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EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser! Die kürzlich mit dem MacArthur Award ausgezeichnete Biotechnologin Angela Belcher widmet ihre 500.000 US-Dollar Preisgeld Wissenschaftsprojekten für Kinder. Josef Penninger träumt von einem Kinderlabor im Neubau des von ihm geführten Instituts für Molekulare Biotechnologie in Wien. Wissenschaftler reißen sich darum, in den Veranstaltungsreihen der Kinderuniversität vortragen zu dürfen. Die Wissenschaft hat die Zielgruppe der Vier- bis Zwölfjährigen entdeckt. Dem gerade in den Natur- und Ingenieurwissenschaften grassierenden Nachwuchsmangel, der sich durch den Geburtenrückgang noch zu verstärken droht, soll endlich gegengesteuert werden. Bei Teenagern anzusetzen gilt mittlerweile als zu spät. Pubertierende Jugendliche sind angeblich nicht mehr nachhaltig für das Abenteuer Forschung zu begeistern, wenn das Interesse nicht vorher schon angelegt ist.
Ein anderer Grund, warum Wissenschaftsvermittlung an Kinder in Österreich und Deutschland so angesagt ist wie noch nie, sind die Ergebnisse der internationalen Schulleistungsvergleiche. Mit der Pisa-Keule lassen sich öffentliche Gelder lockermachen. Auch bildungsbeflissene Eltern ziehen mit, decken ihre Sprösslinge mit bunten Wissensmagazinen und Sachbüchern ein oder buchen Kurse, wie sie am Wiener „math.space“ angeboten werden.

Zudem verbreitet sich die Ansicht, dass die Förderung gar nicht früh genug einsetzen könne. Das geht bis hin zur Angst, dass sich sogenannte Lernfenster schließen, wenn man seinem Kleinkind nicht im richtigen Moment das Richtige beibringe. Für aufgeschreckte Eltern gibt es nun Entwarnung: Im Interview mit „heureka“ erklärt die Kognitionspsychologin Elsbeth Stern, was an den Lernfenstern wirklich dran ist. In den Kindergärten dagegen komme die Förderung der kognitiven Fähigkeiten tatsächlich zu kurz. Die größten Versäumnisse aber gibt es laut Stern bei den Kindern aus den unteren sozialen Schichten.
Lern- und Bildungsforscher haben noch eine andere Gruppe von Verlierern ausfindig gemacht. Obwohl die Schulleistungen von Burschen seit langem im Sinken begriffen sind, hat sich die Förderung bislang auf die Mädchen konzentriert. Der Satz „Die Herausforderung beim Gender-Mainstreaming im Bildungsbereich wird künftig auch darin bestehen, männlichen Schülern gleiche Chancen zu schaffen“ in „heureka“ 4/02 hatte damals einige kritische Leserinnenbriefe zur Folge. Ob Österreich angesichts der erdrückenden Faktenlage nun bereit ist, die Benachteiligung der Buben an unseren Schulen wahrzunehmen und Abhilfe zu schaffen?

Hilfe nötig hatten auch wir Burschen in der „heureka“-Redaktion, alle drei noch kinderlos. Angegangen sind wir es mit Unterstützung von zwei Teilnehmerinnen des Wiener Universitätslehrgangs für Wissenschaftskommunikation „SciMedia“. Eva Obermüller und Sabina Auckenthaler haben aber nicht nur Ideen und Artikel mitgebracht, sondern auch ihre Töchter Flora und Isabella zum Fotoshooting und ihre Einblicke als Mütter in die überbordende Ratgeberliteratur für Eltern. Vieles, was da als wissenschaftlich abgesichert angepriesen wird, hat bei kritischer Betrachtung am eigenen Baby allenfalls Unterhaltungswert. Viel Spaß mit diesem Heft.
Test Oliver Hochadel, Klaus Taschwer und Stefan Löffler

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