Liebe Leserin, lieber Leser! Dieser Tage geht es wieder los mit dem großen Lehren und Lernen an unseren Universitäten. In den vergangenen Wochen sind Österreichs hohe Schulen einmal mehr in die öffentliche Diskussion geraten: Eine OECD-Studie kritisierte, dass die heimische Akademikerquote zu niedrig sei. Und diejenigen, die studieren, bräuchten im Schnitt viel zu lange dafür. Hochschulforscher aus Shanghai wiederum hatten kurz zuvor ein Ranking von 500 Universitäten weltweit vorgelegt, bei dem jene aus Österreich eher unter "ferner liefen" abschnitten.
Steht es wirklich so schlecht um die heimischen Hochschulen? Wie viel fehlt bis zur Weltklasse? Und wie ist es um Qualität der universitären Lehre bestellt, die beim chinesischen Ranking gar nicht erst berücksichtigt wurde? "Heureka" hat nachgefragt. Zum Beispiel bei jenem Mann, der seit mehr als einem Jahrzehnt die Reform der Universitäten geplant, vorangetrieben und umgesetzt hat. Die von Sigurd Höllinger konzipierte Autonomie der Universitäten hat ihm selbst einen gehörigen Machtverlust beschert – was er sich immer gewünscht habe, wie er im Interview bekennt. Höllinger erzählt auch vom eigenen Studium und wie er damals bei einer Physikvorlesung Augenzeuge eines eher missglückten Einsatz neuer audiovisueller Medien wurde.
Das war 1958. Knapp ein halbes Jahrhundert später sind die neuen Medien dabei, die Lehre umzukrempeln. Allerdings nicht in Form der lange angekündigten Revolution, sondern Schritt für Schritt. Mittlerweile ist allen Beteiligten klar, dass die traditionelle Universität nicht im virtuellen Raum verschwinden wird und die Zukunft des Lehrens und Lernens in einer Kombination von Präsenz- und Onlinephasen liegt.
Die neuen Informationstechnologien haben indes auch Schattenseiten. Lange galt die Software Powerpoint als Segen, machte sie die elektronische Präsentation von Vorlesungen, Vorträgen und studentischen Referaten doch zur Kulturtechnik für jeden. Doch nun werden warnende Stimmen laut: Powerpoint verführe zu Simplifizierungen und flachem Denken.
Auch das als Tor zum weltweiten Wissen gefeierte Internet wird nicht immer in der gewünschten Weise genutzt. Statt selbst zu lesen und zu schreiben, bedienen sich Studierende zunehmend fremder Texte. In einer anonymen Umfrage bekannten 38 Prozent der US-Studenten, im zurückliegenden Jahr eine Hausarbeit im Copy&Paste-Verfahren angefertigt zu haben. Anders als in den USA gibt es hierzulande praktisch keine Sanktionen und Vorbeugemaßnahmen, was nahe legt, dass die Plagiatsquote in Österreich zumindest nicht niedriger liegt. Als Gegenmittel empfiehlt die Berliner Plagiarismusbekämpferin Debora Weber-Wulff intensivere Betreuung und Übungen in wissenschaftlichem Schreiben.
Das sind, vielleicht nicht ganz zufällig, auch die Rezepte gegen ein anderes Übel, das allerdings typisch für Österreich und in den USA die Ausnahme ist: Die Rede ist von der Betreuungsmisere bei den Diplomarbeiten. Wo fix angestellte Professoren Diplomanden abwimmeln oder aber bereits überlaufen sind, kommen für die Betreuung auch externe Lektoren in Frage. Doch gerade diese fühlen sich zunehmend aus den Universitäten ausgegrenzt. Es gäbe noch viele Lehren zu ziehen, aber eines sollte klar sein: Gute Lehre tut Not.
Klaus Taschwer, Oliver Hochadel und Stefan Löffler


