MEIN ARBEITSPLATZ © heureka! 3/99
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PSYCHOAKUSTIKER

Erkennen Sie die Melodie? Oder gar einen der beiden Sänger? Luciano Pavarotti und Ferruccio Tagliavini singen jeweils die Schlußarie des Herzogs aus Verdis Rigoletto ("Parmi veder le lagrime"). Das Spektogramm - eine sehr genaue Frequenzanalyse, die sich aus sehr vielen einzelnen Rechengängen ergibt - zeigt etwa, daß Pavarotti mit sehr starkem Vibrato und mit voller, kräftiger Stimme singt. Darauf aufbauend lassen sich die jeweiligen Interpretationen der beiden Tenöre vergleichen: Pavarotti gibt einen aufbrausenden Herzog, stark verärgert über den Raub der Geliebten, Tagliavini singt die Partie lyrischer und deutet damit auch echte Liebe für Gilda an. Was ein geübtes Ohr vielleicht zu erlauschen vermag, kann so - für alle - sichtbar gemacht werden.
Diese Analyse von Musik mit den Mitteln der Wissenschaft verdankt sich einer Zusammenarbeit von Werner Deutsch, Leiter der Forschungsstelle für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wisssenschaften, und Franz Födermayr, Ordinarius für Musikwisssenschaften an der Universität Wien. Belcanto oder auch Orchestermusik gehören zu den komplexesten akustischen Signalen überhaupt und stellen daher nicht nur wegen ihres Wohlklangs ein ausgezeichnetes Studienobjekt der Psychoakustik dar, einer Disziplin, die die Zusammenhänge zwischen der Physik der Schallsignale und der menschlichen Wahrnehmung untersucht. Wobei Deutsch nichts gegen Eisenbahnlärm gesagt haben möchte. Diesen zu analysieren, zu verringern oder erträglicher zu machen sei psychoakustisch wie akustisch ebenso interessant. O. H.



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