|
Zum Archiv |
| Party de luxe |
|
CLUBSZENE Von der Passage am Ring bis zum Electric Hotel: Mit den jüngsten Club-Neuzugängen hat sich in Zentrumsnähe ein neues Weggehgrätzl für die gehobenere Partyfraktion etabliert. THOMAS PRLIC |
|
|
Die Tanzfläche viel zu voll zum Tanzen, eine Menschentraube an der Garderobe und noch einmal Hunderte Leute, die vor dem Eingang Schlange stehen. Männer in Sakkos und schick gestylte Frauen tummeln sich an der Bar und sitzen cocktailschlürfend auf hellen, lederbezogenen Sitzmöbeln. Früher hingen hier zwielichtige Gestalten in neonbeleuchteten Nischen herum. Noch vor einem Jahr war die Babenbergerpassage nur ein grindiges Loch unter der Ringstraße. Heute beherbergt sie einen der schicksten Clubs der Stadt. Selten war eine Lokaleröffnung schon vorab so im Gespräch wie die neue Location der Partyveranstalter von Sunshine Enterprises. Dementsprechend groß war am Eröffnungswochenende auch der Ansturm auf die Passage. Nur eine Woche später eröffnete dann ganz in der Nähe schon der nächste neue Club: das Electric Hotel in der Lehárgasse im sechsten Bezirk. Im dritten Stock des ehemaligen k. u. k. Fernmeldezentrums adaptierte Veranstalter Oliver Riebenbauer zwei riesige Räume; nicht so edel wie die neu designte ehemalige Ring-Unterführung, aber wieder mit überdimensionalen Türstehern am Eingang und jeder Menge aufgestylter Gäste. Und die nächste Cluberöffnung ist nur mehr eine Frage der Zeit: In der Neubaugasse soll demnächst die Fashionlounge Stylez aufsperren. Zwischen City, MuseumsQuartier und Mariahilfer Straße hat sich mit den jüngsten Neuzugängen regelrecht ein neues Weggehgrätzl entwickelt. Neben dem noblen Aux Gazelles in der Rahlgasse, dem Palmenhaus im Burggarten oder der Bar Italia buhlen auch die Passage und das Electric Hotel um ein ganz ähnliches Zielpublikum: Leute jenseits des Teenagerparty-Alters, die auf gehobeneres Ambiente Wert legen und die sich ihr Vergnügen auch schon mal etwas kosten lassen. Die Standortwahl war für die Veranstaltergruppe Sunshine aber keineswegs bewusst kalkuliert. Vor einem Jahr mussten die Partymacher die Meierei im Stadtpark räumen. Auf der Suche nach einem Ersatz wandten sie sich an Finanzstadtrat Sepp Rieder, der ihnen die brachliegende Unterführung am Ring vorschlug. Insgesamt etwa eine Million Euro hat Sunshine in den Umbau der Passage investiert, ein Viertel davon steuerte die Stadt bei. Von Donnerstag bis Samstag gibts in der Passage reguläres Clubprogramm, dazwischen sind auch außertourliche Events geplant. Donnerstags clubben die After-Worker, freitags legen die DJs des Club Fusion Dance- und Housemusik auf. Den Samstag gestaltet die Sunshine-Crew selbst. "Wenn jemand irrtümlich am Freitag reinschneit, kann es schon sein, dass er sich fehl am Platz fühlt", sagt Matthias Kamp, Chef und Mitbegründer der Gruppe, die auch ein Label und den Club Roxy im vierten Bezirk betreibt. Bei ihrer eigenen Veranstaltung in der Passage setzen die Clubber die schon aus der Meierei bekannte Linie fort: elektronische Musik mit einem gewissen Qualitätsanspruch, die aber auch ein breites Publikum anspricht. Eine mitunter nicht ganz einfache Gratwanderung - wobei Kamp auch kommerzielle Ansprüche einräumt: "Das ist unser Beruf, wir müssen auch Geld machen. Das ist ja keine Kulturvereins-Selbstverwirklichungspartie mehr." Die vor zehn Jahren gegründete Veranstaltergruppe ist heute ein professionell geführtes Unternehmen mit 15 Angestellten. Kamp sieht das Clubkonzept aber auch "ein wenig missionarisch": "Warum soll man Partypublikum, das auf ein schickes Lokal Wert legt, nicht auch gute Musik gönnen?" Als schick will Oliver Riebenbauer seine Partygäste nicht bezeichnen. "Aber ich hätte schon gerne eine gewisse Ausgehkultur drinnen." Riebenbauer, 35, ist bereits seit 17 Jahren im Geschäft und führt neben dem Electric Hotel auch das Lokal Fledermaus und die Clubbar Down Kinsky auf der Freyung. Der Großveranstalter wollte ursprünglich im Sommer im Arsenal ein neues Projekt verwirklichen, das aber wegen Anrainerproblemen nicht zustande kam. Die Telekom Austria, der die Location gehört, bot dem Partymacher als Ersatz die 1898 errichteten Räumlichkeiten im sechsten Bezirk an. Riebenbauer ließ unter dem biederen Verbau der ehemaligen Büroräume die alten Decken und Wände wieder freilegen. Ein wenig improvisiert wirken die beiden Hallen - eine zum Chillen, eine zum Tanzen - aber trotz des aufwendigen Umbaus immer noch. Riebenbauer fährt in seinen Clubs ein etwas kommerzielleres Programm als die Sunshine-Leute. Der Electric Ballroom - der Freitagsclub im E-Hotel - und der sonntägliche Soulsugar wären aber durchaus passagenkompatibel. Ende November startet in der Lehárgasse ein donnerstäglicher After-Business-Event - am selben Tag wie in der Passage. Die beiden Clubs haben auch ähnlich hohe Getränkepreise - neben der Türpolitik ist das ein bewährtes Mittel, sein Zielpublikum zu steuern. Dass solche Club- oder Clubbingkonzepte nicht zwangsläufig funktionieren, zeigt das Beispiel des ehemaligen Atrium. Als Clubatrium wurde das legendäre Lokal am Schwarzenbergplatz erst vor einem Jahr aufwendig renoviert und als All-inclusive-Projekt mit Restaurant, Konzertbühne und Club-im-Club wiedereröffnet. Nun mussten die Betreiber schon wieder zusperren - trotz Re-Relaunch als Studio 4 vor wenigen Wochen. Die Clubatrium-Veranstaltungen hat einstweilen Oliver Riebenbauer im Down Kinsky und im Electric Hotel übernommen. Dass die neuen, räumlich sehr nahe gelegenen Clubs sich gegenseitig zu viel Konkurrenz machen, glaubt keiner der betroffenen Betreiber. "Man kennt sich schon sehr lange, und wir arbeiten auch eher zusammen als gegeneinander", sagt Riebenbauer. Michael Böhm vom Volksgarten sieht die neuen Nachbarn auch eher als Bereicherung: "Das Programm ist ja nicht gleich, und es pendeln jetzt auch viele Leute." Auch seine Schwester Barbara, die mit Bruder Andreas das Palmenhaus und den Volksgarten-Pavillon betreibt, findet es "sehr fein, dass sich was tut", schon das MuseumsQuartier sei sehr belebend gewesen. "Man geht jetzt wieder in den ersten Bezirk, das war eine Zeit lang nicht so." Das Palmenhaus ist seit vergangenem Wochenende vorübergehend geschlossen und wird von den Böhms bis zum 20. November etwas umgestaltet. Das Lokal, in dem es auch jeden Freitag DJ-Lines gibt, soll "noch mehr die Atmosphäre der großen französischen Brasserien" bekommen. Mit zusätzlichen Lederbänken und einem größeren Barbereich wird das Palmenhaus außerdem noch ein wenig loungiger. Wann genau der Fashionclub Stylez in der Neubaugasse aufsperrt, steht hingegen noch nicht fest. Lokalchef Josip Kurevija hatte vor einigen Wochen bereits den Eröffungstermin plakatiert, musste die Veranstaltung dann aber mangels behördlicher Genehmigung und trotz bereits eingeflogenem DJ kurzfristig absagen. Für das Lokal, das er mit zwei Kollegen geplant hat, hat sich Kurevija zwar ein recht engagiertes DJ-Programm überlegt, aber "Tanzclub soll es keiner sein". Stattdessen stellt er sich das Stylez als "kreativen Umschlagplatz" vor. Tagsüber soll man essen und trinken können, abends wird in loungiger Atmosphäre abgehangen, dazu gibts in eigenen Vitrinen an der Wand aktuelle Mode zu sehen. Fashionshows, ein eigenes Stylez-Magazin und Kooperationen mit jungen Modemachern sind bereits in Planung. Als Zielgruppe wünscht sich der Neolokalbetreiber "Künstler, Opinionleader und Trendsetter", aber "keine Krawattentypen". Am Eingang soll abends eine eigene "Selecteurin" postiert werden. Wann das Stylez tatsächlich aufsperrt, wird sich aber wohl erst nach der nächsten Behördenbegehung Anfang kommender Woche entscheiden. Fest steht dafür schon, dass das Tanzvergnügen im Electric Hotel nur vorübergehend sein wird: Veranstalter Oliver Riebenbauer kann die Räumlichkeiten nämlich nur für ein gutes halbes Jahr nutzen. 2004 läuft auch sein Vertrag für das noble Palais Down Kinsky aus - dass er danach woanders weitermachen wird, steht für den erfahrenen Veranstalter aber sowieso außer Frage. Auch sonst muss man sich ums gediegene Clubben in Wien einstweilen keine Sorgen mehr machen. Immerhin hat die Sunshine-Crew mit der Passage erstmals in ihrer Bestandsgeschichte eine fixe Location bekommen. Der Mietvertrag mit der Stadt läuft auf 15 Jahre. Verlängerungsoption inklusive. |
|
Zum Archiv |
|
nach oben November 2003 © FALTER E-Mail: wienzeit@falter.at |