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| Feten mit Heten |
| INTERVIEW RoSy ist Programm: Sylvia Hintersonnleitner und Robert Koschier feiern mit ihren hetero-lesbisch-schwulen Partys sexuellen Aufklärungsunterricht. Führt das zu Toleranz über die feucht-fröhliche Nacht hinaus? Und warum empfängt sie der Bürgermeister nicht? Ein Gespräch. ALBERT KIRCHENGAST |
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| Ein rosa Eiffelturm aus Plüsch streckt sich bis zur Decke. Nuit française mit Gogos im Matrosendress. Die Visuals an den Wänden versetzen die Szenerie nach Paris. Französisch angehauchter House sorgt für volle Tanzflächen: Was unterscheidet diese ausgelassene Nacht von vielen anderen in der Grazer Postgarage? Daheim, in ihrer Wohnecke – rot gefärbte Wände und gemütliche Sofas – erzählen Sylvia Hintersonnleitner und Robert Koschier – die eine hetero-, der andere homosexuell – von ihren Ideen. Planen die nächste RoSy-Party. Im Alltag schlagen sie sich mit oft trivialen organisatorischen Fragen herum. Grübeln auch darüber, was einen gelungenen Abend eigentlich ausmacht. Sie meinen, ein gutes Publikum wäre entscheidend. Und kommen so auf etwas zu sprechen, das sie wohl mit wenigen Veranstaltern teilen: ihren ehrgeizigen Kampf, etwas zu realisieren, was längst selbstverständlich sein sollte – eine gemeinsame Feiernacht für Homos und Heten. Falter: Das Label metrosexuell ist Langzeit-Trendsetter in Lifestylemagazinen. Wirkt sich das auf die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Homosexuellen aus? Robert Koschier: Sie ist größer geworden in den letzten zehn Jahren, seit ich mich, mit 21, geoutet habe – heute trauen sich das schon 17-Jährige. Solange man lustig, fesch, unterhaltsam ist und nicht die eigenen Kinder betroffen sind ... die Leute glauben immer noch, Homosexuelle sind abnormal. Sylvia Hintersonnleitner: Auf irgendeine Art muss man mit solchen Dingen ja zurechtkommen. Und so soll es wenigstens unterhaltsam und profitabel sein. Gesellschaftlicher Alltag ist für homosexuelle Paare demnach nur Illusion? Robert Koschier: Sieht man in Graz homosexuelle Pärchen Hand in Hand gehen? Mein Partner hat sich das gar nicht getraut. Mir sind dumme Blicke egal. Aber es kann schon vorkommen, dass mir ein junges Mädchen ihr scheiß Schwulen! nachbrüllt. Schaut man sich etwa die diesjährige Life-Ball-Berichterstattung des ORF an, sieht man großteils nur heterosexuelle Paare! Sylvia Hintersonnleitner: Es geht nicht nur ums Küssen, sondern um elementare Dinge – wie beispielsweise soziale Absicherung und gesetzliche Anerkennung der Beziehung –, die endlich geregelt werden müssen. Oder dass im Krankenhaus dem Partner ein Recht auf Auskunft eingeräumt wird. Euer Verein RoSy will die Kommunikation zwischen Hetero- und Homosexuellen fördern, wie ihr es auf der Homepage formuliert. Und Partys dienen als Katalysator – wie soll das funktionieren? Sylvia Hintersonnleitner: Die Idee ist einfach: Wir machen gemeinsames Feiern möglich. Etwa ein Viertel unserer Gäste ist heterosexuell. Die sollen sehen, dass es okay ist, wenn sich Lesben oder Schwule küssen, dass das auch nur Austausch von Zärtlichkeit ist. Es sind Partys, die mehr bieten als Musik und Saufen. Wir wollen gute Stimmung erzeugen durch auf das Partymotto abgestimmte Elemente. Und mittlerweile treten Organisationen in Kontakt mit uns, weil sie durch unseren Erfolg aufmerksam geworden sind. Robert Koschier: Außerdem werden die Partys in den Veranstaltungskalendern der Stadt als schwul-lesbisch beworben; unsere Plakate und Flyer sind über die Stadt verteilt – damit muss man hier jetzt leben. Zu eurer Motivation: Ihr habt im Oktober 2003 – mangels guter Szene-Events – beschlossen, selbst etwas zu organisieren? Robert Koschier: Ja. Es gibt in Graz nur Lokale mit schmuddeliger Einrichtung und Kommerzmusik, nichts, wo ich mich wohl fühle. Sylvia Hintersonnleitner: Für mich ist das Fortgehen mit Schwulen einfach angenehm, ich kann ausgelassen sein, ohne dabei dumm angeschaut zu werden. Wie hat man dann auf eure Anfragen zu Sponsoring reagiert? Sylvia Hintersonnleitner: Die Antwort vom Mobiltelefonbetreiber A1: Nein, können wir nicht tun – wir haben gesellschaftliche Verpflichtungen, ist typisch. Uns unterstützen eher kleine Firmen und Freunde aus der Szene. Die ist aber gespalten. Vor dem Bang (Szenelokal, Anm. d. Red.) dürfen wir unsere Plakate auch nicht mehr aufhängen! Robert Koschier: Mit Politikern ins Gespräch zu kommen war unmöglich – wir ärgern uns heute noch über die breite Ablehnung. Mit Ausnahme der Grünen. Beispielsweise haben wir im Sekretariat des Bürgermeisters das Konzept für unsere Partys hinterlegt; nachdem sich keiner gemeldet hat, sind wir erneut hingegangen. Die Sekretärin hat nur gesagt, es täte dem Bürgermeister leid, aber diese Veranstaltung könne er mit seinem Glauben nicht vereinbaren! Ich war noch einmal dort, und man hat mir gesagt, mein Termin wäre schon gestern gewesen – Punkt. Ich habe mich im Termin aber sicher nicht geirrt! Der Kontakt mit Homosexuellen scheint immer noch von Klischees geprägt. Gibt es nun das typisch homosexuelle Verhalten? Robert Koschier: Aus eigener Erfahrung: Schwule und Lesben müssen sich ein dickes Fell zulegen während ihres Coming-outs, um zu sich selbst stehen zu können. Das Gefühl Ihr könnt mich alle hat jeder von uns. Dann wird eine Art Maskerade zum Überlebensmechanismus; einfach um sich zu schützen. Unabhängig von sexueller Neigung urbane Infrastruktur problemlos nutzen zu können, hat viel mit dem Begriff des Städtischen zu tun ... Sylvia Hintersonnleitner: Heterosexuelle können überall und viel leichter jemanden treffen. Homos eben hauptsächlich beim Ausgehen in ihren Lokalen. Ich glaube, dass sie das Recht darauf haben, sich in angemessenem Rahmen näher zu kommen. Robert Koschier: Ich fühle mich vonseiten der Politik überhaupt nicht vertreten! q SCHWULENLOKALE Tote Hose? Das Internet saugt die Grazer Schwulenlokale leer. Und auf ein Bier geht man auch lieber in innovativere normale Bars. Kitsch und Prolocharme locken nicht mehr ins Szenenachtleben. Es scheint, als fehlte dem eingeschworenen Beislnetzwerk der frische Wind und Mut zum Querdenken. Bieten diese Bars nichts mehr außer vordergründigem Anderssein? Besuch in der Schwulenszene. Barcelona Harrys Bar mit Patent auf empfehlenswerten original Hauskaffee. Latino-Exotik und ein netter Wirt im vielleicht ältesten Schwulenlokal Österreichs. Im August wird renoviert, dann gibt’s morgendliche Snackküche! Reitschulgasse 20, 8010 Graz Gaykino-Gayshop Das außen unauffällige Gaykino nutzen Homosexuelle gerne für einen Abstecher in der Mittagspause. Breites Sortiment an Pornos für Homos und Heteros. Bindergasse 8, 8010 Graz First Act Die Bar mit Achtzigerjahrecharme schließt. Zum Schluss gibt es am 25.6. ein Fest mit Gogos. Jakoministraße 34, 8010 Graz Stargayte Durch weniger Cliquen-Atmosphäre bietet die Disco niederschwelligen Szene-Zugang. Auch Lesben tanzen hier zu Disco. Keesgasse 3, 8010 Graz Pepis Clubbeisl Chef Pepi sammelt Autogramme von seinen mitunter prominenten Gästen und beklebt damit die Wände. Wenn man Legende Pepi nicht passt, muss man den Club verlassen. Meist passiert das Frauen. Griesgasse 36, 8020 Graz Murnockerl Schön kitschig – aber atmosphärisch stimmt’s: Lavalampe, Sternenhimmel, Seidenpolsterung. Warum klingt es aus der Mp3-Box bei 3000 Titeln nicht pfiffiger? Dafür ist Chef Franz gut gelaunt. Schönaugasse 22, 8010 Graz Contact Um die ausladende, U-förmige Bar dominiert rot-rosa-blauer Confettiflair. Wahl des boy of the month mit Cocktails zum halben Preis. Lendplatz 27, 8020 Graz Bang Ein skurriles Wiener Kaffee als gesitteter Ausgleich zum Darkroom? Das Discofieber beginnt nach 14 Jahren zu erlahmen. Dreihackengasse 4, 8020 Graz ALBERT KIRCHENGAST, DONJA NOORMOFIDI |
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