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IM DOPPELPACK heureka! 3/98
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BÜCHERWISSEN Neuerscheinungen über wissenschaftliche Außenseiter, Populärwissenschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit sowie den Wissenschaftsjournalismus. OLIVER HOCHADEL und KLAUS TASCHWER

         

Von Kolumbus, dem unbelehrbaren Dilettanten, über den Erfinder des Radios Marconi bis zu den Leugnern des Urknalls reicht die Galerie widerständiger und oft erfolgreicher Außenseiter, die Federico Di Trocchio in "Newtons Koffer" gepackt hat. Der italienische Wissenschaftshistoriker rückt dabei die etablierte Wissenschaft wegen ihrer Intoleranz in die Nähe der Inquisition. Dabei sei Offenheit gegenüber unorthodoxem Denken die beste Versicherung gegen den Verlust an kreativem Potential.
Ein Außenseiter ist auch der kanadische Anthropologe Jeremy Narby, der versucht, den Schamanismus der Amazonasindianer, die nach ihm im Drogenrausch mit der DNS "kommunizieren", mit der zeitgenössischen Laborwissenschaft zusammenzudenken. Er diskutiert in "Die DNS vor dem Souverän" mit dem Molekularbiologen Jacques Dubochet (Lausanne) die Grenzen und weißen Flecken naturwissenschaftlicher Erkenntnis sowie über Sinn und Unsinn der Forschungsverbote heischenden Schweizer Genschutzinitiative.
Federico Di Trocchio: Newtons Koffer. Geniale Außenseiter, die die Wissenschaft blamierten.
Aus dem Italienischen von A. Simon. Frankfurt/M. 1998 (Campus). 285 S., öS 350,-
Jacques Dubochet, Jeremy Narby und Bertrand Kiefer: Die DNS vor dem Souverän. Wissenschaft, Demokratie und Genetik.
Zürich 1998 (vdf Hochschulverlag). 112 S., öS 120,-
 

         

Er war derjenige, der für "A Brief History of Time" das Vorwort schrieb: der US-amerikanische Astronomieprofessor Carl Sagan, der lange vor Hawking mit seinen populärwissenschaftlichen Aktivitäten ein Millionenpublikum erreichte. Von seiner ansteckenden Wissenschaftsbegeisterung zeugt auch das Vermächtnis des 1996 verstorbenen Sagan: "Der Drache in meiner Garage" ist ein aufklärerisches, manchmal allzu blauäugiges Plädoyer wider den zeitgenössischen Obskurantismus.
Als Popularisator bislang nicht ganz so erfolgreich wie Sagan ist sein US-amerikanischer Physikerkollege Michio Kaku. In seinen "Zukunftsvisionen" entwirft er - anders als der bilanzierende Sagan - mehr oder weniger überzeugende Szenarien der Forschung im 21. Jahrhundert. In ihrem unverbrüchlichen Glauben in die Wissenschaft allerdings sind die beiden Forscher-Vermittler Brüder im Geiste.
Carl Sagan: Der Drache in meiner Garage oder Die Kunst der Wissenschaft, Unsinn zu entlarven.
Aus dem Englischen von Michael Schmidt. München 1997 (Droemer Knaur). 528 S., öS 364,-
Michio Kaku: Zukunftsvisionen. Wie Wissenschaft und Technik des 21. Jahrhunderts unser Leben revolutionieren.
Aus dem Englischen von Susanne Kuhlmann-Krieg und Sebastian Vogel. München 1998 (Lichtenberg). 463 S., öS 364,-

         

Die beiden neuesten Hefte ihrer Zeitschrift Relation hat die Österreichische Akademie der Wissenschaften dem Thema Wissenschaft und Öffentlichkeit gewidmet. Die erste Nummer enthält unter anderem die Vorträge des 20. Salzburger Humanismusgesprächs 1996, die zum Teil allzu humanistisch ausgefallen sind und an der Gegenwart vorbeiphilosophieren, zum anderen aber auch mit interessanten Einsichten aufwarten, wie etwa der Soziologe Norbert Bolz mit seiner These zur Selbstbezüglichkeit massenmedialer Kommunikation. Keine Reden, sondern fünf materialgesättigte Forschungsbeiträge finden sich im zweiten Heft: historische Ausgriffe zur Wissenschaftspopularisierung in österreichischen Zeitschriften um 1900, eine quantitative Medienanalyse zur Wissenschaftsberichterstattung hierzulande, die Realitätskonstruktion durch Massenmedien am Beispiel des "Ozonlochs" und die Frage, wie eigentlich Forscher auf die stärker werdende Wissenschafts- und Technikkritik reagieren.
  Wissenschaft und Öffentlichkeit.
Relation, 4. Jg., Wien 1997 und 1998 (Verlag der ÖAW). 2 Teile. 191 und 199 S., je öS 357,-

         

In Österreich gibt es zwar ein entsprechendes Kuratorium; eine fundierte Ausbildung für angehende Wissenschaftsjournalisten existiert aber bis heute nicht. Das von Winfried Göpfert und Stephan Ruß-Mohl edierte Handbuch "Wissenschaftsjournalismus" kann da natürlich auch keinen Ersatz bieten. Die 24 Beiträge, die von den beiden Berliner Professoren für Journalistik kompiliert wurden, lösen den selbstgestellten Anspruch "für Ausbildung und Praxis" aber durchaus ein.
Sehr viel theoretischer sind Matthias Kohrings Ausführungen zum selben Thema angelegt: Mit dem Rüstzeug von Niklas Luhmanns Systemtheorie ausgestattet, erkennt Kohring die Funktion des Wissenschaftsjournalismus nicht in einer wissenschaftszentrierten Aufklärung der Gesellschaft, sondern in einer kritischen Reflexion der Wissenschaft aus einer autonomen Beobachterposition.
Winfried Göpfert und Stephan Ruß-Mohl: Wissenschaftsjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis.
3. Aufl., völlig neu überarbeitet. München 1996 (List). 285 S., öS 287,-
Matthias Kohring: Die Funktion des Wissenschaftsjournalismus. Ein systemtheoretischer Entwurf.
Opladen 1997 (Westdeutscher Verlag). 333 S., öS 431,-


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