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Das Wissenschaftsmagazin im Falter

Längst ist die Vermessung der Wissenschaft selbst zu einem eigenen, boomenden Forschungszweig geworden. „heureka“ stellt die wichtigsten Grundbegriffe der > Szientometrie vor, die vor allem in den Naturwissenschaften und der Medizin Anhaltspunkte für die Qualität der Forschung liefern. An vielen Universitäten haben Messgrößen wie der > Impact-Factor einer Zeitschrift mittlerweile entscheidende Auswirkungen auf die akademische Beurteilung: Wer in Zeitschriften mit höherem Impact-Factor publiziert, hat bessere Karrierechancen.

Von Klaus Taschwer

< Spitzen der Forschung
Bibliometrie
Teilgebiet der > Szientometrie, das sich mit der quantitativen Untersuchung von Publikationen, Autoren und Institutionen wie Bibliotheken mittels statistischer Verfahren beschäftigt.
Impact-Factor
Wichtigste bibliometrische Maßzahl, die den Einfluss einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift bestimmt. Der Impact-Factor gibt an, wie oft ein Artikel aus einer bestimmten Zeitschrift durchschnittlich in anderen Zeitschriften zitiert wird. Je höher der Impact-Factor, desto wirkungsvoller ist eine Fachzeitschrift. Ermittelt wird der Impact-Factor, indem man zunächst über zwei Jahre lang die Anzahl von Artikeln in einer bestimmten Zeitschrift zählt; die Anzahl der Zitierungen dieser Artikel wird durch diese Zahl der Artikel dividiert. Wenn also zum Beispiel eine Zeitschrift in den Jahren 2003 bis 2004 112 Artikel publiziert hat, die im Jahr 2004 896-mal zitiert wurden, ergibt sich ein Impact-Factor von 8,0. Neue Berechnungsmethoden mithilfe des von Google entwickelten und verwendeten Page-Rank-Algorithmus gewichten zusätzlich nach der „Qualität“ der Zitierungen und verbessern so die Aussagekraft des Impact-Factors. Nach dieser Berechnungsmethode haben die Zeitschriften „Nature“ und „Science“ den mit Abstand höchsten Impact-Factor (Tabelle: Top Ten Magazine).
Institute for Scientific Information (ISI)
Von Eugene Garfield 1961 gegründetes Institut in Philadelphia, das mit dem Science Citation Index (SCI) den ersten > Zitationsindex der Wissenschaft bereitstellte.
Lotkas Gesetz
1926 von Alfred James Lotka aufgestellte Formel, die beschreibt, wie die Produktivität von Wissenschaftlern, gemessen an der Zahl ihrer Publikationen, verteilt ist. Es besagt, dass die Anzahl der Personen, die n Artikel schreiben, proportional zu 1/n2 ist. Auf je hundert Autoren, die in einem bestimmten Zeitraum nur einen Aufsatz verfassen, kommen also 25 mit zwei, elf mit drei und so weiter. Mit der Folge, dass mehr als die Hälfte aller Publikationen von einer verhältnismäßig kleinen Gruppe, nämlich weniger als 15 Prozent aller Wissenschaftler, stammt. Oder einfach ausgedrückt: dass besonders wenige Wissenschaftler besonders produktiv sind.
Matilda-Effekt
Von der Wissenschaftsforscherin Margaret W. Rossiter beschriebenes und nach der Feministin Matilda J. Gage benanntes Phänomen, dem gemäß in der Wissenschaft all jene, die mit wenig Anerkennung beginnen, wenig davon dazugewinnen. Der Matilda-Effekt ist komplementär zum > Matthäus-Effekt.
Matthäus-Effekt
Vom Wissenschaftssoziologen Robert K. Merton 1968 entdeckter Zerrfaktor bei der Zuschreibung wissenschaftlicher Anerkennung. Forscher, die bereits Reputation besitzen, erhalten für ihre Arbeit mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit als unbekanntere Kollegen, die wissenschaftlich die gleiche Leistung erbringen. In der biblischen Originalversion lautet der Matthäus-Effekt: „Denn wer da hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden“ (Matthäus 25,29). Die vulgäre Fassung davon ist das Sprichwort: „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“ Im Zitierverhalten ist der Matthäus-Effekt allerdings nur sehr eingeschränkt nachzuweisen, da gewisse Publikationen aufgrund ihrer Bekanntheit irgendwann nicht mehr zitiert werden. Siehe auch > Matilda-Effekt.
Peer-Review
Sammelbezeichnung für unterschiedliche Begutachtungsverfahren, mit denen die Qualität wissenschaftlicher Forschung beurteilt wird. Peer-Review kommt in allen besseren wissenschaftlichen Zeitschriften zum Einsatz, um über die Publikationswürdigkeit der eingereichten Arbeiten zu entscheiden. In der Forschungsförderung wird durch Peer-Review darüber entschieden, welche Projekte gefördert werden sollen. Kennzeichnend für solche Verfahren ist, dass sie von anonymen Fachkollegen (= Peers) und in aller Regel unentgeltlich durchgeführt werden. Peer-Review soll die Forschung vor unsinnigen, falschen oder betrügerischen Beiträgen schützen – was nicht immer gelingt.
Szientometrie
Die „Vermessung der Wissenschaft“, die im Wesentlichen von Derek de Solla Price und Eugene Garfield begründet wurde, untersucht mit verschiedenen quantitativen Methoden das wissenschaftliche Forschen und Publizieren. Szientometrische Verfahren wie die > Bibliometrie spielen in der Forschungspolitik ganz allgemein und im Speziellen bei Evaluationen vor allem in den Naturwissenschaften und der Medizin eine wichtige Rolle.
Zitationsindex
Dokumentiert die Zitierungen von Publikationen und stellt fest, in welchen Artikeln auf welchen Artikel verwiesen wird. Der erste Zitationsindex war der Science Citation Index (SCI), verwaltet vom > Institute for Scientific Information. Mittlerweile nennt sich dieser Index „Web of Sience“ und wird von Thomson Scientific kostenpflichtig bereitgestellt. Alternativen dazu sind das System „Scopus“ des Wissenschaftsverlags Elsevier und seit kurzem und kostenlos Google Scholar.

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