| DAS WISSENSUNTERNEHMEN | heureka! 4/98
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FORSCHUNGSZENTRUM Knappe Mittel, EU, internationale Konkurrenz. Der Druck auf allen Ebenen zwingt das Österreichische Forschungszentrum Seibersdorf (ÖFZS) zur Reform an Haupt und Gliedern. Teil drei einer Serie über außeruniversitäre Forschungsinstitute in Österreich. OLIVER HOCHADEL ÖFZS in Wort und Zahl Seibersdorf. Genau. Das klingt wie Cybersdorf. Welch programmatischer Name für das größte außeruniversitäre Forschungszentrum im Lande! Und die Marketing-Vokabeln des ÖFZS wollen denn auch keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, wohin die Reise geht: Innovation, Wettbewerb, Zukunft. Auf den 110 Hektar Betriebsgelände 40 Kilometer südöstlich von Wien steht aber nicht nur ein postmodernes Coop-Himmelb(l)au-Schmuckstück, sondern auch Backsteinbauten aus den späten fünfziger Jahren. Das ÖFZS ist - Forschungsfelder, Personal- und Kostenstrukturen inklusive - ein historisch gewachsener Komplex. Finanzielle Turbulenzen Zu den gesellschaftspolitischen Veränderungen, der Ablehnung der Kernkraft, kamen auch hausgemachte Probleme. 1996 tat sich ein Finanzloch von - je nach Interpretation - etwa einer halben Milliarde Schilling auf. Man hatte es verabsäumt, Pensionsrückstellungen für die Mitarbeiter zu tätigen. Der Geschäftsführer für Wirtschaft und Marketing mußte den Hut nehmen, der Geschäftsführer für Wissenschaft und Technik ging in Pension. Der - noch vor der Entdeckung der Leichen im Keller bestellte - neue alleinige Geschäftsführer Franz Leberl wurde unversehens zum "Sanierungsmanager". Die offizielle Sprachregelung besagt heute, daß man mit den Mitarbeitern eine "einvernehmliche Lösung" gefunden habe, sprich: diese zu erheblichen finanziellen Opfern bereit waren. Ein Zuschuß von (bis 1999) insgesamt 160 Millionen Schilling durch das Wissenschaftsministerium (BMWV) bewahrte das ÖFZS vor der finanziellen Havarie. Hinzu kam ein drastischer Personalabbau. Die Stimmung war äußerst gedrückt im letzten Jahr, denn fast niemand konnte seiner Stelle sicher sein. 80 Mitarbeitern wurde 1997 gekündigt, um die stetig wachsende Diskrepanz zwischen Betriebskosten und Erträgen sowie Zuschüssen langfristig zu senken. Plan und Markt Das ÖFZS ist nämlich ein Mischwesen, ein Hybrid. Es ist eine Ges.m.b.H. und zu knapp über 50 Prozent in Staatsbesitz. Es ist ein markt- und gewinnorientiertes Unternehmen und gleichzeitig ein technologiepolitisches Instrument der öffentlichen Hand. Es muß sich in der Auftragsforschung den Wünschen der Kunden anpassen und in der unabhängigen Forschung forschungspolitische Akzente setzen. Wissensanalyse "... denn Wissen schafft Zukunft", wirbt das ÖFZS. Aber wer weiß schon, wieviel er weiß? Um dies herauszufinden und das "Wissensunternehmen" (Koch) besser positionieren zu können, wurde nun eine Wissensanalyse begonnen, die bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein soll. Was etwa bei Banken und Versicherungen weltweit längst üblich ist, eine Art geistige Inventur, soll nun auch im Bereich der Forschung geschehen. Leichter gesagt als getan. Patente, Lizenzvereinbarungen und Entwicklungsaufträge einerseits, Qualifikation, Erfahrung, Zusammenarbeit sowie Publikationen der Mitarbeiter andererseits - diesen bunten Strauß an Parametern gilt es zu erfassen und sinnvoll zu quantifizieren. Denn Patent ist nicht gleich Patent und Publikation nicht gleich Publikation. Partner der Industrie Bei allem Streben nach europäischem Engagement bleibt die zentrale technologiepolitische Aufgabe des ÖFZS die Zusammenarbeit mit der österreichischen Industrie. Während die Kommunikation mit den Großunternehmen - "Man spricht dieselbe Sprache" - ganz gut funktioniere, wünscht sich Rozsenich ein stärkeres Eingehen auf die kleineren und mittleren Unternehmen (KMU). Nur wenden sich die KMUs oft zu spät an das ÖFZS, dann nämlich, wenn eine Produktlinie ausläuft und schnellstens etwas Neues her muß, so Koch, der noch ein weiteres Problem sieht. KMUs sind per definitionem Betriebe mit weniger als 200 Mitarbeitern, oft sind es sogar unter 20. Entsprechend wenig Personal steht für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Eine mögliche Lösung wäre ein Personalaustausch, sprich: Mitarbeiter der KMUs beteiligen sich auf Zeit an der Forschung in Seibersdorf. Im doppelten Sinne der Kundennähe wird auch die Dezentralisierung des ÖFZS betrieben, das bereits über sechs Außenstellen in ganz Österreich verfügt; vier weitere sind geplant. Lauter kleine Cybersdörfer. Österreichisches Forschungszentrum Seibersdorf Ges.m.b.H., ÖFZS in Wort und Zahl Personal: Zur Zeit beschäftigt das ÖFZS neben etwa 500 festangestellten auch zirka 150 freie Mitarbeiter. |
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