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| Arsch auf Reisen |
| TEST Wasserrutschen sind für kleine und große Kinder ein zeitlos schönes Vergnügen. Die mutigsten "Falter"-Redakteure haben sich zehn ausgewählte Rutschen in Wiener Freibädern hinuntergestürzt. Wolfgang PATERNO, THOMAS PRLIC und CHRISTOPHER WURMDOBLER |
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| Mit der Badehose im Popsch geht's am schnellsten, Wasserrutschenauskenner wissen das. Für eine besonders gute Beschleunigung und um Höchstgeschwindigkeiten zu erzielen, muss man die Badehose so weit nach oben ziehen, bis man mit den bloßen Arschbacken aufsitzt. Der zweite wichtige Trick: Nicht einfach fad im Sitzen rutschen, sondern mit durchgedrücktem Hohlkreuz im Liegen talwärts rasen. Das gibt mehr Auflagefläche auf dem Rutschwasser und garantierte Spitzenzeiten. In den Bädern beherrschen schon die Jüngsten die diversen technischen Raffinessen des nassen Bergabdüsens aus dem Effeff. Weil Wasserrutschen aber nicht nur für kleine, sondern auch für große Kinder ein zeitlos schönes Vergnügen sind, haben sich die mutigsten Falter-Redakteure, echte Männer, zehn ausgewählte Rutschbahnen in Wiens Sommerbädern hinuntergestürzt und diese nach streng subjektiven Testkriterien bewertet. Als Teststandard gilt ein Wochentag Mitte August mit 33 Grad Lufttemperatur und achtzig Prozent Luftfeuchtigkeit. Hier die Ergebnisse der Testreihe: Testsieger Schafbergbad, 18., Josef-Redl-Gasse 2, Tel. 479 15 93. Das Schafbergbad wurde bis Ende der Sechzigerjahre privat betrieben, dann von der Stadt Wien gekauft, ausgebaut und 1973 wiedereröffnet. Optisch erinnert das mit viel Beton geschmückte, 8000 Personen fassende Bad noch stark an diese Zeit, dafür kann die Badelandschaft mit vier Becken, einem Sprungturm und jeder Menge Sport- und Spielmöglichkeiten aufwarten. Der Höhepunkt im Unterhaltungsangebot ist aber eindeutig die erst im Jahr 2000 eröffnete, 102,2 Meter (!) lange blaue Riesenwasserrutsche. Nach dem Aufstieg über die Wendeltreppe entschädigt zuerst die spektakuläre Aussicht über Wien für die eher lange Wartezeit. Wenn der Bademeister den Weg freigegeben hat, geht's dann mit einem Affenzahn in zahlreichen Windungen und Spiralen hinunter. Wegen der enormen technischen Anforderungen (extreme Kurvengeschwindigkeiten!) nichts für die ganz Kleinen und nichts für schwache Nerven. Ein Riesenspaß und der klare Testsieger. Höhe: 10,3 Meter Rutschdauer: 20 Sekunden Wartezeit: 8 Minuten Altersschnitt: 11 Jahre Geschwindigkeit: turbo Spaßfaktor: HHHHH 2. Platz Sommerbad Simmering, 11., Florian-Hedorfer-Straße 5, Tel. 767 25 68. Disney World im Kleinen. Man wirft sich nichts ahnend in die 76,4-Meter-Rutsche - und schlittert vorbei an Sternenhimmel, Wasserfall und Feuerwand. Die 1991 erbaute Rutsche mit geschlossenem Röhrensystem sieht so aus und bietet genau diejenigen Effekte, wie man sich das anno dazumal als kleines Simmeringer Weltwunder zusammendachte. Das Design des Riesenspielzeugs ist auch deshalb bis heute geradezu umwerfend: blauer Schlauch schlängelt sich um eine Art blaues Wigwam, via Wendeltreppe geht es zum Vergnügen. Die Rutsche ist die Attraktion im Bad: Geradezu weihevoll schreiten die Bademeister ihrem hohen Amt entgegen, postieren sich oberhalb und unterhalb der Röhre. Diesem Auftritt kann auch die im vergangenen Jahr installierte Ampelanlage nichts von seiner Würde nehmen. Was kann das ewig dümmliche Rot-grün-Blinken gegen die zwei hohen Herren der Simmeringer Disney World schon ausrichten? Höhe: 9,4 Meter Rutschdauer: 20 Sekunden Wartezeit: 2 Minuten Altersschnitt: 13 Jahre Geschwindigkeit: flott Spaßfaktor: HHHHH 3. Platz Stadionbad, 2., Prater, Krieau, Tel. 720 21 02. Das Stadionbad mitten im Prater gehört nicht der Stadt, sondern der Stadthallengruppe und verlangt deshalb mehr Eintritt. Lage, Sportmöglichkeiten und viel Grün drumherum rechtfertigen das jedoch, und ab 13 Uhr wird's billiger. Die Doppelwasserrutsche, eine Stahl-Kunststoff-Konstruktion mit ausgebleichten Farben und je 75 Metern Talfahrt, verfügt über ein extra Auffangbecken, vor dem Aufstieg muss man ein Drehkreuz passieren, was leicht verwirrend ist. Schließlich besagt eine Hinweistafel, dass Rutschen extra kostet. Stimmt dann aber doch nicht, zumindest am Testtag war die Extra-Abzocke außer Betrieb. Lustig ist, dass vom Rutschturm zwei fast identische Rutschen starten, als Rutscher muss man sich zwar ohnehin für eine der beiden entscheiden, aber man kann mit Freunden um die Wette rutschen und Wettbewerbe austragen. Die Beschleunigung ist - je nach Geschicklichkeit - recht erstaunlich. Großen Spaß macht es Halbwüchsigen, die Leute, die ausgerechnet auf dem winzigen Rasenstück direkt unter der Rutsche lagern müssen, mit hinterm Popsch aufgestautem Rutschwasser nass zu machen. Je nach Leibesfülle wirkt sich das fast aus wie der Donaujump im Prater. Gut: viele Kurven, ganz schön hoher Ausrutschpunkt, prima Aussicht und keine Wartezeit. Höhe: 36 Stufen Rutschdauer: 15 Sekunden Wartezeit: keine Altersschnitt: 12 Jahre Geschwindigkeit: nicht schlecht Spaßfaktor: HHHH Plätze 4 bis 10 Sommerbad Donaustadt, 22., Portnergasse 38, Tel. 203 43 21. Das Sommerbad Donaustadt ist ein Winzling unter den Wiener Bädern, was der zuständige Bademeister damit erklärt, dass die Donaustädter im Sommer schließlich genug Strände in der Nähe haben. Stimmt. Trotzdem gibt es auch hier im Bad mit den zwei runden Becken eine Wasserrutsche, irgendeine Attraktion muss man den Kindern schließlich bieten. Den Aufstieg teilt man sich mit einer Fußgängerbrücke, die in einen anderen Teil der Anlage und zum Hallenbad führt. Abwärts geht's ins Nichtschwimmerbecken, einer regelrechten Kindssuppe. Die orange-blaue Rutsche ist überraschend schnell. Damit es die ganz Kleinen (und ganz Schnellen) in den beiden Kurven nicht hinaushaut, wurden Banden montiert. Das Tempo der kleinen Anlange und die kurze Wartezeit erklären natürlich den Spaßfaktor. Die jüngeren Rutschgäste erklären ihn folgendermaßen: "Super!" Höhe: 26 Stufen Rutschdauer: 9 Sekunden Wartezeit: keine Altersschnitt: 8 Jahre Geschwindigkeit: erstaunlich Spaßfaktor: HHH Ottakringer Bad, 16., Johann-Staud-Straße 11, Tel. 914 81 06. Das 1926 erbaute Ottakringer Bad war einst das erste Bad in Wien, in dem man versuchte, mittels vorgewärmten Becken die Badesaison zu verlängern. Am Testtag hätte das lauwarme Poolwasser allerdings eher ein wenig künstliche Kühlung vertragen, außerdem waren Mehrzweck- und Sportbecken derart überfüllt, dass an Schwimmen eh nicht zu denken war. Dafür bietet die bunte 29-Meter-Rutsche einige designerisch interessante Elemente. Zum einen windet sich eine Kurve um eine überdimensionale Calippo-Eishülle herum, zum anderen durchquert die Bahn vor dem Eintauchen ins Wasser einen großen Werbezylinder der Wiener Bäder. Für ihre Kürze ist die Rutschpartie ganz nett, mit einer Riesenwasserrutsche kann die Strecke aber naturgemäß nicht mithalten. Der größte Nachteil ist aber, dass die Rutsche nur zu gewissen Tageszeiten geöffnet ist. Höhe: 3,3 Meter Rutschdauer: 8 Sekunden Wartezeit: 4 Minuten Altersschnitt: 7 Jahre Geschwindigkeit: mittel Spaßfaktor: HHH Sommerbad Großfeldsiedlung, 21., Oswald-Redlich-Straße 44, Tel. 258 25 64. Zuerst nimmt Betriebsbademeister Robert Swobota, 35, die Frage als Halblustigkeit, dann hört man es förmlich in seinem Kopf, auf der Suche nach einer Antwort, rattern: Herr Swobota, das Sommerbad Großfeldsiedlung ist das nördlichste Bad Wiens. Es liegt somit also auch in einer kälteren Klimazone, oder? Swobota, ein Routinier des Bademeistergeschäfts, winkt ab, sagt "auf keinen Fall". Fall erledigt. Im Sommerbad, ziemlich in der Nähe des unübersehbaren Schlots des Heizwerks Großfeldsiedlung, heißt das Buffet stilecht "Aquarium", die Damen an der Kassa sind außerordentlich freundlich. Im Norden Wiens nimmt man es gemütlich: Die 1994 erbaute 76-Meter-Rutsche hat keine Effekte, aber zwei enge und eine lange Kurve. Die jüngste Innovation, die wohl nicht von allen gleichermaßen geschätzt wird: Seit kurzem ist ein Sichtschutz in zehn Metern Höhe angebracht, damit die Nacktbader nebenan ihre Ruhe haben. Höhe: 46 Stufen Rutschdauer: 18 Sekunden Wartezeit: kurz Altersschnitt: 13 Jahre Geschwindigkeit: schnittig Spaßfaktor: HHH Kongreßbad, 16., Julius-Meinl-Gasse 7a, Tel. 486 11 63. Das Kongreßbad hatte mit seinem 100-Meter-Becken ein lange Zeit europaweit einzigartiges Kuriosum zu bieten. Heute ist das Becken allerdings in einen Sport- und einen Erlebnisbereich aufgeteilt. Neben Ballspielplätzen, einem Kinderspielplatz und einem Kleinkinderbecken gibt's in dem 1928 erbauten und unter Denkmalschutz stehenden Freibad seit der Renovierung vor 16 Jahren auch eine 25 Meter lange Wasserrutsche. Die minimalistisch in Blau und Gelb gestaltete Konstruktion ist mit einer einzigen Kurve eher ein Anfängermodell, der Andrang ist trotzdem relativ groß. Die Abfahrt selbst ist mäßig spektakulär, zum Aufwärmen und Trainieren für größere Rutschen reicht das aber allemal. Höhe: 18 Stufen Rutschdauer: 6 Sekunden Wartezeit: 5 Minuten Altersschnitt: 8 Jahre Geschwindigkeit: mittel Spaßfaktor: HH Höpflerbad, 23., Endresstraße 24-26, Tel. 888 69 66. Farbrausch, harmonisch inmitten eines dunkelgrünen Wäldchens gelegen: Das Höpflerbad, 1979 an Stelle eines privaten Sommerbades in Atzgersdorf eröffnet, versammelt wohl die meisten Farbschattierungen der Wiener Bäderlandschaft: Die Rutsche ist in Rot, Orange, Hellorange und Gelb gehalten, die Umkleidekabinen sind rosa und hellblau, Andreas Chmela, 36, der Chef des Betriebs, hat cremig-weiße Klamotten an; die Seeräuberfiguren beim Kinderbecken sind sowieso papageifarben gekleidet. Hier kommt man her, um die heißen Stunden des Sommers mit möglichst viel Ruhe zu bestreiten - Rummel findet anderswo statt, im Höpflerbad holt man sich ein wenig Erfrischung und Unterhaltung. Ein Tag in diesem Bad ähnelt dem Runtergondeln auf der 1999 installierten 41-Meter-Rutsche: Ein kurzer Schwung, ein Uahhh, und schon platscht man ins Wasser. Einmal Aufregung samt Erfrischung, dann lange Ruhepause. Wieder ein schöner Tag im Höpflerbad, warum auch nicht. Höhe: 20 Stufen Rutschdauer: 9 Sekunden Wartezeit: 1 Minute Altersschnitt: 10 Jahre Geschwindigkeit: eher gemütlich Spaßfaktor: H Döblinger Bad, 19., Geweygasse 6, Tel. 318 01 40. Das Döblinger Bad ist äußerst familienfreundlich ausgerichtet: Neben einem Sportbecken und einem Erlebnispool samt Wildwasserbereich gibt's hier jede Menge Schnickschnack für die Jüngsten, von der Luftburg bis zum eigenen Kindererlebnisbecken. Auch die Wasserrutsche ist dementsprechend kinderkompatibel ausgefallen. Mit 14,1 Metern ist die orange-blaue Bahn leider etwas kurz geraten, nach einer Kurve und ein paar Sekunden ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Da zahlt sich das Anstellen kaum aus, selbst wenn die Wartezeit erfreulich kurz ist. Ein bisserl mehr Action und ein paar Meter mehr hätte die Rutsche jedenfalls leicht vertragen. Zum Einstieg für den Rutschnachwuchs ist die Bahn sicher okay, für Profi-Rutschehrgeizler ist die Strecke jedoch einfach zu fad. Höhe: 12 Stufen Rutschdauer: 5 Sekunden Wartezeit: 1 Minute Altersschnitt: 5 Jahre Geschwindigkeit: langsam Spaßfaktor: H Strandbad Gänsehäufel, 22., Moissigasse 21, Tel. 269 90 16. Das beste Sommerbad der Stadt hat leider nicht gerade die beste Wasserrutsche. Was auch daran liegen mag, das es im Gänsehäufel so viele andere Attraktionen gibt (unter anderem am heißesten Tag des Jahres trotzdem jede Menge Platz - nicht in den Becken, aber in der Alten Donau). Die 45-Meter-Rutsche befördert die Rutschgäste direkt ins Nichtschwimmerbecken, dass da nichts passiert, liegt wohl mit an den Badewascheln und ihren schrillen Pfiffen. Design (Stahlstufen) und gute Farbgebung (Minzegrün, Blassrosa und Hellgelb) überzeugen zwar, aber die zwei flachen Kurven rechtfertigen keineswegs die Wartezeit in der prallen Sonne. Wie wär's mit einer Überdachung, Gänsehäufel? Obwohl andererseits die Badebecken ja auch keinen Extraschatten haben. Höhe: 30 Stufen Rutschdauer: 8 Sekunden Wartezeit: 8 Minuten Altersschnitt: 8 Jahre Geschwindigkeit: gering Spaßfaktor: H Öffnungszeiten der städtischen Sommerbäder: Mo-Fr 9-20, Sa u. So 8-20 Uhr (30.8.-12.9. ist um 19 Uhr Badeschluss). |
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