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Ein Krieg wird kommen
FILM  In "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen" ertüchtigt Arnold Schwarzenegger sich und uns für künftige Führungsämter und Endkämpfe. DREHLI ROBNIK

Falter 31   Originaltext aus Falter 31/03 vom 30.07.2003

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Der Hudriwudri hat es immer schon gewusst. Bereits 1991 - als "Terminator 2 - Judgment Day" noch der teuerste und sechsterfolgreichste Film aller Zeiten war und lange bevor ein Skirennläufer als Herminator verehrt wurde - trat Manfred Deixens Maskottchen einer nach einem anderen Hollywood-Klassiker benannten Zigarettensorte als Hudrinator in schwarzem Leder auf und forderte in barschem Schriftsteirisch: "Tuats leichte Zigaretten smoken, sonst schiaß i euch a Loch in d' Socken!" Klarer wurde das massenkulturelle Sinnangebot der Marke Terminator selten formuliert: Wie Schwarzenegger bietet auch der Hudriwudri ein hypertrophes Männlichkeitsimage, das zugleich restaurativ und parodistisch, nostalgisch und grotesk ist; wie Arnold appelliert auch der Hudrinator ans Gesundheitsbewusstsein; und wie der Terminator, zumal das diesjährige Modell, fordert auch er unter despotischer Strafandrohung Verzicht ein.
Nach all den Flops, die Schwarzenegger seit "Terminator 2" gelandet hat, ist der nostalgische Wunsch, von der Unvergesslichkeit dieses Films zu profitieren, verständlich. Deutlich wird dies zumal in allegorischen Momenten, in denen "Terminator 3" gleichsam von sich selbst handelt - als eventförmigem Dialog mit unseren Filmerinnerungen: Wenn der nunmehr 24-jährige John Connor, der künftige Anführer der menschlichen Guerilla gegen die Maschinen, den Terminator als seinen Beschützer aus Teenie-Tagen wiedererkennt und ihn fragt, ob er sich nicht an "Hasta la vista, baby!" erinnere, dann sind damit unser aller Reminiszenzen an Highlights aus "T2" angesprochen. Jedoch: Die Alltagskulturgut gewordenen Sager "Hasta la vista, baby!" und "I'll be back!", 1984 in "The Terminator" geprägt, verwiesen auf ein nächstes Mal und aufs Wiederkommen.
Das Pendant dieser One-Liner in "T3" lautet schlicht "It is time!", eingedeutscht als "Es ist so weit!". Im "T3"-Trailer fungiert der Slogan als Zuruf, dass unser Warten auf den Film ein Ende habe. "It is time!" lässt sich aber auch als Aufforderung verstehen, die Zeit zu bedenken, die eben "ist" und die Wunden nicht nur heilt, sondern auch schlägt. Immerhin: Sollte Arnold nicht gleich "Governator" werden, sondern noch einen "T4" drehen - ein (wenn auch verhängnisvolles) Wiedersehen von Connor und dem Cyborg in der Zukunft wird in "T3" in Aussicht gestellt.
Das Team der Heldinnen und Helden von "T2" hatte dem Verhängnis ein wenig unbestimmte Zukunft abgerungen. In "T3" hingegen regiert die Zeit als Last dessen, was man so leicht nicht vergisst. Vergangenheit wirkt nach - als jenes Trauma, von dem der Psychiater Dr. Silberman in einem Kurzauftritt spricht (sein Darsteller, Earl Boen, spielt neben Schwarzenegger als Einziger in allen drei "Terminator"-Filmen mit), und im Sinn von Zitat und Wiedererkennen. Mit geschultertem Sarg gemahnt Arnold an die zutiefst nekrophilen Kinoikonen Nosferatu und Django; die Kampfroboter-Prototypen könnten aus "Robocop II" stammen; der TV-Trailer zu "T3" verurteilt uns zum Wiedererkennen einer Packung Manner-Schnitten. Subtiler ist da das Bild- und Wortspiel mit der durch die Wüste schwebenden Blase, die den Terminator ins Heute transportiert: Aus der Zukunft kommend, ist sie zugleich Zitat aus dem Sci-Fi-noir-Klassiker "It Came from Outer Space", inszeniert 1953 von einem anderen großen Arnold, dem B-Movie-Wizard Jack Arnold.
Überhaupt, Film noir: Regisseur Jonathan Mostow, dessen Thriller "Breakdown" 1997 Gespür fürs bedrohliche Stimmungspotenzial der Wüste und suburbaner Nichtorte bewies, nutzt auch in "T3" die Un-Heimeligkeit von Vorstadt und Stadtautobahn, einer Cocktailbar am Wüstenrand, einer nachts ausgestorbenen Einkaufsstraße oder einer düsteren Tierklinik, in der alle Figuren zueinander finden. Wenig geblieben ist dagegen vom vulgärmaterialistischen High-Concept-Styling James Camerons, der in "T1", "T2" oder "Titanic" die "Synästhetik des Stahls" - dessen Sound, Härte, Hitze oder bildprägende Blauheit - höchst plastisch inszeniert hatte. Ähnliches gilt für die Schauwerte des Morphing, jener digitalen Bildtechnologie, die 1991 anhand des Flüssigmetall-Terminators in "T2" ihren ersten großen Kinoauftritt hatte.
An Arnolds Gegnerin in "T3" - dem hauptberuflichen Model Kristanna Loken als Terminatrix - zeigt sich dreierlei: Erstens sind Morphs heute pure Konvention (weshalb die sich als ostentativ analoge Materialschlachten gebärdenden Actionszenen bessere Figur machen). Zweitens gehören intelligente Maschinen heute zum Alltag; sie taugen kaum mehr als Bedrohungsbilder wie noch 1991, als das Terminatoren-Duell zwischen Kraftmaschine und Gestaltwandler als Allegorie eines Übergangs vom Fabriksystem zum flexiblen digital capitalism erschien (und der Falter-Rezensent seine Besprechung von "Terminator 2" noch mechanisch auf Papier tippte). Und drittens ist die Terminatrix auch deshalb so öd, weil sie genderpolitisch zu spät kommt: Sie bleibt bloße Repertoirefigur neben den Girl-Power-Schwundformen von Lara Croft oder den drei Ekeln für Charlie.
Überdies ist der Kampf des Good Old Terminator gegen eine Frau bloß die (mehr sexistische denn spektakuläre) Zusammenfassung all jener Identitätskrisen, die Schwarzeneggers Figuren von "Predator" und "Twins" bis zu seinem Schwanger- respektive Geklontwerden in "Junior" und "The Sixth Day" physisch ausagiert haben. So betrachtet hatte der Terminator schon immer etwas vom Hudrinator. Wenn Arnold in "T3" beim Herumdoktern am eigenen Body meint, die Terminatrix sei stärker und schneller und er selbst ein veraltetes Modell, dann ist solche Selbstreflexivität zu redundant, um lustig zu sein.
Angesichts der bloß als Negativ von Arnolds Alterungsprozess ("It is time!") fungierenden Terminatrix fällt das Fehlen von Sarah Connor schmerzlich auf: Gespielt von Linda Hamilton, die in "T1" als pummeliges "Fräulein in Not" angetreten war und sich für "T2" beeindruckende Kräfte und Geschmeidigkeit antrainiert hatte, war diese Figur sowohl dem Bodybuilder als auch dem Gestaltwandler ebenbürtig. Als toughe allein erziehende Mutter des Weltretters, die mit Gewalt den Atomkrieg verhindert, war Sarah Connor - neben Clarice Starling ("Silence of the Lambs") und Ellen Ripley ("Aliens", "Alien 3") ein zwiespältiges feministisches Role-Model. Zugleich war sie Ikone für neue Spielräume der Selbstermächtigung und für Reformoptionen einer Unterhaltungsindustrie, deren traditionell "männlichstes" Genre, der Actionfilm, sich um 1990 öffnete, um zum Universalmedium des zeitgenössischen Blockbusters zu werden.
In "T3" bleibt von Sarah nur ihr Sarg, dessen Inschrift "Not fate but what we make" als Relikt aus den frühen Neunzigern im genderkonstruktivistischen Sinne ("Geschlecht ist kein Schicksal") verstanden werden könnte. Im Gefüge von "T3" steht das Motto eher für ein Weltbild, das der Filmbeginn so zusammenfasst: Wir seien Schmied unseres Schicksals, sagt John Connors Stimme, während eine Atombombe Los Angeles ausradiert und die von Maschinen regierte Zukunft einleitet. Die in "T2" erkämpfte Abwendung des Weltuntergangs entpuppt sich als bloße Verzögerung, und der Terminator ist nun wieder ganz "Beender", wandelndes Memento mori: Er gemahnt an unsere Endlichkeit, an eine düstere Zukunft und daran, dass der Spaß vorbei ist: "It is time!"
In seinem Beharren darauf, dass die stets imaginierte Katastrophe schicksalsgleich eintritt und die Vorbereitung auf den Kampf danach der einzige Spielraum bleibt, ist "T3" ein waschechter 9/11-Film. Da leuchten US-Fahnen, und die Läuterung John Connors (ein Kuschelbär mit dem passenden Namen Nick Stahl) vom alkoholsüchtigen Versager zum charismatischen Führer erinnert an Bush juniors rising to the occasion. Die Herrschaft der Vergangenheit über die Zukunft scheint perfekt, wenn ein väterlicher Air-Force-General dafür sorgt, dass Connor und die künftige Gemahlin den "Judgment Day" in einem alten Atombunker des Militärs überleben: Die Kalten Krieger hatten immer schon Recht mit ihrer Vorsorge, und anstelle des offenen Highways von 1991 schließt "T3" mit dem Bild eines Bunkerkorridors.
Hasta la vista, baby! In "T2" lernte der Terminator lockere Sprüche und Umgangsformen von einem Teenager, der im Public-Enemy-T-Shirt Bankomaten knackte. Camerons Film war eine Art Blockbuster-Pendant zeitgenössischer Hood Movies, ein vage antiautoritärer Film, der Los Angeles als multikulturelles Biotop und (im Jahr des Polizeiübergriffs gegen Rodney King) den bösen Terminator in Polizeiuniform zeigte. In "T3" erteilt nun Arnold die Lehren. Er verkörpert einen Zwang zur Anerkennung von Endlichkeit, aus dem sich nicht das (zaghafte) Ausloten neuer Lebensentwürfe ableitet wie noch 1991, sondern reine Disziplinierung als ödipale Initiation: Der Krieg wird kommen, du wirst dich bewähren und gefälligst eine Familie gründen - "sonst schiaß i euch a Loch in d' Socken!"
Das jeweilige Lederoutfit besorgt sich der Terminator 1984 von einem Punk, 1991 von einem Motorradrocker und 2003 von einem schwulen Striptänzer. Wenn Arnold kurz eine Elton-John-Sternchen-Sonnenbrille aufsetzt, dann ist das Höhe- und Endpunkt der subkulturellen Kostümierungen und Identitätsentgrenzungen, die Schwarzenegger-Filme als ihr gleichsam überschüssiges Befreiungsmoment mit artikulierten. Ab dann ist der Spaß vorbei, beginnt das Lernen für den Krieg: It is time.

Ab 1.8. in den Kinos.

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Juli 2003 © FALTER
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