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Das Wissenschaftsmagazin im Falter

Liebe Leserin, lieber Leser! Es scheint fast ein Naturgesetz: unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September, von Madrid und von London machten die Aktien der Sicherheitsindustrie jeweils einen ordentlichen Sprung nach oben. In Zeiten des Terrors - und des Kriegs dagegen - lohnen sich Investitionen in Biometrie, Verschlüsselungstechniken und Überwachungstechnologie. Über vier Milliarden investieren die USA allein in diesem Jahr in Sicherheit. Der Nachholbedarf der EU ist gewaltig: Abhilfe soll das 7. EU-Rahmenprogramm schaffen, das 2007 anläuft und einen eigenen Sicherheitsschwerpunkt haben wird.
Auch auf nationaler Ebene hat die Sicherheitsforschung Konjunktur. Ein im August vorgestelltes Forschungsprogramm - Laufzeit bis 2013 - ist mit 105 Millionen Euro dotiert. Durch das Programm sollen etwa neue Techniken in der Verbrechensbekämpfung entwickelt werden, so Vizekanzler Hubert Gorbach.

Technik allein sei zu wenig, behauptet hingegen der Kriminalsoziologe Wolfgang Stangl. Er plädiert für "Comprehensive Security", eine umfassende Sicherheitsstrategie. Dazu gehören etwa Prävention, aber auch sozialwissenschaftliche Begleitforschung. Wenn man dem Bürger überzeugend erklärt, warum Überwachungskameras in bestimmten Fällen ein Mehr an Sicherheit bringen, könnte dies die Akzeptanz steigern.
Einen umfassenden Sicherheitsbegriff verfolgen auch die Organisatoren der Langen Nacht der Forschung. Entsprechend bunt ist das Programm dieses neuen Formats von Wissenschaftsvermittlung, das am 1. Oktober erstmals erprobt wird. "heureka" ist mit deren Veranstalter, der Agentur "science communications", für dieses Heft eine Kooperation eingegangen.

Zu einem umfassenden Sicherheitsbegriff gehört vor allem die Unsicherheit und wie man mit ihr umgeht. Wer gerne Risiken eingeht, ist mit seinem Leben zufriedener - oder neudeutsch formuliert: No risk, no fun. Das behaupten zumindest die Autoren einer sozialwissenschaftlichen Studie, für die 20.000 Deutsche befragt wurden. Im Detail besehen warten die Ergebnisse mit einigen Klischees, aber auch mit einigen Überraschungen auf: Dass Frauen vorsichtiger sind als Männer, hat man sich ohnehin gedacht. Und wohl auch, dass Beschäftigte im öffentlichen Dienst nicht die größeren Spielertypen sind. Immerhin: Hätten Sie geglaubt, dass große Menschen risikofreudiger sind als kleine? Oder dass gebildete Eltern einen risikobereiteren Nachwuchs haben.
Falls Sie testen wollen, welcher Risikotyp Sie sind - wir haben gemeinsam mit dem Psychologen Oliver Vitouch einen kleinen Fragebogen entwickelt, mit dem Sie Ihr Gespür in Sachen Wahrscheinlichkeit testen können.
Als Vater der modernen Wahrscheinlichkeitsrechnung gilt der deutsche Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Ihm hat Daniel Kehlmann diesmal nicht nur seine aktuelle "heureka"-Kolumne, sondern gleich auch seinen gerade erschienenen Roman "Die Vermessung der Welt" gewidmet.
Wem das alles zu viel Sicherheit ist, der sei auf die nächste Ausgabe von "heureka" vertröstet: Da geht es um den Glauben.

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