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Aber vermutlich wäre es besser gewesen, Adorno hätte anderswo gewohnt und wäre Mann nicht über den Weg gelaufen. Manns großartiges Werk wurde, infiziert mit Adornos Vorstellungen über Jazz und Faschismus, zu einem heterogenen und gerade dort, wo es um Musik geht, wenig stringenten Ideenroman. Für Adorno, der seltsamerweise bis heute den Ruf eines großen Theoretikers der Ästhetik genießt, war Jazz sinnloser Lärm und der arme Igor Strawinsky ob seines barbarischen Komponierens vom Faschismus angekränkelt. Adornos Vorstellung von der strikten Notwendigkeit der Innovation (von deren Art und Form er einen sehr eingeschränkten, fast nur von Schönberg und später von Beckett geprägten Begriff hatte) führte ihn zur Voraussage, in wenigen Jahren würde Schönbergs Musik auf der Straße gepfiffen werden.
Vor allem seinetwegen sind die musiktheoretischen Passagen im Doktor Faustus so luftlos dogmatisch und auch in sich widersprüchlich. Gegen Ende, enthemmt durch die Hilfe des Teufels, komponiert Leverkühn Werke, die große Ähnlichkeiten mit Strawinskys Le Sacre du printemps haben. Aber Adorno hatte Unrecht. Jazz ist nicht barbarisch, und Strawinsky, den er der unverzeihlichen Regression zieh, hat mit dem Faschismus um keinen Deut mehr zu schaffen als sein Antipode Schönberg. Literatur soll sich von der Wissenschaft inspirieren lassen – aber es ist gefährlich, wenn sie dabei der falschen Theorie verfällt. Thomas Manns meisterhafter Roman bleibt dadurch dauerhaft beschädigt.
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nur mit schriftlicher Genehmigung der Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H. gestattet.
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