Klingt wie aus einem Film von David Lynch, ist aber tatsächlich passiert: Im Anschluss an ein Freundschaftsspiel zwischen der Austria und Bayern München vor einem Jahr fanden Ordner auf dem Rasen des Wiener Horr-Stadions einen abgetrennten Finger - nachdem zuvor viele Fans bei Spielende auf den Rasen gelaufen waren. Der Besitzer meldete sich angeblich erst Tage später und vor allem viel zu spät, um den Finger wieder annähen zu lassen. Vorletzte Woche kam es dann am Zaun der Osttribüne, dort, wo die Anhänger der gegnerischen Mannschaft jubeln dürfen, erneut zu einer Fanverletzung mit anschließendem Fingerverlust. Beim Derby gegen Rapid wurde einem Fan des grün-weißen Fußballklubs ein Finger abgerissen - vom Zaun. Das Opfer dürfte beim Ausgleichs-Jubel in der 85. Minute auf die Absperrung gesprungen und dabei mit einem Ring unglücklich hängen geblieben sein, heißt es in einer Aussendung der Austria. Durch sein Gewicht habe sich der Fan den Finger selbst ausgerissen. "Ein Sanitäter und ein Arzt waren sofort zur Stelle", sagt Austria-Sprecher Christian Pflug. Auch ein Rettungsauto war vor Ort, weil es jedoch bereits dunkel war, erhielt ein angeforderter Rettungshubschrauber keine Landeerlaubnis. Der Finger konnte nicht wieder angenäht werden.
Vergangene Woche berichtete der Kurier von einem weiteren Unfall im "Horror-Stadion" der Austria. In Fan-Kreisen wolle man wissen, so die Tageszeitung, dass es beim Freundschaftsspiel gegen 1860 München erneut einen Fingerfund gegeben habe. "Urban Legends", meint dazu Austria-Sprecher Pflug. "Bei diesem Spiel ist nichts dergleichen passiert."
Trotzdem schauen sich die Verantwortlichen nun die fingerfressende Absperrung vor der Osttribüne nochmals genau an. Man sei sich nach zwei dokumentierten Vorfällen des Problems bewusst und wolle mögliche Restrisiken selbstverständlich minimieren. Hat der Zaun möglicherweise irgendwo scharfe Kanten? Sind seine Metallstäbe zu eng, sodass man dazwischen leicht seine Finger einquetschen kann? Offenbar nicht. Pflug: "Das ist ein ganz normaler Zaun, ein so genannter Norm-Zaun. Er wurde von den zuständigen Magistratsbehörden abgenommen und wird auch von der Polizei und der Sanität vor jedem Spiel begutachtet und genehmigt." Trotzdem: "Mit dem Ring irgendwo hängen bleiben, das kann nun einmal passieren. In diesen Fällen ist es halt leider bei uns im Stadion passiert."
Einer hat wohl von den makabren Vorgängen im Austria-Stadion Wind bekommen: der deutsche Starkicker Stefan Effenberg. Der war nämlich kurzzeitig mit dem Fußballklub in Vertragsverhandlungen. Am vergangenen Freitag sagte Effe den Wienern dann aber ab. Ohne Angabe von weiteren Gründen. Möglich, dass der Kicker um seine Finger bangte. Besonders um einen - ist der notorische Rasencholeriker doch auch bekannt unter dem Namen "Stinkefinger".
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