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Schlagerspiele
SPORT In den kommenden zwei Wochen findet in Wien und Innsbruck die Eishockey-WM statt. Der schnelle Sport wird bei uns immer beliebter: Gerade sind die Vienna Capitals Österreich-Meister geworden, jetzt kommen die Stars auf Kufen – das taugt Fans, aktiven Cracks und Legenden. WOLFGANG PATERNO und CHRISTOPHER WURMDOBLER

Falter 17   Originaltext aus Falter 17/05 vom 27.04.2005

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Doch, doch, sie habe sich sehr gefreut, als die Vienna Capitals Österreichs Eishockeymeister geworden sind. Aber ein bisschen mühsam sei es auch gewesen, erzählt Barbara Zeman. In ihrer Freizeit steckt Zeman nämlich im Maskottchen der neuen Meister, einem schwarzen Puck mit orange-rotem Feuerschweif. Und bei den Meisterschaftsfeiern musste der Hauptstadtpuck einiges an freudigem Schulterklopfen einstecken. Aber Zeman ist nicht nur Maskottchen, die 34-Jährige ist auch Wiens erste Torfrau in einer Männermannschaft, dem SKV Feuerwehr, Gründerin des Eishockeydamenvereins EHV Sabres, sie hat die Lizenz zum Trainieren und ist – schwer zu erraten – ein großer Fan der schnellsten Teamsportart überhaupt. Deshalb hat sich die Bankangestellte auch für die kommenden zwei Wochen Urlaub genommen. Wenn vom 30. April bis zum 15. Mai in Wien und Innsbruck die Eishockey-Weltmeisterschaft stattfinden wird (siehe unten), ist Zeman an vorderster Front mit dabei. Sie arbeitet an der Abwicklung des sportlichen Großevents in der Wiener Stadthalle. Zwar nicht im Tor, aber fast genauso nah dran am Geschehen – im Bereich VIP-Betreuung.
  Selten waren bei einer Eishockey-WM so viele prominente Spieler mit dabei, Fans freuen sich vor allem auf die Stars aus Kanada, die an der Weltmeisterschaft mitmachen können, weil sie sich nicht wie sonst mit den Meisterschaften in Nordamerika überschneidet, aber auch von den Tschechen erwartet man, dass sie das Eis zum Schmelzen bringen. Wohl auch deshalb wird es bei der IHF World Championship in Österreich zum ein oder anderen Gipfeltreffen zwischen Meistern von einst und heute kommen.
  Wenn von Walter Znenahlik die Rede ist, tauchen gleich Worte wie Guru, Held, Original, Pionier auf. Znenahlik, 70, ist Österreichs Mr. Eishockey. Der Wiener war mit über 130 Länderspielen lange Zeit Österreichs Rekordinternationaler, bestritt 282 Bundesligaspiele. Mit den Vereinen EKE und WEV war er als Spieler dreimal Meister. 1971 wechselte Znenahlik auf die Trainerbank – und betreute die Clubs Stadlau, Salzburg, WEV, Lustenau und EC Graz; zwölfmal ist er als Trainer Zweiter geworden, unter seiner Führung schaffte das Nationalteam 1972 und 1978 den Aufstieg von der C- in die B-Gruppe. An ihm kommt keiner vorbei, der sich in diesem Land mit Eishockey beschäftigen will. Znenahlik führte einen Wiener Verein (WEV) als Kapitän in der Saison 1961/62 letztmalig zum Titel. Mit 49 Jahren stand der Mann, dessen aktive Karriere von 1947 bis 1984 dauerte, zum letzten Mal in einer Bundesligapartie auf dem Eis.
  Seit vier, fünf Jahren erfährt der Eishockeysport in Wien wieder einen eisigen Aufwind. Das bestätigt auch Hannes Auer von der Erste-Bank-Liga. Vor allem nach dem Sieg der Wiener Eishockeymannschaft sei das Publikumsinteresse groß. Mehr mediale Berichterstattung bringe mehr Sponsoren. Demnächst wird die Liga in die Selbstständigkeit geführt, wird besser vermarktet, und womöglich überträgt dann nicht nur mehr Premiere zwei Bundesligaspiele pro Woche, sondern auch der ORF.
  Goalie Barbara Zeman kam 1985 aufgrund einer verlorenen Wette ins Eishockeytor und damit in die Wiener Liga. „Der Sport hat mich aber schon immer fasziniert“, sagt sie. Vater und Bruder waren Hobbyfußballer, sie entschied sich fürs Eis, den Schläger und die Hartgummischeibe. „Viele glauben, im Tor sei die schönste Position, dass man am wenigsten eislaufen können muss. Im Spiel stimmt das vielleicht, aber im Training nicht. Neunzig Prozent der Goalies sind die besten Eisläufer.“ Nach einem etwas unbeholfenen Start setzte die junge Frau all ihren Ehrgeiz daran, eine gute Torhüterin zu werden. Schaute sich bei den ganz großen Techniken und Strategien ab, kämpfte in diversen Frauenteams. Dass sie jetzt Goalie einer Männermannschaft ist, dass der Verband dafür extra die Statuten ändern musste, ist für Zeman „kein Weltwunder“: „Es geht um den Sport, den man betreibt, nicht ob da jetzt ein Manderl oder ein Weiberl im Tor steht.“
  Der Einsatz für den Eishockeysport und den -nachwuchs ist ihr da schon wichtiger. 26 Vereine – die vielen Hobbymannschaften nicht mitgezählt – teilen sich drei Hallen, die Stadthalle, den Eisring Süd und die Albert-Schulz-Eishalle in Kagran. „In Bezug auf Eisflächen schaut’s für eine Millionenstadt traurig aus.“

Kommt ein junger, vom Eishockey begeisterter Mensch in den Proshop Powerplay in der Wagramer Straße, schluckt der Bursche. Der Verkäufer von Schläger, Brustpanzer, Suspensorium oder Schlittschuh heißt hier Walter Znenahlik. Und der ist ein Denkmal, zu dem alle nur „Znene“ sagen. Und Znene, freundlicher, älterer Herr, die Lesebrille auf die Nasenwurzel geschoben, wundert sich. Ein penibler Chronist seiner Karriere war er nie, die vielen Medaillen und Pokale hat er in alle Winde zerstreut. Nach achtzig Cuts und Verletzungen im Gesicht hat er aufgehört zu zählen. Er kratzt sich den nicht wenig verbeult wirkenden Schädel und fragt sich, wie aus dem Pimpf, der vor Unzeiten auf dem Eisplatz in Hernals seine Runden als Kunsteisläufer zog, der spätere Eishockeycrack geworden ist. „Vielleicht aus diesem Grund“, rätselt er. „Ich war immer in Bewegung. Ich habe neben Eishockey Tischtennis, Fußball gespielt. Eine Zeit habe ich auch geboxt.“ Hyperaktiv, würde man wohl heute sagen.
  Macht Znenahlik einen tiefen Atemzug, nimmt er einen großen Teil des Sauerstoffs aus der Luft des Raumes. Derzeit hindert ihn eine Verletzung der Hand an der ein Leben lang exzessiv ausgeführten Bewegung – Znenahlik reitet auch, ein Pferd hat ihm eine getuscht. Bald wird er sich aber wieder mit den anderen Hockeysenioren auf der Eisfläche matchen. Am Anfang seiner Karriere bevorzugte Znenahlik das Fair Play, gegen Ende war er bereits, so sagt er selbst, griesgrämig geworden. Die Fäuste flogen damals sehr schnell; heute ist das Spiel für ihn vor allem Spaß.
  Znenahlik war bereits als Kind Dauergast beim Engelmann, der 1909 eröffneten, weltweit ersten Kunsteislaufbahn der Welt, die sich bis heute an beinah identer Stelle in Hernals befindet. Oft nennt Znene den Namen Karl Schäfer, der einer der erfolgreichsten Eiskunstläufer aller Zeiten und Schwiegersohn von Eduard Engelmann war. „Der Schäfer-Karl, der hat mir das Eislaufen beigebracht“, sagt er. Es klingt so, als ob Znene sagen wollte: Er hat mich laufen, lesen, schreiben, essen und trinken gelernt.
  Ein Hockeyshirt in Miniaturform hängt gleich neben der Kassa: „Znenahlik“ steht auf dem Rücken, dazu die Zahl 10, Znenahliks Nummer während der ganzen Zeit seiner Karriere. 1,68 Meter groß – insgesamt 34 Jahre lang war er hauptsächlich Stürmer –, hatte er ein Idealkampfgewicht von bis heute 75 bis 80 Kilo. „Ich habe den Kopf immer oben gehabt, ich habe sehr viel gesehen.“
  Vor fünf Jahren sperrte Znene gemeinsam mit einem Partner den Eishockeyfachhandel auf. Hier ist seitdem das heimliche Zentrum des österreichischen Eishockeysports. Gleich nebenan steht zwar die Albert-Schultz-Halle, ein Klotz von Eishalle, die seit 1995 Heimstätte der Vienna Capitals ist. Aber in Znenes Shop laufen die Fäden zusammen. Dieter Kalt, Präsident des Österreichischen Eishockeyverbandes, ruft an: „Servas, Dieter!“ Erich Weiss, seit 1972 ORF-Berichterstatter sämtlicher Eishockeyweltmeisterschaften, ruft an: „Servas, Erich!“ Einstige Eishockeyhelden wie Rick Nasheim oder Kelly Greenbank schreiben regelmäßig E-Mails. Auf einem großen, bereits ein wenig verblassten Farbfoto ist Znene mit seinen beiden Söhnen Walter und Peter, während ihrer aktiven Karriere beide Nationalspieler, zu sehen. Zwei Enkelkinder spielen bereits bei den Capitals, Sohn Peter, heute vierzig, wird die Eishockey-WM im ORF kokommentieren.
  Es wäre wahrscheinlich nur gerecht, wenn die Karriere von Walter Znenahlik ebenfalls hinter einer Plastikfolie enden würde. Die Spieler- und Trainerstationen Kitzbühl, Wien, Feldkirch, Stadlau, Salzburg, Lustenau, Mödling, Graz und Kapfenberg hat er mit Bravour absolviert. Andere, die ebenfalls auf eine große Karriere zurückblicken können, stehen in Miniaturform in Znenahliks Geschäft in der Donaustadt herum, hinter Plastikfolie: Spieler wie Wayne Gretzky, Steve Yzerman oder Mario Lemieux sind zu kleinen Sammelfiguren erstarrt. Ein Walter Znenahlik, 25 Zentimeter hoch, in Jubelpose, würde die Galerie der großen Namen komplettieren.

Eishockey schaut brutaler aus, als es ist“, meint Erste-Bank-Liga-Mann Hannes Auer zum Thema Eishockey und Brutalität. „Die Aggressivität am Eis ist vielleicht etwas ehrlicher, emotionaler.“ Wo es im Fußball die gelbe Karte gäbe, setze es am Eis gleich Strafminuten, die unter Umständen spielentscheidend seien, wenn eine Mannschaft in der Unterzahl spiele. „Eishockey ist nicht brutal, es ist hart.“
  „Ich würde mich niemals freiwillig in eine Handballmannschaft stellen“, sagt Barbara Zeman. Da werde gezwickt und getreten, auf dem Eis hingegen gehe es zwar manchmal etwas härter zu, aber auch fairer, „wie in einer großen Familie“. Hooligans, die nur auf Ärger aus sind, gebe es beim Eishockey, zumindest in Österreich, nicht. Wie viele andere aktive Eishockeycracks und -fans freut sich Zeman auf die Weltmeisterschaftskämpfe in Wien: „Für mich ist es besonders spannend, die Spieltaktiken der Nationalteams herauszufinden. Lässt der Coach sie defensiv oder offensiv spielen, wie viele Verteidiger setzt er ein und so weiter.“ Das macht für sie die Faszination am „schnellsten Teamsport mit eigener Körperkraft“ aus: „Da kommen die besten Spieler der Welt. Es geht gar nicht darum, ob das die bestbezahlten Spieler der Welt sind. Solche Talente sieht man eben nicht alle Tage.“
  Für die kommende Saison hat sich Goalie und Capitals-Maskottchen Zeman noch einiges vorgenommen. Nach der Prüfung zur C-Trainerin lernt sie für die B-Trainer-Prüfung im nächsten Jahr und hat sich dafür einen guten Lehrmeister ausgesucht: Sie wird demnächst Jim Boni, dem Trainer der erfolgreichen Vienna Capitals, über die Schulter schauen. Ihr großer Traum ist nämlich der A-Trainer-Schein. „Damit darf man die Nationalmannschaft coachen“, sagt die 34-jährige Torhüterin des SKV Feuerwehr. „Für den Anfang wär ich mit dem Frauenteam auch zufrieden.“


EISHOCKEY-WM
Das Eis brennt!


Wir werden vielleicht nicht Weltmeister, aber der Eishockeyweltmeister wird bei uns. Dann nämlich, wenn am Sonntag, dem 15. Mai in der Wiener Stadthalle das Finalspiel der Eishockey-WM 2005 übers Eis geht. Bis dahin werden ab 30. April die besten Eishockeyspieler der Welt mit ihren Nationalteams in Innsbruck und Wien zwei Wochen lang um den Einzug ins Finale kämpfen. Da die – sonst stets zeitgleich mit der WM stattfindende – amerikanische Profiliga NHL streikbedingt abgesagt wurde, haben die Cracks dort keinerlei Verpflichtungen und können ihre Nationalteams unterstützen.
  Auskenner sprechen von der „bestbesetzten WM aller Zeiten“, Fans freuen sich auf Spielerstars wie Dany Heatley (Kanada), Mike Modano (USA), Jaromir Jagr (Tschechien) oder die Zwillingsbrüder Daniel und Hendrik Sedin (Schweden). Insgesamt 16 Länder nehmen an dieser WM teil, 150 Fernsehstationen übertragen das Großereignis weltweit, 320.000 Zuschauer sind in Tirol und der Hauptstadt live mit dabei. Langsam werden, so die Organisatoren, die Tickets knapp, ebenso wie die Hotelbetten in den beiden Austragungsstädten.
  Weil das Interesse an Eishockey so groß ist und es hierzulande keine entsprechenden Hallen gibt (Fassungsvermögen der Stadthalle: 9000 Zuschauer, üblich bei derartigen Veranstaltungen sind mehr als 10.000), dürfte diese Eishockey-WM die vorerst letzte in Wien gewesen sein. Womöglich baut man bei dem aktuellen Hype ja demnächst doch eine größere Eishalle. Ein Grund mehr, sich rasch noch um Tickets zu bemühen und mit Begriffen wie „Bodycheck“, „Powerplay“ oder „Penalty“ um sich zu werfen.

Eishockey-WM 2005 in Innsbruck und Wien (Stadthalle), Tickets: Tel. 0900/20 05 00, Stadthalle, Wien-Ticket-Pavillon bei der Oper und in allen Filialen der Erste Bank und Sparkassen. Infos: www.icehockey2005.com

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April 2005 © FALTER
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