Liebe Leserin, lieber Leser!
Die ersten Babys mit künstlich veränderten Genen kommen auf die
Welt, zwei von ihnen haben dank Eizellenmix drei Eltern; im
Rückenmark von erwachsenen Mäusen werden so genannte
Superstammzellen entdeckt, die zu jeglichen im Organismus
vorkommenden Zellen ausreifen können; Frischverstorbenen werden
"noch lebende" Nervenzellen entnommen, die Alzheimer stoppen sollen.
Drei Meldungen aus den USA aus den ersten Maitagen, das Land der
unbegrenzten Möglichkeiten macht seinem Namen mal wieder alle Ehre.
Fast täglich spuckt der biomedizinische Newsticker Neuigkeiten
aus, die man vor einigen Jahren noch ins Reich der Träume oder ins
Gruselkabinett verwiesen hätte. Was im Einzelnen an den Meldungen
dran ist und was daraus folgt, steht freilich auf einem anderen
Blatt.
Gleichwohl: Die biomedizinische Revolution ist in vollem Gange,
verkünden Gynäkologen und Humangenetiker, die sich gerne als
Vertreter einer neuen Leitwissenschaft sehen. Neue Hirne und neue
Herzen, gesunde Babys, glückliche Eltern und nützliche Tote -
willkommen in der schönen neuen Medizin.
Mit der Mach- bzw. Vorhersagbarkeit erlangt die Wissenschaft eine
nie da gewesene Definitionsmacht über Gesundheit und Krankheit.
Dieses Gemenge aus Verheißung und bedrohlicher Vision schreit nach
gesetzlichen Regelungen. Gerade hat der deutsche Kanzler Schröder
einen "nationalen Ethikrat" einberufen, auch in Österreich soll nun
eine Ethikkomission eingesetzt werden.
heureka hat deren mutmaßlichen Vorsitzenden, den Wiener
Gynäkologen Johannes Huber, sowie die Ethik-Expertinnen Herlinde
Pauer-Studer und Ina Wagner gefragt,
was sie auf den Themenkatalog
setzen würden. Soll man einer Wienerin erlauben, mit ihrer Freundin
ein Kind zu haben? Nina Horaczek ist
diesem Fall nachgegangen. Dass
Kinderwunsch und Wunschkind zwei grundverschiedene Dinge sind, zeigt
auch Birgit Dalheimer in ihrem
Beitrag über Designerbabys. Wie eng
die permanenten Grenzverschiebungen im Bereich von Leben und Tod
zusammenhängen, weist Ulrike Baureithel in ihrem
Essay über die
Sterbehilfe nach. So wenig wir über die Zukunft wissen, so
lückenhaft ist unsere Kenntnis der Vergangenheit der Medizin. Sagt
Michael Hubenstorf, der noch heuer eine Professur für
Medizingeschichte in Wien antreten wird und den Alltag der
NS-Medizin erforschen will.
Die Medizin von morgen wird aber nicht allein durch pränatale
Implantationsdiagnostik und Stammzellen (siehe das
Glossar)
geprägt. Und dies nicht nur, weil Gallenblasen nun vermehrt von
Robotern und weniger von Chirurgen aus Fleisch und Blut entfernt
werden, wie
Robert Czepel und Franz Gutsch berichten.
Virtuelle
Selbsthilfegruppen und Internetportale machen aus dem Objekt Patient
einen vollwertigen Partner, dessen Bedürfnisse Ärzte ernster nehmen
müssen. Zum Beispiel die des Schriftstellers Daniel Kehlmann, der
seit Beginn dieses Jahres mit seiner
heureka-Kolumne science@fiction
seine eigene Sicht der Wissenschaft entwickelt. Ob Allergiker oder
nicht - gleich lesen!
Oliver Hochadel und Klaus Taschwer
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