- AAM
- Angeborener auslösender Mechanismus: von KL erstmals erklärter Mechanismus des Nervensystems, der bestimmte Reize aus der Umwelt als "Auslöser" wahrnimmt und darauf reagiert.
Prägung -
Aggression - Verhaltensweise, mit der Lebewesen andere Individuen der eigenen Art dazu zwingen, ihr Verhalten zu ändern, z.B. den Futterplatz zu verlassen. Bei dieser intraspezifischen Aggressivität handelte es sich für KL um einen angeborenen Trieb im Dienst der
Arterhaltung. - Altenberg
- Ort an der Donau, rund 20 Kilometer nordwestlich von Wien. Die vom reichen Vater errichtete Villa samt dazugehörigem Park in A. war KLs Lebens- und Arbeitsmittelpunkt, außerdem zu Lebzeiten des Vaters auch Künstler- und Dichtertreffpunkt. Richard Engländer, ein Freund der Familie, verliebte sich in A. in KLs Tante Bertha (Spitzname Peter) und nannte sich von diesem Zeitpunkt an Peter A.
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Arterhaltung - Für die klassische
Ethologie, die KL mitbegründete, gleichsam das unmittelbare Ziel der Evolution: Alle Verhaltensweisen eines Lebewesens dienen der A. Diese Sicht wurde von der
Soziobiologie verworfen, die als Einheit der evolutionären Selektion das Individuum und nicht die Art begreift. -
Behaviourismus - Von KL zeitlebens scharf kritisierte Richtung der
Verhaltensforschung, deren Vertreter Lebewesen als ausschließlich durch die Umwelt beeinflusst sehen. Für den B. ist jedes Tier und jeder Mensch bei seiner Geburt ein leeres Blatt, das erst durch Lernen mit Inhalt gefüllt wird. -
Böse, das sogenannte - Titel von KLs berühmter und heftig diskutierter Studie über
Aggression bei Tier und Mensch. Das 1963 erschienene Buch wurde zu einem Weltbestseller mit Millionenauflage. Mit dem Titel wollte KL zum Ausdruck bringen, dass die
Aggression auch ihre positiven Seiten hat bzw. wir mit ihr leben lernen müssen. - Bühler, Karl
- Psychologe und Sprachwissenschaftler, *27.5.1879 Meckesheim, 24.10.1963 Los Angeles. B. war bis zu seiner Vertreibung 1938 Professor in Wien und einflussreicher Lehrer von KL. Der junge Verhaltensforscher erhielt von B. wesentliche Impulse für seine tierpsychologischen Forschungen.
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Ethologie
Verhaltensforschung im engeren Sinne. Die von KL wesentlich geprägte E. untersucht, wie sich ein Verhalten im Laufe der Stammesgeschichte herausbildet und in welcher Weise es zur
Arterhaltung beiträgt. Die auf der Evolutionstheorie Charles Darwins beruhende E. steht im Widerspruch zum
Behaviourismus. - Evolutionäre Erkenntnistheorie
- Von KL wesentlich mitgeprägte Theorie, die davon ausgeht, dass alle Organismen über kognitive Leistungen verfügen und Leben insgesamt als Prozess des Erkenntnisgewinns beschrieben werden kann. Im Zentrum der E. E. stehen die stammesgeschichtlichen Grundlagen des menschlichen Denkens und Handelns.
- Ehrendoktorate
- Wissenschaftliche Auszeichnungen, von denen KL am Ende seines Lebens zehn Stück gesammelt hatte. Nach regulären Promotionen in Medizin und Zoologie an der Universität Wien erhielt er E. unter anderem an den Universitäten Leeds (1962), Yale (1967), Oxford (1968) und Chicago (1970). Dafür vorgeschlagen wurde KL oft von Humanpsychologen.
- Fische
- Die von KL mit am intensivsten beforschten Tiere, über die er aber nur wenig publizierte: Seine über Jahrzehnte gesammelten Beobachtungen an F. waren Gegenstand eines nicht mehr realisierten Buchprojekts. Einige dieser Studien wurden erst zehn Jahre nach seinem Tod von zwei Kollegen in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, was von der Wissenschaftszeitschrift "Nature" mit einer wiederentdeckten Skizze von Rembrandt, einem unbekannten Sonett von Shakespeare oder einer frühen Aufnahme der Beatles verglichen wurde.
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Frisch, Karl Ritter von - Zoologe, *20.11.1886 Wien, 12.6.1982 München, Professor in Graz und München; bahnbrechende Untersuchungen über Sinnesleistungen und Verhalten der Fische und Bienen. Erhielt 1973 gemeinsam mit KL und
Niko Tinbergen den
Nobelpreis für Medizin oder Physiologie. F. war mit 87 Jahren der älteste Nobelpreisträger überhaupt. - Graugans
- KLs "Wappentier", über das er mehr als ein halbes Jahrhundert lang forschte. Erste Kontakte mit der G. machte KL in der Kindheit durch die Lektüre von "Nils Holgersson". Erst in den Dreißigerjahren stellte er systematische Beobachtungen an - und auch nur deshalb, weil Graugänse billiger zu halten waren als Enten. Dann aber machte er in jeder Hinsicht prägende Erfahrungen mit der G.
Martina. Die Summe seiner G.-Beobachtungen erschien 1988, ein Jahr vor KLs Tod, unter dem Titel "Hier bin ich - wo bist du?". -
Heinroth, Oskar - Zoologe, *1.3.1871 Kastel, 31.5.1945 Berlin; Leiter des Aquariums im Berliner Zoo und der Vogelwarte Rossitten; wichtigster Lehrer von KL in Ornithologie und
Ethologie, als deren Urvater er gilt. - Holst, Erich von
- Physiologe und Zoologe, *28.11.1908 Riga, 25.5.1962 Hersching; arbeitete über die Physiologie des Zentralnervensystems und gab KL schon in den Dreißigerjahren wichtige Impulse für seine Forschungen. In den Fünfzigerjahren nominell Vorgesetzter von Lorenz als offizieller Direktor des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie in
Seewiesen. - Hochstetter, Ferdinand
- Anatom, *5.2.1861 Hruschau, 10.11.1954, Wien; als Vorstand der II. Anatomischen Lehrkanzel der Wiener Universität der vielleicht wichtigste Lehrer von KL, der bei ihm bis zu dessen Emeritierung zunächst als Demonstrator und dann als Assistent arbeitete.
- Instinkt
- Von KL in den Dreißigerjahren neu gedeuteter bzw. definierter Schlüsselbegriff der
Verhaltensforschung, der bis heute Gegenstand von Fachkontroversen ist. I. ist im Sinne von KL in etwa gleichbedeutend mit einem "angeborenen Programm", das jedem Organismus eine zweckdienliche Verhaltensreaktion auf unterschiedliche Umweltreize erlaubt (z.B. Fluchtreaktionen). - Kindchenschema
- Von KL 1940 erstmals beschriebene Gesichtsproportionen vor allem bei Kindern und Jungtieren, die wir als "herzig" empfinden und die - zumindest laut KL - den Brutpflegetrieb auslösen.
- Lachen
- Für KL in "Das sogenannte
Böse" eine der effektivsten Möglichkeiten zum Abbau von Aggression. Oder, wie KL es formulierte: "Zusammen lachen können ist nicht nur eine Voraussetzung für wahre Freundschaft, sondern beinahe schon ein erster Schritt zu ihrer Entstehung." KL war ein sehr humorvoller Mensch, der selbst Witze gesammelt und Limericks gedichtet hat. - Lernen
- Individuelle Erfahrung, die in der selektiven Aufnahme von Information besteht und eine Veränderung des Verhaltens bewirkt. Der Streit, ob Menschen und Tiere stärker durch L. geprägt werden oder ihre Verhaltensweisen vor allem angeboren sind, wie KL betonte, ist eine der klassischen Kontroversen in der
Verhaltensforschung. -
Martina - Name jener legendären Graugans, an der KL 1935 das Phänomen der Prägung entdeckte und erstmals ausführlich beschrieb. Die Geschichte dieser Entdeckung ist eine von KLs bewegendsten Tiergeschichten und machte M. nicht nur zu einem der berühmtesten Tiere der Ethologie, sondern trug im deutschsprachigen Raum auch maßgeblich zur Beliebtheit dieses Vornamens bei.
- Missing Link
- Fehlendes Zwischenglied. "Das lang gesuchte Zwischenglied zwischen dem Tier und dem wahrhaft humanen Menschen - sind wir", schrieb KL in "Das sogenannte
Böse". Dieses oft zitierte Bonmot unterstreicht seinen Glauben an eine weitere mögliche Höherentwicklung der Menschheit. - Motorrad
- KL war seit seinem Studium leidenschaftlicher Motorradfahrer und nahm sogar - als Werksfahrer für die britische Firma Triumph - an Rennen teil. Seine Leidenschaft für Motorräder wurde auch für die Begriffsbildung der
Ethologie bedeutsam: Schlüsselbegriffe des Fachs wie die Leerlaufhandlung oder die Übersprungsbewegung gehen auf KLs M.jahre zurück. -
Nobelpreis - Höchste wissenschaftliche Auszeichnung weltweit, die im Jahr 1973 an KL gemeinsam mit Karl von
Frisch und Niko
Tinbergen vergeben wurde, und zwar für Medizin oder Physiologie. Die drei Verhaltensforscher erhielten den Preis "für ihre Entdeckungen betreffend die Organisation und das Auslösen individueller und gesellschaftlicher Verhaltensmuster". -
Prägung - Von KL unter anderem an
Martina erklärtes Phänomen, das in einer zeitlich begrenzten Phase jene Lernvorgänge umfasst, deren Ergebnis quasi unwiderruflich ist. Für die Ausarbeitung dieses auf Oskar
Heinroth zurückgehenden Begriffs erhielt KL - zumindest laut der offiziellen Begründung - den
Nobelpreis. - Salomo
- Israelitischer König, der als Weisheitslehrer in die Geschichte einging und der Legende nach eine Ring besaß, der ihm die Kraft verlieh, die Sprache der Tiere zu verstehen. Als solcher Namensgeber für die englische Übersetzung ("King Solomon's Ring") von KLs populärstem Buch "Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen" (1948). Laut Bibel redete S. allerdings nicht mit, sondern zu den Tieren.
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Seewiesen - Forscherkolonie am Eßsee in Oberbayern, rund 50 km südlich von München. Der Name S., den die Forscher ihrem kleinen Dorf selbst gegeben haben, ist im Wesentlichen deckungsgleich mit dem Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, dem KL ab 1962 vorstand. S., das in den Sechziger- und Siebzigerjahren das internationale Mekka der
Ethologie war, wird Ende November 2003 zugesperrt. -
Soziobiologie - Heute dominante Richtung der
Verhaltensforschung, die das Sozialverhalten der Lebewesen auf evolutionstheoretischer und genetischer Basis zu erklären sucht. Im Gegensatz zur
Ethologie mit ihrem Konzept der
Arterhaltung unterstreicht die S. die Bedeutung des Individuums bzw. der Gene. - Tierpsychologie
- Ursprüngliche Bezeichnung für die
Ethologie in den Dreißiger- und Vierzigerjahren. Drückt aus, dass auch Tiere psychische Eigenschaften haben, die jenen des Menschen ähnlich sind. -
Tinbergen, Niko(laas) - niederländischer Zoologe und Ethologe, *15.4.1907 Den Haag, 21.12.1988 Oxford. Bester Freund von KL und einziger Wissenschaftler, mit dem KL je einen bedeutenden Artikel gemeinsam publizierte. Im Frühjahr 1937 mehrmonatiger Forschungsaufenthalt bei KL in Altenberg, 1942 bis 1944 von den Nazis in den Niederlanden interniert, ab 1951 Dozent und dann Professor in Oxford. Erhielt 1973 gemeinsam mit KL und Karl von
Frisch den
Nobelpreis für Medizin oder Physiologie. - Todsünden, die acht
- 1973 als Buch erschienenes und umstrittenes Pamphlet von KL, das bis heute mehr als eine halbe Million Mal verkauft wurde. "Die acht T. der zivilisierten Menschheit" (so der vollständige Titel) waren für KL die Übervölkerung, die Verwüstung des Lebensraums, der Wettlauf mit sich selbst, der Wärmetod des Gefühls, der genetische Verfall, das Abreißen der Tradition, die Indoktrinierbarkeit und die Kernwaffen.
- Triebstaumodell
- Heute als überholt geltendes Konzept von KL, wonach angestaute
Aggression regelmäßig und von selbst zur Befriedigung drängen würde. - Tschok
- Name der Dohle, an der KL jene Beobachtungen durchführte, die 1927 Gegenstand seiner ersten wissenschaftlichen Publikation waren.
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Verhaltensforschung - Studium des Verhaltens der Lebewesen einschließlich des Menschen. Die V. ist keine klar abgegrenzte Disziplin, sondern besteht aus verschiedenen Teildisziplinen und Richtungen, zu denen die klassische
Ethologie ebenso gehört wie der
Behaviourismus oder die
Soziobiologie. - Zoo
- KL war seit seiner Kindheit regelmäßiger Besucher des Tiergartens Schönbrunn und erhielt aus dem Zoo auch viele seiner Tiere. Bereits in den Dreißigerjahren und dann wieder nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte sich KL vergeblich um die Direktorenstelle in Schönbrunn.
© Nachdruck bzw. Textübernahme - auch auszugsweise -
nur mit schriftlicher Genehmigung der Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H. gestattet.
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