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CLUBSZENE Partymachen als Hobby: Zahllose engagierte Kleinveranstalter sorgen dafür, dass auch abseits der etablierten Clubs gute Partys stattfinden. Zum Beginn der Herbstsaison vier Veranstalterkollektive im Porträt. THOMAS PRLIC |
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Der letzte Clubabend, sagt Klaus Makotter, sei wieder einmal verheerend gewesen. Verheerend bedeutet für Partyveranstalter normalerweise: keine Gäste, teure DJs und kostspielige Liveacts, und ein fettes Minus am Bankkonto. Im Falle des Clubs EuroRanch, den Makotter gemeinsam mit sechs Kolleginnen und Kollegen betreibt, sieht ein verheerender Abend aber so aus: Der Gast-DJ, der ein halbes Jahrhundert alte Hias Schaschko aus München, legt bis spät in die Nacht Blasmusik auf. Die Veranstalter, selber alle DJs, verzichten vor Ehrfurcht aufs Plattenauflegen. Irgendwann gibt Schaschko endlich auf, verlässt den Club, um es sich kurz darauf anders zu überlegen. Um fünf Uhr früh steht er plötzlich wieder im Lokal und verkündet: "Ladies and Gentlemen, ich bin wieder da!" Am nächsten Tag haben einige EuroRanchler Erinnerungslücken, und ein Besucher schreibt ins clubeigene Internetforum: "Der Abend war Mord." Die EuroRanch-Crew feiert bei ihren an wechselnden Orten stattfindenden Veranstaltungen genauso gerne mit wie ihre Gäste. "Wir wollen einen Club machen, zu dem wir selber gerne gehen", sagt Mitorganisatorin Christina Nemec. Immerhin steckt in so einem Club jede Menge Arbeit: Flyer müssen gebastelt, Locations und Termine gecheckt, Acts gebucht und betreut werden. Bis zu drei Veranstaltungen gleichzeitig planen die Selfmade-Partymacher. Kein geringer Aufwand, wenn man nebenbei berufstätig ist und mit den eigenen Veranstaltungen nicht gerade reich wird. Ein durchaus nicht ungewolltes Schicksal, das die EuroRanch-Truppe mit vielen Wiener Kleinveranstaltern teilt. Dabei sind es gerade solche Szeneplattformen und DJ-Kollektive (siehe Kasten), die dafür sorgen, dass man in der Stadt auch abseits der etablierten Clubs um wenig Geld gute Partys und Konzerte besuchen kann - und der heimische DJ- und Musikernachwuchs zu Auftrittsmöglichkeiten kommt. Rückgrat der EuroRanch ist bis heute das gleichnamige Musikweblog, auf dem die siebenköpfige Gruppe regelmäßig über Musik schreibt, ihre Entdeckungen und Lieblingsstücke zum Anhören anbietet. Erst ein halbes Jahr nach Gründung des Weblogs gab es vor drei Jahren den ersten Club - als die Gruppe merkte, dass sich auch viele andere Leute für ihre Vorlieben interessieren. Gemeinsam ist den EuroRanchlern ein breit gefächerter Musikgeschmack mit Tendenz zu Ausgefallenem und manchmal Skurrilem fernab vom Mainstream. Die "Generaldilettanten" (Klaus Makotter) legen nicht nur programmatisch eklektisch - von Country bis Elektronik - selber bei ihren Clubs auf, sondern laden regelmäßig Gast-DJs und Musiker ein. Zuletzt gab es etwa einen Liveauftritt des befreundeten Radiomoderators Fritz Ostermayer, mit dem die Gruppe das Faible für musikalische Seitenstraßen teilt. Mit dem "Tanzcafé Minus Eins" existiert mittlerweile eine Art Clubableger - EuroRanch-Mitstreiter Karl Schwamberger hat sich dabei auf Musik im Dreivierteltakt spezialisiert. Zu Beginn mussten sich die Ranchler, die sich mittlerweile immerhin einen Finanzpolster von 2000 Euro erwirtschaftet haben, ihre Liveacts noch selber suchen. Heute kommen viele Bands von alleine auf sie zu. Die EuroRanch findet deshalb einmal im Monat statt. "Dabei wollen wir eigentlich gar nicht wachsen", sagt Co-Clubgründer Sven Saurwein, "es wäre besser, wenn es mehr Clubs wie unsere gäbe." Ganz bewusst auf Expansionskurs ist hingegen die Veranstalterplattform "Trashy". Mit Fokus auf trashigen Elektro, Minimal House und Disco ist das DJ-Kollektiv allerdings musikalisch völlig anders orientiert. Die heute fünfköpfige Crew veranstaltet seit zwei Jahren die "Neon"-Events im Gürtellokal B72. Im Laufe der Zeit hat die Kerngruppe - die DJs Harald Bader, Oliver Plieschnig, Christian Wandling, Thomas Fillafer und der Videomacher Günther Hauser - ein Netzwerk aus einem Dutzend DJs, Musikern und Visualisten um sich aufgebaut, die auch mehrere Subveranstaltungen bestreiten. Die Elektrotrash-Aktivisten erfanden ihren ersten Club aus der schlichten Not heraus: Die von ihnen favorisierte Musik wurde in der Stadt praktisch nicht gespielt. Als "Electroclash"-Phänomen wurden trashige Achtziger-Ästhetik und Retroelektroklänge international gehypt, nur in Wien gabs noch keinen entsprechenden Club dafür. "Als wir damit angefangen haben, war das in Deutschland längst ein Riesending", erzählt Christian Wandling. Von Retrosounds wollen die Neon-Macher mittlerweile eher weg. Nach einigen Auftritten heimischer DJs und Musiker denken die DJs daran, internationale Kollegen zu buchen. Immerhin hat das eifrige Netzwerken schon zu guten Kontakten mit dem bekannten deutschen Elektrolabel Gigolo geführt. Ende Oktober feiert Neon seinen zweiten Geburtstag gemeinsam mit dem Münchner Gigolo-Act Zombie Nation im Flex. Langfristig soll aus Trashy eine richtige Künstleragentur werden. Um sich ganz der Musik - und dem Onlineplattenladen der Gruppe - widmen zu können, hat Christian Wandling als erster aus dem Kollektiv sogar seinen bürgerlichen Beruf quittiert. Während die einen Schritt für Schritt Richtung Professionalität gehen, sehen andere DJ-Plattformen ihr Hobby tatsächlich nur als Hobby. Das DJ-Kollektiv Groovebox etwa hat sich in seiner dreijährigen Bestandszeit nach Ausflügen in größere Tanztempel immer wieder bewusst in kleinere Locations zurückgezogen. "Wir haben haufenweise Anfragen, ob wir mehr machen wollen. Aber ich finde künstlerische Verknappung nicht schlecht", sagt Stefan Walter, der die Groovebox vor drei Jahren gemeinsam mit drei Freunden gegründet hat. Die Truppe - die Mitgliederzahl wechselt ständig - hatte schon eine eigene Clubleiste in der (mittlerweile geschlossenen) Meierei, übersiedelte aber wieder ins viel kleinere Otto-Wagner-Café am Karlsplatz zurück. Nach wöchentlichen DJ-Sessions im Deli am Naschmarkt entdeckte die Gruppe zuletzt das Frauenzentrum ega im sechsten als neue Partylocation. Einziger Fixpunkt sind derzeit Auftritte in zweimonatigen Abständen im Flex. Musikalisch sind die Grooveboxler auf "knackigen Minimal, funkigen Techhouse und groovigen Deephouse" spezialisiert. Die DJs lassen auf ihren Partys regelmäßig auch junge Szenekollegen an die Plattenspieler. "Eine große Ideologie dahinter gibt es nicht. Wir wollen einfach leiwande Partys mit guten Vibes machen", sagt Walter. Bis zu dreißig Leute - Visualisten, Musiker, Dekorateure oder Techniker - haben schon an großen, teils üppig dekorierten Grooveboxpartys mitgearbeitet. Dass dabei oft nicht viel Geld übrig bleibt, versteht sich von selbst. Stattdessen fahren die Veranstalter mit ihren Helfern schon mal auf Ausflugswochenenden. Mitarbeitermotivation der etwas anderen Art. Berufsmäßig Veranstalten, das kommt auch für die Macher des Clubs Anville nicht infrage. "Wir machen einen Club für Leute, die wir mögen und von denen wir gemocht werden wollen", sagt Ina Freudenschuß, die die unregelmäßig stattfindende Veranstaltung gemeinsam mit Holger van Dordrecht, und der Falter-Autorin Karin Cerny organisiert. Ursprünglich war die Gruppe zu fünft, Mitbegründerin Catriona Shaw von der Elektropop-Covergruppe Queen of Japan wanderte schon im vergangenen Jahr nach Berlin aus. Vor kurzem ist auch Inas Bruder und Club-Co-Betreiber Max in die deutsche Hauptstadt übersiedelt. Ironischerweise ist das Anville selbst vermutlich einer der berlinmäßigsten Clubs in Wien: Selbst nach über einem Bestandsjahr immer noch ein Szenegeheimtipp, bei dem sich nette Menschen in einer schwitzigen Kellerdisco zu einem musikalisch ziemlich unberechenbaren Abend treffen. Stammlokal der Veranstaltung ist der Schwulenclub "Wiener Freiheit". Ungefähr einmal im Monat ackern sich die Anvillemacher dort je nach Lust und Laune durch ihre Plattensammlungen: Von Elektrotrash über Punk bis hin zu Soul. Dazu kommen regelmäßig Gast-DJs und Liveacts. Manchmal bekanntere wie die Wiener Szeneveteranen Patrick Pulsinger und Gerhard Potuznik, oft aber "Leute, die noch am Anfang oder am Rand stehen", wie Freudenschuß erklärt. Gelegentlich machen die Anvilles dabei auch echte Entdeckungen: etwa das kanadische Quartett Barcelona Pavilion, das in der Anville-Sommerleiste "Ambosse" im Café Bratislava kürzlich einen äußerst mitreißenden Kurzauftritt hinlegte. Oberstes Prinzip ist es für die drei Clubmacher immer noch, dass sie Spass bei ihren Veranstaltungen haben. "Wir machen das auf jeden Fall für uns", sagt Holger van Dordrecht. Und Ina Freudenschuß ergänzt: "Es geht um die Kollektiverfahrung. Und da hat es schon einige sehr gute Momente gegeben." |
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