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STADTSOMMER Es gibt Schlimmeres, als den Sommer in der Stadt verbringen zu müssen. Selten war in Wien sommers so viel los wie heuer. Ein kleiner Überblick. THOMAS PRLIC und CHRISTOPHER WURMDOBLER |
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Der Sommer in Wien ist schön, wieso sollen Stadtmenschen den Urlaub eigentlich nicht gleich hier verbringen? Weniger Verkehr, weniger Menschen auf den Straßen, tropisches Klima und kaum Niederschläge sprechen dafür. Die Anreise ist geschenkt und neben Bier-, Gast- und Schanigärten, Donauinsel, diversen Strand- und Beckenbädern hat die Stadt heuer so viele Alternativen zur aufgeheizten Wohnung zu bieten wie selten zuvor. Hier ein kleiner Überblick, was gerade in Wien so alles los ist. Wer den Sommer nicht in der Stadt verbringt, ist selber schuld. Urlaub in Russland Am Schwarzenbergplatz schwitzen im Sommer normalerweise die Autofahrer im Stau. Auch das anliegende Russendenkmal und der Hochstrahlbrunnen waren bislang bestenfalls russischen Touristen und japanischen Reisegruppen einen Abstecher wert. Wegen der laufenden Umgestaltungsarbeiten ist der Schwarzenbergplatz derzeit zwar ein Fußgängerirrgarten, dafür gibts seit Mitte Juni rund um den Brunnen ein neues Freilufthangout (www.hochstrahlbrunnen.at). "Im Sommer ist hier der kühlste Platz Wiens", sagt Sonja Soukup, die gemeinsam mit dem ehemaligen Sofiensäle-Partymacher und Chef des Clubatriums Matthias Fletzberger die Sommerszene Hochstrahlbrunnen betreibt. Der Brunnen mit der riesigen Wasserfontäne sorgt nicht nur dafür, dass die Gäste an den Schanigartentischen gelegentlich einen feuchten Spritzer abbekommen, sondern kühlt die Umgebung auch um (gemessene!) drei Grad ab. Das Wasserrauschen übertönt sogar den Verkehrslärm. Rund um den zum Planschen eher ungeeigneten Brunnen stehen jetzt vier vom Sprayerkollektiv Ichiban gestaltete Hütten mit unterschiedlichem gastronomischem Angebot. Für die Menschen aus den umliegenden Büros - die auch einen Großteil des Publikums ausmachen - gibts Mittagsmenüs, sonntags wird auch gegrillt. Auf der Open-Air-Bühne finden täglich außer montags Pop-, Rock-, Jazz- und Blueskonzerte statt. Der Riesenschanigarten wirkt zwar ziemlich improvisiert, aber nächstes Jahr wird hier sowieso alles anders. Mit der Umgestaltung des Schwarzenbergplatzes soll auch die Fläche vor dem Brunnen vergrößert werden, Soukup und Fletzberger wollen dann auch richtige Großkonzerte veranstalten. Übrigens sind das Russendenkmal und die kleine Wiese nebenan russisches Hoheitsgebiet. Den Reisepass kann man für Ferien am Hochstrahlbrunnen aber getrost zu Hause lassen. Fazit: neue, etwas feuchte Sommerlocation für eher schickes Publikum, die zeigt, dass der Schwarzenbergplatz auch eine überraschend gemütliche Seite hat. Im grünen Hof Auch heuer wird das WUK (9., Währinger Str. 59, Tel. 401 21-0, www.wuk.at) wieder durchgehend bespielt. War der schöne und mittlerweile auch begrünte Innenhof des Veranstaltungszentrums früher in den Sommermonaten verwaist, hat man dort für Juli und August Bars, Bühnen, Soundanlage und Lichteffekte installiert und ein ziemlich feines Programm zusammengebastelt: Pro Wochentag gibt es nämlich eigene Clubs. So lädt das DJ-Kollektiv Deephausmafia montags City-People zur gleichnamigen Veranstaltung ein. Dienstags präsentiert artery 01 bei Waves Influence Brazil Jazz und Soul, mittwochs gibts die Drum-'n'-Bass-Lounge Summermoves, oder freitags bringt die H.A.P.P.Y-Bande das seit Jahren an vielen Orten bereits erprobte H.A.P.P.Y light, die abgespeckte Version des Clubs mit seinen "Happynings". Fazit: Partys open air (hoffentlich) ohne Anrainerbeschwerden im schönsten Innenhof der Stadt, gute Alternative zu so ziemlich allem. In der Verkehrshölle Im Sommer wird die halbe Stadt zur Baustelle - am Karlsplatz bekommen das derzeit die Gäste des Project Space zu spüren. Der ehemalige Kunsthallencontainer leidet atmosphärisch etwas unter der Baustellen-Blechumhüllung, ansonsten hat der zur Terrasse umgemodelte Schanigarten des Kunsthallencafés (4., Karlspl.) nach dem letztjährigen Umbau aber nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt. Tagsüber hängen hier vor allem Szenemenschen, TU-Studenten und Leute aus dem Kunstumfeld ab, abends gibts regelmäßige DJ-Lines. Ein paar Schritte weiter, vor dem Otto-Wagner-Pavillon (1., Otto-Wagner-Pavillon, Karlspl., Tel. 505 99 04), kann man ebenfalls im Freien, in einem der nettesten Schanigärten der Stadt, laue Sommerabende verbringen. Tagsüber ein normals Café, mutiert der Pavillon abends zum Club U - samt Tanzfläche im Inneren, und draußen auf der Terrasse gibts Koteletts und Folienkartoffeln vom Grill. Gleich nebenan, in der Künstlerhauspassage, hat seit Anfang Juni das Café Bratislava (1., Karlspl. 5) geöffnet. Die Gruppe dy'na:mo aus dem Fluc-Umfeld und die Macher der Ausstellung "Stadt in Sicht" haben das Areal unterhalb des Künstlerhauses zur temporären slowakischen Kulturbotschaft umfunktioniert, die sich in den letzten Wochen zum beliebten Szenetreff gemausert hat. Von Mittwoch bis Samstag wird die von der Architektengruppe awg mit einem trashig-sympathischen Wellpappedesign ausgestattete Passage von slowakischen DJs, Musikern, Künstlergruppen und Filmemachern bespielt. Davor gibts eine Stunde lang eine Livebildschaltung in die benachbarte Hauptstadt. Geöffnet ist das Café Bratislava allerdings nur mehr bis Ende Juli. Ab dann muss man schon selber nach Bratislava fahren, um zu sehen, was sich dort so tut. Aber das ist ohnehin ganz empfehlenswert, und allzu weit ist die Nachbarmetropole ja sowieso nicht von Wien entfernt. Fazit: Am Karlsplatz gibts neben den altbewährten Szenehangouts heuer ein sympathisches Urlaubsservice: All jene, die nicht einmal Zeit für einen Städtekurztrip haben, machen ihren Kultururlaub einfach im Café Bratislava. Karajan ganz groß Wer besucht das Filmfestival am Rathausplatz wegen der Filme? Niemand. Die meisten Besucher sind ohnehin Touristen, und die freuen sich, dass ihnen hier mitten in der Stadt was geboten wird. Fressstände, ordentlich was zum Trinken und prima Sitzgelegenheiten zum Ausruhen. Die Veranstaltung ist jedenfalls schon seit Jahren so was von erfolgreich, dass die Betreiber hier ganz offensichtlich irgendwas richtig machen. Der Rathausplatz ist im Sommer zwar nicht unbedingt jedermanns Sache, aber das ist er ja vor Weihnachten auch nicht. Fazit: Sommerhangout für Touristen und Karajan-Fans, die den Dirigenten mal in Schwarzweiß und auf großer Leinwand erleben möchten. Beliebte Liegen Mal ganz abgesehen von den Kämpfen, die die Museumsmacher mit den MuseumsQuartiermachern ausfechten, und ungeachtet der Frage, ob es wichtig ist, dass die Besucher so eines MuseumsQuartiers auch ins Museum gehen sollen oder auch einfach nur so zum In-der-Sonne-Liegen oder Bocciaspielen herkommen dürfen: Der Sommer im MQ scheint nach zwei Jahren gut zu funktionieren. Wer einen Platz auf einer der coolen blauen Quartiermöbel ergattern will, muss entweder früh dort oder halt sehr penetrant sein. Die Anrainerlokale haben Schanigärten, die heuer nicht schon um zehn zusperren müssen, die Kulturinitiativen haben Veranstaltungen und sehenswerte Ausstellungen zu bieten. Das MQ ist heuer ein Must und so schick, dass es fast schon wieder zu viel des Guten ist. Fazit: Der MQ-Hof ist das Must des Sommers. Wird eigentlich das Wasser im Planschbecken regelmäßig gewechselt? Cocktails am Kanal Die Summerstage (9., Roßauer Lände) ist so was wie die Mutter aller Wiener Sommerhangouts, die Terrassen am Donaukanal sind auch heuer wieder gut gefüllt mit eher schickerem und auch etwas älterem Publikum. Entsprechend zielgruppengerecht sind die Veranstaltungen am Kanal: Open-Air-Ausstellungen, Weinverkostungen, Konzerte unplugged. Aber es gibt auch Beachvolleyball und Boule. Wer es gern etwas heftiger hat, begibt sich zum Flex, wo trotz Baustelle unter freiem Himmel gesessen wird, und noch eine Spur weiter Richtung Schwedenplatz hat sich eine richtige Sommerlokalszene entlang des Donaukanals entwickelt. Fazit: eine Sommerbühne, die für manche immer noch die Welt bedeutet und von ihnen gerne bespielt wird. Authentisches sommerliches Abhängen ist beim Flex abzuholen. Grölen am Campus Wer erinnert sich noch an die Sommernächte im Alten AKH (9., Altes AKH, Hof 1)? In der Zeit vor dem Umbau, zwischen Krankenhaus und Universität, wurde das nunmehrige Campusgelände für diverse Clubnächte und Biergarten-Sitzereien genutzt. Man könnte sagen, im Alten AKH wurde das Thema Sommerevent überhaupt erst erfunden. Bis auf die Biergärten der mittlerweile dort ansässigen Lokale ist davon aber nicht mehr viel übrig geblieben. Wer es gerne etwas lauter hat und auch zu frisch gebrautem Bier und frisch gegrillten Spareribs nicht Nein sagt, ist hier genau richtig. Wer seinen Stadtsommer lieber ruhiger verbringen möchte, sollte besser anderswo Erholung suchen. Fazit: Das Alte AKH ist die Mutter aller Sommerevents, jetzt gibts hier nur noch riesige Biergartenlandschaften. Wiens Ballermann 22 Die Vergnügungsstrecke der Donauinsel (22., bei der Reichsbrücke, www.donauinsel.at) ist besser als ihr Ruf. Am Festland, im Windschatten des neuen Stadtteils Donaucity, gibts die Copa Cagrana, inselseitig die so genannte Sunken City, und überall sieht es ungefähr so aus wie in den Vergnügungsorten am Mittelmeer: Sommerhits, Sangria und - je später der Abend - auch Suff. Dabei lässt sich hier auch ganz gut essen (siehe Florian Holzers aktuelle Lokalkritik auf Seite 69), Mojitos schlürfen und feiern. Fazit: Zumindest ein Mal im Sommer sollte man sich die Donauinsel geben. Kinos ohne Wände Auch die Sommerkinos werden von Jahr zu Jahr zahlreicher. Das schönste ist immer noch das Kino unter Sternen im Augarten (10.7.-17.8., www.kinountersternen.at) mit Riesenleinwand, super Programm (David Lynchs "Mulholland Drive"!) und toller Gastronomie schon ab Nachmittag. Auch im Augarten, aber auf der anderen Seite, präsentiert das Filmarchiv Austria sein Sommerkino (ab 10.7., 2., Obere Augartenstr. 1, www.filmarchiv.at), Schwerpunktthema ist dort Asiens Kinowelt. Die Arena zeigt auch wieder Filme unter freiem Himmel (www.arena.co.at) und wirbt dafür mit einem Bild aus Andrea Dusls "Blue Moon", das Roadmovie ist natürlich auch mit im Programm. On the road ist auch das Volxkino (www.volxkino.at), das seine Leinwand auf sämtlichen Plätzen der Stadt aufbaut und dort anspruchsvolles Kinoprogramm gratis und unter freiem Himmel zeigt. Erst entdecken muss man das Schloss Neugebäude in Simmering (11., Zugang über Meidlg., www.schlosskino.at), wo bis 28. August zum zweiten Mal das kuriose Areal am Stadtrand mit Open-Air-Kino bespielt wird. Zusätzlich gibt es Klassikkonzerte, Kinderevents, Schlossführungen und ein kleines Gastroangebot. Bereits bekannt und beliebt ist das Kino unter freiem Himmel bei der Tribüne Krieau (2., Krieau, www.tribuenekrieau.at), das eher mainstreamige Programm und die Gastronomie im Prater locken wahrscheinlich auch heuer wieder die Massen an. Neben Kino stehen auch Partyveranstaltungen (Robbie-Williams-After-Show-Party) am Programm. Fazit: Filme kucken geht im Wien-Sommer auch im Freien. Mitunter kann es aber feucht werden. Sonst noch was? Im Stadtpark befindet sich das Afrika-Kulturdorf (www.afrikadorf.com), womit erstmals auch dieser Teil der Stadt seinen Sommerevent hat. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an jüngeres Publikum (Lehmbauworkshops), abends gibts Kulturprogramm, Musik, Tanz und dem Thema entsprechendes Catering. Orientalisch wird der Sommer ab 7. Juli im BA-CA Kunstforum (1., Freyung 8, www.orientlounge.at): Für die Orientlounge wird das Gebäude und ein Innenhof in einen orientalischen Patio verwandelt, dazu gibt es kulinarische Genüsse, Wasserpfeifen, Tees, Musik und ein (Stumm-)Filmprogramm. Im soeben wieder frisch eröffneten Frauenkulturzentrum ega (6., Windmühlg. 26) mit dem wunderschönen Innenhof wird donnerstags und freitags ab 19 Uhr die "orange time" ausgerufen mit Filmen und DJ-Line. Auch Jungs sind willkommen. |
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