Science for sale? Lange Zeit waren in akademischen Gefilden Kontakte zur Wirtschaft verpönt. Die Wissenschaft dürfe sich nicht von der Industrie kaufen lassen, hieß es, und Erkenntnissuche müsse frei von Verwertungszwängen bleiben. Von dieser Prinzipienfestigkeit ist heute, blickt man auf die internationale Entwicklung – sei es nun in den USA, in Großbritannien, Israel, oder Japan -, wenig geblieben.
Man mag dies nun goutieren oder nicht: Forschung ist, auch im Grundlagenbereich und zumal in den Naturwissenschaften, ohne Kooperationen mit der Privatwirtschaft in vielen Bereichen nicht mehr denkbar. Und Georg Krücken macht am Beispiel der Universität
Stanford im kalifornischen Silicon Valley deutlich, in welch hohem Maße auch die Wissenschaft von einem ökonomisch prosperierenden Umfeld zu profitieren vermag – Geisteswissenschaften eingeschlossen. Das „Valley“ ist auch für den aus Wien gebürtigen Risikokapitalisten und vielfachen Firmengründer Hermann Hauser Vorbild, wenn er im englischen Cambridge Wissen zu Geld macht. Vielleicht sollte man die Unterscheidung in zwei separate Blöcke, Wissenschaft hie, Wirtschaft da, ohnehin aufgeben, wie Robert Triendl in seinem Essay vorschlägt.
Denn auch in Österreich verschwimmen diese Grenzen zusehend. Im Vienna Bio Center formieren sich um das Institut für Molekulare Pathologie als Keimzelle universitäre und privatwirtschaftlich finanzierte Forschungseinrichtungen zu einem Biotech-Cluster. Und auch an den Hochschulen ist ein Umdenken angesagt. Für den neuen Rektor der Universität Wien Georg Winckler schließen sich Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und Bewahrung der Eigenständigkeit nicht aus.
Österreich ist wegen seiner niedrigen Forschungsquote und mangelnden Innovationskraft oft (und zu Recht) gescholten worden. Diese Kritik sollte aber nicht zum fixen Bild werden. Das Umdenken findet den Weg aus dem Kopf in die Praxis. Die ersten Initiativen zur Verbesserung des Technologietransfers beginnen gerade zu greifen: Fünf Kompetenzzentren als Schnittstellen und Verstärker von Wissenschafts-Wirtschafts-Kooperationen nahmen bereits heuer ihre Arbeit auf; im Jänner 2000 folgen die nächsten. Auf die Auswirkungen wird man wohl etwas länger warten müssen.
Oliver Hochadel und Klaus Taschwer
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