Das Wissenschaftsministerium will die studentische Evaluation der Lehre, die es bislang nur in Form vereinzelter Modellversuche gab, flächendeckend an den österreichischen Universitäten einführen. Unklar ist, welchen Stellenwert diese Maßnahme im akademischen Leben einnehmen wird. Hochschullehrer tendieren dazu, sie als persönliches Feedback zu betrachten, aus dem sie dann nach eigenem Gutdünken Schlüsse ziehen können. Studenten dagegen wollen, daß es auch dann Konsequenzen gibt, wenn ein Hochschullehrer trotz schlechter Bewertung keinen Handlungsbedarf erkennt.
Dieser Logik kann man sich nur schwer verschließen. Aber sind die Ergebnisse studentischer Evaluation eine ausreichende Informationsbasis für solche Maßnahmen? Man muß sich vor den großen Vereinfachungen hüten, die sie entweder pauschal abwerten oder umgekehrt in ihr das einzig legitime Urteil über die Qualität der Lehre sehen.
Es ist evident, daß Studenten Expertenurteile über bestimmte Aspekte einer Lehrveranstaltung abgeben können (z.B. ob der Unterricht stimulierend war oder der inhaltliche Aufbau nachvollziehbar). Auch der Umstand, daß ihre Urteile bestimmten Verzerrungen unterliegen können, spricht nicht dagegen. Denn dasselbe gilt - wissenschaftlich belegt - für Lehrkräfte auf allen Ebenen unseres Bildungswesens. Sollte man deshalb auf Prüfungen verzichten?
Auf der anderen Seite kann man diese Effekte nicht ignorieren. Man benötigt zusätzliche Informationsquellen, die sich als Korrektiv eignen. Ein besonders störender Zerrfaktor bei der studentischen Evaluation ist die - empirisch nachgewiesene und keinesfalls überraschende - Tendenz, nachsichtige Prüfer zu "belohnen". Wie hoch soll man die Latte legen, welche Anforderungen soll man bei Prüfungen stellen? Würde man diese Entscheidung den Studenten überlassen, wäre die oft beschworene "Nivellierung nach unten" tatsächlich unausweichlich.
Daher legen gerade jene Hochschulsysteme, die studentische Evaluation ernst nehmen, auf ergänzende und das studentische Urteil relativierende Bewertungen der Lehre großen Wert. Damit eine amerikanische Universität im Ranking einen Spitzenplatz erreicht, ist die Zufriedenheit ihrer Studenten mit der Lehre nicht ausreichend. Zusätzlich muß sie in der akademischen Fachwelt einen guten Ruf genießen.
Die leitenden Organe jeder Universität stehen vor der anspruchsvollen Aufgabe, diese vielfältigen Informationen zu einem Gesamturteil zu verarbeiten. Dabei hilft keine Universalformel. Würden alle Evaluationsergebnisse für sich sprechen, dann könnte man sie in ein Computerprogramm eingeben, das die nötigen Maßnahmen hieb- und stichfest "ausspuckt".
Aber so einfach ist es nicht. Der Wert einer Evaluation besteht häufig darin, andere Bewertungen zu relativieren. Eine komplexe Organisation zu managen ist eben eine Kunst. Höchste Zeit, daß die Leitungsorgane österreichischer Universitäten die dafür nötigen Fertigkeiten erwerben.
Dr. Hans Pechar ist Assistent am Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) in Wien.
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