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| Ihr Aufguss, bitte! |
| SCHWITZEN Gwachelt wird immer, doch in den Saunen Wiens herrscht jetzt wieder Hochbetrieb. Ein Besuch im traditionsreichen städtischen Amalienbad. CHRISTOPHER WURMDOBLER (Text) und ANDREA MARIA DUSL (Illustrationen) SAUNEN: Hier kommt Wien ins Schwitzen |
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| Wer sich im Sommer nach Favoriten begibt, macht das mitunter aus Speiseeisgründen. Schließlich gibts beim Tichy am Reumannplatz das für viele beste Eis der Stadt. Wer jetzt, angesichts nasskalten Novemberwetters, Wiens Süden besucht, hat einen anderen, heißen Grund. Im Amalienbad vis-à-vis des Eissalons gibt es den besten Schweiß der Stadt, sozusagen. Genau: Wiens Saunabäder haben wieder Hochsaison. "Es kommt vor, dass Leute am Eingang warten, dass ein Kästchen oder eine Kabine frei wird", erzählt Ludwig Ehrenhöfer, Saunawart in Wiens schönster öffentlicher Badeanstalt. Frauen und Männer können im vor einigen Jahren renovierten Jugendstilambiente getrennt voneinander schwitzen. Zu bestimmten Zeiten wird aus der Sauna für Männer eine Gemischte, die Frauensauna wird zum Familienbad – Eintritt nur für Paare. Heute ist aber Männertag im Männerbad. Schon seit halb acht ist Ehrenhöfer, gepeckte Arme, kurze weiße Hosen, Shirt und Badeschlapfen, im Einsatz. Reinlichkeit ist oberstes Gebot. "Die Saunagäste bezahlen dafür, da muss es auch reinlich sein", meint der Saunawart. Nicht nur vor Betriebsbeginn kontrolliert er die Sauberkeit in seinem feucht-warmen Saunareich, sondern auch regelmäßig den ganzen Tag über. Er und seine Kollegen ziehen Wasserproben, Klos, Kästchen und Kabinen werden geputzt, und während alle Gäste schwitzen, spritzt er mit dem Schlauch den Fliesenboden sauber. Und der Saunawart kontrolliert selbstverständlich auch die "Reinlichkeit" der Gäste. "Vorher muss man duschen", sagt Ehrenhöfer. Rasieren ist in der Sauna verboten, Ruheliegen reservieren ebenfalls, "da gibt es kein Vorrecht der Älteren". Ohne Unterlage darf man weder auf die Holzpritschen noch auf die Bänke in der Dampfkammer, und die Ausrede "Vergessen" lässt Ehrenhöfer auch nicht gelten, schließlich können sich Vergessliche oder Spontanbesucher beim Eingang jederzeit Badetücher gegen Gebühr ausborgen. Schlapfen hingegen seien Privatangelegenheit, die Anlage werde ohnehin regelmäßig und ständig desinfiziert, und wozu ist sonst die Fußdusche gut? Wie zum Beweis hält er den rechten Fuß unter den Antifußpilzmittel-Strahl: nicht nur sauber, sondern rein. Wer nach einem Saunagang ungeduscht und verschwitzt ins Kaltwasserbecken springt, bekommt aber einen Anpfiff. Das Kaltwasserbecken wird zwar täglich frisch gefüllt, aber trotzdem. Saunaregel bleibt Saunaregel. Die beiden finnischen Saunakammern und das Dampfbad müssen bereits eine Stunde vor Betriebsbeginn vorgeheizt werden, um neun sperrt die Sauna auf, manchmal bilden sich schon vorher kleine Warteschlangen beim Eingang. Kurz nach neun sind schon die ersten Nackedeis unterwegs: Ihr Aufguss, bitte! "Servus Wickerl", rufen die Nackten. Vormittags sind eher die älteren Herrschaften unterwegs und die kennen den Saunawart schon seit einer halben Ewigkeit. Seit 36 Jahren nämlich arbeitet Ludwig "Wickerl" Ehrenhöfer im Amalienbad. "Nach so einer langen Zeit kennt man seine Leute", sagt er. "Mittlerweile kommen die Badegäste bereits in der zweiten Generation her." Bis zu 25 Personen passen in die größere der beiden Schwitzkammern. Und um kurz vor halb zehn, wenn der erste Aufguss stattfindet, ist die heiße, hölzerne Stube schon gut gefüllt. Ein gutes Dutzend nackter Männer wartet gespannt auf die morgendliche Hitzewelle. Auch wenn alle Gäste bereits auf den hölzernen Pritschen sitzen, lässt Ehrenhöfer seinen Brüller "Aufguss" los, auch eine der internen Regeln. Punkt 9.30 Uhr drückt der Saunawart die Aufgusstaste hinter einem Türl in der gefliesten Wand. Über der Saunatüre leuchtet ein Rotlicht auf, als Zeichen für eventuelle Nachzügler, jetzt besser nicht das Höllentor zu öffnen. Es sei denn, man möchte sich den Unmut einer kompletten Saunabesatzung zuziehen. Aus drei Wasserhähnen über dem heißen Ofen spritzt Wasser, zischt und bildet eine Dampfwolke. Einer der Männer hat sich eine Wachelfahne geschnappt und verteilt den Dampf in der Kammer. Fast wie beim Maiaufmarsch. Ehrenhöfer schaut durch das Fenster auf Schwitzer und Wachler. "Der macht das sehr sanft", lautet sein Urteil. Manche Gäste misstrauen dem maschinellen Aufguss auf Knopfdruck und möchtenselbst zur Schöpfkelle greifen. Das erkennt der Saunawart daran, dass der hölzerne Kübel nicht auf seinem Platz steht, sondern in der Sauna. In diesem Fall bedient er nur das Rotlicht und überlässt den Rest dem selbst ernannten Aufguss-Zeremonienmeister. Jeder Wachler hat seine eigene Methode, manche nehmen ein Extrahandtuch und wirbeln die Hitze umher, dass sie schnell auf die schwitzenden Leiber prasselt. Manche denken sich sogar schweißtreibende Dramaturgien aus, für die es viel Applaus gibt, fast wie im Theater. Doch an diesem frühen Vormittag wird noch sanft gewachelt. Oberstes Gebot ist Stille beim Schwitzen – auch wenn sich nicht jeder ans Sprechverbot beim Aufguss hält. "Ab und zu lässt dann wer einen Brüller los", erzählt Ehrenhöfer. Das sei zwar dann auch nur Schmäh, aber doch recht wirksam. Natürlich, so der Saunawart, dürfe man die Schwitzkammer jederzeit verlassen, selbst bei Rotlicht: "Wenn man die Hitze nicht mehr aushält, ist es besser, man geht heraus." Besser auch für den Betriebsalltag im Amalienbad. Trotzdem käme es nicht selten vor, dass er oder seine Kollegen die Rettung rufen müssen, kreislaufbedingt sozusagen. Manchmal reichen auch Frischluftzufuhr oder Füßehochlagern aus. "Manche, vor allem Jüngere, fühlen sich stark, und wenn die dann einen Siebzig- oder Achtzigjährigen sehen, wie der die größte Hitze aushält, dann wollen die natürlich mithalten und überschätzen ihren Körper", weiß Ehrenhöfer. "Die setzen sich gleich auf die oberste Bank statt ganz unten hin und da hauts sie halt manchmal um." Und das sei im Übrigen jetzt nicht ausschließlich so eine Männlichkeitssache, das käme drüben in der Frauensauna ebenso vor. Nach fünf Minuten erlischt das Rotlicht wieder. Nach einem anerkennenden Beifall fliegt die Türe auf und ein Dutzend nackter Männer stürmt aus der Kammer. Schnell unter die Duschen. Schnell ins Freie oder gleich ins Kaltwasserbecken. Und dann: Schmäh führen. Schlafen. Oder Sauerkraut essen in der Kantine, dem Verbindungsgang zwischen Frauen- und Männerbad. Um 14 Uhr hat "Wickerl" Ehrenhöfer, Herr der Sauna, Feierabend. Manchmal, ein-, zweimal die Woche, bleibe er noch für ein, zwei Aufgüsse da, erzählt er. "Wenn die entsprechenden Leute da sind, mit denen man Schmäh führen kann." Und, ja, er habe auch das so genannte Bio-Saunarium ausprobiert, jenes Kammerl, in dem die Hitze nicht ganz so arg ist und in dem man 32 Minuten lang mit anregendem Buntlicht bestrahlt wird: "Da kann man herrlich abschalten und relaxen." Ganz überzeugt von der sanften Art zu schwitzen scheint der Saunawart aber nicht zu sein. SAUNEN Hier kommt Wien ins Schwitzen Vergangene Woche war im Waldbad Penzing der Ofen aus. Die Stadtwerke stellten Strom- und Gaslieferungen an das privat betriebene, hoch subventionierte (ehemals städtische) Bad ein, nachdem Rechnungen nicht bezahlt wurden. Wie es mit dem Saunier- und Badeparadies am grünen Stadtrand weitergeht, ist offen. Auch das Margaretenbad, ein weiteres privat betriebenes Spaß- und Wellnessbad, ist seit Monaten geschlossen; Zukunft ungewiss. Wer winters gern ins Schwitzen kommt, hat dazu trotzdem jede Menge Möglichkeiten. Zahlreiche öffentliche Badeanstalten (Übersicht: www.wien.gv.at/baeder) haben Saunawelten im Angebot und auch viele privat geführte Betriebe laden zum Wacheln bei um die 100 Grad ein. Hier die interessantesten Orte zum Schweißtreiben: Amalienbad 10., Reumannpl. 23, Tel. 607 47 47, Sauna ab EUR 8,50 (2 Stunden). Viel Jugendstil wurde leider in den Achtzigern wegrenoviert, trotzdem eines der schönsten städtischen Bäder, samt Finnen-, Bio- und sonstigen Saunavergnügungen und fast schon orientalischem Ambiente. Interessant auch für Familien. Apostelbad 3., Apostelg. 18, Tel. 713 11 71, Di 14–21.30, Mi 13–21.30, Do, Fr 9–21.30, Sa 8–20 Uhr, Sauna ab EUR 8,50 (2 Stunden). Altmodisches, aber trotzdem ganz reizendes städtisches Saunabad, außer am Donnerstag (da ist nämlich Frauentag) schwitzt man hier gemischt. Aux Gazelles 6., Rahlg. 2, Tel. 585 66 45, Di–Fr 15–21, Sa, So 11–22 Uhr, www.auxgazelles.at, Preise ab EUR 28,– (je nach Anwendung). Im orientalischen Dampfbad, dem Hammam, kann man sich schön warm eindampfen lassen, dazu gibts je nach gewähltem Programm ein Peeling, Wassergüsse, eine Körperwaschung oder eine Seifenmassage. Sehr entspannend, dafür aber auch nicht gerade billig. Badehaus Sargfabrik 14., Goldschlagstr. 169, Tel. 988 98 11–1, www.sargfabrik.at Mit Babyschwimmen, Badefreuden für Frauen, Schwule und so weiter. Tolle Alternative zum Massenbetrieb, toll für Spontane (24 Stunden geöffnet), nichts für Faule, weil man als Mitglied seine Aufgaben erfüllen muss. Zur Zeit gibts "Herbstmitgliedschaften". Zum Testen gibts ein "Public Bath House" am 17.11. von 18 bis 24 Uhr (EUR 10,90). Hermannbad 7., Hermanng. 28, Tel. 521 34–44250, Di, Mi 13–21.30, Do, Fr 9–21.30, Sa 8–20 Uhr, Sauna ab EUR 8,50 (2 Stunden). Das Tröpferlbad in Neubau. Auch hier haben sich diverse Saunazirkel gefunden, die die gesellige Atmosphäre zu schätzen wissen. Jörgerbad 17., Jörgerstr, 42–44, Tel. 406 43 05, Di 13–21, Mi, Do, Fr 9–21.30, Sa 8–21.30, So 7–18 Uhr, Sauna ab EUR 8,50 (2 Stunden). Schönes Hernalser Volksbad mit hineinrenoviertem, aber sehr schickem Seventies-Flair und der Besonderheit des FKK-Badens im ganzen Bad am Samstagnachmittag (17–21.30 Uhr). Pratersauna 2., Waldsteingartenstr. 135, Tel. 728 18 13, Di–Fr 9–22, Sa–So 7.30–20 Uhr. Tageskarte EUR 17,60, ab 16.30 Uhr EUR 13,20, Studentenkarte EUR 7,–. Eher puristische, aber brauchbare Saunaanlage aus den Sechzigern mit tollem Außenschwimmbecken mitten im Grünen. Für Wellnessskeptiker genau das Richtige. Besonders klasse, wenn Schnee liegt. Kaiserbründl 1., Weihburgg. 18–20, Tel. 513 32 93, Mo–Do 14–24, Fr 14 Uhr bis So 24 Uhr durchgehend, www.kaiserbruendl.at, ab EUR 15,–. Das Kaiserbründl ist vielleicht die schönste Homosauna der Welt, ursprünglich ein Badehaus, das der persische Botschafter seinem Sohn schenkte. Prächtige Wandmalereien von Stefan Riedl, schwule Männer bleiben hier unter sich. Stadthallenbad 15., Vogelweidpl. 15, Tel. 981 00, Mo, Di, Do, Fr 8–21.30, Mi 9.30–21.30, Sa 7–21.30, So 7–18.30 Uhr, www.stadthallenbad.at, EUR 13,50 (ab 18 Uhr: EUR 9,70). Zentral gelegene, sehr funktionale Saunaanlagen mit großem Schwimmbecken, in dem mitunter sogar echte Weltklasseschwimmer trainieren. Thermalbad Oberlaa 10., Kurbadstr. 14, Tel. 680 09-9600, Mo–Sa 8.45–22, So 7.45–22 Uhr, www.oberlaa.at, ab EUR 8,75. Vom Bioschwitzen bis zum Whirlpoolplanschen: Das Wohlfühlzentrum zu Oberlaa ist zwar keine Luxustherme, aber besser als sein Ruf. Und hinterher gibts feine Mehlspeisen vom Kurkonditor! |
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