Buchtipps
 
Wissenschaft stört Essen


Udo Pollmer, Andrea Fock, Ulrike Gonder, Karin Haug: Prost Mahlzeit! Krank durch gesunde Ernährung.
Köln 2001 (Kiepenheuer & Witsch).


Udo Pollmer, Susanne Wasmuth: Lexikon der populären Ernährungsirrtümer. Missverständnisse, Fehlinterpretationen und Halbwahrheiten.
Frankfurt/Main 2000 (Eichborn).

       
Entzauberer der Kochkunst


Hervé This-Benckhard: Rätsel der Kochkunst. Naturwissenschaftlich erklärt.
Berlin at al 1996 (Springer Verlag).


Hervé This-Benckhard: Kulinarische Geheimnisse. 55 Rezepte - naturwissenschaftlich erklärt.
Berlin at al 1998 (Springer Verlag).

(Taschenbuchausgaben gibt es im Piper-Verlag)
       
Lektüreleckerbissen? Über Musik reden, ist wie ein gemaltes Mittagessen, sagt man. Und über Essen schreiben? Kann ohne literarische Geschmacksverstärker leicht fad munden. Der Aufsatzband "Essen und Lebensqualität" versucht einen gemeinsamen Forschungs-Nenner für die Kultur- und die Naturwissenschaften zu finden. Der hohe Anspruch der Interdisziplinarität wird nicht eingelöst, zu inkompatibel sind die Herangehensweisen, zu sehr schmoren die Autoren im eigenen Saft.
Andererseits: Das Innenleben der Bundeszentrale für Fleischforschung und die Essensdarstellungen im modernen Tanz, die gesundheitsfördernde Wirkung ungesättigter Fettsäuren und die Verdauungsprobleme Hegels zwischen zwei Buchdeckeln zu finden, ist fast schon wieder pikant.


Gerhard Neumann et al. (Hg.): Essen und Lebensqualität. Natur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven.
Frankfurt/New York 2001 (Campus). 338 S., öS 391,–/EUR 27,61

       
Soziologie des Hamburgers. Dass es schlecht um die Welt bestellt ist, wussten wir. Dass dies hauptsächlich auf "Das Imperium der Rinder" zurückzuführen ist, führt uns Jeremy Rifkin in seinem neu aufgelegten "Klassiker" mit alarmierenden Statistiken vor. Die Viehbestände explodieren, riesige Flächen versteppen, Getreide wird vom Nahrungs- zum Futtermittel umgewidmet, durch vermehrten Fleischverzehr steigen Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark an. Ganz zu schweigen vom Leidensweg der Rinder zwischen Hochzüchtung, Tiertransport und Schlachthof.
Wie immer beleuchtet Globalisierungskritiker Rifkin die Missstände in grellstem Licht und mischt apokalyptische Untertöne mit unter. Die Botschaft kommt an, der Bote nervt inzwischen einigermaßen.


Jeremy Rifkin: Das Imperium der Rinder. Der Wahnsinn der Fleischindustrie.
Frankfurt/New York 2001 (Campus). 281 S., öS 261,–/EUR 18,42
       
Lust aus dem Garten. Als anregender erweisen sich die "Pflanzen der Liebe", dank der opulenten Illustrierung liest/isst auch das Auge mit. Der Ethnopharmakologe Christian Rätsch verfolgt die Verwendung von Aphrodisiaka bis zu den Neandertalern zurück und beschreibt nicht nur die bekannten Pflanzen wie Alraune, Ginseng, Tollkirsche und Stechapfel, sondern berichtet auch über die erotisierende Wirkung verschiedener Gemüsepflanzen und Gewürze wie Tomate, Basilikum, Paprika und Chilipfeffer. Auch Genussmittel wie Kakao oder Vanille, ja selbst Nahrungszusätze wie Guarana können die Lust steigern. Zubereitungshinweise inklusive.


Christian Rätsch: Pflanzen der Liebe. Aphrodisiaka in Mythos, Geschichte und Gegenwart. Mit Rezepten und praktischen Anwendungen.
Aarau 2001 (AT Verlag). 208 S., öS 394,–/EUR 28,63
       
Es lebe das Risiko! Scheinbar sachlicher argumentieren Per Pinstrup-Andersen und Ebbe Schiøler. Die beiden Dänen wollen das Lagerdenken in der Debatte um gentechnisch veränderte Lebensmittel (GMO) überwinden. Am Ende sitzen aber wieder mal die Gentechnikkritiker, die Medien und eine allzu besorgte Öffentlichkeit auf der Anklagebank. Angstmache und Fehlinformationen gefährdeten das Potenzial der GMOs, vor allem die Länder der Dritten Welt könnten darauf aber nicht verzichten. "Der Preis der Sattheit" ist eine gewisse Risikobereitschaft, Freisetzungen von GMOs ist aktive Entwicklungshilfe. O.H./P.I.


Per Pinstrup-Andersen und Ebbe Schiøler: Der Preis der Sattheit. Gentechnisch veränderte Lebensmittel.
Aus dem Englischen von Susanna Grabmayr und Marie-Therese Pitner. Wien/New York 2001 (Springer). 204 S., öS 275,–/EUR 19,95