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Für Dampfplauderer
SAUNAS  Wenns draußen kalt und feucht ist, hat Schwitzen wieder Saison: Der "Falter" hat die Wiener Saunas und Dampfbäder - von posh bis puristisch - getestet. THOMAS PRLIC, NICOLE SCHEYERER, EVA WEISSENBERGER und CHRISTOPHER WURMDOBLER

Falter 46  Originaltext aus Falter 46/02 vom 13.11.2002

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Jubel-Falter

Einer ist immer der Schwafler. Und einer ist immer der Wachler. Egal, in welcher Sauna, irgendwer findet sich immer, der zur Aufgusszeit mit dem Handtuch heiße Luft in der Schwitzkammer verbreitet - und seinen Mitschwitzern die ein oder andere Verbrühung zufügt. Das Gute am Wacheln: Wenns richtig heiß ist, schwafelt keiner mehr. Jetzt haben die Saunas wieder Hochsaison. Das Angebot in Wien ist - vor allem auch durch die städtischen Bäder - recht groß. Und wer zum Vergnügen niedrigere Temperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit braucht, findet das im Dampfbad. Der Falter hat die tollsten Badehäuser der Stadt besucht und getestet.

Beinah orientalisch

Nach dem Jörgerbad war das in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaute Amalienbad die zweite große städtische Badeanstalt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bad schwer beschädigt, danach zwar wieder aufgebaut, dabei gingen aber wertvolle architektonische Elemente verloren. In den Achtzigerjahren ließ die Stadt das Bad revitalisieren und in die bereits vorhandenen Dampfbadbereiche Saunakammern einbauen. Nicht nur das Bad selbst präsentiert sich seit der Renovierung in alter Schönheit, auch die zwei getrennten Schwitzzonen können sich sehen lassen. Männer und Frauen saunieren im Amalienbad je nach Wochentag streng getrennt oder gemischt. Jeder der beiden Bereiche ist mit Whirlpool, Dampfkammer, Tauchbecken und Biosaunarium ausgestattet. Besonders schön gestaltet sind die Warmwasserbecken, die beinahe orientalisches Flair verströmen. Und in den eigentlichen Saunakammern wird natürlich ordentlich gelästert und getratscht. Bis der Aufguss auch das letzte Plappermaul zum Verstummen bringt.
Fazit: eines der schönsten städtischen Bäder, samt Finnen- und sonstigen Saunavergnügungen und beinah schon orientalischem Ambiente.
Amalienbad, 10., Reumannplatz 23, Tel. 607 47 47, www.wien.gv.at/baeder, Sauna ab EUR 11,-.

Angenehm leer

Das etwas versteckt in einem Häuserblock gelegene Margaretenbad ist vor allem für seine riesige Wasserrutsche bekannt. Das Privatbad des Kärntner Wellnesstycoons Robert Rogner beherbergt aber auch einen kleinen, verwinkelten, vom Ambiente her allerdings eher unspektakulären Saunabereich. Während des Testbesuchs (wochentags, Nachmittag) tummelten sich dafür angenehm wenige Leute in den Hitzekammern. Originellerweise wird eine der drei Saunakabinen ohne Aufguss betrieben, in einer weiteren ersetzt der automatische Dampfabzug das Handtuchwacheln. In der dritten Sauna darf dafür ganz klassisch bei rund hundert Grad geschwitzt werden. Außerdem gibts hier noch ein Eukalyptus-Dampfbad, die obligatorische Biosauna, und eine Eiskammer (minus fünf Grad!) zum Schockabkühlen. Wirklich eng wirds allerdings im Whirlpool. Das Sprudelbecken ist etwas gar klein geraten - und nackerpatz mit wildfremden Leuten auf Unterwasser-Tuchfühlung ist dann vielleicht doch nicht jedermanns Sache.
Fazit: kleine Sauna mit allen Standards und originellen Features für Trockenschwitzer und Wachelallergiker.
Margaretenbad, 5., Strobachgasse 7-9, Tel. 587 08 44, www.margaretenbad.at, Sauna ab EUR 10,25.

Der reine Luxus

Über vier Dinge darf im Hamam nicht geredet werden: Arbeit, Religion, Politik und Leid. Auf solch abwegige Ideen kommt man aber auch gar nicht mehr, wenn man einmal, in ein Pestemal, das ist ein Handtuch, gehüllt, auf dem warmen Marmor liegt. Der Zeremonienmeister Ugur - das bedeutet Glück - Cilek übergießt einen mit lauwarmem Wasser aus güldenen Schüsselchen und beschwört den "Geist des Hamam". Das Licht ist gedämpft, die Luft feucht. Es ist still, niemand stört. Man beginnt zu schwitzen. Ein Tellak, ein Wäscher, rubbelt einem mit einem Kese, einem Handschuh, ab und singt immer wieder: "Yallah! Yallah!" Los gehts! Dann hüllt er einen in die "Wolke der Reinheit", in Seifenschaum. Die Massage ist hart, aber herzlich. Der Tellak kniet auf dem Rücken des Massierten und reißt seine Arme in die Höhe. Nach kalten Güssen wird man - wie in einem Hamam in Marrakesch - mit Mandel-, Oliven- und Rosenöl gesalbt. In frische Handtücher gehüllt, liegt man dann im Ruheraum - und will nie wieder raus aus dem Hamam. Der Spaß kostet F 129,-, dauert aber auch locker vier Stunden. Wer sich in Wiens luxuriösestem Dampfbad selbst abrubbeln möchte, zahlt immerhin stolze F 28,-. Dafür bekommt man vorher und nachher im Salon de Thé zu arabischer Musik auf einem Divan frischen Minztee serviert und wird umsorgt und verwöhnt wie sonst nur Drew Barrymore im Märchenfilm.
Fazit: das absolut Beste, was man sich derzeit in Wien bademäßig gönnen kann - und das Teuerste.
Aux Gazelles, 6., Rahlgasse 2, Tel. 585 66 45, www.auxgazelles.at, Di-So 11-21 Uhr, von EUR 28,- bis EUR 129,-.

Sauna mit Aussicht

Eine der schönsten gemischten Wiener Saunas liegt im Wald. Na ja, natürlich nicht ganz so wie in Finnland, aber das Waldbad Penzing ist zumindest von Bäumen umgeben. Die im Freien stehende Holzhütte, von der die Rede ist, empfängt Hitzesuchende mit angenehm gedämpftem Licht. Durch ein Fenster sieht man hinunter auf Hütteldorf - besonders schön, wenn abends die Lichter leuchten. Der Aufguss wird zur vollen Stunde würdig zelebriert: Statt schnödem Wasser kommt hier Eis auf die heißen Steine, das vorher noch mit einem ätherischen Öl getränkt wird (der Effekt ist derselbe, sieht aber toller aus); dann jagt der hübsche Saunameister in einer hochprofessionellen Handtuchwachelshow dezent duftende Wüstenwinde über die Schwitzenden. Je nach Ausdauer wird bis zu dreißig Minuten (!) das Tuch geschwungen. Dann geht es hinaus, wo im Freien ein kaltes und zwei warme Becken bereitstehen. Wer das mehrmals mitmacht, fühlt sich wie neugeboren. Im Indoorbereich finden sich weitere Saunas (55, 80 und 100 Grad) und Dampfbäder; außerdem zwei feine Ruhebereiche mit Gartenblick.
Fazit: Rebirthing im Erlebniswaldbad. Freundliches Service, eine großzügige Anlage und Naturerlebnis - im Winter Schnee zum gegenseitig Einreiben.
Waldbad Penzing, 14., Linzerstraße 376-390; Tel. 416 52 40, www.tropicana.at; ab EUR 15,-.


Die Russendisco

Zumindest die Lage der Pratersauna kann eigentlich nicht getoppt werden: Die Sauna befindet sich mitten in Wiens größter Grünanlage, mit eigenem Garten und ganzjährig geöffnetem, beheiztem Außenpool. Die Pratersauna ist eine der letzen alten (privat betriebenen) Saunen der Stadt, das Gebäude wurde in den Sechzigerjahren errichtet - und das sieht man auch. Hier haben Politgrößen und Krone-Kolumnisten geschwitzt. Das ist kein moderner Wellnesstempel, stattdessen gibts viel Funktionalität. So wie das relativ kleine Dampfbad und die geräumigen finnischen Saunakammern mit Fenstern ins Freie - das gibts sonst nirgends. Auch die großen Kalt- und Warmwasserbecken zum Abkühlen oder Entspannen sind außergewöhnlich. Frauen haben zusätzlich ihr eigenes Reich. Die Wege von den Garderoben zur Schwitzerei und ins Freie sind extrem kurz, im Obergeschoß gibts noch zwei Ruheräume mit echten Betten. Von der Einrichtung her wirkt alles ein wenig sehr karg. Der Altersdurchschnitt des Publikums war beim Falter-Besuch sehr hoch, was aber wohl auch am Nachmittag lag. Abends und am Wochenende kämen Jüngere, versicherte der Betreiber: Studenten, Fußballvereine und Laufsportler, die ihr Training im Prater mit einem Saunabesuch abschließen. Und sonntagabends seien überhaupt die Russen da. Finnen kämen nicht, obwohl ihnen die Pratersauna sicher auch sehr taugen würde. Authentisch wäre wohl die richtige Bezeichnung für die Anlage.
Fazit: Sehr puristische, aber brauchbare Saunaanlage aus den Sechzigern mit tollem Außenschwimmbecken mitten im Grünen. Für Wellnessskeptiker genau das Richtige.
Pratersauna, 2., Waldsteingartenstraße 135, Tel. 728 18 13, Di-Fr 9-22, Sa-So 7.30-20 Uhr. Tageskarte EUR 16,71, ab 16.30 Uhr EUR 12,35, Studentenkarte EUR 6,54.


Im Keller

Auch wenn vor einiger Zeit das Stadthallenbad mit Farbe und neuen Installationen ein wenig aufgepeppt wurde: Mehr als funktional ist der Saunabereich hier nicht. Doch wer beispielsweise sein Schwimmtraining mit einem Saunabesuch krönen und beenden möchte, hat im Hallenbadkeller trotzdem jede Menge Gelegenheit dazu: Es gibt finnische Saunas, geräumige Dampfkammern, kleinere Kaltwasserbecken sowie (tageslichtlose) Ruheräume, in denen es wirklich ruhig ist und in denen kein Fernseher läuft. Aber mehr auch nicht. Beim Falter-Besuch hielt sich der Saunapartie-Anteil in Grenzen - und damit auch der Schmäh, der auf den Holzpritschen rennt. Frauen und Männer saunieren normalerweise getrennt; montags, mittwochs und donnerstags wird aber in der Herrensauna gemischt geschwitzt. Frischluftfanatiker können im Bademantel auch auf die Stadthallenbad-Terrasse - die Luft ist hier in Gürtelnähe aber nicht ganz so gut.
Fazit: zentral gelegene Sauna mit großem Schwimmbecken.
Stadthallenbad, 15., Vogelweidplatz 15, Tel. 981 00, www.stadthallenbad.at, EUR 13,50 (ab 18 Uhr EUR 9,70).

Für Mitglieder

Eigentlich ist das Badehaus in der Sargfabrik ja keine öffentliche Sauna, sondern nur für die 350 Mitglieder zugänglich, die eine interne Badegesellenprüfung abgelegt haben und dafür als Schlüsselinhaber rund um die Uhr hier saunieren dürfen. Doch jeden zweiten Mittwoch im Monat (nächster Termin: 13. November) gibts zwischen 18 und 20 Uhr den öffentlichen Badeabend, genannt "public bath house". Dann schwitzen auch Schlüssellose und können sich von den angenehmen Facilities überzeugen lassen. Neben der klassischen Schwitzbude aus Holz gibt es in der Sargfabrik auch ein so genanntes Tepidarium, eine Art Höhle, in der die Wärme direkt aus dem Boden kommt. Auch toll: Schwimmbecken mit Gegenstromanlage und Whirlpool. Oder - wers mag - der Isolationstank. Badegesellen zahlen
F 72,- im Jahr Clubmitgliedschaft, aber zuerst kommt man auf eine Warteliste und muss - derzeit - ein paar Wochen warten, bis ein Schlüssel frei wird.
Fazit: Alternative zum Massenbetrieb, super für Spontane (immer geöffnet), nichts für Faule.
Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstraße 169, Tel. 988 98 11-1, www.sargfabrik.at, "public bath house" am 13.11. ab 18 Uhr, EUR 9,90.

Wiener Mischung

Es soll ja böse Zungen geben, die behaupten, die Oberlaaer Therme sei nur etwas für Hausmeister. Das ist zum einen ein hausmeisterfeindliches Klischee. Zum anderen pritscheln hier vor allem abends immer häufiger zahllose junge Pärchen gemeinsam im warmen Wasser (im Winter fein: heißes Outdoor-Baden). Auch sonst trifft in der weitläufigen Thermenanlage aus den Siebzigern eine recht heterogene Wiener Mischung aufeinander. Noch dazu haben die Betreiber kürzlich der großen Badehalle ein neues, etwas helleres Outfit verpasst. Und die grindigen alten Duschkabinen wurden durch zeitgemäße Modelle ersetzt. Trotzdem kann es immer noch passieren, dass man sich in der riesigen Umkleidezone verläuft - und dann plötzlich im Keller vor den hier untergebrachten Kräuterstuben steht. Im Eintrittstarif ist der Besuch der fünf lauwarmen Duftkammern und des Biosaunariums mit dem "karibischen Gebirgsklima" inbegriffen. Besonders bei sich anbahnenden Erkältungen wirken ein Eukalyptus- oder Kamilleschwitzbad Wunder. Gegen Aufpreis (F 2,54) gibts auch das Dampfbad und die klassische finnische Sauna - in sieben verschieden temperierten Ausführungen (90 bis 110 Grad), gemischt oder getrennt nach Männlein und Weiblein. Und hier wird dann auch wirklich Dampf gemacht: Beim Falter-Test war aus der Nebenkammer dermaßen oft das typische Nach-Aufguss-Geklatsche zu hören, dass man glauben konnte, die Saunaschwitzer spenden vor Begeisterung sogar Szenenapplaus.
Fazit: vom Bioschwitzen bis zum Whirlpoolplanschen: Das Wohlfühlzentrum Oberlaa ist zwar keine Luxustherme, aber besser als sein Ruf.
Thermalbad Oberlaa, 10., Kurbadstraße 14, Tel. 680 09-9600, www.oberlaa.at, ab EUR 8,25 (Erwachsene, 2 Stunden)

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November 2002 © FALTER
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