Evaluationsvergleich
Sind Universitäten überhaupt autonomiefähig? Dient Evaluation eher der Rechtfertigung oder der Qualitätsverbesserung der Hochschulen? Wie ist eine zielorientierte Evaluation vorzunehmen? Genauer: Welche Art der Evaluation beleuchtet welche Aspekte besser? Wo liegen die Stärken und Schwächen verschiedener Verfahren? Mit praxisorientierten Analysen zeigen die Autorinnen und Autoren des anzuzeigenden Sammelbandes die Vielschichtigkeit des leider fast schon zum inhaltlosen Modewort verkommenen Begriffs. Erfahrungen aus niederländischen, englischen und schwedischen Universitäten erweitern den vergleichenden Ansatz. Evaluation ist jedenfalls nicht gleich Evaluation.
Herbert Altrichter, Michael Schratz, Hans Pechar (Hg.): Hochschulen auf dem Prüfstand. Was bringt Evaluation von Universitäten und Fachhochschulen?
Innsbruck/Wien 1997 (Studien-Verlag), 308 S., öS 348,-
Uni-Management
Fast tausend Jahre alt, und nun das: Die notwendige Anpassung der Universität an einen sich immer schneller vollziehenden Wandel erfordert für Albert F. Obernhofer, Josef W. Wohinz und Josef Kropiunig deren Transformation zum Managementobjekt. Den drei Autoren, die sowohl als Hochschullehrer als auch in der "Praxis" tätig waren, geht es nicht um ausformulierte Detaillösungen, sondern um eine grundsätzliche Orientierung. In ihrer streng schematischen Problemanalyse unterscheiden sie drei Ebenen: die strategische (Zielbestimmung), die operative (universitäre Prozesse und organisatorische Strukturen) und die normative (Gesetzgebung). Abschließend machen sie deutlich, daß es vor allem auf die "UNI-Manager" ankommt, d.h. auf ein neues Selbstverständnis der Verantwortlichen an der Hochschule, gleich ob Rektor, Bibliotheksdirektor oder Institutsvorstand.
Albert F. Obernhofer, Josef W. Wohinz, Josef Kropiunig: Innovatives UNI-Management. Eine Orientierung.
Wien 1997 (Verlag Österreich). 200 S., öS 498,-
Forschungsevaluation
Wenn von Evaluation die Rede ist, denkt man gemeinhin eher an die Lehre und weniger an die Forschung. Aber auch letztere sollte ein Gegenstand der Qualitätsüberprüfung sein. Im Rahmen einer vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie zur Forschungsfinanzierung im internationalen Vergleich haben David Campbell und Bernhard Felderer vom Institut für Höhere Studien (IHS) die Lage der universitären Forschung in Deutschland bzw. deren Evaluation untersucht. Welche Methoden führen zu einer ausgewogenen Bewertung? Die Autoren vergleichen in ihrem Working Paper traditionelle Qualitätsmesser wie den "Publikations-Output" mit anderen Indikatoren. Weiterhin fragen sie, welche - strukturell oder kulturell bedingten - Widerstände gegen eine Evaluation anzutreffen sind, und begründen, warum eine Bewertung universitärer Forschung in Zukunft immer wichtiger werden wird.
David Campbell und Bernhard Felderer: Evaluating Academic Research in Germany.
Das Working Paper kann über die IHS-Bibliothek zum Preis von 80 Schilling bezogen werden (Tel. 599 91-237).
Standortbestimmung
Der bereits ritualisierten Debatte um eine überfällige Uni-Reform - effizienter, innovativer, moderner muß sie werden - geht mitunter das Fundament ab. Hier leistet die von Anthony Smith und Frank Webster herausgegebene Aufsatzsammlung konzeptionelle Grundlagenarbeit. Zehn Wissenschaftler, darunter auch der Soziologe Zygmunt Bauman, diskutieren erfrischend kontrovers die Frage der Postmodern University: Lösen sich auch an der Alma mater Wissenshierarchien und Geltungsansprüche im Säurebad eines allumfassenden Pluralismus und Relativismus auf? Wie ist der grundlegende Wandel der Universität zu verstehen, und welche neuen Aufgaben wachsen ihr zu?
Anthony Smith, Frank Webster (Hg.): The Postmodern University. Contested Visions of Higher Education in Society.
Buckingham 1997 (Society for Research into Higher Education&Open University Press). 132. S., öS 442,-
Bildung in Österreich
Wie es ihrem Titel entspricht, wartet die Studie "Das österreichische Bildungswesen in Zahlen" vor allem mit Datenreihen und Tabellen auf. Damit wird allerdings nicht viel Neues belegt: Denn daß es im Laufe der vergangenen 50 Jahre zu einer Verbesserung der Bildungsstruktur der österreichischen Bevölkerung kam und die wesentlichste Veränderung dabei die Angleichung der Qualifikationen von Männern und Frauen war, konnte man wissen. Analysen der anderen Indikatoren - wie der Schichtzugehörigkeit - gibt es leider kaum. Es wäre aber sehr wohl von Interesse gewesen, ob etwa die sozialdemokratischen Universitätsreformen der siebziger Jahre irgendeinen "umverteilenden" Effekt hatten oder nicht.
Frank Landler: Das österreichische Bildungswesen in Zahlen. Analyse und Computersimulation des Schulsystems und der Qualifikationsstruktur der
Bevölkerung.
Wien 1997 (WUV). 148 S., öS 248,-
Forschung zum Hören
Daß die Wissenschaften im Radio ein durchaus geeignetes Verbreitungsmedium finden können, wird in einem der weltweit besten Radioprogramme - nämlich Ö1 - zum Teil mehrmals täglich bewiesen. Aus den reichen Archiven des Senders hat Manfred Jochum, Wissenschaftssprecher des ORF, nun eine 4-CD-Edition mit Tondokumenten zur österreichischen Wissenschaftsgeschichte zusammengestellt. Geht die Auswahl der Forscher (davon drei Frauen: Anna Freud, Berta Karlik und Lise Meitner) durchaus in Ordnung, so hätte man in das gestalterische Konzept etwas mehr investieren können: Eine bloße Aneinanderreihung der wissenschaftlichen Wortspender nach dem Alphabet ist das unverbindlichste aller Ordnungsprinzipien und kann keine zusätzlichen Zusammenhänge herstellen.
Wege des Denkens. Tondokumente zur österreichischen Wissenschaftsgeschichte.
4 CDs. öS 498,-. Bestellungen unter Tel. 0 66 77 61
nur mit schriftlicher Genehmigung der Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H. gestattet.


