"Rock n Roll hat meinem Leben einen neuen Sinn gegeben."
(Blumfeld: "Letat et moi", 1994)
"Hey! Ho! Lets Go!"
(The Ramones: "Blitzkrieg Bop", 1976)
Für Neil Young schien die Sache 1979 ganz klar: "My my, hey hey, Rock n Roll is here to stay" lauten die ersten Worte seiner Platte "Rust Never Sleeps". Anschließend wird gleich noch ein bisschen dicker aufgetragen: "Hey hey, my my, Rock n Roll can never die". Die Musik des "My My, Hey Hey (Out of the Blue)" betitelten Stücks reduziert sich auf eine akustische Gitarre und eine jammernde Mundharmonika. Eine rockuntypische Instrumentierung, die den Song aber noch eindringlicher wirken lässt als die krachende, stromverstärkte Version, die am Ende der Platte als "Hey Hey, My My (Into the Black)" noch einmal alles niederzureißen versucht.
Die beiden Hauptakteure in Youngs Hymne heißen Elvis Presley und Johnny Rotten. Ersterer, der King des Rock n Roll, war zwei Jahre zuvor gestorben; Letzterer war im Jahr von Elvis Tod als Sänger der britischen Punkband The Sex Pistols zum gefährlichsten Rocker der Siebzigerjahre aufgestiegen, um sich anschließend vom Punk loszusagen und mit seiner zweiten Band Public Image Ltd. neues musikalisches Terrain zu erforschen.
"The King is gone but hes not forgotten. This is the Story of a Johnny Rotten", sang Neil Young weiter. Kurt Cobain, der bislang letzte wirkliche König des Rock, hielt sich an eine andere Zeile des Songs. In seinem Abschiedsbrief zitierte der Nirvana-Frontman 1994: "Its better to burn out than to fade away", um seinem Griff zur Schrottflinte eine rock-romantische Legitimation zu geben.
Hält man sich an die allgemeine Lehrmeinung, wonach der Rock n Roll 1954 mit Elvis Presleys erster Single "Thats All Right" das Licht der Welt erblickt habe, markiert Neil Youngs "My My, Hey Hey" exakt die Mitte der bisherigen Rockgeschichte. Rückblickend wirkt seine emphatische Überzeugung um die Unsterblichkeit des Rock mehr als gewagt. Die klassische Rockmusik war mit Punk nicht nur wiedergeboren, sondern vor allem auch an einem Endpunkt angelangt - und selbst Punk hatte sich 1979 schon wieder weitgehend erledigt. Gleichzeitig fand HipHop in diesem Jahr erstmals seinen Weg auf Schallplatten und damit aus den Clubs seiner Heimatstadt New York City hinaus in die Welt. Die anfangs von kaum einem Musikkritiker ernst genommene Mischung aus Beats und Sprechgesang sollte sich zumindest in den USA bald zum bedeutendsten jugendkulturellen Genre überhaupt auswachsen.
Ende der Siebziger war auch Disco, der musikalische Antipode zu Punk, nach seiner kommerziellen Ausschlachtung wieder in den Underground zurückgekehrt - um im Laufe der Achtziger als House und Techno wieder aufzutauchen und damit neben Rock und HipHop zur dritten breitenwirksamen Jugendkultur zu werden. An Konkurrenz mangelte es also nicht; Young behielt tendenziell trotzdem recht: Der Rock n Roll mag im Lauf seiner bisherigen Geschichte zwar unzählige Tode gestorben sein, letztlich besteht aber auch heute kein Zweifel an seiner Vitalität.
Genau genommen war das auch 1979 nicht anders. Britische Bands wie The Slits, Gang Of Four und The Pop Group kombinierten auf ihren Debütalben damals komplexere Formen von Punk mit Versatzstücken der afroamerikanischen Musik wie Funk und Reggae und schufen so bis heute nachwirkende Vorlagen produktiver popmusikalischer Grenzüberschreitungen. In den USA fanden Bands wie The Cramps und The Gun Club relativ zeitgleich ganz unterschiedliche Formen der traditionsbewussten und doch aufregenden Rock n Roll-Pflege.
Vorerst noch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit erschienen in den ausgehenden Siebzigern auch die ersten Platten der amerikanischen Hardcoreband Black Flag - schneller und härter hatte den Rock n Roll zuvor niemand gespielt. Black Flag und ihre SST-Labelkollegen wie Minutemen und Sonic Youth gingen aber nicht nur als Innovatoren in die Rockgeschichte ein; sie pflasterten auch jenen Weg, an dessen Ende Nirvana und der globale Grungeboom der frühen Neunziger stand. Mit Nirvana war die Rockmusik abermals an einem Schlusspunkt angelangt: Niemandem gelang es danach mehr, wie Kurt Cobain & Co über alle subkulturellen Strömungen hinweg zur Stimme einer ganzen Generation zu werden.
Die erste derartige Stimme war Elvis Presley. An sich ein braves, biederes Muttersöhnchen, wurde er zur zentralen US-Kulturikone des 20. Jahrhunderts und zum Revoluzzer wider Willen. In aller simplifizierenden Deutlichkeit: Rock n Roll hat Mitte der Fünfziger den Teenager auf die Bildfläche gehoben und entscheidend dazu beigetragen, dass junge Menschen der westlichen Welt zu eigenständigen, aus den Zwängen althergebrachter gesellschaftlicher Ordnungsmuster ausbrechenden Subjekten wurden. Den Rock n Roll wiederum hat Elvis erfunden. Nicht musikalisch, da gab es Vorläufer und Weggefährten. Angesichts von Elvis' Wirkungsgeschichte erübrigen sich jedoch alle Expertendispute um die erste echte Rock n Roll-Nummer, und es ist nur recht und billig, die Geburtsstunde des Rock n Roll auf den 5. Juli 1954 zu datieren: den Tag, an dem Elvis in den Sun Studios zu Memphis, Tennesse, seine erste Single "Thats All Right" einspielte.
In Sam Phillips Plattenstudio war der junge Lastwagenfahrer bereits vor diesem magischen Tag kein Unbekannter. Er galt aber als Schnulzensänger, während das zum Studio gehörende Plattenlabel auf afro-amerikanische R-&-B-Musik spezialisiert war. Am 5. Juli 1954 traf Presley den Gitarristen Scotty Moore und den Bassisten Bill Black zu einer ersten gemeinsamen Session, die ebenso überraschend wie ungeplant in einer Interpretation des Bluessongs "Thats All Right, Mama" enden sollte.
"Während einer Pause begann Elvis plötzlich diesen Song zu singen und sich dazu wie ein Narr aufzuführen", erzählte Moore später dem Elvis-Biografen Peter Guralnick. "Bill hat seinen Bass geschnappt und sich ebenfalls in einen Narren verwandelt, und ich habe mich auch noch dazugesellt. Sam steckte seinen Kopf zur Tür herein und fragt: ‚Was macht ihr da?' - ‚Keine Ahnung', antworteten wir. ‚Okay, dann überlegt euch einen Anfang dafür und legt gleich wieder los.'"
Diesmal hatte Sam Phillips den Aufnahmeknopf gedrückt; der Rest ist Geschichte. Mit einer Handvoll Singles avancierte Elvis vom lokalen zum nationalen Helden. Nach einem Jahr bei Sun wechselte er zum großen RCA-Label, veröffentlichte 1956 sein Debütalbum "Elvis Presley" und wurde derart schnell zum internationalen Superstar, dass er bereits 1959 eine Platte kokett "50.000.000 Elvis Fans Cant Be Wrong" betiteln konnte.
Dass sein künstlerisches Hauptwerk in den ersten Jahren seiner Karriere entstand, während er die Sechziger an Hollywood und die Siebziger an Las Vegas verschwendete, tut wenig zur Sache. Elvis hatte längst eine Revolution losgetreten, die niemand mehr stoppen konnte. Während er sich weitgehend im Kommerz verlor, übernahmen eben die Beatles, Bob Dylan und die Rolling Stones seinen Job - und ergänzten das ganze Spektakel durch die nicht unwesentliche Facette, auch das Songwriting selbst in die Hand zu nehmen und so eine neuartige künstlerische Autonomie im Rock zu verankern.
Welche Provokation die Kombination aus Presleys Musik und seinem verführerischen, körperbetonten Auftreten in den Fünfzigerjahren darstellte, lässt sich an einem Zitat Frank Sinatras ablesen. "Rock n Roll ist unecht", ereiferte sich dieser 1957. "Er wird von kriminellen Kretins für ebensolche geschrieben. Durch die imbezilen Wiederholungen und die ungehörigen, obszönen, schmutzigen Texte wird er richtig gehend zum Kriegsgetrommel jedes kotlettentragenden Verbrechers auf Gottes Erdboden."
"You either get it or you dont", lautet eine alte Rockweisheit. Frankieboy hatte es offensichtlich nicht geschnallt - und entsprach damit genau jenem Bild des hassenswerten Erwachsenen, das die britischen Rockrabauken The Who Jahre später in "My Generation" zeichnen sollten: "People try to put us down / Just because we get around / Things they do look awful cold / I hope I die before I get old."
Rock n Roll fungierte aber nicht nur als Soundtrack zur Jugendrevolte. Diese Musik sollte - trotz ihrer angeblichen Ausbeutung der afroamerikanischen Kultur - auch zur antirassistischen Waffe werden. "Die ersten öffentlichen Veranstaltungen ohne Rassenschranken waren in vielen amerikanischen Städten weder Kirchenmessen noch örtliche Schulamtssitzungen - es waren Rock-'n'-Roll-Konzerte", schreibt der US-Journalist und Unidozent Robert Palmer in seinem Standardwerk "Rock & Roll. Die Chronik einer Kulturrevolution".
Palmer hielt noch Jahrzehnte danach am gesellschaftsverändernden Potenzial der Rockmusik fest: "Denkt man ernsthaft darüber nach, ist es ohnehin zu viel vom Rock n Roll verlangt, wenn er uns aus der politischen und sozialen Unterdrückung befreien soll. Das müssen wir schon selber tun. Trotzdem glaube ich weiterhin an die verändernde Kraft des Rock n Roll - eine Kraft, zu der nur der einzelne Hörer Zugang hat." Diese Kraft liegt für Palmer weniger in den Texten oder außermusikalischen Äußerungen der Künstler, sondern in der Musik selbst, "im Sound und vor allem im Beat".
"Sound" und "Beat" sind interessante Stichworte, denn gerade im US-amerikanischen Verständnis ist "Rock" derart ungenau definiert, dass beinahe jede Musik unter diese Kategorie fällt, die nicht dezidiert Techno, Jazz oder Klassik ist. Zum fünfzigsten Geburtstag erstellte eine Expertenjury für den amerikanischen Rolling Stone kürzlich die definitive Hall of Fame des Rock n Roll. Diese Zusammenschau illustriert einmal mehr, wie weit Rock n Roll in seinem Heimatland gefasst wird. Hinter den Top Five - The Beatles, Bob Dylan, Elvis, The Rolling Stones und Chuck Berry - regiert stilistische Vielfalt. Der Funk-Godfather James Brown landet direkt hinter Jimi Hendrix auf Platz sieben, nicht weit dahinter tummeln sich Soulkünstler wie Aretha Franklin, Stevie Wonder und Marvin Gaye neben der Reggaeikone Bob Marley. Mit Run-DMC und Public Enemy gelten selbst zwei HipHop-Acts als Unsterbliche des Rock - ebenso wie Madonna, Michael Jackson, Simon and Garfunkel und Elton John.
Lawrence Grossberg hat diese Vielfalt mit dem Schlagwort der "Rockformation" gefasst. Der amerikanische Cultural-Studies-Professor geht davon aus, dass sich Rock und seine Wirkung nicht in einem mehr oder weniger spezifischen Sound erschöpft, und fasst mit dem Begriff der Rockformation alle "‚jugend-orientierten, technologisch und ökonomisch vermittelten musikalischen Praktiken und Stile" der Nachkriegszeit. Kulturell steht Rock in diesem Verständnis für die gesamte US-amerikanische Populärkultur der Nachkriegszeit.
Tatsächlich empfiehlt es sich bei der Beschäftigung mit Rock, Kunstform und Wirkung auseinander zu halten. Das gesellschaftsverändernde Potenzial der Stromgitarre hat sich längst auf die individuelle Hörerebene verschoben. Die politischen und sozialen Rahmenbedingungen sehen heute völlig anders aus als in den mittleren Fünfzigern, und eine Verschränkung von politischer Bewegung und musikalischem Output, wie man sie in den Sechzigern erlebte, wäre heute undenkbar. Zum Fehlen einer klar artikulierten Bewegung kommt - bedingt durch die enorme Pluralisierung des Popwelt - die Abwesenheit konsenstauglicher Rockfiguren.
Um die Kunstform als solche muss man sich dagegen keine Sorgen machen, obwohl nie wieder derart viele epochale Rockplatten in derart kurzer Zeit erscheinen werden wie Mitte der Sechziger. Bob Dylan tauschte die akustische damals gegen die elektrische Gitarre und gab Songs genau so viel Platz, wie sie seiner Meinung nach eben brauchten. Die Beatles und die Beach Boys erhoben Pop mit visionären Studioarbeiten zur Kunstform. Die Stones veröffentlichten Meisterwerke im Halbjahrestakt, während Jimi Hendrix mal eben schnell den Himmel küssen musste und ein kaputter New Yorker Haufen namens Velvet Underground die Schönheit im Lärm entdeckte.
Obwohl sich Innovation im Rock heute vor allem auf die Auswahl der Vorbilder beschränkt, sorgen Bands wie The White Stripes, Franz Ferdinand, The Hives, Yeah Yeah Yeahs oder Queens Of The Stone Age aber auch drei Dekaden später dafür, dass einem am Planeten Rock nicht fad werden muss. Dazu kommen so aufregende elektronisch rockende Grenzgänger wie die Peaches oder das feministische US-Trio Le Tigre; und selbst dezidierte Elektronik-Acts orientieren sich dieser Tage wieder verstärkt am Rock.
Die britischen Two Lone Swordsmen entschuldigen ihre Abkehr von der reinen Techno-Lehre und die Hinwendung zum düsteren Elektrorock ihres neuen Album "From the Double Gone Chapel" sogar damit, dass bei Rockkonzerten heutzutage mehr getanzt würde als im Club - und verwandeln diese Beobachtung in eine der bemerkenswertesten Rockplatten dieser Tage. Darauf findet sich übrigens eine Coverversion des Gun-Club-Klassikers "Sex Beat" - womit sich wieder ein Kreis geschlossen und Neil Young einmal mehr Recht behalten hätte.
UMFRAGE
Whats Rock to You?
Peaches (Elektro-Punk-Ikone): Rock and Roll steht für Attitüde und die Auflehnung gegen Autoritäten. Es ist ein Wort, das stärker ist als die Musik, die von ihm beschrieben wird.
Wolf D. Prix (Coop Himmelb(l)au): Rock war die Musik, die einem die Hirnschale weggeblasen und Körper in Bewegung gesetzt hat. Es war die beste Musik, um Mädchen flachzulegen ("Great Balls of Fire", Jerry Lee Lewis). Auf der anderen Seite war Rock ein Zeichen für die Befreiung von altvorderen Klischees, das Außerkraftsetzen von autoritären Regeln und ein Zeichen für absoluten Optimismus ("Sympathy for the Devil", "Gimme Shelter", The Rolling Stones). Aufgehört hat der Rock mit "Vision of Johanna" und "Sad Eyed Lady of the Lowlands" von Bob Dylan. Heutzutage vögeln die Rockstars nur mehr in den Videoclips.
Lemmy Kilmister (Motörhead): Manchmal steht Rock n Roll für Schlägereien im verdammten Backstageraum. Rock n Roll ist jedenfalls das Gegenteil von Feigheit. Auf der Bühne kannst du jeden Tag aufs Neue gewinnen oder verlieren. Und wenn du einmal so richtig verlierst, kannst du für Jahre im Arsch sein - oder für immer. Ich halte es daher für etwas Tapferes.
Dirk von Lowtzow (Tocotronic): Mein schönstes Rockerlebnis als Konsument fand witzigerweise in Wien statt und war genau genommen nur zur Hälfte eines: Das Bad-Brains-Konzert in der Arena vor fast 15 Jahren. Nachdem die Band, deren Mitglieder auf mich wie Lichtgestalten wirkten, in einer halben Stunde ungefähr 20 ihrer Hardcorehits gespielt hatte, wechselte sie abrupt in einen anderen Modus und zelebrierte eine eineinhalbstündige Reggaemesse mit allem Drum und Dran. Ich im Publikum, verwirrt, etwas ängstlich, in vollem "Hardcore-Ornat": Black-Flag-T-Shirt, Kapuzenpulli, Bandanas, Chucks. Es war eine herrliche Zeit! Es war eine furchtbare Zeit!
Johannes Maria Staud (Komponist): Das ultimative Rockerlebnis für mich war ein Solokonzert von John Cale Anfang der Neunzigerjahre im Innsbrucker Treibhaus. Obwohl Cale ganz minimalistisch nur in ein höllisch verstärktes Klavier drosch und sich bei großartigen Songs wie "Fear Is a Mans Best Friend" die Seele aus dem Leib schrie, habe ich damals so intensiv wie nie zuvor gespürt, was physische Energie in Musik bedeuten kann.
Albert Oehlen (Künstler): Rock ist für mich: Radiohead, Smashing Pumpkins, Nickelback, Tote Hosen und die Stones. Die Melvins können den Schaden nicht gutmachen. Deshalb wäre es unterm Strich besser, wenn es Rock nie gegeben hätte.
Tjinder Singh (Cornershop): Rock ist für mich ein typisches Beispiel dafür, wie sich die Produktionstechnik verändert hat. Ich kann mit diesen gesichtsbemalten Metalbands heutzutage nichts anfangen, meine Vorstellung von Rock neigt mehr zu einem älteren Sound.
Diedrich Diederichsen (Kulturtheoretiker): Rock ist pure Intention. Alles ist gemeint, gemeint, gemeint. Selbst die Eleganz der seltenen eleganten Rockmusik ist absichtlich elegant.
Eva Umbauer (FM4): Robert Plant ist mein ultimativer Rocker. Courtney Love ist Rock, PJ Harvey ist Rock. Und Rockerinnen persönlich zu treffen, von denen ich als Kind schon die Fotos in Zeitschriften kannte, sind Rock-Momente für mich: Patti Smith, Marianne Faithfull, Debbie Harry, Siouxsie Sioux, all die weiblichen Rock-Figuren halt.
Alex Kapranos (Franz Ferdinand): Für mich ist Rock jenes kantige Liveding, das sich so schwer beschreiben lässt und doch so offensichtlich ist, wenn man es spürt. Rock beginnt für mich bei Django Reinhardt oder Howlin Wolf. In Wirklichkeit intrepretieren alle Rockbands heute nur, was Howlin Wolfs Band damals getan hat.
Hans Weigand (Künstler): Jimi Hendrix "Cross Town Traffic" hat mich 1968/69 wie der Blitz getroffen. Ich war damals in der Klosterschule im Internat, und wir wurden von den Pfaffen stundenlang in den Kerker gesteckt, wenn sie uns beim "Musicbox"-Hören erwischt haben - uns wurde ja noch erzählt, dass Hippies auf LSD den Kindern das Herz herausschneiden würden. "Cross Town Traffic" war der Inbegriff des Bösen, und darum hat es mir so gut gefallen.
Melissa Logan (Chicks On Speed): Rock sucks! Rock ist längst tot, also schlag ruhig noch einen Nagel in den Sarg, Baby. Die Musikmultis haben die Welt seit den Fünfzigern verarscht, was sollten wir jetzt also anderes tun, als in ihr offenes Grab zu spucken? Es lebe Kreativität, Subversion und musikalischer Fortschritt! Mehr Dreistigkeit, weniger Soli. Und vergiss nie: Üben lähmt die Persönlichkeit!
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