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Liebe Leserin, lieber Leser!
Forscher sind wir! Das scheint das Selbstverständnis einiger jener österreichischen Künstler zu sein, die sich auf der kürzlich eröffneten Biennale in Venedig präsentieren. Dabei ist doch die Trennung von Wissenschaft und Kunst unserer Kultur seit Jahrhunderten fest eingeschrieben. Die Grenze verläuft entlang von Institutionen, Weltbildern und Gehirnhälften. Aber zugegeben: Nichts ist mehr in Bewegung als ebendiese Grenze. Und gerade in den letzten Jahren ist durch das Aufkommen der neuen Medien vermehrt vom aufeinanderzugehen die Rede.
Aber wer auf wen? Und wer hat das Sagen? Der österreichische Biennale-Kommissär Peter Weibel wird von Venedig zurück ins deutsche Karlsruhe fahren. Als neuer Leiter des Zentrums für Kunst- und Medientechnologie will er in erster Linie mit Wissenschaftlern arbeiten!
In Österreich wurden die Kunsthochschulen unlängst in Universitäten der Künste umbenannt, die Studierenden sollen in einem stärker theorieorientierten Umfeld arbeiten. Das erzeugt Diskussionsbedarf und Fragen. Antworten angesichts dieser neuen Unübersichtlichkeit und der Angleichung der "Betriebssysteme" versucht Gerhard Fröhlich zu geben.
Die Frage, wer das Sagen hat, kümmert die Technowissenschaften bzw. die Science-fiction-Literatur bei ihrem phantasietrunkenen Begriffs- und Ideenaustausch herzlich wenig, wie Fritz Betz weiß. Und daß die (traditionelle) Wissenschaft ergänzungsbedürftig ist, zeigt für Judith Huber der provokante US-amerikanische Geschichtstheoretiker Hayden White. Um die vielfältig gebrochene Wirklichkeit einzufangen, sollte sich seiner Meinung nach die Geschichtsschreibung ein Beispiel an der Literatur oder am Film nehmen. Der Film seinerseits ist ein beliebtes Medium, wie Drehli Robnik analysiert, um verschiedenste Bilder von Wissenschaft abzuspulen. Um das Bild der Natur bemühen sich von Berufs wegen die wissenschaftlichen Illustratoren, denen Peter Iwaniewicz auf die Zeichenfinger geschaut hat.
Grundvoraussetzung für einen ergiebigen Dialog ist die Offenheit für das Denken und die (Welt-)Bilder des jeweils anderen. Der kunstinteressierte Quantenphysiker Anton Zeilinger und der Schriftsteller Raoul Schrott, der sich von den Naturwissenschaften inspirieren läßt, sind dafür herausragende Beispiele.
Oliver Hochadel und Klaus Taschwer
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