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| Die mit Denimkompetenz |
| MODE Die Wiener Firma Turek handelt seit mehr als fünfzig Jahren mit Mode. Nach dem Umbau ihres Flagshipstores will sich das Familienunternehmen jetzt besser gegen die internationale Konkurrenz behaupten. THOMAS PRLIC´ |
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| Zum Beispiel HK oder DOB oder LUG. Wenn Bettina Turek von ihrem Job spricht, dann verwendet sie eine Menge Abkürzungen und Fachausdrücke, so als ob sie das Selbstverständlichste auf der Welt wären. "Ach, das ist Textilsprech", erklärt sie dann auf einen fragenden Blick hin. Dabei ist das mit den Abkürzungen ja ohnehin ganz einleuchtend. Wenn sie DOB sagt, meint Turek Damenoberbekleidung, Haka (HK) steht für Herren- und Knabenoberbekleidung, etwas schwieriger zu erraten, ist nur LUG – die Abkürzung für das Monsterwort Lagerumschlaggeschwindigkeit. Als Frau vom Fach sagt Bettina Turek außerdem nie Jeans, sondern immer nur Denim. Oder auch gerne "Denimkompetenz". Tureks Denimkompetenz, das ist die Palette an verschiedenen Jeansmodellen und -marken die man in den Filialen des Wiener Handelsunternehmens bekommt. Mal sind sie mehr ausgewaschen, mal sehen sie weniger "benutzt" aus – wie es halt gerade angesagt ist. Wobei sich junge Leute hier auch mit jeder Menge nichtjeansiger Markenmode vom Leiberl bis zum Sneakersschuh eindecken können. Vor kurzem haben die Tureks ihre Hauptfiliale in der Mariahilfer Straße umgestalten lassen, die Glasfassaden mit neuen Matritzen und Schriftzügen versehen, das Interieur neu strukturiert und dem Inneren ein auffälliges Hellblau verpasst. Der Flagshipstore ist zwar erst sieben Jahre alt, die Rundumerneuerung am hochfrequentierten Einkaufsstandort kommt aber nicht ohne Grund: Immerhin muss sich der seit über fünfzig Jahren bestehende stadtbekannte Familienbetrieb hier mit seinem Vorzeigegeschäft direkt gegen die Konkurrenz der internationalen Großketten behaupten. Die wichtigste Filiale der Tureks steht auf der Mariahilfer Straße, das Stammhaus befindet sich aber im 17. Bezirk, wo Bettina Tureks Großvater im Jahr 1951 das Modeunternehmen gegründet hat. Ihr Vater Herbert Turek stieg früh ins Geschäft ein und half mit, die heute insgesamt 13 Filialen in Wien aufzubauen. In den Siebzigerjahren, erzählt Turek, war ihr Vater maßgeblich für den Jeansboom verantwortlich, indem er die damals noch kaum erhältliche Denimhose nach Wien brachte. Der alte Herr Turek ist heute immer noch in der Firma aktiv, nach außen hin lässt er aber mittlerweile seiner Tochter den Vortritt. Obwohl sich zweite und dritte Generation inzwischen die Geschäftsführung teilen, steht Bettina Turek selbst regelmäßig hinterm Verkaufspult. Insgesamt hat das Unternehmen heute 110 Mitarbeiter, wobei man, wie Turek betont, nur ausgebildetes Fachpersonal beschäftigt: "Auf diesem Gebiet sind wir echte Dinosaurier." Die mittlere von drei Schwestern ist für den Einkauf zuständig, auch die jüngere Schwester, die gerade ihr Wirtschaftsstudium beendet, arbeitet in der Firma mit. Sie sei "ganz klassisch" ins Unternehmen hineingewachsen, erzählt Bettina Turek. Ihre Mutter ist Französin, die Tochter begleitete den Vater schon im Teenageralter auf Messen nach Paris, um dort zu dolmetschen. Den späteren Beruf lernt sie trotzdem nicht nur durchs Zuschauen. Nach dem Lycée besuchte sie die Modeschule Hetzendorf, machte Praktika im Ausland und absolvierte in Deutschland ein Textilstudium. Seit sieben Jahren werkt sie hauptberuflich in der Familienfirma. Bei Familieninterna ist die Modeexpertin auffallend zurückhaltend. Umsatzzahlen will sie nicht nennen, sogar ihr Alter oder das des Vaters mag sie nicht verraten. Über Herbert Turek erfährt man zumindest, dass er regelmäßig selbst durch die Filialen tourt. Überhaupt ist den Tureks der Kontakt zu Kunden und Mitarbeitern wichtig. "Jede Filiale ist wie eine kleine Familie, man kriegt die Gruppendynamik dort besser mit, wenn man selber regelmäßig drinsteht." Jede der 13 Turek-Zweigstellen wird standortspezifisch mit Bekleidung bestückt, in vier Filialen gibts das volle Angebot. Für Verwirrung bei der Kundschaft sorgte früher manchmal, dass es neben den Turek-Geschäften noch die Turek-Workshop-Austria-Shops gab, die zwar namentlich verwandt waren, aber geschäftlich nichts miteinander zu tun hatten. TWA gehörte Herbert Tureks Bruder, der mit seiner Firma vor einiger Zeit in Konkurs ging. Auch das bekannte Workshop-Café auf der Mariahilfer Straße und der eine Zeit lang als Leiberlmotiv beliebte TWA-Stern gehören seither der Vergangenheit an. Im dritten Bezirk gibt es außerdem noch eine Avantgarde Mode Turek Handelsgesellschaft, aber mit der habe man schon gar nichts zu tun, sagt Bettina Turek. "Die Ur-Tureks sind jedenfalls wir." In den Siebzigern führte Herbert Turek noch eine eigene Filiale nur mit Jeans, am heutigen Textilmarkt wäre das undenkbar. Modelabels buhlen mit schicken Flagshipstores um die Kundschaft und internationale Ketten wie H&M, Zara oder Mango haben die Stadt mit zahllosen Filialen überschwemmt. Mit dem Umbau des Vorzeigeshops auf der Mariahilfer Straße wollte man sich optisch noch stärker von den Großdiskontern abgrenzen – den "Vertikalen", wie Bettina Turek sie nennt. Als Firma mit langer Erfahrung im Jeansbereich haben die Tureks alle Höhen und Tiefen des Trendstoffs mitbekommen. Eine Zeit lang gab es etwa in einer Krypta, die zum Keller der zweiten Filiale auf der Mariahilfer Straße gehört, ein eigenes Levis-Jeansmuseum. Zur pompösen Eröffnung ließ der Markenkonzern sogar Gäste aus dem Ausland einfliegen, und als Gag zogen die Leute von Levi-Strauss einer Nachbildung des goldenen Johann-Strauss-Denkmals aus dem Stadtpark eine Jeanshose an. "Heute hat niemand mehr solche Werbeetats", meint Bettina Turek. Bis vor etwa fünf Jahren waren bei jungen Leuten eher Skaterlook und Streetwear angesagt, seither hat aber wieder ein regelrechter Denimboom eingesetzt. Eine Markenhose gilt heute als Statussymbol, für das der Kunde schon mal 170 bis 200 Euro ablegt. Die Tureks haben dieser Entwicklung auch in ihren Shops Rechnung getragen. "Wir werden immer bei Jeans bleiben", versichert die Geschäftsfrau. Mit dem Shopumbau auf der Mahü hat man etwas ausgemistet und sich von ein paar Warengruppen verabschiedet (zum Beispiel gibts jetzt keine Strickjacken mehr). Die Warendichte sei jetzt geringer, dafür die LUG (siehe ganz oben) höher. Die Ideen für neue Teile holen sich die Tureks auf Messen in Berlin, London oder Paris, seit ein paar Jahren sei auch Skandinavien spannend, erzählt die Juniorchefin. Auch Wien habe in den letzten Jahren modemäßig viel gewonnen, und vielleicht mache man auch einmal etwas mit Wiener Designern. Dinge, für die sich kein geeigneter Anbieter findet, fertigen die Tureks mitunter in Eigenproduktion. Das Trendscouting ist in der Firma jedenfalls Chefsache, besser gesagt Chefinnensache: "Entweder man ist ein Profi, oder nicht." Der neue Flagshipstore funktioniert dabei auch als Testfiliale, erklärt Bettina Turek. "Ständige Beobachtung ist schließlich die beste Marktforschung." Offenbar finden das auch "Textilisten" aus den Bundesländern, die angeblich immer wieder bei Turek vorbeikommen, um nach neuen Marken Ausschau zu halten. Auch wenn Bettina Turek gerne und ausgiebig über die diversen Denimlabels plaudert, über die anderen Neuentdeckungen, die gerade in den Geschäften hängen, spricht sie deshalb nur ungern. Die müssen sich die Mitbewerber schon selbst im Laden abschauen. Die junge Unternehmerin hat selbst übrigens noch nie im Leben Kleidung bei der Konkurrenz eingekauft, "nur Schuhe", räumt sie ein. Das mag man im ersten Moment gar nicht glauben. Bettina Turek hat aber eine durchaus einleuchtende Gegenfrage parat: "Wozu sollte ich?" |
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