Startseitefaltershop - Buch Musik FilmAbo ServiceTop-Storiesheureka WissenschaftsmagazinTier der WocheNewsletterMediadatenImpressum
Event ProgrammKino ProgrammLokalführer WienFeste feiernBest of Viennacreation/productionReparaturführer WienBio-Guide

STUDENTEN ALS QUALITÄTSPRÜFER?

PRO Lehrevaluationen durch Studierende sind eine Notwendigkeit. Sonst droht die endgültige Uni-Versteinerung. WOLFGANG GATTRINGER

Unfaire Prüfer, unfähige Lehrende, selten an den Unis anzutreffende Professoren - seien wir ehrlich: Seit Jahren wissen wir alle Bescheid über die Zustände an den Universitäten, und seit Jahren wird betont, daß es auch engagiertes, didaktisch ausgezeichnetes Lehrpersonal gibt. Dessen bin ich mir bewußt, doch darum geht es hier nicht.
In der Diskussion um die Evaluierung der Lehre geht es darum, Qualität der Ausbildung an den Unis zu garantieren. Gleichzeitig sollen aber auch Schwachstellen aufgezeigt werden: Lehrende, die sich nur um ihre eigene Karriere und nicht um die Studierenden kümmern, oder Institute, die kaum für die Studierenden da sind. Die überlangen Studienzeiten der Studierenden sind hausgemacht: In vielen Fällen lassen die Bürokratie, überladene Studienpläne und reformunwillige Professoren gar nicht zu, daß die Mindeststudienzeit eingehalten wird.
Jüngstes Beispiel: Im Uni-Studiengesetz ist verankert, daß seit vergangenem Herbst pro Semester drei statt bisher zwei Diplomprüfungstermine je Fach angeboten werden müssen. Durch mehrere Termine ersparen sich die Studierenden unnötiges Warten auf den nächsten Antritt und können so schneller studieren. Doch etliche Professoren weigern sich hartnäckig, dieses Gesetz einzuhalten, und bieten weiterhin nur zwei Termine an, etwa am Juridicum in Wien.
Die sogenannte "Evaluierungsverordnung", die zum Ziel hat, daß Studierende alle zwei Jahre die didaktischen Fähigkeiten ihrer Professoren beurteilen, ist zwar eine gutgemeinte Idee, doch leider eine Farce: Die Ergebnisse dürfen nicht publiziert werden und haben keine Konsequenzen. Mehrmals negativ beurteilte Lehrende werden lediglich zu einem Gespräch mit dem Studiendekan gebeten.

Wir fordern seit langem eine Reform des Dienstrechts dahingehend, daß negative Beurteilungen Auswirkungen wie didaktische Schulungen bis hin zu Kürzungen der Bezahlung mit sich bringen. Die Pragmatisierung ohne Anreize führt zwangsläufig zu einer Versteinerung des Uni-Systems. Die derzeitige Fassung der "Evaluierungsverordnung" ist eine Verhöhnung der Studierenden, weil sie zeigt, wie wenig deren Meinung zählt.
Unverständlich ist, daß etliche Professoren aufschreien, wenn sie offenes Feedback über ihre Arbeit bekommen. Ob sie das schlechte Gewissen plagt? Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, dieser Hosen-voll-Mentalität den Rücken zu kehren. Es ist unglaublich, daß man den Studierenden nicht zutraut, Professoren objektiv zu beurteilen.
Jeder Studentin und jedem Studenten ist klar, daß am Arbeitsmarkt nur eine Chance hat, wer qualifiziert ist. Aus diesem Grund wird niemand so naiv sein und jene Professoren positiv beurteilen, die die leichtesten Fragen stellen. Jedem Kritiker der Evaluierung, der mit diesem Argument arbeitet, unterstelle ich nackte Panik und Angst vor der Wahrheit. Nur wer sich selbst überprüft und den Mut zur Veränderung hat, schafft eine Reform.

Wolfgang Gattringer ist Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft. Internet: http://www.oeh.ac.at/

2012 © Falter Verlagsgesellschaft mbH
E-Mail: CP-Redaktion, Marketing
Impressum Kontakt