Felix Austria!? In den hiesigen Forschungsstätten scheint es nur ehrenwerte Frauen und Männer zu geben. Der große Nachbar Deutschland hingegen schlittert von einem Wissenschaftsskandal in den nächsten, in den USA gehört die Aufdeckung von Betrug im Labor fast schon zur Normalität. Österreich glänzt als weißer Fleck auf der Fälschungslandkarte. Ist Betrug in der Wissenschaft hierzulande also kein Thema?
Fragen sie eine Biologin in Wien oder einen Krebsforscher in Innsbruck: Sie werden das Gegenteil behaupten. Dass nichts ruchbar geworden ist, bedeutet nicht unbedingt, dass auch nichts vorgefallen ist. Niemand ist eine Insel - und schon gar nicht in der Wissenschaft. Die Rahmenbedingungen, sprich: der Druck, Ergebnisse zu produzieren, und die Konkurrenz um Forschungsmittel, sind international. Und damit auch für manche die Versuchung, zu stehlen, zu fälschen oder zu plagiieren.
Um dem vorzubauen, werden an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien unter der Leitung von Bernd Binder und Christian Herold zur Zeit Regeln für "Good Scientific Practice" ausformuliert. "Inspirationen" hierzu kommen etwa aus Deutschland, wo der Betrugsskandal um die Krebsforscher Herrmann und Brach ein forschungspolitisches Erdbeben ausgelöst hat, wie Wolfgang Löhr berichtet. Dass allerdings mit einem Generalverdacht gegenüber der Wissenschaft niemandem gedient ist, zeigt der US-amerikanische Wissenschaftshistoriker Daniel Kevles anhand des "Baltimore Case". Wenn profilgierige Politiker ein "Watergate der Wissenschaft" wittern, wird die "Aufdeckung" schnell zur Abrechnung.
Wer aber soll zuständig sein? Kann sich die Wissenschaft selbst überwachen oder benötigt sie eine externe Kontrolle? Robert Triendl zeigt in einem internationalen Überblick, dass die Scientific Communities in den jeweiligen Ländern recht unterschiedliche Strategien verfolgen. Betrug und Fälschung bringen aber nicht nur Kommissionen und Richtlinien hervor, sondern auch grundsätzliche Fragen nach der Konstruktion von Wissen. Denn auch die Wahrheit ist nicht mehr das, was sie einmal war, konstatiert der US-amerikanische Wissenschaftshistoriker Steven Shapin. Gerhard Fröhlich schließlich zeigt, was danach passiert, nach der Aufdeckung wissenschaftlichen Fehlverhaltens: meist nichts.
Oliver Hochadel und Klaus Taschwer
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