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| Architektur des Punsches |
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HÜTTENZAUBER Mehr als 200 Punschbuden verhütteln derzeit die Stadt. Das Äußere ihrer Buden scheint dabei den meisten Betreibern egal zu sein. Der "Falter" hat sich ein paar Hütten genauer angesehen - und bat Architekturkritiker Friedrich Achleitner um seinen Kommentar. WOLFGANG PATERNO, CHRISTOPHER WURMDOBLER (Text) und KATHARINA GOSSOW (Fotos) |
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Weder soll es hier um Punsch, noch um das meist entsprechend "aufgepunschte" Publikum gehen, sondern ausschließlich um das Design der temporären Minibauten, die in der Vorweihnachtszeit manche Gebiete der Stadt veralmen lassen. Dabei sind ganz selten Architekten und Designer am Werk, die Gestaltung wird meist dem Zufall und den Handwerkern überlassen. Oder man holt sich gleich ein fixfertiges Gartenblockhäuschen aus dem Baumarkt. Designvorschriften seitens der Stadtplanung gibt es für die Punschhütten jedenfalls keine. Geschätzte 200 Stück gibt es zurzeit in Wien, knapp die Hälfte davon dienen dem Trinken für den guten Zweck. Zweckmäßigkeit ist aber auch bei den profitorientierten Betreibern der Bretterbuden oberste Anforderung. Aus dem großen Angebot hat der Falter sechs Punschtränken ausgewählt, um sie etwas näher zu betrachten. Manche davon sind nur noch im weitesten Sinne als Hütten zu bezeichnen. Manche sind ganz typisch, andere außergewöhnlich. Friedrich Achleitner kommentierte für den Falter die ausgewählten Hütten. Der Doyen der österreichischen Architekturkritik sagte zwar gleich zu, meinte aber auch, dass es falsch wäre, an diese temporäre Angelegenheit mit "tierischem Ernst" heranzugehen: "Es wäre ein Unfug, diese Hütten wie ein Architekturkritiker zu beurteilen. Ob eine Punschhütte in Wagrein steht oder in der Wiener Innenstadt, tut nichts zur Sache." Für Achleitner zählen Punschhütten zu jenen Gebrauchsgegenständen des Alltags, die er eigentlich nicht so spannend findet. Das Phänomen interessiert ihn da schon mehr. "Das ist eine gewisse Plage, die ein paar Wochen im Jahr stattfindet. Das kann man nur sehr gelassen behandeln. Es ist ja damit oft auch etwas Humanes verbunden, da werden die Leute halt mit einem humanen Vorwand angedudelt." Angedudelt passt gut zur ersten Station der Punschreise durch Wien, einer Hütte am Spittelberg. Neben dem Rathausplatz stellt das bei Touristen wie Stadtmenschen gleichermaßen beliebte Romantikviertel Jahr für Jahr von Ende November bis Anfang Jänner die größte Ansammlung von Holzhäuschen auf Zeit dar. Das Gedränge ist groß, nicht nur vor den Ständen mit Edelkitsch und Kunsthandwerk, sondern - vor allem ab dem frühen Abend - auch dort, wo heißer, süßer Alkohol ausgeschenkt wird. Eine architektonisch der Umgebung und den Anforderungen angepasste Punschhütte steht in der Spittelberggasse: hölzern, hell, freundlich. "Wir waren vor das Problem gestellt, dass das Gedränge immer größer wurde und man nirgends mehr in Ruhe seinen Punsch trinken konnte", beschreibt Spittelberg-Aktivist Pius Strobl die Ausgangsidee der neuen Punschhütte. Deshalb wurde ein lang gezogenes Holzhäuschen entworfen, das vor allem über einen großen, überdachten und vom Menschenstrom etwas abgetrennten Gastbereich verfügt. In einer Art Ruhezone können sich an zehn Stehtischen viele Punschtrinker zumindest innerlich aufwärmen, den Kellnern wirds im Norweger-Einheitspulli und Ausschenkstress sicher auch punschlos warm. "Wir wollten diese Hütte gemütlich, aber dem Platz entsprechend nicht allzu kitschig gestalten", begründet Strobl den weitestgehenden Verzicht auf Tannenzweige und Christbaum-Tand. Stattdessen gibts von hinten beleuchtete Glasplatten in Orange und Leuchtbänder. Architekturkritiker Achleitner zeigt sich trotz des engagierten Ansatzes nicht besonders begeistert von der coolen Hütte am Spittelberg: "Die ‚Spittelbergisierung' liegt nicht an solchen Hütten, sondern an der pseudoromantischen Nutzung des Quartiers. Momentan ist es schrecklich dort. Wenn man dort wohnt, muss man narrisch werden, weil es ein permanenter Jahrmarkt ist. Die Leute mögen das aber offenbar." Zumindest dem Andrang nach zu schließen, der dort allabendlich herrscht. Auf großen Andrang muss sich auch der Verein "Rettet den Stephansdom" einstellen, dessen Punschhütte sicher zu den größten der Stadt gehört. Direkt am Stephansplatz, also in bester Frequenzlage, wird auf einer Länge von fast zehn Metern Punsch gekocht, ausgeschenkt und gespült. Hinzu kommt noch ein Bereich, in dem Brote vorbereitet werden. Schlichtes Resopal und Neonlicht schaffen eher nüchterne Großküchenatmosphäre - Glanz in die Hütte soll schließlich vor allem von den prominenten Helfern kommen, die sich hier für den guten Zweck hinter die drei Ausgabefenster stellen. "Eigentlich brauchen wir doppelt so viel Platz", sagt Isolde Schrott, die für den Verein die Punschaktion organisiert. Seit 1997 gibt es die Stephansdomhütte in dieser Form, die Anforderungen hätten sich in den vergangenen Jahren verändert, über kurz oder lang müsse man erweitern. Einen Architekten habe es allerdings bislang nicht wirklich gegeben, "deshalb schaut unsere Hütte wohl auch so aus, wie sie ausschaut", meint Schrott. Mehr als ein "Dazu kann man gar nichts sagen" fällt Achleitner zum Thema Stephansplatz nicht ein. Vielleicht gibts demnächst eine Initiative zur Erneuerung der Hütte - Rettet die Punschhütte. "Da ist schon wieder so ein Designanspruch", urteilt Achleitner hingegen über die Nobelbude, die am Michaelerplatz errichtet wurde. "Punsch karitativ" steht auf dem Dach des massiven Blockhauses, das vor allem durch seine Öffnung nach drei Seiten hin und viel Glamour, Glitzer und Glühbirnchen beeindruckt. "Das ist ein noblerer Platz, da muss eine Beleuchtung her, das sind dann schon anspruchsvollere Dinge", so Achleitner. "Es schaut auch so aus, als ob diese Hütte eine Erinnerung an alte Kioske oder Pavillons wäre, wo man druntersteht und nicht nass wird. Eine alte Typologie." Gezimmert wurde das temporäre Holzhaus mit quadratischem Grundriss 1998 von Handwerkern aus dem Burgenland, entworfen hat es ein Architekt. Angeblich sollte ursprünglich sogar Stararchitekt Hans Hollein mit dem Entwurf der Charity-Hütte beauftragt werden. Ganz etwas anderes hat sich das MuseumsQuartier für den Winter gewünscht - und das Architektenduo PPAG damit befasst, den MQ-Hof zu gestalten. Die jungen Designer, die bereits die Electric Avenue im quartier21 gestaltet haben, erdachten sich ein Modulsystem, aus dem dann igluartige Häuschen gebaut wurden (im Sommer können die Teile als Bänke genutzt werden). Als Bruch zum cool-kantigen Design versahen die Architekten die weißen Punsch-"Hütten" mit extrem kitschigen schmiedeeisernen Toren. Während Weihnachten im MQ eigentlich nicht so thematisiert werden sollte, haben die Betreiber der Hütten dann doch ein bisschen zu Glitzerkugel und Lichterkette gegriffen und ihre geräumigen Buden innen ausgeschmückt. Der Architekturkritiker über das auffällige Raumkonzept: "Zwei junge Architekten, Anna Popelka und Georg Poduschka, haben hier versucht, etwas daraus zu machen. Ich mag die beiden sehr gern, beide sind sehr engagiert, mir ist es aber egal, ob jetzt so eine Hütte oder eine andere dort steht. Für mich ist es ein aufgemotztes Thema, aus einer Mücke wird ein Elefant gemacht." Mücke geblieben - zumindest in der Größe - ist die Punschhütte im Hof der Mariahilfer Straße 101. Designt wurde der Punschstand vergangenes Jahr von Jungdesigner Jakob Edlbacher. Punschmäßig bespielt wird die moderne Hütte im Hof vom ebenfalls hier ansässigen Würstelstandbetreiber. Der wollte eine Alternative zum üblichen Blockhüttenlook. Statt Fichtenbrettern gibts bei "Punsch&Co" orangefarbene PDF-Platten, statt Weihnachtskitsch schlichtes Grafikdesign und die Gäste stehen an umfunktionierten Ölfässern statt an Stehtischchen. "Schaut so nach Firma aus", analysiert Achleitner. "Sachlich und nüchtern." Ebenfalls karitativ, aber vergleichsweise klein wird am Siebensternplatz Trinken für den guten Zweck angeboten. Die winzige Holzhütte direkt vor den gemütlich-warmen Lokalen der Gegend hats ein bisschen schwer, gegen die Konkurrenz zu bestehen. Nicht nur aufgrund ihres geringen Grundrisses: kein Dach zum Unterstellen, dafür ein zugiger Platz. Eine Hütte aus dem Baumarkt, ein Punsch aus dem echten Häferl und für "Ärzte ohne Grenzen", was will man mehr? Auch für Friedrich Achleitner ist die Box aus hellen Brettern eine optimale Lösung: "Eine Kiste, die man in der Nacht zusperren kann. Ein altes Prinzip. Auf drei Seiten geschlossen, auf einer Seite offen. Aus. Diese Weihnachtsbuden haben nie anders ausgeschaut." |
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