Ins Netz gegangen |
Das funktioniert freilich ebenso gut von zu Hause aus, wo es zudem bequemer ist. Entsprechend gehen Studierende der Netzgeneration selbstverständlich davon aus, auch ohne den Gang zur Institution an alle nötigen Informationen zu gelangen – im anderen Eingangsbereich der Universitäten: ihren Homepages. Und obwohl den Universitäten am Beginn des Internetzeitalters eine tragende Rolle beim Bau der digitalen Infrastruktur zukam, konnten und können ihre Webauftritte nicht immer mit den Anforderungen Schritt halten.
Viele Presseberichte waren in den letzten Jahren entsprechend hämisch. Über deutsche Uni-Webseiten berichtete das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel noch im Jahr 2001, sie wären lieblos zusammengelötet und würden an optische Nötigung grenzen. Die Süddeutsche Zeitung fand sich bei akademischen Angeboten in die digitale Wüste versetzt, in der Service lediglich in Spurenelementen verabreicht werde.
Wenig benutzerfreundlich. Im vergangenen Sommer haben Psychologen der Universität Mainz eine Studie (pdf) publiziert, der zufolge viele Universitäten ihre Internetpräsenz auf die leichte Schulter nehmen und ihre Webseiten oft wenig benutzerfreundlich gestalten. Das verwundere umso mehr, als Universitäten doch zunehmend anhand marktwirtschaftlicher Kriterien bewertet würden und auch der interuniversitäre Wettbewerb sich verschärfe. Auf ihrer Liste mit 21 Hochschulen wurde lediglich die Universität Jena als gänzlich mängelfrei bewertet. Vielen anderen gelinge es nicht unbedingt, die Benutzer zielgerichtet anzusprechen.
Bei der Webpräsenz österreichischer Universitäten sind die Probleme ähnlich gelagert – und wohl auch eine Folge der an den Hochschulen lange Zeit vorherrschenden Internetskepsis. Als vor zehn Jahren auch hierzulande die interne Diskussion begann, welche Daten auf welche Weise allgemein zugänglich gemacht werden sollten, dachte kaum jemand in der Verwaltung daran, welch zentrale Rolle diese Technologie für die Informationspolitik, die Öffentlichkeitsarbeit und sogar interne Abläufe wie Lehr- und Prüfungsverwaltung einmal spielen würde.
Heute freilich ist das World Wide Web als Tor zur Scientific Community und als Werkzeug im Alltagsbetrieb nicht mehr wegzudenken. Die Webressourcen sind für die Universitäten längst viel mehr als bloß virtuelle Visitenkarten für den Rest der Welt. Entsprechend der Komplexität der Organisation gibt es ganz unterschiedliche Zielgruppen, deren Ansprüche enorm gestiegen sind. Am Webserver der Universität Wien gebe es an einem normalen Betriebstag drei bis vier Millionen Anfragen, sagt Peter Marksteiner vom Zentralen Informatikdienst. Der aktuelle Umfang des Webangebots lasse sich schwer in Zahlen fassen, liege aber etwa bei 500.000 Seiten und einer erdenklich höheren Anzahl an Datenfiles.
Webauftritt im Test. Wie gut aber sind die Webauftritte der österreichischen Universitäten? Stimmen Erscheinungsbild und die sogenannte Usability, also die Benutzerfreundlichkeit? Hier werden die Meinungen immer auseinandergehen, da die Kriterien alles andere als klar definiert sind: Nicht umsonst hat der Web-Usability-Guru Jakob Nielsen 1549 (!) dokumentierte Usability-Guidelines gefunden.
Dabei wäre seiner Meinung nach, und nicht nur seiner, alles ganz einfach: Die Leute wollen ohne Wartezeit, ohne Hindernisse und ohne großen Lernprozess an Informationen kommen. Dazu muss das Navigationsdesign konsequent sein. Störende Designelemente, Flash-Intros, Pop-up-Fenster und lästige Scrolls wären damit tabu. Gefragt sind Klarheit, Übersichtlichkeit und zugängliche Servicefunktionen.
Ausgehend von diesen Kriterien hat heureka! eine Auswahl österreichischer Uni-Webauftritte von Studierenden in puncto Gesamteindruck, technischer Funktionalität und Serviceangebot testen lassen (siehe Kasten). Und da zeigte sich doch einiges an Verbesserungspotenzial. Die Tester fanden Inhalte, die entweder veraltet waren (dafür könnte man ja ein Archiv anlegen) oder in diverse Sackgassen führten. Nach der Homepage so manches Professors sucht man bis heute vergeblich, und den Webauftritten einiger Institute merkt man ihren Entstehungszeitpunkt, Mitte oder Ende der 1990er-Jahre, auch ästhetisch unangenehm deutlich an.
Technik versus Ästhetik. Dass eine Uni-Seite auch über das Technische hinaus gut funktioniert, darf heutzutage vorausgesetzt werden. Doch es geht um mehr, sonst wäre die TU Wien mit ihrer spartanischen Einstiegsseite wohl unser Testsieger geworden. Deren karger Auftritt wird aber mehrheitlich als unangenehm und langweilig empfunden. Das andere Extrem: die Kunstuni Linz. Die besitzt zwar eine ästhetisch ansprechende Seite, doch nerven die kryptische Navigation und – selbst bei Breitbandanschluss – die lange Ladezeit der Seiten.
Diese Spannung zwischen Funktionalität und Ästhetik erklärt aber nicht alle Defizite. Warum zum Beispiel die Homepage der Uni Wien wie eine Briefmarke an der linken oberen Ecke des Bildschirms klebt, kann sich niemand so recht erklären. Was sollen die weißen Flächen unten und rechts? Kommen da noch Werbebanner hin?, fragte sich eine Testerin. Nicht in der Wertung ist unser österreichischer akademischer Favorit: die Homepage der Universitätsbibliothek Wien. Sie zeigt mit ihrer exzellenten Struktur, dass es auch ganz anders geht: schnörkellos funktionale Ästhetik und auf das Wichtigste reduziert – die Infos, die man braucht.
PS: Auf Nachfrage wurde fast von allen Universitäten beteuert, man diskutiere oder arbeite bereits an einem Redesign des Webauftritts.
Frank Hartmann ist Dozent für Medien- und Kommunikationstheorie an der Universität Wien und Berater für neue Medien, Publizistik und Unternehmenskommunikation. Aktuelles Buch: Globale Medienkultur (2006; UTB); Homepage: www.medienphilosophie.net
Weitere Links zum Thema:
www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,432983,00.html
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nur mit schriftlicher Genehmigung der Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H. gestattet.
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