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| "Ich steh auf die B-Seiten" |
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KABARETT Demnächst hat das neue Programm von Lukas Resetarits Premiere - sein
zwanzigstes Solo in 25 Jahren. Ein Gespräch über ein Vierteljahrhundert auf der
Bühne, lautes und leises Publikum, die Sprache der Fußballer und die positiven Seiten
des Stammtischs. WOLFGANG KRALICEK und KLAUS NÜCHTERN |
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Am 26. Oktober 1977 hatte im Wiener Ensemble Theater, das damals im Konzerthauskeller untergebracht war, das erste Soloprogramm von Lukas Resetarits - Titel: "Rechts Mitte Links" - Premiere. Am 23. September 2002 läuft im Neuen Saal des Konzerthauses das zwanzigste Resetarits-Programm "Zeit" an. Dazwischen liegen 25 Jahre und die Karriere eines Mannes, der einst der erste Kabarettstar der "Neuzeit" war und heute längst als "elder statesman" der Szene gilt. Der als burgenländischer Kroate in Stinatz geborene Erich Lukas Resetarits, älterer Bruder von Willi "Ostbahn-Kurti" Resetarits und ORF-Redakteur Peter Resetarits, wächst in Favoriten und Floridsdorf auf, treibt sich nach der Matura als Strotter in München herum und arbeitet anschließend acht Jahre lang beim Bodenpersonal des Flughafens Wien-Schwechat. Daneben ist Resetarits Sänger einer Beatband (Jerry & The G-Men), Schauspieler beim Ensemble Theater und Mitglied der Kabarettgruppe Keif, der unter anderem auch Erwin Steinhauer und Wolfgang Teuschl angehören. Seine Soloprogramme sind von Anfang an sehr erfolgreich; außerhalb der Kabarettlokale wird Resetarits durch die legendäre TV-Serie "Kottan ermittelt" populär, wo er 1980 die Titelrolle übernimmt. Resetarits, der im Oktober 55 wird, ist Vater von zwei Töchtern - darunter die Filmregisseurin und -schauspielerin Kathrin - und lebt seit mehr als dreißig Jahren in Bisamberg bei Wien. Das Gespräch fand im Gastgarten seines Stammlokals, dem Fuchs-Wirten, statt. Falter: Was hat es denn vor 25 Jahren bedeutet, "Kabarettist" zu sein? Lukas Resetarits: Wir waren alle Nomaden, die schauen mussten, wo sie unterkommen. Der Aufbruch der Kabarettszene hängt ja auch damit zusammen, dass es mit Kulisse und Spektakel auf einmal eigene Räume gegeben hat. Davor mussten wir in irgendeinem Theater unterschlupfen. Sich in einem Wirtshaus auf ein Brettl zu stellen war nicht so gefragt, obwohl ich das auf meiner ersten Tournee in der Steiermark gemacht habe. Da wurde man als "Gaukler" betrachtet, dem man auf ein paar Bierkistln eine Platte gelegt und eine 60er-Birn' aufgedreht hat. In Veitsch haben sie mir ein Klavier hingestellt, bei dem die Hälfte der Tasten gefehlt hat. Mein erster Pianist, Peter Oswald, der mittlerweile Intendant des steirischen herbstes ist, hat erklärt, dass er so nicht spielen kann. Die haben nur gemeint: "So ein arrogantes Oaschloch, is eh a Klavier do!" Wie lange ist Ihr jetziger Pianist, Professor Robert Kastler, schon dabei? Seit 23 Jahren. Wir haben uns in der ersten Sekunde verstanden - ein tolles Erlebnis. Der hat ein Lied von mir einmal auf Kassette gehört, sich hingesetzt und gespielt. Ihre legendären Pianistenbeschimpfungen ... ... haben schon mit Oswald begonnen. Den habe ich einmal sogar ausgesperrt. Das war nicht abgesprochen? Schon, aber er hat sich so überzeugend aufgeregt, geschwitzt und fast zu weinen begonnen, dass er den Leuten total leid getan hat. Als Sie 1977 im Ensemble Theater Ihr erstes Programm spielten, hat es ja noch kaum Kabarettisten gegeben. Den Grünmandl hats gegeben, aber der war in Wien nicht so präsent. Dann gab es das Simpl unter Martin Flossmann und das Kärntnertor-Theater unter Gerhard Bronner. Später habe ich erfahren, dass Hans-Peter Heinzl zu dieser Zeit in Linz begonnen hat. Und der Georg Kreisler? Der war damals nicht in Wien, und er hat sich vom Kabarett auch abgewendet gehabt. In einem Falter-Interview hat er einmal gemeint, dass der Resetarits mit dem Kabarett aufhören sollte. Das war positiv gemeint - in dem Sinne, dass ich schreiben und nicht den Kasperl machen soll. Ich stelle mir das als Altersbeschäftigung auch besser vor als herumzutingeln. Wenn man es so fast blödsinnig ernst nimmt wie ich, scheißt man sich halt jeden Tag neu an - es kriegt was Existenzielles. Vor kurzem ist Ihre Mutter gestorben, weswegen Sie die Premiere um eine Woche verschoben haben. Dachten Sie daran, ganz abzusagen? Diesen Gedanken hab ich sofort abgestellt, weil ich mir gesagt hab: Das kann man nicht machen. Wenn ich jetzt absage, was ist dann, sagen wir, im Frühjahr anders? Dann nehme ich diese Blockade unter Umständen mit. Aber eine Blockade war da? Die letzten sieben Wochen ist meine Mutter auf der Intensivstation gelegen, da hast du schon so einen Block im Hirn. Ich hätte gedacht, dass man das trennen kann. Das geht auch - wenn man ein Programm schon spielt. Aber in der Entwicklungsphase geht das nicht. Da sitzt mein Team - meine Tochter Kathi, der Oberlehrer Kampl und manchmal auch mein Co-Autor Fritz Schindlecker - und wir reden so lange, bis es heißt: "Papa, stell di auffe und erzähl!" Bei den Proben jetzt habe ich Klartext gesprochen; ich bin immer ernst geblieben, nie ins Satirische gekommen. Bis meine Tochter gemeint hat: "Nein, keine Biografie und keine Psychoanalyse - es soll ein Kabarettprogramm werden!" Gestern haben wir meine Mutter eingegraben, und das hat funktioniert; ich bin fürs Blödeln wieder offen geworden: Jetzt ist sie tot, eingegraben - das verändert was im Kopf. Was denken Sie sich alleine aus? Eine Grundidee, die so etwas wie ein Stichwort ist: "Niemandsland" oder eben "Zeit". Dann fang ich zum Herumspinnen an, es gibt Vorgespräche ... ich entwickle Sachen einfach besser im Dialog als alleine. Wenn das Ideen- und Szenengerüst steht, gehts auf die Bühne, wo ich auf Stichwort zu erzählen beginne - das ist zum Teil auch frei assoziiert und wird entweder aufgenommen oder wieder verworfen. Bis vor kurzem galten Sie mit Ihrem Nummernkabarett ja schon als Kabarett-Konservativer. 1999, mit dem Programm "Ich tanze nicht", haben Sie mit der alten Form dann radikal gebrochen. Haben Sie das als Befreiung empfunden? Ja! Die Nummern kann man halt auswendig, und es strengt nicht so an, aber man kommt sich wie eine Jukebox vor. Die jetzige Methode kostet mehr Kraft, ist aber von der ersten bis zur letzten Vorstellung befriedigender. Diese Form des erzählenden Kabaretts, die jetzt fast alle Kabarettisten betreiben, hat eigentlich Josef Hader etabliert. Hat er auch Sie beeinflusst? Ja. Mir haben aber schon in den Zeiten, als ich noch Nummern-Kabarett gemacht habe, die so genannten Conférencen am meisten Spaß gemacht. Wenn das Programm über die Wochen immer länger wurde, dann ist immer eine Nummer rausgeflogen und keine von den Conférencen. Woran und an wem haben Sie sich denn in Ihrer Anfangszeit orientiert? Qualtinger war für mich so unantastbar wie Karl Valentin. Ich würde nie Karl-Valentin-Sachen spielen, das ist wirklich ein Sakrileg. Ich habe auf die Zwischenkriegszeit, auf Jura Soyfer und die Roten Spieler, zurückgegriffen. Von dort habe ich die Figuren des Kapitalisten "Bladerl" und des Arbeitslosen "Magerl" übernommen, die bei den Roten Spielern beide den Hitler für sich in Anspruch nehmen. Am Schluss kommt die Wirtin, wirft beide raus und meint: "Uns, dem Mittelstand, gehört der Hitler!" Ich habe das dann - zulässig oder nicht - auf die Sozialdemokratie übertragen. Damals hab ich mir auch die pantomimisch aufwendige Aufgabe gestellt, zwei Leute in einem Paternoster zu spielen - ein kühnes Unterfangen. Der Horror meiner Kindheit war ja die Frage: Was passiert, wenn der Paternoster im Amalienbad oben oder unten durchfährt? Dreht sich der um?! Ein bisschen spooky war das schon. Hat sich das Publikum eigentlich darüber beschwert, dass Sie sich vom klassischen Politkabarett entfernt haben? Manche tun das, aber mit Argumenten, die für mich nicht greifen. Das sind oft so Links-Nostalgiker. Ich kann ja nicht immer Bladerl und Magerl oder arbeitslose steirische Industriearbeiter geben. Und die Informationen darüber, was politisch so passiert, haben die Leute eh. Soll ich die Zeitung nachspielen? Werden in Ihrem Jubiläumsprogramm auch alte Klassiker von Ihnen auftauchen? Das eine oder andere wird schon vorkommen, wenns passt, aber es ist wie in der Musik: Meine Frau hat meistens Radio Wien aufgedreht, und das geht mir mörderisch auf den Oasch, weil man da immer dieselben A-Seiten-Hits hört. Ich steh aber auf die B-Seiten! Bei meinen Programmen ist das auch so. Apropos Klassiker: Woher haben Sie Ihr legendäres Jugo-Sakko? Von meinem Manager, dem Wolfgang Preißl - der hat das wirklich einmal getragen! Unglaublich!! Menschenverachtendes Design!!! Stichwort "schlecht angezogen": Was halten Sie von Helge Schneider? Ich bin ein großer Verehrer von ihm. Als er das erste Mal in Wien war, hab ich mir sein Programm im Vindobona vier Mal angeschaut. Bei einer Vorstellung im Orpheum habe ich einmal mörderische Aggressionen gekriegt, weil es so viele Leute gibt, die ihn missverstehen: eine Respektlosigkeit sondergleichen. Da sitzt eine Partie, redet, raucht und fordert dann im Chor "Katzeklo"! Die haben einfach nicht begriffen, dass man erst mit einer ziemlich gediegenen Intelligenz und einem ziemlich gediegenen Wissen in den vermeintlichen Nonsens, fallen kann, sonst ist es ja einfach Nonsens und man ist ein Trottel! Aber wenn man es anders kann und trotzdem so macht - das fasziniert mich. Außerdem beneide ich ihn um seine mangelnde Nervosität auf der Bühne. Ich bin ja ein Anscheißer! Sie waren der erste in Österreich, zu dem wirklich die Publikumsmassen gekommen sind. Kommen mit den Massen auch die Trotteln? Ja! Der "Kottan"-Schub hat auch dazu geführt, dass auch die Trotteln gekommen sind, die wollten sehen, obs den aus dem Fernsehkastl wirklich gibt. Immer wenn meine mediale Präsenz größer ist - zuletzt durch den "Kaisermühlen Blues" - gibts einen Schub von Leuten, die mit dem, was ich da oben mache, nur wenig anfangen können. Die lachen dann immer vor, weil sie so fernsehgeschädigt sind, dass sie größere Bögen gar nicht mehr mitkriegen. Sie fühlen sich verpflichtet, wegen jedem Schmähtscherl zu lachen, hören sich aber die G'schicht nicht mehr an. Das ist auch der Fluch von jemanden wie dem Roland Düringer - weil manche Leute nicht mehr erkennen, dass sie selber als Arschlöcher auf der Bühne stehen. Es ist ja eh immer der andere, der gemeint ist! Das ist doch das Grundproblem des Kabaretts. Ja! Nach einer "Niemandsland"-Vorstellung habe ich einen Brief bekommen, auf den ich sehr stolz bin - vom Hans Traxler. Das war das Größte überhaupt! Er ist ja einer von den Giganten, die mich geprägt haben: Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Hans Traxler ... Und dem Traxler hat meine Vorstellung gefallen, obwohl er dem Kabarett gegenüber sehr skeptisch ist. Das Massel war, dass es eine sehr gute Vorstellung war: Das kann von einen auf den anderen Tag ja hundert zu eins sein. Ist das nicht etwas übertrieben? Nicht sehr. Die extremen Enden sind schon sehr weit voneinander entfernt. Wenn man eine Partie Trotteln drin hat ... Manche lachen dermaßen aggressiv, dass man sich wirklich fürchtet! Diese Einstellung: Das ghört jetzt uns! Da geht man dann in einer Depression heim. Das leisere Publikum ist oft das viel bessere. Das honoriert auch kleine Miniaturen, die man schon längst vergessen hat. Dann werde ich ruhiger, langsamer ... immer, wenn ich Angst habe, werde ich schneller und will das wegreden. Eigentlich sind die Vorstellungen in Sälen mit Theaterbestuhlung leiwander. Da gehen die Leute nicht dauernd brunzen, kein Bierflaschl fällt um ... Deswegen spielen Sie jetzt im Konzerthaus? Unter anderem. Es war aber auch eine Terminfrage. Das Thema war aber von Anfang an klar? Ja, um "Zeit" wäre es in jedem Fall gegangen. Haben Sie Zeit? Ich weiß, dass ich Zeit habe. Ich führe ja ein wunderbares Leben und habe - wie ein Lehrer - zwei Monate im Sommer spielfrei. Aber natürlich bin ich vor den Anfechtungen des Konsums bis hin zu den Zapp-Depressionen vorm Fernseher - nicht gefeit. Frisst das Fernsehen Ihre Zeit auf? Wenns nach meiner Frau geht, bin ich immer beim Fuchs-Wirtn und tu dauernd fernsehen. Da sag ich: "Okay. Und wo kommt die Marie her? G'winn ich auch wöchentlich im Lotto?" Wie oft sind Sie denn beim Fuchs-Wirtn? Zwei-, dreimal die Woche. Wenn man mir vor 25 Jahren gesagt hätte, dass ich einmal am "Stammtisch" sitzen würde, hätte ich gesagt: "Du bist deppert!" Mein Einstand beim Fuchs war, dass zwei Alte vom Krieg erzählen und ich dann sage: "Des muss eine super Zeit gwesn sein! A Wahnsinns-Karl - wie ein Sommerlager." Wie ich gegangen bin, hat der eine gefragt: "Wer woar denn des Oaschloch mitm Flinserl?" In der Zwischenzeit ist es so, dass da ein Unternehmer, ein Arzt, ein Automechaniker und ein Kabarettist sitzen und bis in die Nacht reden. Außerdem erfährt man alles - obs stimmt oder nicht. "Ham die verkauft? Da wohnt ja der Ding, der Franz." - "Na, du meinst an andern - des ist der Karl, der mitm Toyota." Zum Wirtn gehen heißt: Open End? Ja, das ist ein sehr guter Begriff. Es heißt: sich Zeit nehmen. Wann ist Sperrstunde? Wenn der Wirt uns raushaut. Soo endlos ist es aber auch nicht. Lange Abende gehen bis eins, viertel zwei. Wenn Sie nach Wien reinfahren, ist das dann wie Schullandwochen? Es ist eigenartig. Ich bezeichne mich als Wiener und fühle mich als urbaner Mensch, lebe aber überhaupt nicht so. Andererseits muss man Bisamberg zu Wien zählen. In der Hitlerzeit war es ja eingemeindet. Auch die Sprache ist noch wienerisch geprägt. Außerdem wird man in zehn Jahren kein Ortsende von Wien mehr sehen, und die Baulücke zwischen Wien, Langenzersdorf und hier wird geschlossen sein. Wie ich 1969 hergezogen bin, warens 900 Leute, jetzt sinds 4800. Ur-Bisamberger sind die absolute Minderheit da, die meisten sind zugezogene Wiener. Und die Soziostruktur hat sich in Richtung Hietzing verändert. Das führt dazu, dass die Kinder von Einheimischen oft wegziehen müssen, weil sie sich den Grund nicht leisten können. Sie sind aber auch kein Armer. Nein, aber ich bin als Armer hergekommen. Wohnen Sie immer noch so wie 1969? Nein, damals haben wir eine Wohnung gehabt, jetzt haben wir ein Haus. Der Aufstieg ist also dokumentiert. Macht Ihnen der Wohlstand manchmal ein schlechtes Gewissen? Schlechtes Gewissen nicht. Aber es ist mir bewusst, dass ich privilegiert bin. Demütig gesagt, sehe ich mich schon als Glückskind. Themenwechsel: Sie waren lange Zeit Stürmer beim 1. FC Bisamberg. Sind Sie noch aktiv? Nein, schon fünf, sechs Jahre nicht mehr. Wir haben bei den Senioren zwar immer gesagt, wir spielen, bis wir tot umfallen. Aber ich hab mir blöderweise die Füße operieren lassen, nach der Operation war ich fast ein Jahr lang rekonvaleszent und so bös auf meine Füße, dass ich dann wie ein trotziges Kind nicht mehr kicken wollte. Sie sind auch außerhalb von Bisamberg mit relativ vielen Kickern befreundet, unter anderem mit Hans Krankl. Wie kommt das? Das beruht auf Gegenseitigkeit. Der Hans hat sich gefreut, dass er den Kottan kennt, und ich, dass ich den Hans kennen gelernt habe. Wie ich zum ersten Mal gesagt hab: "Hans, komm einmal zu mir ins Kabarett!", hat er skeptisch gefragt: "Politisch?" Sag i: "Na, zum Lachen!" Kann man mit einem Egomanen wie Krankl überhaupt befreundet sein? Er ist egomanisch, aber dahinter ist er, glaube ich, recht waach. Ich glaub, was er an mir schätzt, ist die Familie. Das ist für ihn ein wirkliches Kriterium dafür, ob er Leute mag oder ned. Er ist ein Stürmer, er ist ein Centerstürmer, wie man früher gesagt hat - und der muss ein Egoist sein. Ich hab einmal gespielt mit ihm, da sind die Verteidiger wie eine Mauer vor ihm gestanden, und ich steh daneben und sag: "Du graues Oaschloch, schieb umme die Wuchtel, i hau eam mitm Zumpferl eine!" Sagt er: "Sei ma ned bös, aber wann i am 16er bin, siech i nur mehr 's Goal." Ihre liebste Kicker-Anekdote? Eine Geschichte werde ich nie vergessen: Da war Sommerzeitumstellung, und der Garger Kurtl (damals Tirol-Verteidiger, heute Vienna-Trainer, d.Red.) hat zwar die Zeit umgestellt, aber verschlafen - und kommt blöderweise genau eine Stunde zu spät zum Training. Der Happel (damals Tirol-Trainer, d. Red.) haut ihn aus dem Kader, und wie ihn die Journalisten dann gefragt haben, warum, hat er gesagt: "Der hat a Kopfverletzung!" Was halten Sie als alter Rapidler von Pepi Hickersberger? Der hat einen guten Schmäh, oder? Absolut. Der Schneck (Ex-Teamchef und TV-Kommentator Herbert "Schneckerl" Prohaska, d. Red.) übrigens auch. Nur im Fernsehen kann ers nicht. Der ist noch von dieser alten Generation, die sich vor dem Medium niedergekniet haben. Da ist das Fernsehen, da muss man nach der Schrift sprechen. Bei der FAC, wo ich als Junger gespielt hab, hat der Trainer einmal gesagt: "Goalmann, du musst deine Vorderleute in Schacht halten!" Oder bei der Mannschaftsbesprechung in der Kantine: "Burschen, es fangt die Meisterschaft jetzt an, wir sollen elf Freunde sein, und für ans möcht i applaudieren: Lasst ma den Schiedrichter in Ruah. Schimpfts in Boden eine!" Hab i gsagt: "Wenn der neben mir steht und i schimpf in Boden eine: ,Du schwarze, oaschwarme Drecksau!' - geht des dann?" Stimmt es, dass Sie vor kurzem noch Arzt werden wollten? Ursprünglich wollte ich das studieren, und um den 50. Geburtstag habe ich es mir wieder überlegt. Ich habe auch viele Ärztefreunde, deshalb weiß ich da halt einiges. Das ist wahrscheinlich so ein Heiratsschwindlerwissen. Ich kann das sehr gut: Dass mir jemand was erzählt und er glaubt, ich habs ihm erzählt. Also, ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ich irgendwo in einem Landspital als Hochstapler knapp vor der Primarstelle wäre. "Jetzt waren Sie zwanzig Jahre Oberarzt, es ist so weit!" Sie sollen sogar bei Operationen dabei gewesen sein. Als erste Assistenz, ja. Ich hab geklammert und thermokoaguliert. Was ist denn das? Kleine Gefäße werden nicht vernäht, sondern verbrutzelt. Und wieso durften Sie das? Ich bin vom Bundesheer her ausgebildeter Sanitäter, und unter Aufsicht eines Chirurgen geht das. Einen Nabelbruch haben wir gemacht, nachher einen Auspuff, also Hämorrhoiden, und dann eine Schnittgalle. Alles gut gegangen? Die Patienten waren sehr zufrieden. Der Chirurg war ein Freund von Ihnen? Ja, und er hat mir dann auch vom Studium abgeraten. Der zweite nicht erfüllte Berufswunsch war der Pilot, an dem ich mit 16 gescheitert bin - weil ich Trottel mir damals die Brille aufgesetzt hab, wie ich mich zur AUA vorstellen gegangen bin. Also habe ich den Hubschrauberschein gemacht. Wieso nicht Flugzeug? Wenn schon, denn schon. Das Schwerere. Der 11. September hat gezeigt, dass es offenbar gar nicht so schwer ist, ein Flugzeug zu fliegen. Für einen, dem die Fliegerei so wichtig ist, ist es das grauslichste Verbrechen, dass man dieses Gerät so missbraucht. Interessant ist, dass solche Sachen nicht schon öfter passiert sind. Sie werden bald 55. Wie alt sind Sie gefühlsmäßig? Darüber habe ich mit Freunden aus meiner Generation schon viel diskutiert. Wir sind die Leute, die den Fluch des Jungbleibens irgendwie so im Schädel haben. Erlebt habe ich das damals hauptsächlich über die Musik: dieses deutliche Lösen von den Alten über die Rockmusik. Für mich war das ein ganz großer Bruch, und damit war man verurteilt zu dieser Jugend. Jetzt ist man einerseits ned alt und andererseits schon. Wenn wir da am Stammtisch sitzen und blödeln wie in der siebten, achten Klasse Mittelschule, so deppert, wie's nur geht - das genieße ich ungemein. Auf der anderen Seite: Wenn ich in der Industrie wäre, wäre ich jetzt im besten Alter als Konzernchef. Und am Flughafen hätte ich schon Gleitpension, das haben sie einem Haberer von mir schon angeboten. Wie viele Kilo liegen zwischen dem ersten und dem zwanzigsten Soloprogramm? (Denkt lange nach.) Das müssten sein ... 25. Also genau ein Kilo pro Jahr. Ja. Wirkt eigentlich überschaubar. "Zeit" läuft von 23.9. bis 10.10. (Premiere am 25.9.) im Konzerthaus (Neuer Saal), jeweils Mo bis Do 19.30 Uhr. Reservierung: www.konzerthaus.at bzw. Tel. 242 002. |
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