|
Zum Archiv |
| Da steppt der Bär! |
|
TV-DUELLE Elmar "das war nicht meine Frage" Oberhauser ist wieder da. Ab
Oktober sekkiert er die Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl wieder mit seinen
Ordnungsrufen. Oder ist aus dem Grobian inzwischen ein blauer Kuschelbär geworden? EVA
WEISSENBERGER und NINA WEISSENSTEINER |
|
|
Mitten in den tiefsten Siebzigern, als viele ORF-Journalisten gerade erst entdeckten, dass sie nicht nur dazu da waren, Mikrofone zu halten, wusste einer bereits alles besser: "Der Kreisky", wurde ein halbes Dutzend verdutzter Radioredakteure in der Argentinierstraße eines Morgens belehrt, "der gehört ganz anders interviewt." Die alten Haudegen verschluckten sich beinahe an ihrem Frühstückskaffee. Vor ihnen stand ein junger Sportreporter aus Vorarlberg, der den Ballhausplatz und seine Akteure bis dahin höchstens aus dem Fernsehen kannte. Sein verärgerter Chef nahm den kräftigen Besserwisser daraufhin beiseite und noch am gleichen Tag mit zum Ministerrat. Heute erinnert sich dieser spöttisch: "Dort ist er dann gestanden, lauschte dem Alten und war genauso schmähstad wie alle andern zuvor." Der Alte - das war Bundeskanzler Bruno Kreisky. Der Chef beim Radio Johannes Fischer, der heute das ORF-Magazin "Thema" leitet. Und der obergescheite Provinzler Elmar Oberhauser. Zum Politikerschreck sollte er erst eineinhalb Jahrzehnte später avancieren. Vor vier Jahren moderierte der nunmehrige ORF-Sportchef seine letzte politische Diskussion im Fernsehen. Ende Oktober kehrt Oberhauser nun zurück: Der 55-Jährige wird siebenmal, je neunzig Minuten lang, wie in alten Zeiten, mit den Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl in den TV-Ring steigen. Dabei wieder den beinharten Schiedsrichter geben. Die Parteichefs quälen. Und das Publikum entzweien. Seinen legendären Ruf als "Mister Grobian", wie ihn das profil einst nannte, erwarb er als Moderator der runden Tische nach der "ZiB 2" Anfang der Neunzigerjahre und bei den Wahlkampf-Konfrontationen 1994. Er unterbrach seine Interviewpartner ständig und gnadenlos mit den immer gleichen Sätzen: "Sie haben meine Frage nicht beantwortet!" (bei Ausflüchten), "Können Sie etwas konkreter werden?" (bei allgemeinem Blabla), "Wir kommen noch im Laufe der Sendung dazu ..." (bei versuchtem Themenwechsel) oder "Das klingt alles sehr gut. Aber ..." (bei Blendern). Vor und während der Konfrontationen ließ sich Oberhauser übrigens nur von einem Kollegen briefen - im Haus wurde dieser bald nur "der Unterhauser" genannt. Inzwischen sind Oberhausers rekordartige Zwischenrufe auch wissenschaftlich untermauert. Mitte der Neunziger widmeten sich zwei Innsbrucker Politikwissenschaftler, Manfred Rieglhofer und Michael Posselt von der Uni Innsbruck, der Interviewtechnik der "Fragesteller der Nation": Ergebnis ihrer Analyse: "Es wurde deutlich, dass Elmar Oberhauser durch seine Art der Gesprächsleitung die Selbstdarstellung der Spitzenkandidaten stark beeinflusst." In den Kategorien "fordert Präzision", "erklärt Aussagen", "nimmt Wort weg" und "fordert auf, sich kurz zu halten" erreichte der rotblonde Vollbartträger derart hohe Werte, dass die Balkendiagramme der Wissenschaftler nur so in die Höhe schnellten. Gezählte 42 Mal schnitt er allein der grünen Spitzenkandidatin von 1994, Madeleine Petrovic, bei einer einzigen Diskussion das Wort ab. Damit nicht genug. Auch seine Fragen waren für ORF-Verhältnisse, höflich ausgedrückt, eher unkonventionell: "Und warum haben Sie sich für die Wahlplakate nicht völlig nackt nur mit Schlammblättern auf einem Plakat abbilden lassen?", fragte er Petrovic, "es wird ja kolportiert, dass das das Beste wäre." Einige runde Tische später sollen sich der damalige Kanzler Franz Vranitzky und sein Vize Erhard Busek geschworen haben, den Küniglberg so lange zu meiden, wie der Grobian dort live schalten und walten konnte, wie er wollte. Bei der so genannten Oktoberrevolution 1994 unter dem damals frisch gebackenen roten Generalintendanten Gerhard Zeiler wurde Oberhauser als "ZiB 2"-Chef entmachtet. Aber er fiel nach oben - und wurde Hauptabteilungsleiter für Sport. Den Zuschauern blieb er als Moderator der Diskussionssendung "Zur Sache" erhalten. Und wurde um nichts bequemer: Als Kanzler Vranitzky die Einladung ins Haas-Haus wieder einmal ausschlug, revanchierte sich Oberhauser mit einem demonstrativ hingestellten Studiosessel, der während der gesamten Sendezeit leer blieb. Oberhauser ärgerte den Magnaten Frank Stronach oder versöhnte Österreich mit dem gefallenen Engerl Andi Goldberger - bis er sich im Februar 1999 mit dem damaligen Info-Intendanten Hannes Leopoldseder zerstritt: Oberhauser wollte zu einer Diskussion über die Lawinen auf Galtür Wendelin Weingartner einladen. Leopoldseder war dagegen, weil sich der Tiroler Landeshauptmann damals schon im Vorwahlkampf befand. Oberhauser kam dann nicht mehr "Zur Sache". Freunde, die in diesen Situationen zu ihm standen, hatte Oberhauser am Küniglberg nur einige wenige. Feinde schon mehr. Denn, erzählt ein Kollege, "es gibt kaum jemanden im Haus, mit dem er nicht schon rumgebrüllt hat". Zu seinen bevorzugten Streitpartnern zählten Johannes Fischer oder die "ZiB"-Moderatoren Josef Broukal, Robert Hochner und Horst Friedrich Mayer. Als Oberhauser zu einer Sitzung einmal ein wenig zu spät kam, zitierte Mayer zur Belustigung der Mitarbeiter genüsslich aus dem profil: "Oberhauser kam meist zu spät und aß im Unterricht Wurstsemmeln." Das hatte der Bestsellerautor Robert Schneider dem Montagsmagazin über seinen ehemaligen Volksschullehrer - Oberhauser hatte unterrichtet, bevor er im Landesstudio Vorarlberg als Sportreporter anheuerte - erzählt. Auch privat polarisierte Oberhauser: Als ihn der Türsteher des Casinos auf der Kärntner Straße einmal nicht einlassen wollte, weil er nur Jeans trug, ließ er die Hosen runter. Aus solch wilden Nächten stammt aber auch der amikale Ton, der ihn privat mit der halben Politschickeria des Landes verbindet. Mit dem schwarzen Bundespräsidenten Thomas Klestil ist er ebenso per du wie mit dessen ehemaligen roten Gegenkandidaten Rudolf Streicher. Mit ORF-Stiftungsrat Karl Krammer, mit dem er sich regelmäßig befetzte, als der noch Vranitzkys Kabinettschef war, raucht Oberhauser mittlerweile bei Do&Co am Stephansplatz regelmäßig kubanische Zigarren. Oberhausers internationalen Kontakten zu Bernie Ecclestone und Konsorten hat der ORF mittlerweile einiges zu verdanken. Die Rechte für die Formel 1 zog der Sportchef ebenso an Land wie jene für die alpinen und nordischen Skirennen bis 2006 und die Champions League. Das bringt Quoten: Laut einer Umfrage aus dem Vorjahr sind über 80 Prozent Österreicher glücklich mit der Sportberichterstattung des ORF. Und nicht nur das: Gemeinsam mit Sturm-Graz-Chef Hannes Kartnig und ÖFB-Präsident Beppo Mauhart bildete Oberhauser auch ein schlagkräftiges Trio gegen Magna-Boss Stronach, der lange Pläne für einen eigenen Sportkanal wälzte. Erst im Februar 2000, mit der Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen, kam der bürgerliche Vorarlberger wieder politisch ins Gerede. Diesmal als Wendehals. Einmal wurde Oberhauser nachgesagt, er habe mit der Vizekanzlerin Silvester gefeiert, ein anderes Mal, er habe während der Ski-WM in St. Anton mit Susanne Riess-Passer und anderer blauer Prominenz die österreichischen Medaillen allzu fröhlich gefeiert. An einem Sonntagabend im Juni vergangenen Jahres war es für FPÖ-Gegner dann ganz aus: Nachdem schon die blaue Sportministerin Riess-Passer in "Sport am Sonntag" diskutiert hatte, ließ sich Oberhauser dann auch noch den Chef des FC Kärnten, der zufällig Jörg Haider heißt, live zuschalten. Und überzog fette zwölf Minuten. Am anderen Kanal hatte die "ZiB 1" längst begonnen - und brachte ebenfalls ein Gespäch mit dem Kärntner Landeshauptmann. "Da ist etwas danebengegangen", räumte Generalintendant Gerhard Weis danach zerknirscht ein. Die Interviews im Doppelpack platzten just in Personaldebatten rund umd die Bestellung der neuen ORF-Führung, die wenige Monate später über die Bühne ging. Riess-Passer soll Oberhauser nicht nur einmal bedrängt haben, für den Generaldirektor zu kandidieren. Oberhauser wollte jedoch nicht gegen Weis antreten. Auch als Informationsdirektor war er im Gespräch. Er selbst dementierte aber immer jede Ambition. Vergebens. Der FPÖ-Stempel war ihm längst aufgedrückt. Dabei schenken ihm in dieser Frage sogar verfeindete - und davon gibt es viele - und linke Kollegen vom Küniglberg Glauben: "Oberhauser hat als Sportchef das größte Budget im Haus. Als Info-Direktor hätte er längst nicht so viele Freiheiten gehabt", meint einer. "Der Sportchef ist kein Journalist, sondern ein Event-Manager", sagt ein anderer: "Der ORF ist beim Sport nicht unbeteiligter Berichterstatter, sondern Mitveranstalter, da muss sich der Sportchef mit den Geldgebern arrangieren." Bei den Duellen vor den Neuwahlen werde er sich bestimmt keine Schlagseite leisten, ist auch der grüne Medienpolitiker Stefan Schennach überzeugt: "Oberhauser ist ein hochprofessioneller Moderator." Und selbst der ewig geifernde blaue Mediensprecher Peter Westenthaler meinte schon zu Oppositionszeiten: "Auch wenn es in einer Menge von schwachen ORFlern nicht schwer ist: Oberhauser sticht hervor." Dabei war Big Elmo Westenthalers früherem Chef bei der Elefantenrunde vor der Wahl 1994 nicht gerade wohlgesonnen. Laut der Innsbrucker Studie hat Oberhauser Jörg Haider damals "exakt 22 Mal in seiner Argumentation unterbrochen oder ihn zu besserer Diskussionskultur aufgefordert". Somit am häufigsten von allen Spitzenkandidaten bei dieser Diskussion. |
|
Zum Archiv |
|
nach oben September 2002 © FALTER E-Mail: wienzeit@falter.at |