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ZIB 2 Armin Wolf ist für einen Moderator eigentlich nicht fesch und nicht nett genug. Aus politischen Gründen stand er schon einmal im Eck. Doch während der Regierungsverhandlungen mauserte er sich zum Lieblingsinterviewer der Branche. EVA WEISSENBERGER |
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Das Interview mit Karl-Heinz Grasser war sein bestes. Nachdem der freiheitliche Finanzminister im Wahlkampf ins Team von Kanzler Wolfgang Schüssel übergelaufen war, stellte ihm Armin Wolf in der "ZiB 2" eine originelle Einstiegsfrage: "Was werden Sie denn wählen am 24.?" Grasser wich aus, Wolf bohrte nach: "Ist Ihnen Ihre Entscheidung so peinlich?" Grasser druckste herum, Wolf blieb dran: "Ich interpretiere, Sie werden demnach nicht die FPÖ wählen." An die zwanzig Journalistenkollegen, die Wolf gar nicht alle persönlich kennt, gratulierten ihm noch am selben Abend per Mail oder SMS zu dem gelungenen Auftritt. Das Interview mit Karl-Heinz Grasser war sein schlechtestes. Der Moderator sekkierte den Minister minutenlang mit unwichtigen Fragen, ließ ihn dann aber nicht einmal darauf antworten, sondern unterbrach ihn ständig. Zum Schluss zog Wolf auch noch die Augenbrauen in die Höhe und stellte in einem sarkastischen Ton fest: "Irgendwie dachte ich es mir, dass ich keine konkrete Antwort kriege." Nach der Sendung liefen beim ORF-Kundendienst die Telefone heiß. Ausnahmslos alle Anrufer beschwerten sich über Wolfs impertinenten Interviewstil. Was lernt man daraus? "Grasser ist so gnadenlos sympathisch, so unfassbar populär, da wirkt man als Interviewer schnell extrem ungut", sagt Armin Wolf, der noch nie mit einem seiner Interviews wirklich zufrieden war. Hellbraune Haare, in die sich Geheimratsecken hineinfressen, ovale Brillen mit dicken Gläser , sonst keine besonderen Merkmale - der 36-jährige Wolf ist kein Grasser-Typ. Das macht ihm, bei seinem Job, manchmal Sorgen: "Ich schaue nicht gut genug aus, bin nicht dieser ansatzlos sympathische Mensch", beschreibt sich Wolf selbst und zieht daraus den Schluss: "Ich bin ein eher unwahrscheinlicher Fernsehmoderator." Das auch, weil es vor zwei Jahren aus politischen Gründen mit seiner ORF-Karriere schon bergab ging. Jetzt ist er wieder obenauf. Seit Juli präsentiert Armin Wolf abwechselnd mit Ingrid Thurnher die "Zeit im Bild 2", einmal im Monat leitet er die Diskussion "Offen gesagt". Im Wahlkampf und während monatelangen Regierungsverhandlungen quälte er Abend für Abend Kanzler, Minister, Oppositionschefs. Und der "unwahrscheinliche Moderator" avancierte zum Fernsehliebling. "Das gute Live-Interview im Fernsehen lebt", schrieb der Kurier begeistert. Der Standard lobte seine Hartnäckigkeit als "bestes Bleichmittel gegen politische Schönfärberei". Und Hans Rauscher fand, Wolf habe, indem er Grassers Taktik im Interview thematisierte, dessen "Gummisubstanz sichtbar" gemacht. Öfter als seine Kollegen spricht Wolf es an, wenn ein Politiker nicht und nicht auf seine Fragen eingeht. Damit wurde er populär, jetzt zweifelt er schon wieder an dieser Methode: "Wenn einem eine kurze, treffende Formulierung einfällt, warum das Interview gerade so läuft, wie es läuft, dann passt das", sagt Wolf, "ich will aber nicht Armin ‚Sie wollen mir offenbar nicht antworten Wolf werden. Denn was sagt diese Phrase dem Zuschauer eigentlich: Der will nichts sagen? Oder doch eher: Ich habe nichts aus ihm rausgebracht?" Wolfs ehemaliger Chef Johannes Fischer beurteilt ihn so: "Robert Hochner hat - so sehr ich Armin Wolf schätze - eine Lücke hinterlassen, die noch niemand zu schließen in der Lage war. Aber der Armin ist ein gscheiter Mann, ein erstklassiger Journalist und einer der besten Interviewer im Haus." Vor drei Jahren standen die Namen Fischer und Wolf ganz oben auf der Abschussliste von Peter Westenthaler, der Jagd auf "altlinke Zellen" im ORF machte. Wolf schupfte zu jener Zeit die "ZiB 3". Dem damaligen FPÖ-Klubobmann missfiel, dass die Opposition bei den mitternächtlichen Diskussionen genauso lange vorkam wie die Regierung. Im Frühling 2002 wurde Wolf dann zum Reporter degradiert. "Damit hat die schwarz-blaue Koalition alle wichtigen Nachrichtensendungen des ORF im Griff", analysierte das Format. Schwesternblatt News - mit der ORF-Führung fast immer besonders gut - verbreitete eine ganz andere Version der Causa: "Schuld am Wolf-Abgang ist dessen Liebesleben." Der "ZiB 3"-Redaktionsleiter heiratete damals seine Moderatorin Birgit Fenderl und nach einer uralten ORF-Regel dürfen Ehepartner nicht in derselben Abteilung arbeiten. Wolf will dazu heute gar nichts mehr sagen. Und über Westenthaler nur so viel: "Die ,ZiB 3 gibt es noch immer - und was macht der Herr Westenthaler jetzt? Irgendwas mit Fußball? Eben." Dafür geht es mit Wolfs Karriere nun wieder steil bergauf. In einer Firma wie dem ORF lässt die schlechte Nachrede da nicht lange auf sich warten. Ein Kollege schimpft: "Er wollte immer um jeden Preis ins Bild. Bei der ‚ZiB 3 hat er so lange Castings veranstaltet, bis er endlich selbst durchgekommen ist." Wolf erzählt, dass ihn Fischer und der mittlerweile verstorbene Robert Hochner ermutigt hätten zu moderieren, als der "ZIB 2"-Anchorman immer kränker wurde. Ein bekennender Sozialdemokrat lästert: "Wolf schleimt bei der ÖVP rein, wo er nur kann, und macht einen auf bürgerlich-liberal." Ein schwarzer ORFler behauptet das Gegenteil: "Er ist ein präpotenter Schickimicki-Linksliberaler." Aber alle geben zu: "Keine Frage, er ist ein ausgezeichneter Journalist." Wolf selbst beschreibt seine politische Haltung mit "skeptisch-interessiert". Er lässt sich nicht gerne zuordnen: "Emotional politisiert wurde ich in meiner schwarzen Familie, intellektuell auf einem linken Institut auf der Uni." Armin Wolf wächst im olympischen Dorf auf, einer Satellitenstadt von Innsbruck. Der Vater ist Hausmeister, Betriebsrat und Christgewerkschafter, die Mutter Lebensmittelverkäuferin und in der ÖVP-Frauenbewegung engagiert. Weil das Geld nicht reicht, fährt der Vater in der Nacht Taxi; zum Zeitvertreib liest er den Spiegel und die Weltwoche. Der Sohn hält sich zunächst noch an Winnetou: "Old Shatterhand war das Idol meiner Kindheit", erzählt Armin Wolf: "Bieder? Vielleicht bin ich ja auch bieder. Old Shatterhand war edel, hilfreich und gut, aber kein Weichei. Ein Guter, der mitunter die Bösen haut. Ein bisschen zu religiös vielleicht, aber das hat mich als Kind nicht gestört. Ich bin schließlich in Tirol aufgewachsen." Einen ebenfalls sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der manchmal schon in eine "übertriebene Verbissenheit" kippe, attestieren Wolf heute seine Kollegen vom Küniglberg. Mit 14 wechselt Armin Wolf auf die Handelsakademie. Er darf nicht bei der Schülerzeitung mitarbeiten, weil er zu jung ist. Daraufhin gründet er sein eigenes Heft, die "Brennnessel". Ein Jahr lang erscheinen beide Zeitungen nebeneinander, dann ist die alte Schülerzeitung tot. Nach der Matura inskribiert Wolf an der Uni Innsbruck Politikwissenschaft und heuert beim ORF-Landesstudio an. Sein "Lebenstraum" war es damals, eines Tages beim "Mittagsjournal" in Wien zu arbeiten. Mit 21 Jahren hat er ihn sich erfüllt. Acht Jahre Außenpolitik im Radio. Sein damaliger Chef Roland Machatschke spielt heute noch einen Beitrag von Wolf bei Journalistenseminaren vor: "Am Abend der ersten Wahlen im wiedervereinigten Deutschland schnitt Wolf aus vier Minuten unbrauchbarem Korrespondentenmaterial in fünf Minuten einen perfekten Einminüter", schwärmt der pensionierte Chefredakteur von seinem "fleißigen, belesenen, gebildeten", ehemaligen Mitarbeiter. Wolf berichtet für das ORF-Radio über die "samtene Revolution" aus der Tschechoslowakei und den Kriegsausbruch aus Jugoslawien. Er geht als Korrespondent nach Washington, wo er anfangs nur ungern TV-Beiträge gestaltete, weil er, wie sich Kollegen erinnern, "Fernsehen damals noch für ein zu dummes Medium hielt". Zur "ZiB" wechselt er, als das Ö1-"Mittagsjournal" Hörer verliert, weil es nicht mehr auf Ö3 durchgeschaltet wird und Johannes Fischer die "ZiB 2" ausbaut. Später entwickelt er gemeinsam mit zwei Kollegen die Mitternachtsnachrichten. Heute gestaltet er, wenn er nicht moderiert, wieder außenpolitische Beiträge. Wolfs Karriere im ORF sei damit noch lange nicht zu Ende, glaubt eine ehemalige Mitarbeiterin, denn "er ist der ehrgeizigste Mensch, den ich kenne". Als er die "ZiB 3" leitete, schrieb er nebenbei seine Diplomarbeit und schloss sein abgebrochenes Studium doch noch ab. Ein Thema für die Dissertation hat der Politikwissenschaftler auch schon: prominente Quereinsteiger in der Politik. Wird Armin Wolf eines Tages vielleicht Josef Broukal nacheifern und vom Bildschirm aufs Wahlplakat wechseln? Nein, versichert er, "das passt nicht zu meinem Charakter. Ich stoße gelegentlich Menschen vor den Kopf - zum Teil, ohne es zu wollen oder zu bemerken. Das wäre für einen Politiker nicht so ideal." |
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