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EDITORIAL heureka! 1/99
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Liebe Leserin, lieber Leser!

Publish or perish! Auf gut deutsch: Publiziere oder verrecke! Diese griffige Formel bringt den "Druck zum Gedruckten", der auf Wissenschaftlern heutzutage lastet, in aller Drastik zum Ausdruck. Das berufliche Fortkommen, die fachliche Reputation, die finanzielle Ausstattung des Instituts - alles hängt immer mehr vom "Output" ab. Doch damit nicht genug! Bei geschätzten 20.000 wissenschaftlichen Veröffentlichungen täglich reicht Schreiben allein nicht mehr. Die Wissensflut steigert das Bedürfnis nach Orientierung und Hierarchien. So zeichnen sich vor allem naturwissenschaftliche und medizinische Zeitschriften durch eine strenge Hackordnung aus. Nur wer in sogenannten High-Impact-Journals publiziert, hat Aussicht, von der Fachöffentlichkeit wahrgenommen zu werden.
Wer aber legt dieses interne Ranking fest? Die Stunde der Szientometriker, der Publikationsvermesser und Zitationszähler, hat geschlagen. Nie war der Einfluß der Datenbanken und Informationsbroker größer als heute, sagt Gerhard Fröhlich. Alles wird zu einer Frage der Sicht- und Verfügbarkeit, wie ein Blick auf die schwierige Situation der wissenschaftlichen Zeitschriften in den Entwicklungsländern unterstreicht.
(Vermeintliche?) Qualitätskontrolle wird freilich schon vor der Publikation eines Zeitschriftenartikels betrieben. Stefan Hirschauer lotet Probleme und Potential des Gutachterverfahrens aus. Für "impactlose", das Studium aber so wichtige Lehrbücher interessieren sich die meisten Wissenschaftler hingegen herzlich wenig, wie Stefan Löffler recherchiert hat.
Wie das ganze Buchwesen auf uns gekommen ist, hat der deutsche Kulturwissenschaftler Michael Giesecke in aller Ausführlichkeit untersucht - im heureka!-Interview wünscht sich der erklärte Fan der neuen Medien aber trotzdem eine Rückkehr zum Gespräch. Das wissenschaftliche Publikationswesen selbst erlebt derweil einen Umbruch von Gutenbergschem Ausmaß. Tausende von Zeitschriften sind bereits ins Netz gegangen, manche gibt es nur mehr als E-Journal. Ob so die Bibliothek der Zukunft aussehen wird, hat Robert Triendl untersucht. Dabei ist er auch den Fusionen im Verlagswesen nachgegangen, die die Zeitschriftenpreise in den letzten Jahren geradezu explodieren ließen.

heureka! wird dank der Unterstützung des Wissenschaftsministeriums in diesem Jahr sechsmal gratis erscheinen. Um so höher sind unsere Ansprüche, Ihnen eine anregende Plattform für wissenschaftsrelevante Debatten in Österreich zu bieten. Teilen Sie uns per Fragebogen Ihre Meinung zu heureka! mit! Besten Dank für Ihre Mitarbeit!

Oliver Hochadel und Klaus Taschwer

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