (und das tun viele), wird den Teich, umgeben von ein paar Bäumen, zu schätzen wissen. Es gibt eine spezielle Planschzone für Kleinkinder, hundefreie Bereiche, ein bisschen Gastronomie und auffallend viele dreisprachige Hinweistafeln, dass das Grillen verboten ist. Hätte Barbara Alberts "Nordrand" hier (und im Sommer) gespielt, Nina Proll wäre sicher im Badeteich Hirschstetten baden gegangen.
Badeteich Hirschstetten, 22., Spargelfeldstraße/Ziegelhofstraße/Bibernellweg, Anreise: Bus 23A ab Kagran bis Prinzgasse, dann weiter mit Bus 95B bis Bibernellweg; kein Eintritt.


Praterbaden
Baden im Prater, aber nicht im Stadionbad? Genau: Heustadlwasser heißt das Gewässer, das sich durch die Praterauen (und unter der Südosttangente hindurch) zieht. Etwas für Leute, die einen Spaziergang (oder einen Radausflug) mit Wasserspaß verbinden wollen, sich aber nicht so weit aus der Stadt hinausbegeben möchten. Mit etwas Glück findet sich auch ein nettes Plätzchen. Und die Sache mit den Gelsen scheint heuer auch noch nicht so arg zu sein.
Heustadlwasser, 2., Prater, Naturbadeplätze, Anreise: Bus 77A bis 2. Rondeau; kein Eintritt.


Wie die Erdmännchen
Dass es sich bei der Seeschlacht um keinen Badeteich handelt, darauf legt die Gemeinde Langenzersdorf großen Wert. Der Eintritt ist fürs - nicht ganz leicht zu erreichende - Erholungsgebiet, das Baden erfolgt auf eigene Gefahr. Auf jeden Fall verfügt die Seeschlacht über einen schönen Badeteich, das Wasser und der Zugang dazu sind ideal auch für Menschen mit Kindern. Anhänger der Freikörperkultur sollten sich allerdings ein anderes Badeplätzchen suchen, denn hier wird textil gebadet. Und irgendwie klingt Seeschlacht auch noch ganz lustig. Fast so lustig wie die vielen Erdmännchen, die in der Gegend wohnen und regelmäßig zum Badendeschauen kommen.
Seeschlacht, Langenzersdorf, Alleestraße, Anreise: S3 bis Langenzersdorf, dann Bus 236 bis Seeschlacht. Mit dem Auto: Donauuferautobahn Richtung Norden, Abfahrt Strebersdorf, den Hinweistafeln "Seeschlacht" folgen; Eintritt: E 5,50 / bzw. / E 3,50 (ab 13 Uhr).


Im Mineralwasser schwimmen
Das "grüne Becken" im Thermalfreibad Bad Vöslau mit seinem Naturboden aus Kieselsteinchen hat es in sich: nämlich ständig einsprudelndes Mineralwasser aus sechshundert Metern Tiefe. Genau: Es handelt sich um original Vöslauer. Das klingt zwar in erster Linie recht kühl (ist es auch), ist aber vor allem auch sehr cool: kaltes, klares Wasser, ganz ohne Chlor oder andere Chemie, in dem es ungeheuer Spaß macht, mit offenen Augen in die Abendsonne zu blinzeln. Ein anderes beliebtes Feature der historischen Badeanlage mit seinen arenaartig angeordneten Kabanen und Appartements (die gibts saisonal zu mieten) ist die Insel im Mineralwasserbecken: Wer hier auf dem Rasen einen Liegeplatz ergattert, ist King oder Queen. Und wem es im grünen Becken wirklich eine Spur zu kalt sein sollte, badet halt einfach im "blauen Becken", einem ganz normalen Schwimmbecken. Auch gut. Nicht vergessen vor dem Nachhausegehen: die Trinkflasche mit Mineralwasser nachzufüllen.
Thermalbad Bad Vöslau, Maital 2, 2540 Bad Vöslau, Tel. 02252/762 66-0, tägl. 8-20 Uhr, Anreise: ab Wien-Südbahnhof dreißig Minuten mit dem Zug (Taktverkehr); Eintritt: E 5,50 (Tageskarte) / E 4,- (ab 16 Uhr).


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Juli 2002 © FALTER
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