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| Machs doch selber! |
| HEIMWERKEN Frauen nehmen Reparaturen im Haus immer öfter selbst in die Hand, anstatt auf männliches Geschick zu vertrauen. Wies geht, lernen sie von Profis. Seit einiger Zeit gibt es in Wien Handwerkskurse für Frauen, vor kurzem hat in Meidling ein neues Werkstättenzentrum eröffnet. Auch Männer sind willkommen. MARTINA STEMMER |
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| Der Fliesenkleber muss an die Wand. Das klingt einfach, ist aber eine knifflige Sache. Das gibt selbst der Profi zu. Der muss ganz gleichmäßig verteilt werden, damit das alles schön gerade wird, gell, weil das schaut sonst nichts gleich, mahnt Kursleiter Josef Ofner. Eine Teilnehmerin will wissen, was man tun kann, wenn man plötzlich nicht mehr weiter weiß: Nimmt man den Kleber wieder runter und beginnt von neuem? Gute Frage. Die Antwort: Das müssen Sie halt so lange bearbeiten, bis es passt. Ah ja. Josef Ofner, seit gut dreißig Jahren Fliesenlegermeister, versucht im gerade eröffneten Kurszentrum Heimwerkerei in der Längenfeldgasse Laien sein Handwerk beizubringen. Auf die Frage, ob nach seiner Einschätzung jeder Teilnehmer nach diesen eineinhalb Tagen, die der Kurs dauert, selbstständig sein Badezimmer neu bekacheln kann, meint der Profi stirnrunzelnd: Es gibt sicher Leute, die beherrschen es nach zehn solchen Kursen immer noch nicht. Das ist irgendwie nicht die Antwort, die sich die Kursbesucher erhofft haben. Aber immerhin eine ehrliche. Ein solides Basiswissen erhalte man hier aber auf jeden Fall, fügt der Kursleiter dann auch schnell hinzu. Die Gruppe der Lernwilligen ist diesmal klein – eine Frau, zwei Männer. Alle haben akut eine Fliesenaufgabenstellung zu Hause und wollen schnell noch lernen, wie man sich dieser richtig stellt. Die meisten Kurse in der Heimwerkerei sind geblockt, man muss also ein Wochenende opfern. Und außerdem dazu bereit sein, Geld auszugeben. 180 Euro kostet etwa das Fliesenlegenlernen. An einem Wochenende lerne man mehr als in wöchentlich stattfindenden Kursen, sind die beiden Heimwerkerei-Gründer Stefan Prilhofer und Alexander Litschauer überzeugt. Prilhofer war einige Jahre Marketingleiter beim Radiosender FM4 und ist der Verkaufsmann des Duos, Litschauer ist gelernter Ofenbauer, demnach der handwerkliche Part. WU-Absolvent Prilhofer fliest selbst das ganze Wochenende mit, bearbeitet mit den anderen eifrig einen Badezimmernachbau, den man zu diesem Zweck in der Heimwerkerei aufgestellt hat. Die Truppe hat richtig Spaß, was die Chef-Heimwerker freut, denn zum Erfolg eines Kurses gehört auch ein Erlebnisfaktor. 45 verschiedene Kurse finden heuer noch statt. Das Angebot reicht vom feingliedrigen japanischen Papierfalten bis zum schwermetallenen Schweißen. Selbst Exotisches wie Korbflechten ist dabei. Prilhofer räumt ein, dass es besonders schwierig war, dafür eine kompetente Kursleitung zu finden, bezeichnenderweise fand sich eine Ergotherapeutin. Schließlich will man auch etwas für die Psychohygiene bieten: Es kann sehr heilsam sein, sich mal ein Wochenende mit was anderem als sonst zu beschäftigen. Besonders fördern will man weibliche Klientel, es soll bald Frauenkurse geben. Wobei Prilhofer betont, dass inhaltlich selbstverständlich dasselbe gelehrt werde. Es gehe darum, Frauen die Möglichkeit zu geben, in Ruhe ein Handwerk zu lernen, ohne dass ihnen Männer gleich das Werkzeug aus der Hand nehmen. Die Betreiber gehen davon aus, dass sich in der Heimwerkerei sowieso ein Frauenüberschuss ergäbe. Frauen sind viel eher bereit, sich von Fachleuten ein Handwerk beibringen zu lassen. Männer können schwer zugeben, dass sie etwas nicht können. Blöde Sache. Denn weniger männlicher Stolz bedeutet weniger männlichen Schmerz. Im Jahr verletzen sich in Österreich immerhin 21.100 Heimwerker so schwer, dass sie ins Spital eingeliefert werden müssen. Laut Studie des Instituts Sicher Leben sind 88 Prozent davon Männer. Anstatt also auf männliches Geschick zu vertrauen, greifen Frauen inzwischen lieber selber in die Werzeugkiste. Das haben auch die Marketingabteilungen der Baumärkte bemerkt. Ein Großteil ihrer Kundschaft sei weiblich, erzählt Monika Voglgruber, PR-Leiterin bei Baumax. Seit den Achtzigern werde diese Entwicklung bereits beobachtet. Laut Voglgruber hängt das mit der Zunahme von weiblichen Singlehaushalten zusammen und damit, dass Frauen heute weit weniger Berührungsängste mit klassischen Männerdomänen haben als früher. Baumax bietet seit drei Jahren gratis Frauenheimwerkerkurse an (siehe unten). Die Heimwerkerinnen, die diese Infoabende nutzen, besitzen durchwegs einschlägige Vorkenntnisse. Das trifft jedenfalls auf den Großteil jener Damen zu, die vor kurzem beim Kurs Kreative Wandgestaltung in der Filiale Wien-Floridsdorf aktiv dabei waren. Da wurden mit großem Selbstverständnis die Vor- und Nachteile von Dispersion, Kalk- und Leimfarbe diskutiert, die Schwierigkeiten der Untergrundanalyse erörtert und Erfahrungen in Sachen Wändeabschleifen ausgetauscht. Leiter André Karlik, seit 15 Jahren Maler und Mitarbeiter der Farbenabteilung, hatte Mühe, die vielen spezifischen Fragen der rund zwanzig Heimwerkerinnen zu beantworten. Im praktischen Teil der Veranstaltung führte Karlik dann verschiedene Wischtechniken und Wandverschönerungsmöglichkeiten vor. Schließlich kaufen, so der Kursleiter, die dafür notwendigen Produkte zu 99 Prozent Frauen. Ob solcher begeisterter Hobbybastlerinnen vergisst man zu leicht, dass viele nicht nur aus Spaß selbst werken, sondern oft einfach das Geld dafür fehlt, einen Fachmann zu beschäftigen. Für Eva Schröder, Direktorin der Volkshochschule Rudolfsheim-Fünfhaus, fanden jedenfalls deshalb die Handwerkskurse, die man zusammen mit Baumax vor ein paar Jahren angeboten hat, wenig Nachfrage und wurden demnach gestrichen. Schröder: Leute, die selber verfliesen, sich selber um Installationen und Elektrik kümmern, geben kein Geld für einen Kurs aus. Wofür hingegen andere Menschen gerne bereit sind, Geld auszugeben, verwundert dann doch ein bisschen. Franz Slama leitet die Werkstätte des Polycollege Stöbergasse und veranstaltet Sommerhandwerkskurse im Burgenland (siehe unten). Der Kurs, der laut Slama heuer am schnellsten ausgebucht war, trägt den lebensnahen Titel: Instandsetzung einfacher antiker Uhren. Wie vielen Teilnehmern wird dieses Problem wohl im Alltag begegnen? BASTEL-FERNSEHEN Heimverbesserer So viel steht fest: Tim Taylor hat seine besten Zeiten hinter sich. Die Sitcom Hör mal, wer da hämmert! lief jahrelang im Vorabendprogramm des ORF, praktisch in Endlosschleife. Dann hat ATVplus den ungeschickten Heimwerker-Showmaster und seinen streberhaften Assistenten Al Borland geerbt (Mo–Fr, 17.05 Uhr). Schwer vorstellbar, dass den Heimwerkerkönig nach der x-ten Wiederholung noch irgendwer sehen will. Es nageln, schrauben und sägen aber nicht nur die beiden Witzbolde aus Detroit vor Fernsehpublikum. In den meisten Heimwerkersendungen wird allerdings tatsächlich gearbeitet und nicht nur so getan. Reality-TV eben. Auf Pro Sieben gibt es wochentags um 18 Uhr die Doku-Soap Do it yourself – S.O.S. Der Boss ist hier eine Frau. Sonya Kraus und ihr Handwerkerteam suchen Menschen heim, die unzufrieden mit ihrer Einrichtung sind und sich etwa einen neuen Kasten, ein neues Regal oder ein neues Bett wünschen. Und wo die Bande dann schon mal da ist, verschönert sie auch gleich den Rest der Wohnung. Die Kandidaten müssen mithelfen. Eines hat Sonya Kraus mit Tim Taylor gemeinsam: Am Ende entsteht der Eindruck, dass vor ihrem Zutun alles irgendwie besser war. Wer will schon selbst bemalte, mit Unterwäsche bekleidete Styropor-Schaufensterpuppen zur Dekoration im Schlafzimmer stehen haben? Die Do it yourself-Kandidaten strahlen am Ende trotzdem immer vor Freude. Neben diversen Geschmacksirrungen bietet die Sendung zwischendurch auch brauchbare Informationen, zum Beispiel, wie man ein Dachschrägen-Bücherregal bastelt oder sich ein Fußballtor für den Garten baut. Die Anleitungen zu den einzelnen Projekten kann man auf der Homepage des Senders herunterladen. Im Gegensatz dazu kommen derlei Tipps in der Heimwerker-Doku-Soap des österreichischen Privatsenders überhaupt nicht vor. Vielmehr geht es bei den Häuslbauern auf ATVplus darum, zu zeigen, wie mans besser nicht macht. Familien werden dabei gefilmt, wie sie sich beim Umbau oder Neubau des Eigenheims von einer Katastrophe in die nächste manövrieren. Hier reißt einer die falschen Wände ein oder bricht beim Dachausbau durch die Decke. Derzeit läuft die Doku über das Elend des gemeinen österreichischen Heimwerkers am Sonntagabend in Wiederholung (18.45 Uhr). Vom Sofa aus Amateurhandwerkern bei der Arbeit zusehen kann man auch donnerstags auf Kabel 1: Auf Dübel komm raus – die Heimwerker kommen (20.15 Uhr). Wie bei den Häuslbauern geht es auch hier in erster Linie darum, sich auf Kosten überforderter Hobbyhackler zu amüsieren. Gut lachen lässt sich diesen Sommer auch über Schrebergärtner – in diversen Garten-Doku-Formaten. Auf RTL 2 heißt eine Show Grüner wirds nicht (ab 12. Juli, 20.15 Uhr), auf NDR findet freitags um 18.15 Uhr ein Gartenduell statt und auf Vox heißt das Format originellerweise Ab ins Beet (dienstags, 20.15 Uhr). Bleibt noch die Frage, was wurde eigentlich aus dem Selfman? Dem Mann, der neun Jahre lang in der Baumarkt-Werbesendung im ORF kleine Heimwerkerstorys erzählte und sie stets mit den Worten Aber das ist eine andere Geschichte beendete? Im wirklichen Leben heißt er Andreas Steppan und spielt, seit der Selfman im Jahr 2000 abgesetzt wurde, Theater. Er wechselte von den Bretteln am Bau zu den Brettern, die die Welt bedeuten. Oder doch nicht? Am 6. Juli ist er auf der Donaubühne in Tulln in einem Sinatra-Musical zu sehen, im Herbst spielt er am Fritz-Remond-Theater in Frankfurt am Main in Gabriel Baryllis Stück Butterbrot, aber das ist eine andere Geschichte ... |
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