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| "Mein Bart ist kein Mythos" |
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FERNSEHEN Peter Rapp ist der am längsten dienende Conférencier des
ORF. Im "Falter" spricht er über fast vierzig Jahre "im Haus", die
Brutalität des Bierzeltes und "Sex, Drugs & Rock n' Roll". FLORIAN KLENK
und WOLFGANG KRALICEK |
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Eigentlich gibt Peter Rapp, 58, ja keine Interviews mehr. Schlüssellochstorys über drei Ehen (eine davon mit Sissy Löwinger), drei Scheidungen und seinen Millionen-Privatkonkurs samt Krida-Prozess haben den Moderator medienscheu gemacht. Für den Falter hat der Mann mit dem berühmtesten Bart Österreichs eine Ausnahme gemacht. Unmittelbar vor der Aufzeichnung seiner "Brieflos-Show" bat Rapp in die Kantine des ORF. Einzige Bedingung: keine Fragen zum Privatleben und "nicht zu sensibel und nicht zu intellektuell, bitte!". Vor dem Interview schnappte sich Rapp vorsorglich den Fragebogen des Falter-Teams und studierte ihn skeptisch. Rapps Berufsleben ist bewegt. Entdeckt wurde er - schon damals mit Filzrand um den vorlauten Mund - im Jahr 1963 von Willi Kralik, dem damaligen Leiter der "TV-Teenager-Party" und späteren Sekretär des "Seniorenclubs". Zu dieser Zeit arbeitete der Sohn einer Marktstandlerin und eines Beamten als Journalist bei Krone und Express und sang auf Wiens Vorstadtbühnen Schlager und Rock n' Roll. Rapp studierte Schauspiel und Rhetorik, ging zu Ö3 und bald darauf zum Fernsehen. Es folgten Sendungen wie "Spotlight", "Tele-As","Tele Zirkus", "Wer A sagt", "Wurlitzer", "Hoppala" oder "Millionenrad". Zeitweise tingelte der Wiener mit Soloprogrammen ("Locker vom Hocker") durch Bierzelte und Kaufhäuser. Berühmt wurde Rapp nicht zuletzt durch seine Moderation bei "Licht ins Dunkel". Vor kurzem moderierte er die Spendenaktion für die Hochwasseropfer. Falter: Intendanten kommen und gehen. Peter Rapp bleibt. Gibt es jemanden, der schon länger hier im Haus arbeitet? Peter Rapp: Seit die Edith Klinger weg ist, nicht. Ich mach meine Sendungen sogar ein paar Tage länger als der Marcel Prawy. Sie sind nun fast vierzig Jahre im Geschäft. Wieso kann der ORF ohne Peter Rapp nicht auskommen? Ich habe in all diesen Jahren Leistung und Quote gebracht, und einen Leistungsträger wird man auch weiter beschäftigen. Sie hatten schon früh den Ruf des Berufsjugendlichen. Den habe ich mir in gewisser Weise selber verpasst. Es ging darum, dass ich nach all den Jahren in Popsendungen das Gefühl gehabt habe, jetzt kann ich mit der Musik nix mehr anfangen. Daraufhin habe ich gesagt: "Ich möchte nicht zum Berufsjugendlichen werden" - und hab mit "Spotlight" aufgehört, wahrscheinlich meine erfolgreichste Show überhaupt. Wenn man mir heute noch sagt, dass das eine besondere Sendung war, dann möglicherweise deshalb, weil ich damit aufgehört habe. Aber Sie waren doch damals erst knapp über dreißig! Na, das ist ja ein Rentenalter für einen Jugendlichen. So wie alle habe ich mit 16, 17 nie damit gerechnet, dass ich je dreißig werde! Ich hab die Sendung 1968 begonnen, da war ich 24 und hab sie bis knapp über dreißig gemacht. Und ich wollte mich nicht jünger machen. Was war eigentlich damals so besonders an "Spotlight"? Es war was Besonderes, weil es keine andere Sendung gab, die in dieser Form populäre Musik gebracht und sich damit beschäftigt hat. Wir waren die Ersten, die Stars aus der ganzen Welt hierher geholt und im Fernsehstudio auftreten haben lassen. So etwas gibt es heute nicht mehr. Es machen alle nur mehr Magazine. Die Show in dem Sinn gibts ja überhaupt nicht mehr. Damals gabs "Spotlight" in Österreich oder den "Beatclub Bremen". Bei uns waren alle da: Abba dreimal, Boney M., ich weiß nicht wie oft, Robin Gibbs ... Ich habe Livesendungen mit dem Bill Haley und dem Fats Domino gemacht! Da bin ich im Studio selber zum Kind geworden, das waren die Pop-Götter meiner Zeit. Haben Sie da auch selbst gesungen? Nein. Das scheint Sie zu belustigen. Dazu muss ich Ihnen sagen, dass meine Karriere überhaupt als Nachwuchssänger begonnen hat. Ich war mit Bands auf Tournee, ich hab Wettbewerbe gewonnen, ich hab bei Hunderten Veranstaltungen als Sänger gearbeitet. Und wenn kein Moderator da war, hab ich auch gesprochen. Und dann hat man mir fürs Moderieren mehr Gage gegeben als fürs Singen - und daraufhin habe ich das Fach gewechselt. Was haben Sie denn so gesungen? Rock n' Roll. Sie haben auch Singles aufgenommen. Keine guten. Da sind irgendwelche Produzenten gekommen, die gedacht haben, wenn der Mann als Moderator berühmt ist, dann müsste man ihn gut verkaufen können - und haben mir halt irgendeinen deutschen Schlager aufs Aug gedrückt. Stimmt es, dass Sie bei Willi Kraliks "Teenager-Party" aufgetreten sind? Ja, im März 1963 in der Theodor-Körner-Halle. Da hab ich eine Art Casting gewonnen und durfte dann im Fernsehen singen. Die Begleitpartie waren damals die Bambis. Sie haben 1968 mit "Spotlight" begonnen. Waren Sie ein 68er? Ich weiß es nicht. Ich glaube, dass die Leute erst zehn Jahre später draufgekommen sind, dass 68er 68er sind. Menschen, die im Jahr 68 drinstanden, haben nicht gewusst, dass sie 68er werden. Und ich war eigentlich voll damit beschäftigt, meinen Beruf zu meinem Beruf zu machen. Politisch war ich nicht orientiert - möglicherweise auch wegen eines fehlenden Studiums, weil man sich ja meistens an der Uni engagiert hat. Und der Lebensstil? Haben Sie "Sex, Drugs & Rock n' Roll" gelebt? Das habe ich ausgelassen. Alles? Drugs mit Sicherheit, Rock n' Roll nicht - und an Sex kann ich mich nur noch dunkel erinnern. Ich weiß auch nicht, von welcher Qualität der war. Wie alt war ich da? 24 - also, es wird schon Sex gegeben haben. Anfang der Achtzigerjahre hat Sie der ORF ein bisschen beiseite geschoben ... Mich hat der ORF nie beiseite geschoben. Sie dürfen nicht vergessen: Ich bin hier freier Mitarbeiter. Und ich bin von diesem Sender mein Leben lang bestens behandelt worden. Früher hat eine Sendung in der Entwicklung zwei bis drei Jahre gebraucht. Hat man mit einer aufgehört, war man halt zwei Jahre weniger am Schirm. Ich lese immer wieder mit einem gewissen Schmunzeln, dass nahezu jede meiner Sendungen als "Comeback" bezeichnet wird. Wenn ich die Zeitungen ernst nehme, habe ich nie eine Karriere gehabt, sondern nur eine ununterbrochene Folge von Comebacks. Ich hoffe, dass sich diese Diktion ändert, wenn ich einmal für mein Lebenswerk ausgezeichnet werde. Sie waren eigentlich nie weg? Ich war nie weg. Ich war immer in diesem Beruf tätig, und zwar in allen seinen Facetten: Fernsehen, Radio, Veranstaltungen, Galas. Jede Form von Moderation oder, wies damals noch geheißen hat: Conférence. Ich bin noch einer der guten alten Conférenciers, der vom Hausfrauennachmittag bis zur Teenagerparty alles moderiert hat. Aber es gab doch Aufs und Abs, oder? Ich hab dichtere Zeiten gehabt und weniger dichte. Aber auf die Gesamtzeit umgerechnet, war ich mehr am Schirm als jeder andere. Ich hab Jahre gehabt, da war ich über 200-mal am Schirm - das war sicher zu viel. Na, dann hat man halt einmal ein Jahr Pause gemacht. Waren Sie ohne Fernsehen unglücklich? Nie. Weil ich meinen Beruf dann eben woanders ausgeübt habe. Unter anderem im Bierzelt. Das Bierzelt hatte seine Blüte, das war eine Zeit lang für alle eine große Einnahmequelle, für jeden, der halbwegs bekannt war. Ist es nicht das Härteste für einen Entertainer, vor lauter Besoffenen auftreten zu müssen? Das Publikum in dem Sinn ist nie besoffen. Du findest in einem Bierzelt nur mehr Besoffene als in der Staatsoper. Oder sagen wir: Dort sitzen sicher auch Leute, die ihr Quantum haben - aber sie wissen, dass sie leise sein müssen. Während die im Bierzelt wissen, sie können laut sein. Drei oder vier Leute in einem Bierzelt können so stören, dass sich die Veranstaltung nicht abwickeln lässt. Schwierig ist diese Distanzlosigkeit. Wenns gut gelaufen ist, war das ein Gemeinschaftserlebnis, das ich nicht missen möchte, das auch irgendwie schön war. Und dann gabs halt Abende, da haben alle schon so einen Pegel gehabt, dass dir eh keiner zugehört hat. Das ist blöd für meinen Beruf. Was macht man da? Einen guten Eindruck und höflich verabschieden. Schauen, dass man dort rauskommt. Sie haben eine Zeit lang auch in Deutschland moderiert. Wie waren dort Ihre Erfahrungen mit dem Publikum? Ich glaube, dass die Deutschen mehr Affinität zum holländischen Akzent als zum österreichischen haben. Während sie radebrechende Holländer mit offenen Armen aufnehmen, haben sie bei gut sprechenden Österreichern ihre Ressentiments. Der "Peter-Rapp-Bart" ist ein Mythos. Wie kam es dazu? Der Bart ist kein Mythos, der ist aus Faulheit entstanden. Mit 16 war ich einen Sommer lang in der Türkei und hab mir einen Bart wachsen lassen. War das schon der, den sie jetzt tragen? Ja. Dann ist ein großer Gewöhnungseffekt eingetreten, und wies mir dann einmal zu blöd war und ich ihn abgenommen habe, hat ein Großteil der Bevölkerung aufgebrüllt. Sie haben sich den Bart aber schon 1978 einmal von Hans Krankl abnehmen lassen. Weil es ja, so wie heute, undenkbar ist, dass die Österreicher im Fußball eine gewisse Position erreichen, hab ich gesagt: Da wette ich meinen Bart, wenn die bei der WM unter die letzten acht kommen. Der Krankl - witzig, wie er uns bekannt ist - hat dann auf die Einlösung der Wette bestanden. Ich hab damals die Sendung "Jahrmarkt" gemacht, und mein Regisseur hat gesagt: Na, dann machen wir das zu einem Beitrag. Wir sind nach Barcelona gefahren, und der Klubfriseur vom FC Barcelona hat mir bei der Mittelauflage den Bart abrasiert! Sehr nobel. Das muss mir einmal einer nachmachen. Gefällt Ihnen der Bart noch? Wie oft schauen Sie sich in den Spiegel, und es gefällt Ihnen nicht? Hat Sie das nicht gestört, dass Sie schon als Twen alt ausgesehen haben? Nein. Ich glaube nicht, dass ein jugendlich aussehender Mensch auch unbedingt jugendlich denkt. Sie sind also nicht eitel? Ich halte mich für uneitel. Das ist mitunter sogar ein Fehler, weil ich nicht sehr griffsicher in der Bekleidung bin. Ich muss mich da sehr beraten lassen, weil ich halt davon ausgehe: Ich sehs eh nicht. Wer berät Sie? Menschen, die es gut mit mir meinen. Die sagen: In dem Sackl gehst aber nimmer auße. Das schenkst du der Humana, wenn du es nicht eh von dort hast. Aber in den Siebzigerjahren waren Sie schon recht fetzig angezogen. Wer nicht? Da gingen Generationen zum Alfi Garzala oder zum Teller von der Landstraße - so wie man heute zum H&M geht. Das Schiwago-Jackett! Furchtbar! Oder die Glockenhosen! Mode ist lustig, Mode macht Spaß - vor allem jetzt, weil sie leistbar ist. Waren Sie schon bei H&M? Ja, ich kaufe dort auch gern ein. Früher bin ich immer zu Gap gegangen, in London oder in New York. Und jetzt gehe ich zu H&M. Waren Sie ein Frauenheld? Nein. Wären Sie gern einer gewesen? Nein. Damit habe ich nichts am Hut. Ich weiß auch nicht, wie ich zu dem Image komme. Es ist ja erstaunlich: Ich hab in der Beziehung ein echt cooles Image. Aber es stimmt nicht. Sie haben eh immer gleich geheiratet. Was möglicherweise Folge einer fehlgeleiteten Kindheit war. Die Sucht nach einer funktionierenden Verbindung war da. Ich hätts halt nicht immer gleich legalisieren müssen - aber das war mein Leben. Als Sie bei der "Krone" arbeiteten, soll Sie Chefredakteur Hans Dichand entdeckt haben. Er sagte: "In ihm steckt ein Entertainer!" Das war eher der Entlassungsgrund. Er hat mir zu meinem Glück verholfen. Ich verdanke ihm viel. Herr Dichand ist ein derartiger Vollblutjournalist, dass er gemerkt hat, dass ich keiner bin. Er hat mich aber weiter beschäftigt und schützend seine Hand über mich gehalten. Bis zu dem Zeitpunkt, wo sich bei mir Erfolge eingestellt haben. Sie pendeln ja noch heute zwischen Journalismus und Entertainment. Es ist ein anderer Journalismus. Im Fernsehen kannst du nichts schreiben, was die Leute nicht sehen. Jemand der an der Schreibmaschine sitzt, kann stottern und ein Glasauge haben und ein Bild über die Kolumne kleben, dass du meinst, es ist der Hademar Bankhofer. Im Fernsehen ist es halt anders. Da spielt die Optik eine Rolle. Deshalb werden auch nicht die Klügsten zu Präsidenten. Können Sie über Peter-Rapp-Witze lachen? Ich kann sogar lachen, wenn mich jemand beleidigt. Wenn sich der Dieter Chmelar über mich lustig macht, finde ich es lustig. Nur er kränkt sich, wenn ich mich über ihn lustig mache. Chmelar meint, Sie seien "noch schneller" als er. Aber wenn er zwei Wuchteln auf ihre Kosten mache, würden Sie gleich zehn nachschieben. Es müsse immer 10:2 für Peter Rapp stehen. Der Dieter hat mehr im Schädel, als der Kulenkampff gehabt hat! Wenn du dem Dieter heute sagst: "Ich wurde von der Muse geküsst!", fragt er: "Von welcher?" - und zählt alle auf. Es ist unglaublich: Völlig egal, ob du dich mit ihm über Hauptstädte der Erde, über griechische Mythologie oder über die wesentlichen Fakten der russischen Revolution unterhältst: Er hat alles abrufbar. Aber er ist sensibel und dünnhäutig. Das ist schade. Stimmt es, dass Sie und Chmelar gemeinsam auftreten wollen? Wenn der Dieter sagt, ich hab mir ein bisserl eine dickere Haut wachsen lassen: jederzeit gerne. Wie stellen Sie sich Ihren Abgang vor? Sterben, hinter dem Millionenradl! Ich entschuldige mich kurz und kippe hinter die Trommel. Und alle warten, dass ich wiederkomm. So in der Art muss das passieren. |
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