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KINOS Das Gartenbau-Kino wurde schon wieder gerettet: Nun übernimmt die Viennale das Haus. Die Mitbewerber fühlen sich als Opfer einer Polit-Farce. WOLFGANG KRALICEK |
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Das Gartenbau-Kino hat, wie vorige Woche bekannt wurde, abermals einen neuen Besitzer: Die Viennale wird sich in dem großen Kino am Parkring künftig nicht nur während des Festivals im Oktober einmieten, sondern das ganze Jahr über das Sagen haben. Überraschend kam diese Nachricht vor allem deshalb, weil das Gartenbau erst vor wenigen Wochen den Gesellschaftern der City Cinemas zugeschlagen worden war (siehe Falter 26/02). Die Jetzt-doch-nicht-Betreiber des Gartenbau-Kinos - die Filmproduzenten Helmut Grasser und Kurt Stocker, der Filmverleiher und Kinobetreiber Michael Stejskal sowie der Tonstudiobesitzer Matthias Forberg - waren es auch, die den Deal öffentlich machten. "Für uns stellt sich die Frage, ob es wirklich Zweck und Aufgabe eines Filmfestivals sein kann, ein Kino ganzjährig zu betreiben", heißt es in einer Presseerklärung. "Und natürlich sollte auch die Frage erlaubt sein, wie sinnvoll es ist, mit Subventionsmitteln ein bereits gerettetes Kino in kostspieliger Weise nochmals zu ,retten'." "Ein Kino zu programmieren ist etwas ganz anderes, als ein Festival zu programmieren", bestätigt Viennale-Direktor Hans Hurch die Bedenken. "Das würde ich mir auch gar nicht zutrauen." Deshalb werde die Viennale das Gartenbau-Kino auch nicht selbst betreiben, sondern eine Betriebsgesellschaft - mit einem Geschäftsführer und einem Programmierer - gründen, die weitgehend unabhängig agieren könne. Es handle sich, so Hurch, um eine ähnliche Konstruktion wie beim Stadtkino, das sich seit dem Ende der gemeindeeigenen Kinogesellschaft Kiba auch im Eigentum der Viennale befindet. Mit dem Verkauf der Kiba, zu der auch das Gartenbau gehörte, hatten vor drei Jahren die Probleme begonnen: Um die marktbeherrschende Position des Verleihers und Kinobetreibers Constantin nicht noch weiter zu stärken, waren die neun Kiba-Kinos 1999 an die neu gegründeten City Cinemas verkauft worden. Undurchsichtige Verträge, explodierende Mieten und andere Umstände führten dazu, dass die City Cinemas nach und nach geschlossen wurden - ehe Anfang dieses Jahres Konkurs angemeldet wurde (siehe Falter 6/02: Der Fluch des Manitu). Während in Kinos wie Kolosseum oder Flotten wohl endgültig die Lichter ausgingen, sollten zumindest zwei Innenstadt-Kinos aus der Konkursmasse gerettet werden: das Metro mit seiner Theaterarchitektur und das Gartenbau als letztes großes Einsaalkino der Stadt. Dass ein solches Kino mit seinen 736 Sitzplätzen heutzutage nicht mehr wirtschaftlich geführt werden kann, war und ist mittlerweile allen Beteiligten klar - "sonst hätten sich ja kommerzielle Anbieter dafür gefunden", wie Hans Hurch feststellt. Um Metro und Gartenbau, die wichtigsten Spielorte der Viennale, zu erhalten, hat Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny deshalb öffentliche Gelder - 390.000 Euro Betriebssubvention und 1,5 Millionen Euro für die vor allem im Gartenbau dringend benötigten Sanierungsarbeiten - in Aussicht gestellt. Obwohl den ehemaligen City-Cinemas-Machern die Zusagen Mailaths zu vage waren (die 390.000 Euro wurden im Gemeinderat zunächst nur für ein Jahr beschlossen), haben sie sich um die übrig gebliebenen Kinos beworben - und sie Ende Juni zum Teil auch bekommen: Für 72.000 Euro erwarben sie Gartenbau und Cine-Center, während das Metro-Kino an das Filmarchiv Austria ging. Solche Zusagen sind in Konkursverfahren aber erst nach der Genehmigung durch das Gericht bindend; wenn sich in der Zwischenzeit ein besseres Angebot findet, ist alles wieder offen. Was nun geschehen ist: Die Viennale bot für das Gartenbau netto 107.000 Euro, die Konkurrenten wollten da nicht mehr mitsteigern. "Das hätte Mailath einfacher haben können", meint Michael Stejskal, Leiter des Filmladen-Verleihs und des Votiv-Kinos, mit leisem Sarkasmus. "Er hätte gleich sagen können, dass er uns nicht will." Der Vorwurf der Intervention wird im Kulturamt dementiert. Stejskal & Co. verweisen aber auf ein Mail von Mailaths Anwalt Karl Newole, das just am Tag der entscheidenden Gläubigerversammlung in der Kanzlei des City-Cinemas-Advokaten Thomas In der Maur eintraf. Inhalt: Die Erteilung einer Förderung an die City-Cinemas-Gesellschafter sei keine beschlossene Sache. Die Botschaft schien klar, und "gegen den massiven Widerstand der Stadt Wien" (In der Maur) wollte man das Gartenbau dann doch nicht haben. Das Cine werde man, so Stejskal, dennoch übernehmen - "obwohl die Voraussetzungen jetzt natürlich schwieriger sind". Bleibt die Frage, warum die Viennale unbedingt ein Kino retten will, dessen Fortbestand als Festivalspielort ohnedies gesichert ist. "Hurch hat immer behauptet, es gehe ihm nur um die Rettung des Kinos", wundert sich Michael Stejskal. "Wieso er jetzt wie ein Besessener hinter dem Kino her war, ist mir nicht klar." Warum also, Herr Hurch? "Weil wir es besser können." Was erst zu beweisen sein wird. Für die Viennale spricht jedenfalls, dass sie nicht Konkurs gemacht hat. "Man darf nicht vergessen, dass die City Cinemas - aus welchen Gründen auch immer - so viele Kinos zugesperrt haben wie sonst noch niemand", sagt Hurch. "Die haben die ganze Innenstadt lahmgelegt." Das Argument der City Cinemas, sie verfügten bereits über jene Infrastruktur, die die Viennale erst teuer aufbauen müsse, lässt Hurch nicht gelten: "Das Gartenbau soll nicht mit anderen Kinos mitlaufen. Das ist nicht irgendein Kino, das ist ein besonderer Ort." Im Idealfall, so Hurch, sollten die Leute am Abend zuerst beschließen, ins Gartenbau zu gehen - und erst dann schauen, was überhaupt gespielt wird. Darüber, was im Gartenbau gespielt werden soll, haben City Cinemas und Viennale ziemlich ähnliche Vorstellungen: populäre "Arthouse"-Filme und "gehobene" Hollywoodware, vorzugsweise in deutscher Fassung. Konkret kann sich Hans Hurch im Gartenbau etwa die neuen Filme von Pedro Almodóvar ("Hable con ella") und Clint Eastwood ("Blood Work") vorstellen, und wenn zum Beispiel der neue Kaurismäki im Stadtkino in der Originalfassung läuft, könnte er auf Deutsch im Gartenbau gezeigt werden. Wiedereröffnet wird das Kino am 18. Oktober mit der Viennale, anschließend beginnt das Konzept Gartenbau Neu. In London und New York, weiß Hurch, würden wieder große Einzelkinos gebaut, weil es dafür zwischen den studentischen Programmkino-Fans und den Multiplex-Besuchern ein Publikum gebe. Es stimme schon, das Gartenbau sei ein Kinosaurier aus den Sechzigerjahren. "Aber ich mag Saurier", meint Hurch optimistisch. "Und gehen die Menschen nicht auch gern in Saurierausstellungen und Saurierfilme?" |
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nach oben Juli 2002 © FALTER E-Mail: wienzeit@falter.at |