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SEILSCHAFTEN "Kratz mir meinen Rücken, und ich kratz dir deinen". Wie der Werkzeugmacher und Milliardär Frank Stronach versucht, das Land von sich abhängig zu machen. GERALD JOHN und FLORIAN KLENK |
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Andreas Rudas hätte es schlechter erwischen können. Jeden Morgen betritt er ein adrettes Schlössel, in dem Messing und Marmor um die Wette glänzen. Es steht etwas abseits der Siedlung "Fontana", vor deren pastellfarbenen Häusern mit ihren Säulchen und Türmchen schicke Autos parken. Die Bewohner blicken auf einen sauberen Schottersee, daneben fliegen Golfbälle über den präzise gestutzten Rasen. Rudas trägt jetzt keinen Bart mehr, er wirkt entspannt. Nur wenn er Fragen über seinen Chef beantwortet, verraten seine Augen mit einem leichten Zucken, dass er doch ein Problem hat. Es ist dasselbe wie früher: Er wird ständig missverstanden. Früher, da war Andreas Rudas Berater von Bundeskanzler Viktor Klima. "Sozialdemokratische Politik kann man nur machen, wenn das alles auch jemand zahlt", glaubte Rudas. Also hofierte der SPÖ-Bundesgeschäftsführer die Unternehmen, wollte sie von lästigen Steuern und Verpflichtungen befreien. Um "Jobs, Jobs, Jobs" zu schaffen, wie Klima und Rudas immer wieder beteuerten. Trotzdem: Die Wähler jagten den Kanzler aus dem Amt, die Funktionäre seinen Spin-Doctor. Heute vermarktet Rudas keinen Politiker mehr, sondern den Großindustriellen Frank Stronach. Als Hungerleider war der Steirer über den Atlantik nach Kanada geschippert, als Milliardär kehrte er zurück. In Oberwaltersdorf, südlich von Wien, stampfte er nicht nur den Upperclass-Wohnpark "Fontana", sondern auch die Europazentrale seines Autozulieferkonzerns Magna aus dem Boden. "Er will Österreich etwas von seinem Glück zurückgeben", sagt Rudas - und stößt wieder nur auf Unverständnis. "Das ist hier ja wie in einer Sekte", hat ihm einmal ein Gast sogar ins Gesicht gesagt. Seit Wochen redet Rudas ununterbrochen gegen Wände. Sein Boss Stronach will die Voest kaufen, und alle Welt unterstellt ihm dabei böse Absichten. Der Austro-Kanadier wetze bereits die Messer, heißt es, um den halbstaatlichen Traditionskonzern genüsslich zu "filetieren": Was Magna fürs Autobauen benötige, werde der Riese schlucken, den Rest aber bei erstbester Gelegenheit ans Ausland verklopfen - Stahlwerk und Arbeitsplätze ade. Gegner hat Stronach dabei viele: Regierungspolitiker und Oppositionelle, schwarze Landesfürsten und rote Gewerkschafter, die Wirtschaftskammer und auch die Kronen Zeitung. Selbst Exkanzler Franz Vranitzky, einer der Wegbereiter Stronachs in Österreich (siehe Kasten), stemmt sich gegen die Übernahme. So geht es Stronach, seit er Österreich beglücken will: Auch jenen, die den unbeirrbaren Milliardär aus wirtschaftlichem Interesse umgarnen und umwerben, ist er eigentlich unheimlich. Aus guten Gründen? Als "gespenstische Selbstbedienung" bezeichnete der Standard Stronachs Griff nach der Voest, die sich zu knapp 35 Prozent im Besitz der Staatsholding ÖIAG befindet. Der Industriemagnat trug sich nicht etwa nach einer öffentlichen Ausschreibung als Käufer an, sondern versuchte, heimlich den Fuß in die Tür zu bekommen. In einer vertraulichen Arbeitsgruppe hatten sich Manager von Magna und der ÖIAG getroffen, um das Übernahmeprojekt "Minerva" - "M" steht für Magna, "va" für Voest Alpine - auszuhecken. Der geplante Coup sieht verdächtig nach Freunderlwirtschaft aus: Magna-Vorstand Siegfried Wolf sitzt gleichzeitig als Aufsichtsrat in der ÖIAG. Dort hinein gehievt hat ihn Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Als Eigentümervertreter der Republik steht ihm das letzte Wort darüber zu, an wen der Restbestand der verstaatlichten Industrie verscherbelt wird. Zu Bieter Magna unterhält Verkäufer Grasser beste Beziehungen. Einst holte sich Stronach die junge FPÖ-Hoffnung als Sprecher in seinen Konzern. Als Grasser dann Finanzminister wurde, handelte er sich ein Rückkehrrecht aus. "Karl-Heinz, bei uns hast du immer einen Job", versicherte Uncle Frank seinem Schützling noch im Herbst des Vorjahres. Grasser revanchiert sich gerne für so viel Zuneigung. In der Nacht des Opernballs lud er seinen Exchef in den Blauen Salon des Finanzministeriums. Eine Abordnung der Philharmoniker spielte auf, während Diener in Livrées ein Buffet um 4000 Euro Steuergeld anrichteten. Mit Magna-Vorstand Wolf vergnügte sich Grasser beim Grand Prix in Monaco, dann wieder schwang er den Golfschläger im "Fontana"-Club. Natürlich ganz privat. Über Staatsgeschäfte wurde nicht gesprochen. Sagt Grasser. "Ich habe erst im profil gelesen, dass es das Projekt Minerva gibt", behauptet der Finanzminister. Nach dem Wirbel über seine Verstrickungen in Stronachs Netzwerk zog Grasser schließlich die Notbremse. Der Deal ist vorerst gestoppt, Grasser verzichtet auf sein Rückkehrrecht zu Magna. Das würde er im Ernstfall wohl auch gar nicht brauchen. Für Menschen mit den richtigen politischen Beziehungen hat Stronach immer Verwendung. Anfangs knüpfte der Heimkehrer vor allem Kontakte zur sozialdemokratischen Elite. Exkanzler Vranitzky und den Bank-Austria-Direktor Gerhard Randa bestellte er in den Aufsichtsrat von Magna-International. Auch der Voest-Aufsichtsratsvorsitzende und ehemalige Verkehrsminister Rudolf Streicher, der Stronach für den Fußball (absichtlich) und für die Steyr-Daimler-Puch (unabsichtlich) begeistert hatte, fand Platz im Kontrollgremium eines Magna-Unternehmens. Bundesgeschäftsführer Rudas wurde Stronachs rechte Hand in Österreich. Vom Mitropa-Institut des pensionierten Innenministers Karl Blecha ließ er sich beraten, mit Wiens Bürgermeister Michael Häupl verbindet ihn sein Engagement bei der Austria. 1998 wechselte Grasser als erster Blauer ins Stronach-Reich. Eine sozialistische Verschwörung witterte der damalige FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler: "Es gibt eine klare Strategie, von den Freiheitlichen Mandatare herauszukaufen." Heute macht sich Westenthaler dem Industriekapitän als Vorstand der Fußball-Bundesliga nützlich. Fast jeden halbwegs prominenten Freiheitlichen, der aus der Partei gemobbt wurde, soll Stronach schon angebaggert haben. Als nächster steht Kurzzeit-Parteichef Mathias Reichhold auf dem Sprung in den Magna-Konzern. Und auch in der schwarzen Reichshälfte rekrutiert Stronach Personal: Als er in Niederösterreich einen wahnwitzigen Erlebnispark samt monströser Weltkugel plante, verschaffte er den Töchtern von Vizelandeshauptfrau Liese Prokop und Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann Jobs in seiner Europazentrale. ÖVP-Granden wie den ehemaligen Wirtschaftskammerpräsidenten Leopold Maderthaner oder den heutigen Klubobmann Wilhelm Molterer flog er in seinem Privatjet zu Auslandsterminen. Erst unlängst kaufte er mit dem Raiffeisen-Manager Karl Nigl wieder einen Mann ein, dem ein guter Draht zur ÖVP nachgesagt wird. Besonders eng ist Stronach mit der steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic. Die tritt nicht nur gerne zum Fotoshooting mit ihrem reichen Landsmann an, sondern schanzt ihm auch fette Subventionen zu. In Interviews schimpfte Stronach zwar über den "Funktionärsstaat, der überverwaltet ist" und "vielleicht achtzig Prozent verschwendet", seine Expansion in der Steiermark ließ er sich aber mit reichlich Steuergeld fördern. Allein in drei Jahren von 1997 an, errechnete die steirische SPÖ, kassierte Magna 1,4 Milliarden Schilling an Unterstützung. Heuer sollen noch einmal rund 1,7 Millionen Euro fließen. Bei all diesen Verstrickungen ist es kein Wunder, dass auch Stronachs bisher größtem Erfolg in Österreich der Makel der Filzwirtschaft anhaftet. Im Jänner 1998 kaufte er von der CA die Mehrheit an der Steyr-Daimler-Puch AG. Wie jetzt bei der Voest wurde der Handel heimlich eingefädelt, und auch dabei roch es nach Unvereinbarkeiten. Die CA gehört zum Imperium der Bank-Austria, deren Boss Gerhard Randa bekanntlich im Aufsichtsrat von Magna sitzt. Der Preis war günstig angesetzt. Erst als der Deal aufflog und der Industrielle Hannes Androsch mitbot, musste Stronach sein Offert auf knapp vier Milliarden Schilling nachbessern. Randa dementiert natürlich alle Gerüchte, dass dubiose Honorare geflossen seien, Androsch hingegen ist heute noch sauer. "Stronach wurde Steyr praktisch geschenkt", schimpft er: "Es muss mit allen Mitteln verhindert werden, dass wir das bei der Voest ein zweites Mal erleben." Uneigennützig argumentiert Androsch freilich auch nicht: Er spitzt selbst auf den Renommierbetrieb. Wie weit Stronach im Stande ist, sein Spiel zu treiben, zeigt er in der kleinen Welt des Fußballs. Die maroden österreichischen Vereine lechzen nach Barem, der Widerstand ist deshalb gering. Vor viereinhalb Jahren blätterte Stronach die ersten Millionen hin, um den Klubs die Rechte für die Fernsehübertragungen abzukaufen. Diese bekam er wegen laufender Verträge bis heute nicht, ließ den Klubs aber großzügig seine Vorschüsse, die ihn 1999 dafür erstmals zum Bundesligapräsident wählten. Dann wurde jener Paragraph in den Statuten ausgemerzt, der demselben eine "wesentliche wirtschaftliche Beteiligung" an den Bundesliga-Vereinen verbot. Heute ist der Herr Präsident via Magna auch potenter Hauptsponsor der Austria, demnächst will er bei Sturm Graz einsteigen. Weiteren fünf Klubs injizierte er schon Geldspritzen. Mit Friedrich Stickler, Präsident der österreichischen Lotterien und des Fußballbundes, bastelt Stronach nebenbei an einem TV-Wettkanal, weshalb er auf die Übertragungsrechte scharf ist. So schließt sich der Kreis: Frank Stronach, Präsident der Bundesliga, will die Spiele von Klubs, deren Sponsor oder Gönner er ist, in einem Wettkanal, den er betreibt, übertragen. Unvereinbar? Nicht für Stronach, der stets die "goldene Regel" propagiert: "Wer das Gold hat, macht die Regel." "Kratz mir meinen Rücken, und ich kratz dir deinen", beschrieb Frank Stronach in der kanadischen Zeitung The Globe and Mail einmal seine Businessphilosophie. Ende der Achtzigerjahre versuchte er dieses Prinzip auf die Spitze zu treiben, als er unter dem Slogan "Let's be Frank" im Namen der Liberal Party fürs kanadische Parlament kandidierte. Mit regelmäßigen Wahlveranstaltungen in seinen Werken versuchte er nicht nur, Parteimitglieder zu keilen. In Bettelbriefen schnorrte er auch Lieferanten um Spenden für den Wahlkampf an - mit ungeniertem Hinweis auf künftige Aufträge. Die fragwürdigen Methoden provozierten einen Skandal, der strahlende Frank verlor haushoch gegen einen biederen Augenoptiker. Seither beschränkt er sich auf die Rolle als großzügiger Sponsor seiner Partei. Die Politiker danken es ihm: Der Finanzminister der Provinz Ontario hielt seine letzte Budgetrede laut profil sogar in einer üppig dekorierten Magna-Werkshalle. "Die Wirtschaftskapitäne halten sich die Politiker, um bei jedem Regierungswechsel abgesichert zu sein", sagt der ehemalige SPÖ-Finanzminister Rudolf Edlinger: "Stronach versucht, diesen ‚Way of life' nun auch in Österreich zu etablieren." Einen "Clash of Culture" nennt das Andreas Rudas. In Amerika sei es völlig normal, dass Menschen zwischen Politik und Wirtschaft wechselten, sagt er: "Niemand fragt dort, ob ein Unternehmen Politiker kauft." Überhaupt verunsichere Stronach das Land gerade deshalb, weil er mit typischen Austriaka Probleme habe. "In Österreich wird viel Energie aufgewendet, um zu beweisen, dass etwas nicht funktioniert", glaubt Rudas: "Er hingegen ist unkompliziert, direkt und locker." Und erfolgreich. Eines ist unbestritten: Seit seiner Rückkehr nach Österreich, 1989, schuf Stronach viele Arbeitsplätze. Zwar filetierte er die Steyr AG nach dem Kauf gerade so, wie das jetzt bei der Voest befürchtet wird, aber auch die abgestoßenen Betriebe florieren. Magna Steyr selbst beherbergte 1998 etwa 8000 Mitarbeiter, heute sind es bereits 11.000, Tendenz steigend. "Anderswo könnte Stronach mehr Gewinn machen", rückt Rudas den Erfolg in den Rahmen einer hehren Mission: "Aber er verspürt eben eine große Liebe zu diesem Land." In Kanada unterstellt man ihm allerdings ein anderes Motiv. Weil sich nicht exakt bestimmen ließe, wo Stronach zwischen Genie und Wahnsinn anzusiedeln sei, analysierte das Magazin Mc Lean's, habe er nie in der kanadischen High Society Fuß gefasst. Das wolle er nun in seiner alten Heimat nachholen. Die hatte der junge Werkzeugmacher Franz Strohsack vor knapp fünfzig Jahren verlassen, um als Frank Stronach in Übersee einen sagenhaften Aufstieg hinzulegen. Am Beginn der Karriere schrubbte der junge Mann natürlich Teller, bis ihn die Leute für einen Doktor hielten, weil er so weiche Hände hatte. Außerdem klaubte er für die Reichen auf Golfplätzen versprengte Bälle auf; heute locht er am eigenen Green ein. Eine Garage, in der er Werkzeugteile herstellte, baute Stronach zu einem Weltkonzern auf - nach einem Hänger Anfang der Neunzigerjahre, als das Unternehmen fast pleite ging. Heute macht Magna 13 Milliarden Dollar Umsatz, verbucht 550 Millionen Dollar Gewinn und beschäftigt 73.000 Arbeiter. Eigentlich besitzt die Stronach-Familie lediglich 0,8 Prozent der Aktien, hält aber zwei Drittel der Stimmrechte, da im Zwei-Klassen-System von Magna die Aktien unterschiedliches Gewicht haben. Die anderen Aktionäre schäumen regelmäßig über die "unverschämten" Gehaltszettel, die sich der Big Boss selbst ausstellt. 58 Millionen Dollar habe sich Stronach fürs letzte Jahr genehmigt, berichtet die kanadische National Post. Franks kühler Konter: "Ich sollte eigentlich mehr bekommen." "Ich will nie mehr hungern und nie mehr demütig sein", ist einer von Stronachs Stehsätzen. Ein anderer lautet: "Ich war selbst Arbeiter. Ich weiß also, was ein Arbeiter braucht." Gewerkschafter gehören nach Stronachs Überzeugung nicht dazu. Mit dem ÖGB war er bald nach dem Comeback in Österreich übers Kreuz. Als "Affen auf den Rücken der Arbeiter" bezeichnete Stronach seine Gegner und verglich sie mit der "Mafia", an die "Schutzgeldzahlungen" zu leisten seien. Die Arbeiterin Sonja Eisner flog aus einem Magna-Betrieb, als sie einen Betriebsrat gründen wollte. Diese überkommene Einrichtung sei auch gar nicht nötig, dozierte Patriach Frank. Gemäß der Magna'schen Fair-Enterprise-Ideologie ("man könnte sie als eine Art Religion bezeichnen") nehmen "Vertrauensleute" die Vertretung der Arbeiter wahr. Der feine Unterschied: Betriebsräte können auf im Gesetz verbriefte Rechte pochen, die Vertrauensperson ist vom Goodwill Stronachs abhängig. Mittlerweile schlossen Stronach und die Gewerkschafter Frieden. Die Rebellin Eisner wurde wieder eingestellt, in den alten Steyr-Fabriken arbeitet das Management mit den übernommenen Betriebsräten anstandslos zusammen. In drei von zehn Magna-Niederlassungen gibt es zwar immer noch keine derartige Einrichtung, allerdings hatte sich die Belegschaft dort in Abstimmungen auch dagegen ausgesprochen. Damals sprach der ÖGB von Druck auf die Arbeiter, heute sieht er keinen Grund mehr, sich mit Stronach anzulegen. "Er profitiert, wenn er mit uns kooperiert", sagt Alfred Reidlinger, steirischer Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten und gewählter Betriebsrat im neuen Magna-Powertrain-Werk. Man habe keine Probleme mehr. Im Gegenteil: Reidlinger lobt angemessene Löhne und die moderne Ausstattung der Magna-Werke ebenso, wie das Mitspracherecht der Arbeiter und die in Aktien und Cash ausbezahlte Mitarbeiterprämie, die das letzte Mal rund tausend Euro pro Mann und Nase ausmachte. Der GPA-Mann erklärt sich die Wandlung des ehemaligen Gewerkschaftsfressers so: "Stronach hat wohl ein Alter erreicht, in dem er ruhiger wird." Das darf bezweifelt werden. Zahlreiche Projekte hat Stronach noch in Planung, keines wird ohne Kollateralschäden durchgehen. Der rüstige Industrielle will nicht nur die Widerstände gegen den Voest-Kauf überwinden, sondern angeblich auch die Casinos Austria kaufen. Im Süden von Wien möchte er seiner Austria ein modernes Stadion bauen - natürlich nicht ohne gigantisches Shopping-Center daneben (siehe Kasten). Im nächsten Frühjahr wird der Pferdenarr seine Rennbahn in Ebreichsdorf eröffnen und ebenfalls Proteste ernten: Die Traber- und Galopperclique in der Freudenau fürchtet, dass Stronach versuchen werde, die Rennsaison in sein neues Zentrum zu verlegen. Und bis er seinen Wettkanal eröffnen kann, blüht dem Multifunktionär auch noch einiger Krach in der Fußballszene. Doch an Überzeugungskraft soll es Stronach ja noch nie gemangelt haben. Sein Vater war das ganze Leben Erzkommunist gewesen, erzählte er einmal. Bis er in seinen letzten Jahren seinen Sohn in Kanada besuchte, der ihm dann "einmal alles erklärt" habe. "Und dann", erinnerte sich Stronach, "hat er vielleicht doch gesehen, dass der Kommunismus nicht die richtige Antwort war." Feinde Herbert Prohaska Von Stronach einst selbst als Trainer gefeuert, entzog er dem Sponsor der Wiener Austria in seiner Krone-Kolumne sogar das Du-Wort. Seither schweigt Schneckerl: "Weil i bleib sowieso allan". Hannes Androsch Einer der wenigen Industriellen, die Stronach in die Quere kommen können. Der Austro-Kanadier schnappte Androsch die Steyr-Daimler-Puch weg - und ist mit seinem Erzfeind Vranitzky verbandelt. Rudolf Edlinger Macht das, was Stronach besonders hasst: Er redet frech zurück. Der Rapid-Präsident will seinen Klub als Widerstandsnest gegen Stronachs Allmachtsfantasien in der Fußball-Bundesliga verteidigen. Josef Pühringer Ein Schwarzer wirft sich für den roten Paradebetrieb ins Zeug: Oberösterreichs Landeshauptmann Pühringer wird die braven Hackler der Voest vor dem "Ausverkauf ans Ausland" retten - zumindest solange Wahlkampf ist. Freunde Karl-Heinz Grasser Von Stronach kam er, zu Stronach wird er wohl zurückkehren: Der Finanzminister hatte bis vor kurzem das Recht auf ein Comeback bei Magna. Vielleicht ist der Konzern bis dann zufällig um die Voest gewachsen. Peter Westenthaler Der ehemalige FPÖ-Klubobmann und Kofferträger Jörg Haiders vertritt Stronach als Vorstand in der Fussball-Bundesliga. Dass er unsägliche Ideen schön reden muss, ist er ja von seinem Ex-Chef gewöhnt. Waltraud Klasnic Die herzliche Landes-Mutti drückt auch den Heimkehrer Strohsack fest an ihre Brust. Überschüttet die Magna-Betriebe mit Millionen Euro an Förderungen. Franz Vranitzky Als Kanzler ließ sich Vranz von Stronach beraten, heute sitzt er im Magna-Aufsichtsrat. Allerdings droht der Sozialdemokrat, den Job hinzuschmeißen, wenn die Voest filetiert werde. Franz Schnabl Selbst seine Kieberer rekrutiert Stronach aus den politischen Lagern. Der ehemalige Polizeigeneral mit Draht ins Rathaus patrouilliert nun als Sicherheitschef in Franks Wunderwelt in Oberwaltersdorf. GERALD JOHN |
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