Alles muss raus
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Alles muss raus
STADTSOMMER Doch, doch, der Sommer ist da – und mit ihm wieder so viele Möglichkeiten, seine Zeit im Freien zu verbringen. Der „Falter“ bringt einen kleinen Überblick, wo man heuer hingehen kann und sollte, um definitiv „out“ zu sein, draußen nämlich. JULIA ORTNER, THOMAS PRLIC´ und CHRISTOPHER WURMDOBLER

Falter 18   Originaltext aus Falter 18/05 vom 04.05.2005

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Jetzt gibt es also schon ein Buch über den Sommer im MuseumsQuartier, genauer über die – heuer mintgrün gefärbten – Sommermöbel der Architekten PPAG. Auch heuer werden sich wieder die Leute um die besten Sitz-, und Liegeplätze prügeln, und als man im MQ die Bänke zum Saisonauftakt übereinander gestapelt aufstellte, meldeten sich in der Falter-Redaktion viele empörte Anrufer: In den schattigen MQ-Höhlen könne man sich ja gar nicht sonnen. Genau, Sommer ist es – zumindest schon tageweise. Das Wiener Leben spielt sich also wieder draußen ab, und hier kommen die besten Plätze der Stadt unter freiem Himmel:

Drinnen draußen

Der größte Vorteil am MuseumsQuartier-Sommer? Keine Autos. In den Höfen bei der Kunst ist man quasi drinnen draußen – ohne Gestank, Verkehrslärm und die Angst, dem Nachwuchs könne Gefahr drohen. Die diversen Lokale haben gastgärtnerisch einiges zu bieten. Wer fürs Sitzen kein Geld ausgeben will, nimmt am Mintmöbel Platz. Waren hier in den vergangenen Saisonen vor allem die Leser in der Überzahl, liegt man heuer mit dem iPod im Trend. Obwohl man den hier ja eigentlich gar nicht braucht. Sams-, sonn- und feiertags ab zwölf Uhr stehen nämlich in der designten DJ-Hütte FM4-DJs hinter den Plattentellern und beschallen den Haupthof mit „Weekend Sounds“. Allerdings nur bei schönem Wetter, eigentlich logisch. Ab 9. Mai gibt’s hier im Haupthof übrigens auch die Installation „Schleifen“, ein aufblasbares, rotes Tunnelobjekt in Form einer Schleife, das sich das Tanzquartier vom Ballett Frankfurt ausgeborgt hat. Verkehrsberuhigt geht’s auch auf der Summer Stage (9., Roßauer Lände, bei der Roßauer Brücke, Mo–Sa 17–1, So 15–1 Uhr, www.summerstage.co.at) zu, sieht man mal vom Radverkehr ab. Am Donaukanal gibt’s wieder die bewährte Mischung aus Gastronomie, Freiluftkunst, Sport (Beach Volleyball, Boule) und diversen Veranstaltungen, Konzerten, Lesungen und Promi-Aufläufen.
Ebenfalls wieder da ist die Tribüne Krieau (2., Prater, Mo–Sa 17–1, So 10–1 Uhr, www.tribuenekrieau.at) ebenfalls ein sehr geschützter Bereich mit einigermaßen schlechtem Anschluss ans öffentliche Verkehrsnetz. Aber trotzdem ist es natürlich schön gelegen, ideal für Familien und in Verbindung mit einer Pratertour zu Fuß oder mit dem Radl. Ab Juni ist jeden Sonntag von zehn Uhr an ein Jazzbrunch geplant, derzeit zeigt man die Liveübertragungen der Eishockey-WM.
Übertragen wird am Rathausplatz auch einiges, anderes gibt’s live. Zum Beispiel am 7. Mai die Eröffnung der Wiener Festwochen (21 Uhr, Eintritt frei), am 21. Mai wird hier der Life Ball über eine Red-Ribbon-Bühne gehen. Ab 2. Juli findet (bis 9. September) vorm Rathaus wieder das musikalisch-kulinarische Filmfestival statt, das sich unzählige Touristen, aber auch ein paar Einheimische nicht entgehen lassen werden.

Im Clubgarten

Als Café Bratislava und Star/o/mat hat sich die stets etwas improvisiert wirkende Künstlerhauspassage (1., Karlspl. 5) in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten abendlichen Outdoorhangouts entwickelt. Parallel zur Künstlerhausausstellung Re:Modern läuft das Programm in der Passagengalerie heuer unter dem schicken Titel Cabinet Voltage. Den Start unter dem neuen Namen macht am 13. Mai der Club Icke Micke, nach einem Intermezzo mit dem Fluc im Exil soll es dann durchgehend bis Mitte September täglich Programm geben. Wobei nicht nur Partys, sondern auch Performances, experimentelle Soundproduktionen und diverse andere Veranstaltungen vorgesehen sind. Die Stufen vor dem Künstlerhaus werden jedenfalls auch diesen Sommer wieder the place to be sein. Wetten, dass?
Okay, die Künstlerhauspassage war in den vergangenen Jahren wirklich der angesagteste Sommerhangout. Was bei dem ganzen Hype leicht übersehen wird, ist, dass man im gleich nebenan gelegenen Schanigarten des Club-U vorm Otto-Wagner-Pavillon (1., Karlspl., Tel. 505 99 04, Clubbetrieb tägl. 21–4 Uhr) fast genauso fein draußen sitzen kann. Für alle, die es gerne etwas weniger improvisiert haben, gibt es hier sogar richtige Sesseln und Tische. Im verschrobenen Keller unterm Pavillon, der tagsüber als Café betrieben wird, findet auch in der warmen Jahreszeit ein genremäßig breit angelegtes Clubprogramm statt. Seit Anfang Mai können sich Hungrige im Clubschanigarten außerdem begrillen lassen. Ganz sommermäßig eben.
Das Fluc und die Fluc-Mensa (Infos: www.fluc.at) gibt’s nicht mehr, womit es auch mit der netten Heraußensitzerei am Praterstern vorbei ist. Derzeit sind die Flucler mit ihrem Lokal auf Exil-Tour, nach dem aktuellen Temporärquartier im Planetarium geht es weiter ins dietheater/Konzerthaus, und dann wieder für kurze Zeit in die Künstlerhauspassage. Abgesehen vom Passagenaufenthalt haben die Betreiber vorläufig keine Schanigartenaktivitäten geplant. Nachdem die Flucler aber als gute Improvisateure bekannt sind, sollte man bei den kommenden Stationen im Sommer ruhig immer wieder einmal nach Freiluftsitzgelegenheiten rund um das wandernde Lokal Ausschau halten.
Den Sommer über buhlen im Hof des Wuk’schen Ziegelbaus gleich zwei Lokale ums Publikum: Das Statt-Beisl und die Bar, die aus dem Foyer ins Freie übersiedelt. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren wird es im Wuk (9., Währinger Str. 59, Tel. 401 21-0, www.wuk.at) den Sommer über kein tägliches Clubprogramm geben, der Garten- bzw. Hofbetrieb findet heuer aber natürlich trotzdem statt. Wobei im Wuk-Hof nur bis 23 Uhr Musik gespielt werden darf.
Seit jeher sitzen an lauen Sommerabenden Hundertschaften junger Menschen vor dem Flex (1., Donaukanal Abgang Augartenbrücke, Tel. 533 75 25, Mo-So ab 18 Uhr, www.flex.at) am Ufer des Donaukanals (es gibt sogar Leute, die das auch im Winter gemütlich finden). Vergangenes Jahr hat der Club im Freien kräftig ausgebaut, sich ein Vordach geleistet, einen Eisstand und eine Würstlbude hingestellt. Voraussichtlich ab Juni soll hier wieder geöffnet sein, im Freien zu Sitzen ist aber auch jetzt schon wieder möglich. Ob es auch wieder einen Eisstand geben wird, steht zwar noch nicht fest, aber so oder so ist die Minifreizeitmeile vorm Flex eine feine Donaukanaluferbelebung.
Trotz seiner Größe ist es gar nicht so leicht, an lauen Abenden im Gastgarten des Volksgartenpavillons (1., Volksgarten, Tel. 532 09 07, Di, Do, Fr, So ab 20 Uhr, http://pavillon.volksgarten.at) einen Platz zu ergattern. Es gibt eben weitaus unangenehmere Dinge, als an einem der Tische mit den orange leuchtenden Lampen bei DJ-Musik einen kühlen Cocktail zu schlürfen. Das Musikprogramm ist heuer wie jedes Jahr bunt gemixt, den Dienstag bestreitet traditionell das Techno-Café, donnerstags macht die Agentur blankTON Musik, die Freitage bespielen als „Pavillon Pool“ verschiedene Labels und Veranstalter, und sonntags ist DJ John Megill für entspannte Sounds zuständig. Neben dem Sitz- und Stehclubben kann man beim „Voga“ außerdem Pétanque spielen. Und mit ein paar Freunden ein paar Kugeln zu schupfen ist garantiert auch kein wahnsinnig stressiger Zeitvertreib.

Reif für die Insel

Spätestens mit der ersten Maisonne besiedelten auch schon wieder Leute mit Bewegungsdrang und Sonnenhungrige die Donauinsel. Dass man hier zwanzig Kilometer auf Rollen und Rädern zurücklegen kann, hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die Strände an der neuen Donau und die Baderei in derselben wirklich okay sind und dass es diverse FKK-Gebiete gibt, ebenfalls. Wer’s lieber noch eine Spur ursprünglicher hat, badet in der Lobau, hat aber eine kompliziertere Anreise. Und wer ist bereits zu einem Grillfest (rechtzeitig reservieren übers Grilltelefon Tel. 4000-964 96) auf der Insel eingeladen? Wirklich urban wird das Sommergefühl dann auf der Copa Kagrana: Ballermanngefühle vor der Hochhauskulisse – das klingt jetzt schlimmer, als es tatsächlich ist, ausprobieren zahlt sich aus.
Apropos Badengehen: Am 1. Mai hat auch in den städtischen Bädern die Freibadsaison begonnen. Ohne Preiserhöhung, wie man anerkennend mitteilen muss. Tageskarten kosten vier Euro, Nachmittagskarten (ab 12 Uhr, ohne Kästchen) 2,50 Euro. Wer Freibädern noch etwas skeptisch gegenübersteht, dem sei der Klassiker Gänsehäufel (22., Moissig. 21) ans Herz gelegt. Das Bad an der Alten Donau ist riesig, und selbst am heißesten Tag des Jahres findet man hier noch ein gutes Plätzchen. Falter-Leser sind vor allem im FKK-Bereich auf der sogenannten Urania-Insel anzutreffen.


BEST OF GASTGÄRTEN
Von lauschig bis bobo

(Links führen zu Wien, wie es isst...)

Café Korb
1., Brandstätte 9, Tel. 533 72 15, Mo–Sa 8–24, So 11–21 Uhr.
Im Gastgarten mit Blick auf die Tuchlauben kommen Journaille, Theater- und Kunstmenschen sowie Touristen friedlich beim Kaffee zusammen. Gemütlich, auch im Hochsommer angenehm kühl – und die charmantesten Kellner der Stadt. Gleich vis-a-vis im Gastgarten des Delia’s sitzen übrigens immer etwas mehr Touristen und Schickimickis bei ihrem Latte Macchiato.

Kleines Café
1., Franziskanerpl. 3, 10–2 Uhr.
Vor dem Kleinen Café zu sitzen hat so was von Montmartre, ein beschaulicher Hangout abseits des Touristenstroms.

Café Prückel
1., Stubenring 24, Tel. 512 61 15, tgl. 8.30–22 Uhr, www.prueckel.at
Weitläufiger Schanigarten mit Blick auf den Ring, auffallend elegantes Gartenmobiliar.

Schweizerhaus
2., Straße-des-Ersten-Mai 116 (Prater), Tel. 728 01 52, Mo–Fr 11–23, Sa, So 10–23 Uhr, www.schweizerhaus.at
Der Biertrink-und-deftiges-Essen-Klassiker im Prater – für wirklich alle.

Awawa im Augarten
2., Obere Augartenstr. 1a, Tel. 214 46 95, tgl. 9–20.30 Uhr.
Besonders beliebt bei „Mütterrudeln“. Heißt „Awawa“ „Augarten“ in Babysprache?

Kunsthallencafé
4., Karlsplatz, Tel. 0664/172 74 39, tgl. 10–2 Uhr.
Hangout für Jungarchitekten und Kunstszenemenschen, jetzt neu mit Loungemöbeln.

Café Do An
4., Naschmarkt, Stand 412, Tel. 585 82 53, Mo–Sa 8–22 Uhr.
Massives Bobo-Aufkommen im Gastgarten, der immer aus allen Nähten platzt – aber es ist halt so schick hier.

Schlossquadrat
5., Schloßgasse 21, Tel. 544 07 67, tägl. 18–1.30 Uhr, www.schlossquadrat.at
Gastgartenansammlung von Schlossgasse 21, Cuadro und Silberwirt. Sitzen unter alten Bäumen, gutes Bier, Beisl- und internationale Küche.

Rüdigerhof
5., Hamburgerstraße 20, Tel. 586 31 38, tägl. 10–2 Uhr.
Klassiker an der Wienzeile, sitzen bis spät in die Nacht. Jetzt auch mit Radweganschluss.

Zu den 2 Lieseln
7., Burggasse 63, Tel. 523 32 82, Mo–Sa 10–22 Uhr.
Schnitzelklassiker mit einem großartigen Garten im Hof, alten Kastanien.

Weinstube Josefstadt
8., Piaristengasse 27, Tel. 406 46 28, tägl. 16–23 Uhr.
Beliebtester Stadtheuriger in der Josefstadt, nicht einfach zu finden. Heurigenbuffet-Variationen.

Café Hummel
8., Josefstädter Straße 66, Tel. 405 53 14, Mo–Sa 7–0.30, So 8–0.30 Uhr, www.cafehummel.at
Im Garten vor dem Hummel lässt es sich nicht nur gemütlich Zeitung lesen, sondern auch sehr gut J-Wagen beobachten.

Café Stein
9., Währinger Straße 6–8, Tel. 319 72 41, Mo–Sa 7–1, So 9–1 Uhr, www.cafe-stein.com
Frühstücken im Stein ist eine gute Sache, besonders angenehm sommers draußen.

Café Berg
9., Berggasse 8, Tel. 319 57 20, tgl. 10–1 Uhr, www.cafe-berg.at
Feine Draußensitz-Möglichkeit in einer ruhigen, lauschigen Gasse, dazu auch noch leckeres Essen.

Altes AKH
9., Alser Straße 4 (Uni-Campus), tägl. 9–2 Uhr.
Weitere Ansammlung von Gastgärten (Stiegl’s Alte Ambulanz etc.) im Alten AKH mit Bäumen, Bier und Grillagen.

Stomach
9., Seegasse 26, Tel. 310 20 99, Mi–Sa 16–24, So 10–22 Uhr.
Kein Geheimtipp mehr, der schönste Hof am Alsergrund.

Gasthaus zum Friedhof der Namenlosen
11., Albern 54, Tel. 769 39 71, Mo–Mi, Fr–So 8.30–21 Uhr.
Gastgarten vor den Toren der Stadt, Fisch essen unter Bäumen.

Schutzhaus Zukunft
15., Schmelz, Tel. 982 01 27, tägl. 9–23 Uhr.
Toller Name, toller Gastgarten für tausend Personen, über Wien und mitten im Kleingartenwahnsinn. Sehr beliebt.

rhiz
16., Lerchenfelder Gürtel, Stadtbahnbogen 37–38, Tel. 409 25 05, Mo–Sa 18–4, So 18–2 Uhr, www.rhiz.org
Das ist wohl die lässigste Draußensitz-Variante für Großstadtmenschen: am Gürtel sitzen, vorzugsweise beim rhiz, Spritzer trinken und Verkehr beobachten.

Villa Aurora
16., Wilhelminenstraße 237, Tel. 489 33 33, tägl. 10–24 Uhr.
Villa, Gartenhaus, eine „Arche“ und ein „Altwiener Bauernhof“ bilden das Setting für das schöne Ausflugsziel: Tische unter Bäumen, rustikale Küche, toller Blick hinunter auf die Stadt.

Steirerstöckl
18., Pötzleinsdorfer Straße 127, Tel. 440 49 43, Mi–So 11–24 Uhr, www.steirerstoeckl.at
Rustikales Exschutzhaus am Wienerwaldrand mit tollem Garten und Steiermark am Teller.

Hirt
19., Eisernenhandgasse 165, Tel. 318 96 41, Mi–Fr ab 15, Sa, So ab 12 Uhr.
Heuriger überm Kahlenbergdörfl mit schönem Ausblick.

Blaustern
19., Döblinger Gürtel 2, Tel. 369 65 64, Mo–Do 7–1, Fr 7–2, Sa 8–2 u. So 8–1 Uhr, www.blaustern.at
Einer der wenigen echt urbanen Gastgärten im 19., bei feinem, selbstgeröstetem Kaffee und Blick auf den Verkehr kommt man sich gar nicht vor wie in Döbling.

Kierlinger
19., Kahlenberger Straße 20, Tel. 370 22 64, tägl. 15.30–24 Uhr (wenn ausgsteckt is).
Ausgezeichneter Heuriger mit großem Gastgarten.

Birner
21., An der Oberen Alten Donau 47, Tel. 271 53 36, tägl. 9–22 Uhr (bei Schönwetter ).
Deftig-Legende an der Alten Donau, nett Essen am Wasser und unter Bäumen.

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Mai 2005 © FALTER
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