Liebe Leserin, lieber Leser! Keine Woche vergeht ohne beunruhigende Meldungen über die globale Erwärmung und ihre Folgen: über steigende Emissionen von Treibhausgasen, über abtauende Gletscher und Eisschilde, über Artensterben, die Invasion fremder Tiere und Pflanzen oder die Zunahme von Extremwetterereignissen. Der Klimawandel ist längst in vollem Gange. Darauf, dass er vom Menschen verursacht ist, wurde übrigens erstmals in Wien hingewiesen, und zwar vor gut neunzig Jahren von dem aus Deutschland stammenden Geografen Eduard Brückner, der einige Jahre Rektor der Universität Wien war.
Brückners Spezialgebiet war die Erforschung der Alpengletscher. Diese scheinen im 21. Jahrhundert buchstäblich zu Auslaufmodellen zu werden. Das wiederum hat damit zu tun, dass der Alpenraum von der Erwärmung mehr als doppelt so stark betroffen ist wie die Erde insgesamt. In konkreten Zahlen: Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Temperatur bei uns um 1,8 Grad Celsius gestiegen, global nur um 0,8 Grad.
Einer aktuellen Umfrage zufolge sind mittlerweile etwa siebzig Prozent der US-Bevölkerung überzeugt, dass es einen vom Menschen verursachten Klimawandel gibt. Ebenso viele sehen darin einen wesentlichen Grund für die Rekordzahl und Schwere der Hurrikane 2005 oder die Hitzewelle an der Ostküste in diesem Sommer.
Die Klimatologen werden sich die Augen reiben. Seit Jahren versuchen sie die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass ein Klimawandel stattfindet und dass dieser anthropogenen Ursprungs ist. Damit waren sie nur bedingt durchgedrungen, nicht zuletzt weil die Medien in ihrem Streben, ausgewogen zu berichten, den Klimaskeptikern über Gebühr viel Raum geschenkt haben. So konnte eine kleine Zahl Außenseiter und Fossillobbyisten den Eindruck erwecken, dass über die Tat- und Ursache des Klimawandels in der Wissenschaft Dissens herrsche.
Nun haben die US-Bürger zwar ein Einsehen – aber aus dem falschen Grund. Extremwetterereignisse für sich genommen belegen nämlich gar nichts. Ohne Vergleiche und lange Zeitreihen lassen sich keine sicheren Schlüsse ziehen. Hegel hätte die List der Vernunft im Spiel gesehen. Wissenschaftssoziologen würden sagen, das alltägliche Erleben der Menschen gibt nach wie vor den Ausschlag, wie sie wissenschaftliche Theorien beurteilen.
Ein Urteil zum Klimawandel müssen nun auch Kölner Richter fällen. Nämlich um zu entscheiden, ob die Schwere dieses Problems einen Notstand darstellt, der eine Greenpeace-Aktion auf dem Grund und Boden des deutschen Energiekonzerns RWE rechtfertigte, des größten Kohlendioxidemittenten Europas. Die Beweisliste, die der Anwalt der Umweltschützer vorlegte, zeigte erstaunliche Übereinstimmungen mit den Wissenschaftlern und Publikationen, die Sie in diesem Heft zitiert finden.
In sechs Wochen erwartet Sie dann wieder ein etwas weniger ernstes Heftthema. Im nächsten heureka, das am 25. Oktober erscheint, wird nämlich Musik drinnen sein. Und ein neues Layout, an dem wir gerade heftig basteln. Genießen Sie den Spätsommer!
Die Redaktion



